Technik im Museum

Freitag, 5. April 2013

Gedanken zu interaktiven Ausstellungsmedien

Wer Ausstellungen plant oder sie gestaltet, der kann sich heute meist kaum vorstellen, dass er einen Auftrag bekommen könnte, ohne interaktive Elemente in den Vordergrund zu rücken. Meist sind damit PC-Stationen, Touch-Screens oder -Tables gemeint, selten Interaktionen mit realen Objekten. Interaktionen sind gerade en vogue.

Das bloße Anschauen, Bewundern und In-sich-Gehen ist aus der Mode gekommen. Jahrzehntelang quälte man die Besucher mit Texttafeln, die das vermitteln sollten, was die Kuratoren für vermittelnswert hielten. Mit vielen unverständlichen Worten und Gedanken, die weit jenseits dessen lagen, was Besucher wissen wollten oder verstehen konnten. Trotz aller Bemühungen, Ausstellungstexte semantisch zu optimieren und sie damit verständlicher zu machen, sind Ausstellungstexte nicht mehr sehr beliebt. Weder bei den Ausstellungsmachern, noch bei den Besuchern. Lesen ist anstrengend und ermüdend. Ganz besonders im schummrigen Licht einer Ausstellung. Oder etwa nicht?

Abhilfe versprechen Audioguides. Kuratoren lieben sie, weil sie da sehr viel mehr Text hineinstopfen können, als in eine Texttafel. Sie müssen sehr viel weniger darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist und haben sehr viel mehr Freiraum als in den engen Grenzen einer Texttafel.

Doch das ist nicht genug. Nun gibt es ja auch noch die sogenannten interaktiven Medien. Dahinein kann man nun weitere Inhalte stopfen. Datenbanken, spielerische Elemente oder das, was weder auf den Texttafeln noch in den Audioguides Platz fand.

Aus meiner Besuchersicht kommt dabei meist heraus, dass ich nach wenigen Minuten unter einer Informationsüberflutung leide. Den Audioguide nicht mehr nutze, nur noch die ersten fünf Zeilen einer Texttafel lese, die Interaktionsangebote links liegen lasse und mich nur noch auf die ausgestellten Objekte und die Raumatmosphäre(n) konzentriere.

Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass ich Ausstellungen eher besuche, um gute Umsetzungsideen zu finden, als etwas zu lernen, das kaum einen Bezug zu meiner Lebenspraxis hat. Klar sind die Mumifizierungspraktiken im alten Ägypten interessant. Ich bin - zum Ärger meiner Familie - sogar ein Fan von Faustkeilen und allen Geräten, die daraus abgeleitet wurden. Die Pinselstriche van Gogh's, aus der Nähe betrachtet, berühren mich noch immer. Da spürt man den Menschen, der das geschaffen hat. Das törnt mich an, lässt mich abdriften, setzt Fantasien frei.

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Klar, ich habe Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie und manch Anderes mehr studiert als der normale Museumsbesucher und sehe also auch ohne Vermittlungsmedien mehr als er. Doch um ihm die Faszination an den Artefakten nahezubringen, braucht's meist nur wenige Worte, die konzentration auf das Wesentliche und sehr viel weniger Vermittlungsmedien als heute zum Einsatz kommen.

Ich würde sogar sagen, je mehr Vermittlungsmedien, um so geringer die Chance, Faszination zu erzeugen. Das "olle Zeugs" in unseren Museen und Ausstellungshäusern kommt für sich allein meist besser an, als wenn es nur Anlass dafür ist, wortreiche Texte (auch für Audioguides) und interaktive Spielereien zu veranstalten, wo man auf Knöpfchen drückt, um sofort das nächste Knöpfchen zu suchen. Ich meinte natürlich nicht Knöpfchen sondern Buttons. Sorry.

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Warum hab ich all das geschrieben?

Ich schrieb es, weil ich letzte Woche in der Cité des Sciences/Paris war. In der Hofburg der interaktiven Medien. Wieder einmal. In der Hoffnung, dass sie meinen 11-jährigen Berater begeistern könnte. Die Cité soll ja besonders vermittlungsfreudig sein. Na ja, in Teilen stimmt das. Der Ausstellungbereich zum Licht ist wirklich gut. Da gibt es fast nur Installationen, die höchst interaktiv sind, aber auch ohne digitale Vermittlungsmedien sehr beeindruckend sind.

Alle anderen Ausstellungsbereiche machen wohl nur denen Freude, die das jeweilige Thema studiert oder gerade im Unterricht durchgenommen haben und in der Lage sind, höchstkomplizierte naturwissenschaftliche Phänomene auch in französischer oder englischer Sprache zu verstehen. Kinder aus Ländern, wo diese Sprachen nicht gesprochen werden, gehören sicher nicht dazu. Die meisten Erwachsenen auch nicht. Wie dumm, dass man sich in Frankreich darauf geeinigt hat, in den staatlichen Museen nur noch Texte in Französisch, Englisch und Spanisch zuzulassen. Saudumm!

Cite

Bemerkenswert fand ich, dass es fast nur Rentner waren, die sich mit den interaktiven Elementen so auseinandersetzten, wie die Macher es sich wohl wünschten. Die wenigen Kinder, die außerhalb eines Klassenverbands in der Cité unterwegs waren, taten das, was alle Kinder bei solchen Interaktionsangeboten machen: Knöpfchen drücken. Sehen, dass nichts Faszinierendes passiert. Weiterrennen.

Sie merken, dass ich kein großer Freund von Interaktionsangeboten bin, die auf diese Weise funktionieren. Ich halte sie für kontraproduktiv. Die permanent stattfindenden Vorträge/Wissenschaftshows im Palais de la Découverte bewirken da sicher mehr. Auch wenn da ebenfalls nur französisch gesprochen wird.


P.S.: Die aktuelle Wechselaustellung "Léonard de Vinci, projets, dessins, machines" macht da Manches besser. Ihre Inhalte sind leichter zu verstehen. Da erklärt sich manches fast von selbst. Sehr empfehlenswerte Ausstellung!

Donnerstag, 21. Februar 2013

Neu im interaktiven Museum: Jack out of the box

Um zu sehen, was in der Box ist, genügt ein simpler Scanner.

Wie uns Lego hier vorführt:



Ist das nicht auch was für Museen? Aber sicher doch!

Ich stelle mir Päckchen, Kisten und Rahmen vor, die im Raum liegen und vor'm Scanner zeigen,was in ihnen steckt. Wunderbar! Da kennt meine Fantasie kaum noch Grenzen.

Natürlich mit einem wesentlich größeren Screen und so umgesetzt, dass die Emotionen noch mehr angesprochen werden.

Dienstag, 27. März 2012

Wunschmaschine von Katharina Unger

The Wishing Machine from Katharina Unger on Vimeo.

Wunschmaschine von Katharina Unger. Gezeigt 2010 im Technischen Museum Wien.

Montag, 19. März 2012

Das Quai Branly + die Zukunft der Informationsvermittlung

Hört sich spannend an:

"Le musée du Quai Branly créée l’évènement du 14 avril au 22 avril 2012 avec une série d’activités regroupées sous l’intitulé Le Musée Numérique. Réalité augmentée, 3D, NFC, outils nomades… sont parmi les outils de demain pour étudier et approcher de plus près les collections des musées. Lors de cette semaine high-tech, des activités sont proposées sous forme d’ateliers, de dispositifs interactifs ludiques et participatifs à partir d’expérimentations autour des collections. Une invitation à vivre le musée de demain."
Mehr Informationen dazu hier.

[Bedauere, dass ich keinen direkten Link beim Quai Branly fand.]

Sonntag, 4. Dezember 2011

Das Deutsche Museum/Bonn: Ein Triebstauwerk

Schon vor'm Betreten des Museums, ahnt man, was einen erwartet.

Ein trüber Dezembertag. Nörgelnde Kinder. Was liegt näher, als ein Museum zu besuchen, das ihren Interessen entsprechen könnte?

Unsere heutige Wahl fiel deshalb auf das Deutsche Museum in Bonn. Nicht zuletzt, weil eine Modelleisenbahn im Programm stand.

Um es vorweg zu nehmen: Die Modelleisenbahn diente offenbar lediglich dazu, Familien anzulocken. Ein primitiver 15-Meter-Parcours, der ästhetisch von jeder Modelleisenbahn im Fenster einer Apotheke mühelos übertroffen wird. Enttäuschend!

So enttäuschend, wie das gesamte Museum überhaupt. Wer denkt, das wäre ein Museum für die Familie, der wird ebenso enttäuscht, wie der, der denkt, er könnte hier einen Zugewinn an Erkenntnis erlangen. Mag sein, dass man mit einer Führung etwas klüger das Haus verlässt, als man hinein gekommen ist. Wer sich als Individualbesucher die Ausstellung ansieht, geht mit dem Gefühl nach Hause, in naturwissenschaftlicher Hinsicht ein Analphabet zu sein. Nix gelernt, außer dass man doof ist.

Pardon, das ist aber nicht die Aufgabe eines Museums. Jedes Museum sollte man mit dem erhebenden Gefühl verlassen können, dass man schlauer ist als vor dem Besuch. Oder wofür zahlt man das Eintrittsgeld?

Das Deutsche Museum in Bonn leistet das nicht.

Schlimmer noch: Die Kinder, mit denen wir unterwegs waren, zwei zehnjährige Technikfreunde, äußerten unisono, dass das wieder einmal ein Museum war, das überhaupt keinen Spaß gemacht hat.

Was nahmen sie mit nach Hause?

1. Museen sind doof, weil sie unseren Trieb nach Erkenntnis nicht befriedigen.

2. Naturwissenschaften sind nicht für uns, sondern für irgendwelche anderen. Hornbebrillte, intellektuelle Südstadtfreaks etwa, deren Kinder auf Schulen gehen, wo sie dazu erzogen werden, nichts zu fordern, aber alles zu erdulden. Sogar diese Präsentation.

Ich finde, das Deutsche Museum in Bonn sollte sofort geschlossen werden, um weiteren Schaden zu vermeiden und noch mehr Interessen zu zerstören.

Die vorhandenen Mitarbeiter - die haben sicher mehr drauf, als sie zeigen dürfen - könnten ihre Energien zum Beispiel einsetzen, um interessante Wissenschaftsshows in der Bonner Region anzubieten und Kinder an Naturwissenschaften heranzuführen.

Das wäre sehr viel nutzbringender als dieses Museum, das mehr kaputt macht als erzeugt.

So sorry!

Mittwoch, 9. Februar 2011

Kinder und die Technik von damals



Eine Idee, die Museen sympathisch machen könnte. Alle Museen!

[via Kulturwissenschaftliche Technikforschung via Sociological images]

Mittwoch, 24. Februar 2010

Videoüberwachung in Museen ist illegal!

Um Diebstähle von Museumsgut, ja auch das Fotografieren in Museen zu verhindern, setzen nicht wenige der Museen, die es sich leisten können auf Videoüberwachung.

"Doch der Hamburger Datenschutzbeauftragte Professor Johannes Caspar hat damit ein Problem: "Es gibt keine allgemeine rechtliche Grundlage für die Kameraüberwachung öffentlicher Gebäude, das gilt auch für die Museen der Hansestadt. Deshalb ist die Nutzung der Kameras dort zurzeit rechtlich unzulässig.""

Das und noch mehr lesen wir in einem Artikel des Hamburger Abendblatts vom 24.02.2010.

Samstag, 3. Oktober 2009

Das Cabaret Mechanical Theatre/London ist zu Gast in Deutschland

Die, die mich kennen, wissen, dass ich Kulturformen schätze, die nicht alltäglich sind. Zu diesen gehören Automaten, die von einer Handkurbel angetrieben, wohl Jedem und Jeder ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ab heute können 40 solcher Automaten aus der Sammlung des "Cabaret Mechanical Theatre" in der DASA/Dortmund bewundert werden.



Alle die, denen es nicht gelingen sollte, bis zum Ende des Jahres nach Dortmund zu fahren, können sich mit den Videos im Internet trösten, die andeuten, wie schön einfache Technik sein kann.

Youtube macht's möglich. Sie sehen dort sogar 52 der Maschinchen, die das "Cabaret Mechanical Theatre" im Angebot hat, wenn Sie HIER klicken.

Zur Homepage des "Cabaret Mechanical Theatre"

[Dank an BlachReport museum]

PS: Ja, ich weiß, dass das nicht zuletzt auch eine Verkaufsausstellung ist. Hier geht es zum Shop.

Freitag, 10. August 2007

Klingendes, singendes, sprechendes Papier

Kann Papier sprechen? Ja! Aber nur an der Universität von Mittelschweden in Sundvall. Dort wird daran gearbeitet, dem Papier das Klingen, Singen und Sprechen beizubringen. Der Prototyp hat es bereits gelernt. Er ist allerdings nur von Pappe. Berührt man ihre Oberfläche bringt sie Geräusche und Texte zu Gehör. Ziel ist eine Miniaturisierung, die es erlauben soll, normale DinA4-Blätter mit einfachen Druckern und leitfähiger Tinte so zu behandeln, dass sie Töne von sich geben und ein Versand im Briefumschlag möglich wird.

Hoffentlich gelingt das - und zwar bald. Mir würden zahlreiche sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten in Museen und Ausstellungen einfallen. Und natürlich nicht nur da.

Wie das funktionieren soll? Hier die Links:
+ Deutschlandfunk
+ Homepage der Entwickler: Projektname "PaperFour" (incl. Presseinfo, Video und Fotos)

Übrigens: Der Fisch-Blog mag das gar nicht.

Die Rolltreppe

Rolltreppe in Braunschweig

Auf diese interessante, reich bebilderte und vor allem im Internet veröffentlichte Dissertation wollte ich schon lange hinweisen:

Mihm, Andrea:
Die Rolltreppe.
Kulturwissenschaftliche Studien zu einem mechanisch erschlossenen Zwischenraum.


Titel (eng): The escalator. Cultural study of a space defined by mechanical motion.
Erscheinungsjahr: 2005
Fachbereich: Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie, Universität Marburg
Institut: Europäische Ethnologie / Kulturwissenschaft
Format: Portable Document Format (PDF 13M)
URL: http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2007/0061/

Für obiges Bild danke ich charmbutterfly75 bei flickr.

Futterkiste

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Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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