Museen in Frankreich

Sonntag, 27. Oktober 2013

Paris - Afrique --- oder Paris macht auch ohne Museen Freude

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Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich schätze durchaus die Museen, die in Paris zu finden sind. Die großen und die kleinen, die versteckten, die bizarren, die wunderhübschen, ebenso wie die anregenden. Es gibt schon Gründe dafür, dass ich viele hundert Stunden in ihnen verbrachte und wahrscheinlich auch noch verbringen werde.

Doch dieses Mal hatte ich die Reisezeit falsch gewählt und unterschätzt, wie sehr mich die Öffnungszeiten durcheinander bringen könnten. Das eine ist montags geschlossen, dass andere dienstags. Ich stand also das eine oder andere Mal, auch nach längeren Fußmärschen, vor verschlossenen Türen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht verstehen will, warum Museen Schließungstage brauchen, hat mir das meinen Aufenthalt etwas versauert.

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Gut, dieser Tripp fing dank Thalys auch supoptimal mit dem müdesten Sonntag des Jahres an und brachte meinen Zeitplan reichlich durcheinander. Denn erst einmal begann mein Tripp nach Paris mit einem nächtlichen Zwangsstop in Bruxelles-Midi. Dem ohne Zweifel unangenehmsten Hauptstadtbahnhofs Europas. Mitten drin in Euopa! Hier das Video dazu. Wer genau hinschaut, wird auch mich da sehen.

Egal. Irgendwann kann ich dann mal in Paris an. Vollkommen übernächtigt. Und wäre Björn nicht gewesen, wäre das wohl ein Scheiß-Sonntag gewesen.

Der Montag war nicht viel besser. Tour 13 geschlossen. Dienstag: Die Schlange vor diesem Haus war einfach viel zu lang. Vermutlich auch, weil die Veranstalter nicht mit der Statik und der Bauaufsicht gerechnet hatten. Denn plötzlich wurden nur noch 50 Besucher pro Stunde in das Gebäude gelassen. Doofer Anfang also.

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Egal, ein paar Museen sah ich trotzdem. Endlich mal wieder die Galeries de paléontologie et d'anatomie comparée des MNHN, die Ron Mueck-Ausstellung in der Fondation Cartier, das Musée de la Chasse, das Petit Palais (Jordaens-Ausstellung + ständige Präsentation) und wieder einmal das wohl einzige Museeum Frankreichs mit Schienen im Haus, das Musée des Arts et Métiers.

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Offen gestanden und ganz unter uns: Sehe ich mal etwas von den Dinosaurierknochen und Jordaens ab, hat mich dieses Mal in Paris museal nix vom Hocker gehauen. Ganz im Gegenteil. Was muss in den Köpfen von Eltern vor sich gehen, die sich mit ihren Kindern (!) für mehrere Stunden vor der Fondation Cartier in eine Warteschlange stellen, dann mehr als 10 Euro Eintritt pro Person bezahlen, um etwa 10 Kunstwerke zu betrachten? Kunstwerke, die durchaus betrachtenswert sind, Kinder aber megamäßig langweilen dürften. Egal, die hochkulturellen Familien sind nicht meine Zielgruppe. Sollen sie doch ihre Kinder solange mit Kultur misshandeln, wie es ihnen gefällt und bis das Jugendamt einschreitet.

Nach Ron Mueck hatte sogar ich die Faxen von Ausstellungen so dicke, dass ich erst mal auf den Cimitière Montparnasse gegangen bin. Neben zahlreichen interessant gestalteten Grabsteinen bietet dieser Friedhof genügend Promi-Gräber, um mehrere Stunden nach ihnen suchen zu können. Kommt gut! Gerade im Herbst, wenn die bunten Blätter fallen.

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Ein Friedhof macht nachdenklich. Mich auch. Ich beschloß also, erst einmal auf Museen und die damit verbundenen Enttäuschungen zu verzichten und mich mehr dem Leben zuzuwenden. Ich erinnerte mich an die Viertel, die von Afrikanern geprägt sind.

Meinen letzten Tag verbrachte ich also in der Nähe der Metro-Station "Chateau-Rouge". Endlich begriff ich, warum die Afrikaner, die ich vor mehr als zehn Jahren via Mitfahrzentrale nach Paris transportierte, immer so freudig erregt waren, wenn wir uns Paris näherten. Endlich konnten sie mal wieder zu einem Friseur gehen, der mit ihren Haaren klar kam. Endlich konnten sie wieder einmal die Nahrungsmittel kaufen, die ihnen schmeckten.

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Mir gefielen die vielen Läden, in denen Wax-Stoffe zu kaufen sind. Die Outfits der Frauen afrikanischer Herkunft faszinierten mich schon immer, wenn ich Paris besuchte. Nun besuchte ich die Läden, wo es die entsprechenden Stoffe zu kaufen gibt. Die Fülle der Designs hat mich etwas überfordert. Das gebe ich zu. Und die, die ich zur Dekoration unserer Wände kaufte, werdem sicher nicht die endgültigen sein.

Wenn ich demnächst mal wieder nach Paris fahre, dann sicher nicht mehr allein wegen der Museen. Dann werden ganz oben auf der Liste die Wax-Shops stehen. Das ist schon mal sicher. Und wenn das so geht, wie ich mir das vorstelle, dann kriegt mein Chipie ein wunderhübsches Kleid dort geschneidert oder wenigstens einen schrillen Rock - made with real dutch Wax. ;-)

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So einen oder einen noch viel hübscheren.

Dann eine Soupe Pho in der Nähe des Place d'Italie und alles ist im Döschen.

Nee, ich brauch keine Museumsschlangen, um Freude zu haben. Nicht mal mit ICOM-Card.

Donnerstag, 19. September 2013

MuCEM Marseille: The making of

Dieses Video hat heute die Szenografin Adeline Rispal veröffentlicht. Es zeigt in wenigen Minuten Szenen zur Geburt des MuCEM/Marseille.



TV-Tipp für die extended version:
Sonntag, 22. September um 16:35 Uhr (52 Min.)
Das MuCEM, ein neues Museum für Marseille. Auf
ARTE.

Einschub: Hier ist das Video auf ARTE+7 noch ein paar Tage zu sehen: http://bit.ly/1ba5oJo

Das müsste eigentlich allen Freude machen, die sich für die französische Museumskultur interessieren.

Samstag, 8. Dezember 2012

Am Anfang ist alles billig

Berlin, Hamburg, Bonn. Drei Städte mit großen Bauvorhaben, die sehr viel teurer geworden sind, als mal gedacht und genehmigt.

Zum Trost: Auch die Franzosen können das nicht besser.
Das Musée de Confluences/Lyon sollte mal 61 Millionen Euro kosten. Heute sind die Kosten auf etwas mehr als 300 Millionen Euro angestiegen.

Da wundert sich der Laie und der Fachmann schweigt. Warum eigentlich?

Mehr:

Homepage des Museums

Mittwoch, 29. August 2012

Das Haus der Geschichte Frankreichs ist gestorben

Sarkozy muss nun damit leben, dass er nichts Augengreifliches von Dauer hinterlässt. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern.

Denn das von ihm erwünschte Maison de l'histoire de France ist von der neuen Regierung gestoppt worden.

Es soll zukünftig lediglich einen gemeinsamen Internetauftritt der national bedeutsamen Museen geben. Dazu gehören Saint-Germain-en-Laye zur Vorgeschichte, Cluny fürs Mittelalter, Ecouen zur Renaissance sowie Fontainebleau und Compiègne.

Ich empfinde das eigentlich als bedauerlich, weil Neugründungen derartiger Nationalmuseen bislang immer dazu beitrugen, Diskussionen über auch nationale Identitäten zu entfachen. Doch eben deshalb scheint das Projekt in Frankreich gescheitert zu sein. Man hat anscheinend Scheu vor den Abgründen der Geschichte.

Bestimmt kann Nina Gorgus das besser beurteilen als ich und wird in den nächsten Tagen dazu etwas posten. Ich freue mich darauf und verzichte deshalb auf weitere Bemerkungen.

Quelle: Le Monde

Samstag, 7. Januar 2012

Die Fondation Cartier/Paris: Da rechnet sich die Kunst

Wer in Paris war, ohne die Fondation Cartier besucht zu haben, hat was verpasst. Nicht nur das von Jean Nouvel entworfene Gebäude, sondern vor allem das bunte Ausstellungsprogramm macht seit 1994 Freude.

Immer wird Kunst präsentiert. Meist grenzüberschreitend. Kunst als Kunst gibt es da auch. Doch gerne werden dort auch Ausstellungen gezeigt, die Themen aufgreifen, die jenseits der Kunst liegen. Immer spannend, häufig mit Witz.

Bis zum 18. März etwa die Ausstellung: "Mathematics: A Beautiful Elsewhere". Eine Ausstellung über die Schönheit der Mathematik und die wundervollen Erfahrungen, die sie möglich macht, wenn Mathematiker und Künstler miteinander kooperieren.

Pictures of an exhibition
<br />

Nebenbei: Die
Fondation Cartier hat jüngst ihre Webseite neu gestaltet. Der Besuch dort macht nun fast so viel Freude, wie der Besuch der echten Ausstellungsräume. Nicht zuletzt, weil man auch auf der Website Fotos der realen Ausstellungsräume zu sehen bekommt. Welches Ausstellungshaus sonst gewährt schon solche Einblicke?

Ich muss mal wieder nach Paris....

P.S.: Die Meinung von Diane Dubray/Buzzeum dazu. Eine andere.

Donnerstag, 10. November 2011

Neues von Gestern: Das Musée de la Grande Guerre in Meaux

Morgen wird es eröffnet.

Bald geöffnet!

Eine schöne Website hat es schon heute.

Freitag, 28. Oktober 2011

MUCEM Marseille: Neue Website

So peu à peu macht sich die Kulturszene von Marseille immer größer. 2013 ist Marseille Kulturhauptstadt.

Eines der Highlights wird das MUCEM (MUSEE DE CIVILISATIONS POUR L'EUROPE ET LA MEDITERRANEE) sein. Das ist sowieso schon mal sicher.

Nun hat das Museum diese neue Website:

Die neue Website vom MUCEM-Marseille

Ob diese Homepage ein Highlight ist? Ich hab da meine Zweifel. Dass sie bei mir nicht gut ankommt, hat nicht nur technische Gründe. Das ist auch sicher.

Doch bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil:

Homepage MUCEM

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Das Centre Pompidou Mobile: Kunst im Leben

Wenn das Publikum nicht zur Kunst kommt, dann kommt die Kunst halt zum Publikum. So etwas müssen sich die gedacht haben, die auf die Idee kamen, ausgewählte Meisterwerke des Centre Pompidou auf die Straße zu schicken. Ihr Weg beginnt in Chaumont (Haut-Marne).

Unter dem Titel "Die Farbe" werden 14 Meisterwerke der Moderne ans Volk gebracht: Werke von Léger, Braque, Matisse, Picasso, Calder... Auch Olafur Eliasson ist dabei. Präsentiert in Zelten, die an einen Zirkus denken lassen. Die Werke, die es nötig haben, werden in Klimakäfige eingesperrt. Andere dürfen frei im Raum schweben.

"Unaufhörlich müssen unsere Ausstellungsleiter vom fahrenden Volk, dem unerreichten Meister dieser tausendfältigen Kunstgriffe, lernen", schrieb Walter Benjamin einmal. Ob das mit dem Centre Pompidou Mobile gelungen ist, werden die nächsten Jahre zeigen.

Mir gefällt die Idee.

Mehr:

Das Centre Pompidou Mobile (Homepage)



Découvrez Le Centre Pompidou mobile s'est installé à Chaumont sur Culturebox !

+ Die Eröffnung mit Sarkozy

+ 15 Fotos von der Architektur mit Kommentaren (Le Moniteur)

Freitag, 16. September 2011

Klein und fein: Das Memorial de la Marseillaise

Warum, bitte schön, habe ich nicht mitbekommen, dass schon im März das Memorial de la Marseillaise eröffnet wurde? Und dass, wo ich doch schon 2003 diesen auratischen Ort besuchen konnte, nachdem ich bei einer Tagung dort einen kleinen Vortrag über die Zukunft der Stadtmuseen halten durfte.

Egal! Das Dingens ist nun offen und wer nach Marseille fährt, der sollte sich das Memorial de la Marseillaise unbedingt mal anschauen.

Davon, wie André Stern die französische Nationalhymne auf 300 qm in eine Ausstellung transferiert hat, gibt Ihnen nachfolgendes Video eine kleine Ahnung.



Zur Homepage dieses Erinnerungsorts: HIER entlang.
Bitte nicht drängeln!

Montag, 18. Juli 2011

Zum „Maison de l’histoire de France“: Interview mit Étienne François

Dank Annette Schuhmann gibt es bei Zeitgeschichte-online nun auch ein Interview mit Étienne François, einem Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des heftig diskutierten „Maison de l’histoire de France“ in Paris. Sogar auf deutsch und auditiv.

Ergänzend empfehle ich die Lektüre des Beitrags: "Zentral, national und emotional: Das Haus der Geschichte in Paris
Ein Projekt des französischen Präsidenten Sarkozy."
Ebenfalls von Frau Schuhmann.


[Dank an Richard H-W, einem meiner Lieblingsgäste, für den Hinweis.]

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Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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