Heute hat
Frau Gorgus dankenswerterweise auf einen
Beitrag im Deutschlandradio
hingewiesen, der sich vor einigen Tagen mit dem Thema "Raubkunst in deutschen Museen" beschäftigte.
Grund genug mal wieder einen Blick auf diese Szene zu werfen. In der Sendung des Deutschlandradios wurde auf eine internationale Tagung hingewiesen, die am 11./12. Dezember 2008 in Berlin stattfindet. Ihr Titel:
"Verantwortung wahrnehmen. NS-Raubkunst - Eine Herausforderung an Museen, Bibliotheken und Archive." Hier gibt es das Programm dazu. Neben den üblichen "Verdächtigen" bei derartigen Tagungen gibt es eine Reihe von Vorträgen ausländischer Gäste, darunter sogar einer, der eine Opferorganisation vertritt. Bedauerlicherweise gibt es keinen einzigen Vortrag von denen, die in einigen wenigen bundesdeutschen Museen real mit der Provenienzforschung und ihren Mühen und Enttäuschungen befasst sind. So wird auch diese Tagung - Kaffeetassen ausgenommen - wieder einmal nichts bewegen. Aus meiner Sicht wird über das Thema viel zu viel auf einer Metaebene geredet und viel zu wenig in der Praxis getan. So wird ein Thema totgequatscht. Beschämend!
Bei der Gelegenheit wurde ich darauf aufmerksam, dass "
lostart" Ende Oktober einen Relaunch erlebt hat. Nun kommt diese Informationsplattform endlich zeitgemäßer daher und ermöglicht mit zahlreichen Links und Hintergrundinformationen einen guten Einstieg in das Thema von Raub- und Beutekunst. Der zentrale Bestandteil, die Datenbank, bleibt jedoch trotz technischer Überarbeitung nach wie vor enttäuschend. Enttäuschend deshalb, weil nach dem Relaunch nicht mehr Fundmeldungen darin enthalten sein dürften als vorher. Zumindest in Bonn hat sich nichts geändert. Doch auch jenseits der Grenzen dieser Stadt demonstrieren nur wenige Museen, dass sie darum bemüht sind, die Provenienzen Kunstwerke zweifelhafter Herkunft wirklich aufzuklären. Ebenfalls äußerst beschämend!
Wir brauchen keine Tagungen zum Thema mehr! Es gab schon genug. Wir brauchen endlich eine Direktive "von oben", die den Museen vorschreibt, dass sie die Provenienzen von Sammlungsobjekten zweifelhafter Herkunft klären müssen, wenn sie keine rechtlichen Konsequenzen befürchten wollen. Alles andere ist nur gutmenschliches Gerede.
Bitte, keine Ausreden! Die großen und grösseren Museen haben genug Mitarbeiter um das leisten zu können. Wenn sie es denn wollen....
Vor mir liegt ein Sammlungskatalog, der Gemälde bis 1900 verzeichnet. Inklusive Angaben zur Herkunft. Es kostete mich einen Abend, die daraus zu exzerpieren, deren Herkunft dringend geklärt werden müsste. Haben die Mitarbeiter des betreffenden Museums in den letzten Jahren keine vier Stunden übrig gehabt, die Liste zu erstellen und an Lostart zu übermitteln?
Doch! Es wurde sogar jemand für ein halbes Jahr mit dieser Aufgabe betraut. Er kam zu ähnlichen Ergebnissen wie ich. Doch in Lostart ist davon nichts zu finden. Warum? Weil es nicht verpflichtend ist und sich manche MuseumsdirektorInnen dem Erhalt des ihnen anvertrauten Sammlungsbestandes offenbar mehr verpflichtet fühlen als der Ehrlich- und Gerechtigkeit. Auch das ist beschämend. Und enttäuschend obendrein.