Museologie

Sonntag, 9. März 2014

Leseprobe: Henning Ritter "Die Wiederkehr der Wunderkammer"

„Die Wiederkehr der Wunderkammer“ von Henning Ritter erscheint am 17. März im Verlag Hanser Berlin. Das Buch mit 256 Seiten kostet 19,90 Euro.

Das Kapitel "DAS ENDE DES ALTEN SAMMELNS
Von der Wunderkammer zum Museum" gibt's hier für lau: http://bit.ly/1qk4Kxt

Dienstag, 18. Februar 2014

Wenn Museen besser werden wollen...

.... dann müssen erst einmal die Eltern und die Schulen darauf verzichten, Kinder wie leere Flaschen zu behandeln, die es aufzufüllen gilt. Was würde passieren, wenn Eltern, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und alle anderen, die Kinder "ausbilden", diese mal wie intelligente Wesen behandeln würden? Als Menschen, die viel klüger sind, wenn sie die Schule betreten als zu dem Zeitpunkt, wo sie sie wieder verlassen?

Nicht über Museen, aber über die Lehr- und Lernpraxis in Schulen spricht Prof. Dr. Gerald Hüther. Ich denke, beide Institutionen sind enger miteineinander verknüpft, als das meist wahrgenommen wird.

Ich wünsche denen, die dieses Video aufrufen, eine erkenntnisreiche Stunde.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Tipp: Eine Wohnung der Jahrhundertwende in Kopenhagen

Ich bin mir sicher, dass ich diese Wohnung sehr mögen würde, wenn ich mal wieder nach Kopenhagen käme.

So wohnte Rudolph Christensen kurz vor 1900

Die Wohnung von Rudolph Christensen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die seine Töchter bis 1963 konservierten. Nun ist sie eines der Großexponate des Dänischen Nationalmuseums. Wunderbar!

Wer mehr darüber wissen will, der kann HIER klicken.

Samstag, 16. November 2013

Ein Video zur Sammlungsoptimierung in Museen

Neulich produzierte die Museums Association dieses gut gemachte Video zur Frage, wie man museale Sammlungen optimieren könnte:



Das Anschauen dieses Videos ist Stadtkämmerern und anderen Personen, die für die Finanzen von Museen verantwortlich sind, ausdrücklich untersagt! Sie kommen da nur auf doofe Gedanken und entwickeln Ideen, die Museen meist mehr schaden als nutzen.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Was macht ein Szenograf/Ausstellungsgestalter?

Alle freuen sich über Ausstellungen, die interessant, womöglich noch hübsch anzuschauen und erlebnisstark sind. Dass wir das meist den Ausstellungsgestaltern zu verdanken haben, machen sich die meisten Besucher nicht bewußt.

Der Direktor wird genannt. Die Arbeit der Kuratoren hervorgehoben. Der Ausstellungsgestalter/Szenograf hingegen bleibt in den Pressemitteilungen, Medienberichten und Ausstellungskritiken meist unerwähnt. Dabei ist vor allem er es, der einen Ausstellungsbesuch zum Erlebnis macht.

Gute Ausstellungsgestaltung lebt vom Ideenklau Austausch. Wer ein erfolgreicher Ausstellungsgestalter sein will, der sollte Grenzen überschreiten. Nationale, intellektuelle und soziale. Nur der weite Blick macht Austellungen möglich, die überraschen und faszinieren können.

Beste Anregungen für gute Ausstellungen liefern seit einigen Jahrzehnten die Szenografen Frankreichs. Um zu erklären, welche Rolle sie bei der Erstellung von Ausstellungen spielen, hat die französische "Association Scénographes" eine Seite ins Internet gestellt, die mir sehr gefällt.

Diese hier (nur in Französisch):

http://www.scenographes.fr/scenographes.fr/accueil_files/guide%20expo.pdf
[Klicken Sie aufs Bild, wenn Sie das Pdf mit 164 Seiten lesen möchten.]

Wer sie gelesen hat, weiß fast alles, was wichtig ist, wenn man Ausstellungen gestalten möchte.

P:S.: Es ärgert mich etwas, dass es nichts Vergleichbares von deutschen Ausstellungsgestaltern gibt. Warum eigentlich nicht?

Freitag, 21. Juni 2013

Schöne Hüllen ohne Inhalt? Das MuCEM/Marseille und das Ägyptische Museum/München.

Das MuCEM in Marseille ist eröffnet. In München tritt das Ägyptische Museum in neuem Gewand auf.



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Um das sofort klar zu sagen: Beide Architekturen haben etwas, was mir gefällt und die des MuCEM dürfte mich sogar begeistern. Denke ich, wenn ich die Bilder im Netz sehe und glaube ich, wenn ich das Blogpost von Nina Gorgus lese.



Alle Medien berichteten über beide Museen. Doch alle Medien befassten sich eher mit den Architekturen als mit den Inhalten dieser Häuser. Nicht einmal bei Pinterest gibt es andere Bilder als die der architektonischen Hülle. Nur vom MuCEM!. Vom Ägyptischen Museum in München gibt's da gar keine, was kaum verwundert, weil auch seine Internetseite offenbart, dass man am Internet und seinen Möglickeiten, potentielle Besucher anzusprechen, allem Anschein nach kein Interesse hat. Und das in einer Zeit, wo Ausstellungsbesuche im Internet entschieden und vorbereitet werden. So schlecht, so gut.

Diese Website macht keine Lust.
[Screenshot]

Mich ärgert ferner, dass es allem Anschein nach in ganz Europa keinen Journalisten gibt, der noch eine eigene Meinung vertritt. Die Journalistinnen sind da nicht besser. Zmindest wenn es um Museen und ihre Ausstellungen geht. Offenbar lesen sie nur das Geschwätz, das die Volontäre und ihre weiblichen Kolleginnen in den PR-Abteilungen der Museen verfassen müssen, um nicht unangenehm aufzufallen. In diesen Pressemitteilungen schmückt man sich gerne mit den Namen großer ArchitektInnen, ergeht sich ferner in belanglosem Kunsthistoriker-BlaBla und schreibt das, was der Direktion wohl gefallen mag.

Warum aber kommt keiner dieser Buchstabenzecken in den Medien von allein auf den Gedanken, diese Pressemitteilungen mal gegen den Strich zu bürsten und etwas zu schreiben, was auch interessant für Museumsbesucher sein könnte? Für Dich! Für mich! Für uns! Was über das, was da zu sehen ist.

Offen gestanden: Die Namen der Architekten interessieren mich als Museumsbesucher meist nicht die Bohne. Mich interessiert vor allem, warum ich dieses oder jenes Museum besuchen sollte. Also seine Inhalte und wie sie mir vermittelt werden. Mich interessiert die Gestaltung der Ausstellung, die Atmosphäre die da herrscht, ob ich da im Zentrum aller Aufmerksamkeiten stehe und ob ich da Freude empfinden kann, weil ich neue Erkenntnisse gewinnen kann. Falls ja, welche? Ob da nun Rudy Ricciotti, Gehry, Nouvel oder Hadid das Haus gebaut hat, ist mir nicht ganz egal, die tragen entscheidend zur Stimmung bei. Aber eigentlich interessiert mich mehr, was ich wie zu sehen bekomme.

Warum stellen weder das Ägyptische Museum München noch das MuCEM ganz viele Bilder ihrer Ausstellungsräume ins Netz? Haben sie etwas zu verbergen? Warum muss die Ausstellungsgestalterin in Marseille die Bilder via Facebook posten, die einen Eindruck der von ihr gestalteten Ausstellung vermitteln? Warum sind diese Bilder nicht auf der Homepage des Museums zu sehen?

Alles in allem: Sowohl das Ägyptische Museum in München als auch das MuCEM in Marseille machen mit ihren Auftritten im Web dem breiten Publikum keine große Lust, sich auch die Ausstellungen mal anzusehen. Dabei wäre es so einfach, wenn die Verantwortlichen weniger aus ihrer Perspektive agieren würden als vielmehr aus der der möglichen Besucher und ihrer Interessen.

Resultieren die ungeschickten Auftritte aus der Ungeschicklichkeit ihrer Verantwortlichen? Sind sie überheblich - oder einfach nur doof? Beides will ich nicht hoffen. Doch woran liegt es dann, dass sie so dumm auftreten?

P.S.: Dank an Nina Gorgus für das Bild vom MuCEM.

Montag, 3. Juni 2013

Was man im Museum sagen sollte

by Mike Twohy
by Mike Twohy


Und sowieso: Experten sprechen nie von bunten Bildern. Bei ihnen sind die bunten Bilder von starker Farbigkeit geprägt. Damit das mal klar ist! Ganz wichtig!

Donnerstag, 2. Mai 2013

Die beste Ausstellungskritik ist 5.000 Euro wert

Endlich gibt es einen Preis, der Ausstellungskritiken würdigt, die nicht nur konzeptionelle, sondern auch szenografische Aspekte berücksichtigen.

Die Ausschreibung lautet so:

"Die hbs Kulturstiftung lobt 2013 erstmals ihren Kritikerpreis aus. Mit diesem Preis werden Kritiker gewürdigt, denen es in ihren Besprechungen gelingt, Ausstellungen in Museen jeglicher Art in Bezug auf Inhalt und Gestaltung umfassend zu würdigen.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Kriterien für den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs sind:
· der Preisträger soll die von ihm besprochene Ausstellung nicht nur inhaltlich beurteilen, sondern auch gestalterische, konzeptionelle und szenografische Aspekte einbeziehen
· es wird ein umfassender kritischer Blick auf Ausstellungen gewürdigt; Kritiken, die den Eindruck erwecken, reine Katalogbesprechungen zu sein, sind nicht auszeichnungswürdig
· das Verhältnis der Ausstellung zum musealen Grundkonzept des Hauses sollte einbezogen werden
· weder die Größe der Ausstellung oder des Museums noch die überregionale Reichweite der Zeitung, in der die Kritik erschien, sind ausschlaggebend
· es sollen Kritiken bzw. Museumsbesprechungen aus allen Museumssparten und –arten berücksichtigt werden

Um den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs können sich Journalisten bewerben. Der Deutsche Museumsbund und die Landesverbände der Museen können Journalisten vorschlagen. Eine Jury entscheidet über den Preisträger.

Einzureichende Unterlagen:
· eine Kritik im Umfang bis 12.000 Zeichen
· Angaben zum Medium, in dem der Text veröffentlicht wurde
· max. 1 DIN A4-Seite Biografie
· max. 1 DIN A4-Seite Veröffentlichungsübersicht

Die Jury
· das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs, gleichzeitig Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
· der Präsident des Deutschen Museumsbundes
· der Vorsitzende des Vorstandes des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen, gleichzeitig Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs
· ein Journalist
· der Stifter (ohne Stimmrecht)
Bei Stimmengleichheit zählt die Stimme des geschäftsführenden
Vorstandsmitglieds der Kulturstiftung hbs zweifach.

Bewerbung und Termine
Bewerbungen sind per E-mail einzureichen an: sparkassenstiftung@svn.de.
Einsendeschluss ist Freitag, der 31. Mai 2013. Alle Dokumente müssen in einem pdf mit max. 10 MB zusammengefasst sein.

[Auch wenn diese Ausschreibung ausschließlich die maskuline Form nutzt, sind
selbstverständlich Bewerbungen von Journalistinnen gleichermaßen erwünscht.]"


Eigentlich großartig! Obwohl mir nicht klar ist, warum sich nur Journalisten bewerben dürfen. Egal! Gute Anfänge sollen nicht kleingeredet werden.

Ausstellungskritiker, die das hier lesen sollten sich schnell ins Zeug legen und bis zum 31. Mai eine Kritik verfassen, die auch für potentielle Besucher lesenswert ist.

Zum Ausdrucken hier noch einmal all das, was wichtig ist: http://bit.ly/11ZewZv

P.S.: Bülent, hau rein!

Montag, 29. April 2013

Der Bildungsauftrag

Vor wenigen Minuten machte mich Ivana Scharf via Twitter auf den Bildungsauftrag aufmerksam. Den angeblichen Schlüssel zur Verbesserung der Museen.

Danger

Ich mußte erst einmal schlucken. Denn der Bildungsauftrag verfolgt mich, seit ich in Museen arbeite und wird mir seit Jahrzehnten als letztes Argument um die Ohren gehauen, wenn ich mal zaghaft nachfrage, ob man eine museale Ausstellung nicht vielleicht etwas mehr an den Interessen des potentiellen Publikums ausrichten könnte.

Was ist dieser Bildungsauftrag?

Da hilft selbst Wikipedia nicht weiter.

Ich versuch's mal selbst. Wie schon angedeutet ist der Bildungsauftrag ein Totschlagargument, das die Hüter des Bildungsgrals dann einsetzen, wenn ihnen nichts Besseres einfällt. Der Bildungsauftrag wird immer dann eingesetzt, wenn ihnen das kuschelige Fell ihres schmalen Universitätswissens davonzuschwimmen scheint.
Also zum Beispiel, wenn ein Austellungsgestalter eine Idee hat, die wirklich gut ist, um Besucher an ein Thema heranzuführen. Zwar finden die Kuratoren die Idee eigentlich auch gut (mal so als Mensch), aber würden sie Ihr zustimmen, könnte es passieren, dass die Idee des Ausstellungsgestalters besser wirkt, als das, was sie mit all ihren Ausstellungs- oder Audioguidetexten zum Ausdruck bringen könnten. Also lehnen sie sie erst einmal ab. Damit sie weiterwurschteln können, statt an Räumen und Erlebnissen zu arbeiten, brauchen sie den Bildungsauftrag. Er erlaubt es Ihnen, weiter schöne Texte zu schreiben. Solche Texte, die sie viele Jahre im Studium geübt haben. Sätze, die deutlich machen, wie klug sie sind. Sätze, Texte, Theorien, um in der Gesellschaft der Wissenschaftler Bedeutung zu erlangen oder zu erhalten.

- An dieser Stelle stelle ich mir immer vor, was passieren würde, wenn ein Museumsdirektor, einer von der besten Sorte, seine MitarbeiterInnen mal dazu zwingen würde, allgemeinverständliche Texte zu schreiben. Texte, die man nicht nur verstehen, sondern auch noch gut finden kann, weil sie nur die wichtigen informationen liefern. Womöglich sogar solche mit Bezügen zur Lebenspraxis der Besucher.
In der Haut dieses Direktors möchte ich nicht stecken. Da würden vermutlich sogar mal Akademiker streiken und den Direktor dazu zwingen, den Verein zu wechseln und sich einen neuen Trainerposten zu suchen. Das kulturelle Leben im Museum ist sehr viel härter, als die meisten Gänseblümchen sich das vorstellen mögen. -

Zurück zum Bildungsauftrag.
Wurde er schon mal zum Unwort des Jahres nominiert? Verdient hätte er es.

Ich finde, das Wort "Bildungsauftrag" gehört zu den perfidesten in der unserer Bildungslandschaft. Es gaukelt vor, dass öffentliche Institutionen, wie Museen, darauf ausgerichtet sind, der ganzen Gesellschaft einen Nutzen zu bringen. Doch wer hat hier eigentlich wem den Auftrag erteilt, zu bilden? Niemand weiß das! Und was gehört in den Kanon des Auftrags? Ist auch unbekannt.

Tatsächlich schafft dieser Bildungsauftrag eher das Gegenteil von dem, wofür er angeblich gut sein soll. Er füttert die, die schon mehr als satt sind und grenzt die aus, die Hunger haben. Wer hochgebildet ist, bekommt noch mehr. Wer weniger gebildet ist, verhungert am ausgestreckten Arm. Vor allem aber wird immer dann der Bildungsauftrag auf den Besprechungstisch geworfen, wenn es darum geht, zu verhindern, Ausstellungsinhalte und deren Vermittlung der modernen Gesellschaft anzupassen.

Das Wort "Bildungsauftrag" gehört also abgeschafft, weil er nur dazu dient, Pfründe zu wahren und Veränderungen zu vereiteln. Aber ganz schnell!

Sonntag, 28. April 2013

Ein paar Gedanken zur Zukunft des Museums

Seit es Museen gibt, wird darüber diskutiert, an wen sie sich wenden und wie sie also gestaltet werden sollen. Dienen Sie als Sprachrohr derjenigen, die vorgeben, was in den Kanon der Bildung gehört, die das Oben vom Unten trennt? Oder sind Museen eher Orte voller Geheimnisse, die Gedanken anregen, die man andernorts niemals bekommen könnte. Für alle?

Da wir in einer Gesellschaft leben, die so tut, als ob sie demokratisch wäre, haben unsere Museen sich daran zu orientieren, was mehrheitsfähig ist oder sein soll. Bestimmt wird das von denen, die ein Interesse an Museen haben.
Also von denen, die Museen als Instrumente zur Bildung ihrer Interessen nutzen und denjenigen, die mit der Ausgestaltung ihren Lebensunterhalt verdienen. Das sind nicht wenige. Auch jenseits derer, die mehr oder weniger fest in Museen angestellt sind. Museen müssen gebaut, bewacht, klimatisiert, beleuchtet und auch „bespielt“ werden. Eine große Spielwiese für Freiberufler vieler Arten. Sie alle suchen nach Einkommen und versuchen Trends zu setzen.

Seit einigen Jahren ist Trend, dass Museen interaktiv sein sollten, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Interaktiv bedeutet in diesem Zusammenhang meist die Integration von technischen Medien. Ja, auch haptische Interaktionen sind erlaubt. In technischen und manchmal auch Museen zu naturkundlichen Themen. Technische Interaktionen über Computer-Stationen, Touchscreens, Audio-Guides oder Apps werden aber von den meisten Museen bevorzugt.

Warum? Ganz einfach: Diese Interaktionen kommen dem Mitteilungsbedürfnis der Kuratoren sehr entgegen. Da können sie alles hineinpacken, was sie schon immer zum jeweiligen Thema sagen wollten. Diese Medien zwingen sie weniger, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Das spart Zeit und Grips und deshalb wird heute in fast allen öffentlichen Ausschreibungen für Ausstellungsgestaltungen gefordert, dass Interaktionen im Mittelpunkt stehen sollen.

So what?

Es ist unübersehbar, dass Museen heute nicht mehr als besonders hip angesehen werden. Sehen wir mal von den Blockbustern für die ab, die älter als 60 Jahre sind. Die, die nicht genug von Impressionisten und Picasso bekommen können. Alle anderen gehen am Wochenende ins Museum, wenn es regnet. Wenn’s schneit, rodelt man lieber und wenn die Sonne scheint, dann ist das Freibad allemal viel freudbringender. Museumsbesuche stehen bestimmt nicht ganz oben auf dem wochenendlichen Wunschzettel. Seien Sie ehrlich!

Museen enttäuschen. Die Besucher und die Macher. Letztere dürfen das nicht sagen, weil sie sonst ihren Job riskieren würden. Die Ausstellungsgestalter, die ich kenne, haben viel bessere Ideen als die, die sie jemals im Kontext einer Austellung realisieren dürften.

Ich gehe also davon aus, dass der größte Teil der bundesdeutschen Bevölkerung unter 50 Jahren am Wochenende nicht besonders darauf brennt, ein Museum besuchen zu wollen. Es gibt genug Alternativen. Alternativen, die spannender sind, mehr Freude bringen und vor allem nicht so tun, als ob sie klüger wären als wir, Sie oder ich.

Ich habe viele Fächer an der Uni studiert. Ethnologie, Kunstgeschichte, Geographie, Volkskunde, Archäologie. Interessiere mich also für viele Themen und hab nicht selten auch etwas Ahnung davon. Beste Voraussetzungen für schöne Ausstellungserlebnisse. Könnte man denken. Doch meist frage ich mich bei Ausstellungsbesuchen, warum man die Chancen, die das Thema bot, so wenig nutzte, um bei den Besuchern Faszination für’s Thema zu erzeugen. Statt Begeisterung zu erwecken, gibt’s fast immer die große Wissenschaftsklatsche auf die Nase und am Ende die unendliche Museumsmüdigkeit auf Seiten der Betrachter.


Besser machen!


Kinners & Ausstellungsmacher, es ist so einfach gute Ausstellungen und Museen zu machen. Wenn ihr denn nicht zu feige dazu wärt.

Erste Wünsche:

1. Vergesst all das, was Euch die Professoren beigebracht haben, um ihren Standesdünkel zu pflegen. Wer Ausstellungen machen will, der soll nicht sich, sondern dem Publikum dienen. [So banal das ist, so oft will ich das sagen.]

2. Es kommt nicht darauf an, wie viele Worte Ihr schreibt oder wie unverständlich sie sind. Es kommt nur darauf an, Fantasien frei zu setzen. Fantasien, die die Welt besser machen. Heute oder morgen. Wenn Euch das nicht gelingt, dann sind Museen überflüssig.

3. Es sind niemals die Ausstellungstexte oder -kataloge, die etwas in Gang setzen. Es ist immer die Ausstellungsatmosphäre, die Ihr erzeugt, die zum Nachdenken anregt – oder eben auch nicht. Je mehr Ihr den Empfehlungen Eurer Ausstellungsgestalter folgt, umso mehr werdet Ihr Euer Publikum erreichen und bewegen können.

Ich liebe Museen und Ausstellungen. Gerade die, die ich besonders blöd fand, gaben mir den Kick, es besser zu machen.

Die ich mag und mochte, haben mein Denken so verändert, dass ich dankbar dafür bin, sie gesehen zu haben. Orte mit Atmosphäre: Das alte (!) Museon Arlaten/Arles; das Mindener Museum, bis es didaktisch optimiert/zerstört wurde; neuerdings das Watersnoodsmuseum.

Ach wie gerne würde ich mal ein Museum gestalten, das sich in Hirne einbrennt. Eines, das Gefühle berührt. Gedanken in Gang setzt. Wundervolle Zauberräume schafft, die mehr irritieren als erklären. Eine Ausstellung für Menschen von heute, die viel wissen, doch noch nicht Alles gefunden haben. Eine Ausstellung für Menschen, die suchen. Wonach? Muss ich das vorgeben? Nee, will ich gar nicht.

Ausstellungen können so wundererfüllt sein.Wenn sie auf Knöpfchen verzichten. Narrative Traumräume schaffen, die Hirne in Gang setzen und dafür sorgen, die Köpfe der Besucher zum Denken anzuregen, auf Deutungshoheiten verzichten und für frischen Wind sorgen.

Wer will, der kann!

[Fortsetzung folgt.]

Futterkiste

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museologie(at)gmx.de

Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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