Provenienzforschung

Sonntag, 25. Mai 2008

Handreichung zur NS-Raubkunst

""Mit der neuen Handreichung bekräftigt die Bundesrepublik ihre Verpflichtung, NS-Raubkunst aufzuspüren und faire und gerechte Lösungen zur Rückgabe an die ehemaligen Besitzer oder deren Erben zu finden", betonte Staatsminister Bernd Neumann."

"Zusammen mit der neu geschaffenen ‚Arbeitsstelle Provenienzrecherche/-forschung’ am Berliner Institut für Museumsforschung, für die jährlich 1,2 Mio. Euro zur Verfügung stehen, wird die Handreichung in ihrer kompakten und praktikablen Neuauflage vor allem den Kulturgut bewahrenden Einrichtungen helfen, einen sensiblen Weg im Umgang mit NS-Raubkunst zu finden. Mit der Entscheidung, die Handreichung in einer Druckfassung und einer erweiterten Online-Version anzubieten, wird dem gewachsenen öffentlichen Interesse ebenso Rechnung getragen wie dem fortschreitenden Forschungsstand, der seinen Niederschlag in den regelmäßig aktualisierten Anlagen der Online-Handreichung finden wird", erläuterte der Kulturstaatsminister."

Diese neue "Handreichung zur Umsetzung der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt
entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem
Besitz“ vom Dezember 1999, vom Februar 2001,überarbeitet im November 2007" finden Sie hier (91 Seiten, pdf).

Ich finde Handreichungen immer schön. Noch schöner fände ich es allerdings, wenn einige der Museen, die sich angesprochen fühlen sollten, noch etwas aktiver würden.

Mittwoch, 19. März 2008

Der Kunstraub Napoleons

Dieser Tage erschien bei artnet ein Artikel zur Raubkunst und zum Kunstraub. Ein interessanter Artikel, der sich nicht nur mit den aktuellen Dimensionen dieses Themas befasst, sondern auch zahlreiche Links liefert.

Ich fand den Link auf "Ernst Steinmann, Der Kunstraub Napoleons,
hrsg. von Yvonne Dohna mit einem Beitrag von Christoph Roolf: Die Forschungen des Kunsthistorikers Ernst Steinmann zum Napoleonischen Kunstraub zwischen Kulturgeschichtsschreibung, Auslandspropaganda und Kulturgutraub im Ersten Weltkrieg."
besonders interessant. Wenn auch Sie die ganze Publikation lesen wollen, dann Klicken Sie hier.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Roswitha Juffinger und Gerhard Plasser: "Salzburger Landessammlungen 1939 – 1995"

Das Land Salzburg hat jüngst ein umfangreiches Werk zur Provenienz der eigenen Kunstsammlungen veröffentlicht.

"Dieser als Salzburger Landessammlungen definierte Bestand wird in der vorliegenden Publikation bearbeitet und setzt sich wie folgt zusammen:

• Ankäufe des Landes Salzburg vor 1938
• Ankäufe der Residenzgalerie Salzburg 1923 bis 1955
• Schenkungen an das Land Salzburg aus dem Nachlass von Erzherzog Ludwig Viktor (1842 – 1919), Schloss Kleßheim
• Schenkungen an das Land Salzburg durch Erzherzog Eugen (1863 – 1954) im Jahr 1938
• Ankäufe von Friedrich Welz ab 1940 für die von 1942 bis 1944 bestehende Landesgalerie Salzburg
• Leihgaben an die Residenzgalerie Salzburg 1923 bis 1955

Im Zusammenhang mit der Provenienzforschung zu den Landesgalerie-Beständen (1942 bis 1944) wurde die Nutzung und Ausstattung des 3. Obergeschoßes der Salzburger Residenz als Sitz des Gauleiters und Reichsstatthalters erforscht."


Vorbildhaft.

Mehr Informationen hier.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Adam Thorpe: Die Regeln der Perspektive

"Es geht um nur wenige Stunden, doch Adam Thorpe macht daraus in seinem Roman "Die Regeln der Perspektive" 460 Seiten. Minutiös verfolgt der Leser, wie bei einem Bombenangriff auf ein Museum Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft zu einer grandiosen Geschichte verschmelzen." schreibt Gisela Burmester im Mindener Tageblatt.

Das Buch ist im Atrium-Verlag erschienen und kostet 22,90 €.

Mehr dazu von Alf Mentzer

Ich glaube, das kaufe ich mir.

Dienstag, 14. August 2007

Eine neue Datenbank zur Provenienzrecherche?

Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) hat am 1. August 2007 seine Rechercheergebnisse zur Provenienz von Kunst- und Kulturgütern, die sich im Ressortvermögen des Bundesministeriums der Finanzen befinden und vom BADV verwaltet werden, ins Netz gestellt. Es handelt sich dabei allerdings weniger um eine Datenbank, wie in der Pressemitteilung verkündet, als vielmehr um eine Liste von zur Zeit knapp 40 Künstlern (incl. Zuschreibungen und Werkstätten).

Unklar ist, weshalb die Rechercheergebnisse nicht in die bereits seit Jahren bestehende, international bekannte und ebenfalls vom Bund mitfinanzierte Lost Art Internet Database der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg eingespeist werden. Stiftet eine zweite sogenannte Datenbank nicht mehr Verwirrung als Nutzen? Arbeiten BADV und Lostart eigentlich miteinander, nebeneinander oder gegeneinander? Darf man da ja wohl mal fragen, oder?

In diesem Zusammenhang ist auch ein Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 13. August interessant, dem wir entnehmen, dass sich bei lostart bislang 497 Einrichtungen, darunter neben Museen auch Landkreise und Kommunen, gemeldet haben. Laut Dr. Michael Franz, dem Leiter der Koordinierungsstelle, hätten 432 von Ihnen keine Hinweise auf Raub- oder Beutekunst gefunden. Ich glaub es kaum... Nur 65 haben etwas gefunden, von dem sie annehmen, dass es ihnen nicht rechtmäßig gehört?

Wie lange muss man eigentlich lügen, bis die Lüge zur Wahrheit wird? Seien wir ehrlich: Jedes Museum in Deutschland, das vor 1945 gegründet wurde, hat mit größter Wahrscheinlichkeit Objekte in seiner Sammlung, die aus beschlagnahmten oder sonstwie enteignetem Besitz jüdischer oder anderer dem NS-Regime missliebiger Personen stammen: Schränke, Truhen, Silber, Schmuck, Porzellan...

Freitag, 13. Juli 2007

Leipzig: "Arisierung" in Leipzig. Verdrängt. Beraubt. ermordet.

Letzten Dienstag eröffnete das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig in seinem Neubau eine neue Sonderausstellung zu den Arisierungen in Leipzig. Das dürfte gerade in dieser Stadt spannend sein.

Eine ausführliche Beschreibung finden Sie hier (pdf, 2 Seiten).

Und das schreibt die Leipziger Internet-Zeitung zur Ausstellung.

11. Juli - 11. September 2007
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Neubau

Freitag, 20. April 2007

Raubkunst und Restitution

Internationale Konferenz 22.- 24. April 2007
Raubkunst und Restitution
im deutschsprachigen Raum

Eine Debatte ohne Ende?
Raubkunst und Restitution
im deutschsprachigen Raum
Ort: Altes Rathaus Potsdam
Veranstalter: Moses Mendelssohn Zentrum


Na, jetzt aber hurtig! Zu dieser sehr interessanten Konferenz. Auch wenn die Anmeldefrist verstrichen ist, wird man Sie sicher nicht nach Hause schicken, wenn Sie wissen wollen, wie der Stand der Dinge ist.

Weitere Informationen gibt es hier.

Mittwoch, 4. April 2007

Goudstikker in New York

Nächste Woche werden einige Werke aus der Kollektion Goudstikker bei Christie's in New York gezeigt, bevor sie am 19. April dort unter den Hammer kommen. Weitere 95 Werke werden später in diesem Jahr in London und Amsterdam versteigert, berichtet zum Beispiel Colin Gleadell vom Telegraph.

[via Cronaca]

Doch noch immer werden etwa 1000 Werke aus der Sammlung Goudstikker vermisst. Mehr dazu in der FAZ.

Noch mehr Hintergründiges gibt es in der WELT.

Freitag, 2. März 2007

Bilderjägers neue Jagdwaffe

"Ein von Berliner Fraunhofer-Forschern entwickeltes Bildauswertungssystem soll Kunstdieben den Verkauf gestohlener Bilder oder Skulpturen erschweren: Auf der Suche nach Diebesgut auf einer Auktion oder in einer Galerie muss der Fahnder lediglich mit dem Handy ein Foto des zweifelhaften Kunstwerks aufnehmen – und bereits nach wenigen Sekunden hat er eine Liste von zehn gestohlenen Werke auf seinem Mobiltelefon, bei denen es sich um das fotografierte Stück handeln könnte. So kann er schnell reagieren und den Verkauf stoppen, ehe das Kunstwerk auf Nimmerwiedersehen im Privatarchiv eines Sammlers verschwindet"

Mehr dazu bei wissenschaft.de
Die Originalnachricht von der Fraunhofer-Gesellschaft.

Samstag, 11. November 2006

Restitutionen bringen Kunstmarkt in Wallung

Am 11. November brachte die LIBÉRATION unter dem Titel "Le marché de l'art dopé par les restitutions" einen umfangreichen Artikel (mit Links auf weitere) zu der Sensations-Auktion impressionistischer Gemälde und solcher der klassischen Moderne, die am 8.11. bei Christie`s stattgefunden hat. Erlös: 490 Millionen Dollar/380 Millionen Euro. Das macht atemlos. Ebenso raubt einem das Faktum den Atem, dass davon mehr als 230 Millionen Dollars aus restituierten Kunstwerken resultierten: Kirchner, Schiele, Monet, Tiepolo...

Hier die zur Versteigerung angebotenen Gemälde und hier die Erlöse der einzelnen Lots...

Und hier noch ein Artikel aus dem Figaro.

Wohin mag diese Entwicklung wohl noch führen?

Kulturelle Welten

Dies und das aus der Welt der Kulturvermittlung: etwas über Museen und Ausstellungen, Lichter in der Nacht und was Jörn Borchert sonst noch so ge-, miss- und auffällt. Ein Klick auf den Header bringt Sie zu den neuesten Meldungen. Eine mail an museologie[at]gmx[Punkt]de direkt zu mir.

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Kommentare

Schlafen im Museum
Da bin ich ja mächtig gespannt, was man außer...
Nina (anonym) - 2008-06-30 17:19
Aber, aber...
Lieber GP, dass man in der französischen Diaspora...
Joern Borchert - 2008-06-24 23:32
Sperrgut
Natürlich ist Denken wichtig. Und Erinnern auch....
GP-F (anonym) - 2008-06-23 21:30
Noch nie so viel
In Paris wird diese Ausstellung immer wieder erwähnt,...
Madeleine (anonym) - 2008-06-16 22:50

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