Museen in Deutschland

Montag, 24. Juni 2013

Aus den Kommentaren: "Max" ist vom Ägyptischen Museum in München enttäuscht

Max

Noch nie habe ich einen Kommentar (s. rechte Spalte) auf einen meiner Blog-Artikel hier besonders hervorgehoben. Heute muss das sein. a) Weil ich dankbar bin, dass einer meiner Leser, sich so viel Mühe gegeben hat, sein Besuchserlebnis zu beschreiben. b) Vor allem aber, weil er etwas schreibt, was sich kaum ein Vertreter der professionell schreibenden Zunft jemals erlauben würde. Einen Verriss zu einem neu eröffneten Museum dieser Art aus der Sicht eines Besuchers.

Doch lesen sie selbst, was Max über das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst geschrieben hat:

"Hallo Jörn,

so richtig, was du sagst! Ich war gestern im Münchner Museum und habe mich eigentlich nur geärgert. Tolle Hülle, ja! Inhalt = Nun ja. Museumspädagogisch war das von vorgestern, trotz moderner Technik. Wenn dann die Technik wenigstens funktionieren würde, wäre es ja auch etwas...

Es begann schon bei der Ausgabe der Info-Pads (Samsung-Android Tablets mit einer Museums-App), die einen durchs Museum führen sollen. Es gab schlicht keine aufgeladenen Pads - kann man kurz vor 12 ja nicht erwarten, dass es da noch aufgeladene Teile gibt? Es war ja nicht so, dass der Andrang so groß war, dass es Schlangen vor dem Museum gab.

Blöd nur, dass man ohne dieses Info-Pad kaum Informationen im ersten Teil des Museums bekommt, weil die Aussteller nur minimale Informationen an den Exponaten angebracht haben ("Stand-Scheit-Figur, Stein, Altes Reich" - Aha!). Warum bestimmte Exponate ausgestellt wurden, in welcher Reihenfolge, was das alles zu bedeuten hat muss man dem Besucher offenbar nicht unbedingt erklären...

Immerhin konnten wir ein Info-Pad für drei Leute ergattern, so dass eine Person den anderen nacherzählen konnte, was die Erzählerin ihr ins Ohr flüstert. Man kann zu bestimmten Exponaten Zusatzinformationen über das Teilchen abrufen. Das ist eigentlich ganz innovativ, weil das Pad weiß, wo es sich im Museum befindet. Leider sind alle Texte offenbar von Kust- und nicht von Museumspädagogen geschrieben worden. So wird erst einmal zu dem gewählten Exponat gefühlte fünf Minuten erzählt, was man in der Vitrine sieht. Wissenschaftlich korrekt, für den Besucher ein Graus! Mich hätte hier halt doch eher interessiert, was das Besondere an den ägyptischen Stand-Schreit-Figuren ist, was sie generell darstellen, was an den Exponaten besonders ist, wer hier dargestellt wird und warum das interessant ist, usw. Man bekommt den Eindruck, dass hier äußerst lieblos vorgegangen wurde.

Das bestätigt sich im weiteren auch bei der Technik: Kaum zwei Wochen in Betrieb, sind viele (ich zählte drei) elektronische Terminals bereits ausgefallen oder zeigen Windows-Fehlermeldungen. Ok, das sind vielleicht noch Kinderkrankheiten, leider verstärkt sich der schlampige Eindruck dadurch, dass einige Texte in diesen Terminals schlicht fehlten. Man aktiviert eine Infobox per Touch - sie ist leer. Das passierte leider nicht nur einmal. Außerdem fehlten an einigen Stellen Erklärungen zur Farbgebung von Informationen oder die Funktion bestimmter elektronischer Stücke erklärte sich nicht wirklich von selbst.

Alles in allen: Ich war enttäuscht. Ich habe ein modernes Museum mit entsprechender Präsentation erwartet. Gesehen habe ich ein Museum mit den immer gleichen Exponatkästen ohne pädagogisch interessante Aufbereitung mit insgesamt lieblos gestalteter und fehlerbehafteter interaktiver Museumsführung. Schlecht, schlecht!

Grüße,
Max."


Ich fürchte, da haben wir's nicht nur mit Geburtswehen zu tun. Die sind normal. Überhebliche Kuratorentexte sind leider auch üblich. Dass es aber immer noch Verantwortliche auf Seiten der Träger gibt, die solche Museen zulassen, erschreckt mich, weil ich dachte, dass man in Zeiten klammer Kulturkassen etwas sorgfältiger mit Steuergeldern umgehen würde.

Herzlichen Dank für diesen Kommentar, Max!

Freitag, 17. Mai 2013

Ein Freiraum: Der Platz zwischen der KAH und dem Kunstmuseum Bonn

Dieser Tage erschien im General-Anzeiger Bonn ein Artikel zur Frage, wie denn eigentlich zukünftig der Platz zwischen der Kunst- und Ausstellungshalle (KAH) und dem Kunstmuseum (KUMU) genutzt werden sollte. Um das konservative Bonner Publikum anzusprechen, werden in diesem Artikel keine Visionen entwickelt, sondern eher bedauert, dass es erst einmal kein Zeltdach mehr auf dem Platz geben wird, unter dem man Schlittschuh laufen oder Konzerte hören kann.
Kein Wort dazu, wie gut dieser Platz zwischen Kunstmuseum und KAH als Kulturort geeignet ist. Als eine Chance, eine Attraktion für Bonn zu schaffen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirken könnte.

Mit der Zeit gefällt mir die trockene Art von Rein Wolfs, mit der er dem GA begegnet, immer mehr:

>>"Der Platz wird auch in Zukunft belebt sein, es muss aber zur Museumskultur passen", machte Wolfs deutlich. Ein Konzept hat der Intendant noch nicht zur Hand.<<

Ein naheliegender Gedanke für aufmerksame Menschen mit Gefühl. Aber ein offenbar großer Schritt für Bonner Lokaljournalisten. Dass Rein Wolfs erst einmal nachdenkt, bevor er entscheidet, spricht mehr für als gegen ihn. Das quält die Journalisten. Rein Wolfs ist allem Anschein nach kein Populist, der Wünsche befriedigt, die auf den den ersten Blick gut aussehen, aber auf Dauer in die Hose gehen. Mich freut, dass er so sperrig ist. Schon seit Monaten.

Um ihn nicht ganz allein im Mairegen dastehen zu lassen, möchte ich meinen Senf zum Museumsplatz abgeben. Nicht zuletzt, weil nun endlich mal die Chance besteht, diesen Platz als Kunstort lebendig werden zu lassen. Wenn Sie wollen als dritte Ausstellungsfläche zwischen den beiden Häusern. Eine Fläche, die tags und nachts, ganzjährig als Attraktion fungieren könnte. Mit Formen der Kunst, die dafür geeignet sind. Formen, die den Architekturen der angrenzenden Häuser angepasst sind und ihre Ausstellungsaktivitäten auf die Straße tragen.

Vorausgesetzt: Alle Verantwortlichen wollen etwas bewegen. Die der Stadt, die des Bundes und alle ihre Angestellten. Auch extra muros.

Der Platz zwischen KAH und Kunstmuseum bietet eine Fläche, die der Fantasie fast keine Grenzen setzt. Ebenso alle Mauern der angrenzenden Museumsgebäude. Auch sie bieten Möglichkeiten, die noch nie genutzt wurden.

Meine Gedanken dazu:

Ich gehe davon aus, eine Million Euro oder 1/16 des Jahresetats der KAH zu investieren, um eine Attraktion zu schaffen. Für Bonn, Deutschland, vor allem aber für Menschen, die in Bonn etwas sehen wollen, was einzigartig ist. Einwohner und Touristen.


Here we go:

1. Warum wurde niemals daran gedacht, auf dem Museumsplatz eine Brunnenfläche einzurichten, die ähnliche Funktionen wie der Tinguely-Brunnen neben dem Centre Pompidou in Paris erfüllen könnte? Vielleicht eine Brunnenanlage, die große Kunst repräsentiert und zum Verweilen einlädt. Vielleicht eine andere interaktiv nutzbare Installation, die schön anzusehen ist und Gedanken erzeugt, die man andernorts nicht bekommt. Keine Ahnung, wie das aussehen sollte. Aber dafür gibt es ja das Mittel der öffentlichen Ausschreibung, die etwa auf eine Attraktion abzielen könnte, ein Wahrzeichen für Bonn zu schaffen. Auf dem Museumsplatz.

2. Die Architekturen, die den Museumplatz umgeben, eignen sich hervorragend für Präsentationen, die in Frankreich unter der der Bezeichnung "son et lumière" laufen, nun aber international wohl eher als "3D-Videomapping" bezeichnet werden.

Einfach ausgedrückt: Videos bespielen Wände mit Kunst. Transformieren sie, bringen die Wände zum Wackeln oder ins Schwingen und unser bisheriges Kunstverständnis in Unordnung. Wenn sie gut gemacht sind, dann machen sie klar, dass Kunst nicht nur an Wänden hängen muss, sondern uns auch bewegen kann. Sogar die, die behaupten, sie würden keine Kunst mögen.

Natürlich sollten diese Projektionen etwas mit den Ausstellungen zu tun tun haben, die jeweils in der KAH oder im KuMu gezeigt werden.

Test-Macke

seiltaenzer-imagination-b_4

Dauerhaft nachts präsentiert, würden Sie nicht nur die Besuchszeiten erweitern sondern national sowieso, höchstwahrscheinlich aber auch international Aufmerksamkeit erregen. Oder wo gibt es in Deutschland Museen, die auch nachtaktiv sind? In so großem Stil, dass sich eine Übernachtung lohnt?

Allein der Ausstellungsetat der KAH gäbe das locker her, diese Licht-Kunst auf den Platz zu bringen. Und warum muss Kunst in Museen eingesperrt bleiben? ich kenne keinen guten Grund dafür.

3. An diese Idee anschliessend: Ein international ausgeschriebener Wettbewerb, der Künstler dazu aufruft, Werke zu entwerfen, die aus nichts als Luft, Liebe und Licht bestehen. Hier auf diesem Platz mit kulturell-bewegendem Anspruch. Die deutsche Biennale der Lichtkunst in der Nacht. Gerne auch in den kalten Monaten. Das Bonner Winterlichtkunstwunder würde sicher auch vom GA positiv bewertet werden. In jedem Fall würde es dafür sorgen, Touristen auch in touristisch schwachen Zeiten anzuziehen.

4. Ähnlich, aber tagsüber: Warum nicht eine Million des Budgets in die Hand nehmen, um den Platz tagsüber zu bespielen? Von Straßenküstlern aller Arten. Vom kleinen Jongleur, Guitarrenspieler bis zur großen Compagnie. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Kunst mehr ist als das, was wir in Museen sehen. Es gibt in Europa so viele Straßenkünstler, dass der Platz zum Streetartzentrum Deutschlands werden könnte. Wenn man es denn wagte. Am besten mit ebenfalls vorgeschaltetem Wettbewerb, auch um das Projekt schon im Vorfeld international bekannt zu machen.

Mal grob nachgerechnet:

Budget: 1 Mio. Euro (nur aus dem Etat der KAH, s.u.)

- Es braucht einen, der das organisiert. Der kostest ca. 80.000 Euro im Jahr.

Bleiben 920.000 Euro für die Künstler.

920.000 Euro geteilt durch 360 Tage macht gut 2.500 Euro, die man jeden Tag für Straßenkünstler ausgeben könnte, wenn man den Platz ganzjährig bespielen wollte.
Nehmen wir mal nur 300 Tage (ohne Januar/Februar) an, dann stünden pro Tag mehr als 3.000 Euro zur Verfügung. Damit geht schon was. Sogar was Gutes!

Stellt man sich geschickt an, dann schafft man eine Dramaturgie, die neben den normalen Tagen, wo nur Kleinstraßenkunst geboten wird, Ereignisse, bei denen international bedeutsame Compagnien auftreten, die auch Besucher aus dem weiterem Umkreis anziehen. Die großen Nummern. Zwei im Jahr.

Das ist eine höchst primitive Rechnung. Doch selbst die macht schon klar, dass man den Platz mit eingekauften Straßenkünstlern fast ganzjährig beleben könnte, selbst wenn man nur den Etat der KAH anzapfen würde.
Ausgeblendet wurde in dieser Rechnung, dass Mittel der Stadt Bonn, des Bundeslandes NRW, möglicherweise auch die einiger Sponsoren und Hilfen der EU ebenfalls in die Finanzierung eines solchen Projektes einfliessen könnten.
------------------------------------------------------

So ein schöner, noch dazu großer Platz. So viele Möglichkeiten. Sicher noch viel mehr, als mir eingefallen sind. Ich hoffe sehr, dass Rein Wolfs der Erste ist, der erkennt, wie man diesen Platz bespielen kann, ohne ihn zu zerstören. Mit Kunst, die auch denen gefällt, die sich vor Museen scheuen.

Nach allem, was von zu ihm zu lesen war, haben wir Grund zur Hoffnung. Zur Hoffnung, dass Wolfs die Ketten kleinkarierten Denkens sprengen kann und Visionen hat, die wenigstens Bonner Kulturinteressierten die KAH wieder schmackhaft machen könnten.

P.S.: Nachdem die Irokesen auch wieder suboptimal laufen, würde ich mich wundern, wenn das Ausstellungsdesign von "Kleopatra" nicht an das von Napoleon erinnerte. Was würde ich mich freuen, wenn ich mich täuschte.

P.P.S.: Ein paar Minuten mit einem Aufseher Im Langhaus geschnackt. Der würde sich auch freuen, wenn wieder etwas mehr Leben in die Bude käme... Auch er sah, dass es nicht gut ist, wenn man immer das Gleiche tut und dabei, wie die KAH in den letzten Jahren, langsam den Bach runtergeht. - Überhaupt: Direktoren, die wissen wollen, welche Ausstellungen gut gemacht sind, sollten immer zuerst die Publikumsexperten=Security-Guys befragen. Die träumen nicht vom Bildungsideal. Die sehen die Realität. Und wenn sie frustriert sind, dann ist es allerhöchste Zeit, die Ausstellungen attraktiver zu machen. Die überflüssigsten Museen sind die, wo das Personal nicht glücklich ist. Denn dort finden auch die Besucher keine Freude.

P.P.P.S: Rein Wolfs, sorgen Sie für Veränderungen! Es gibt viele, die Sie glücklich machen können. Nutzen Sie die Chancen! Am besten mit Überraschungen, die man von diesem Haus (KAH) nicht mehr erwartet hat.

Samstag, 27. April 2013

Bonner Museen im Internet

Seit dieser Woche tritt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik (KAH) mit einer neuen Website im Internet auf. Mit neuen Logo. Warum Kegel, wenn's auch schräg geht?

Aus diesem Grund warf der GA einen kritischen Blick auf alle Bonner Museum-Websites. Nämlich diese hier:

www.antikensammlung.uni-bonn.de
www.arithmeum.uni-bonn.de
www.august-macke-haus.de
www.beethoven-haus-bonn.de
www.bundeskunsthalle.de
www.deutsches-museum.de/bonn
www.frauenmuseum.de
www.hdg/bonn.de
www.kunstmuseum-bonn.de
www.museumkoenig.de
www.rlmb.lvr.de
www.schumannhaus-bonn.de

Das Stadtmuseum Bonn fehlt in der Liste. Doof, dass es keine eigene Seite hat.

Mehr: Artikel im GA

Sonntag, 3. März 2013

Ein bedeutsamer Unterschied: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland oder Bundeskunsthalle?

Klammheimlich versucht die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland unter neuem Namen zu aufzutreten. Sie bezeichnet sich nun als Bundeskunsthalle.

Da stimmt was nicht

Mir ist klar, dass die Bezeichnung "Kunst- und Ausstellungshalle" der Pressestelle der KAH (!) und den für diese Institution tätigen Graphikern nie besondere Freude gemacht haben dürfte. Viel zu lang und etwas sperrig. Die neue Bezeichnung "Bundeskunsthalle" ist da sicher leichter grafisch einzubinden und erspart den Journalisten ein paar Tastendrücke.

Doch die neue Bezeichnung ist auch semantisch bedeutsam. Denn schliesslich ist eine Kunsthalle weitaus weniger als eine Kunst- und Ausstellungshalle. In Ersterer geht es allein um die Kunst. In Zweiterer um sehr viel mehr als bloß nur um Kunst. Da gehts ums ganze Leben.

Ich frage mich also, wer ein interesse daran hat, das programmatische Spektrum der KAH auf die Kunst einschränken zu wollen? Ist das das nur das Resultat einer unbedachtsam agierenden Marketingabteilung oder steht da mehr dahinter?

Ist damit zu rechnen, dass aus der KAH - Kunst- und Ausstellungshalle - bald die BKH - Bundeskunsthalle - wird? Wenn ja, dann sollte man rasch dagegen protestieren, um einen weiteren Bedeutungsverlust der KAH zu verhindern.

Samstag, 19. Januar 2013

Willkommen in Bonn: Rein Wolfs

Ab dem 1. März hat die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (KAH) wieder einen Direktor: Rein Wolfs. Der Kunsthistoriker verlässt seinen Posten als Chef des Fridericianums in Kassel, um die KAH wieder auf einen guten Kurs zu bringen. Möge ihm das gelingen!

Dass ein Kunsthistoriker der neue Chef der KAH werden würde, war bei der Zusammensetzung der Findungskommission zu erwarten. Ob die Entscheidung gut war, werden die nächsten Jahre zeigen.

Ich habe da große Bedenken, die vor allem daraus resultieren, dass es offenbar Interessen gibt, die KAH mehr und mehr zur Bundeskunsthalle zu machen. Nein, sie ist eine Kunst-, aber auch eben eine Ausstellungshalle. Das bedeutet in programmatischer Hinsicht, dass neben Kunst dort auch andere Themen auf die große Bühne des nationalen und internationalen Ausstellungsbetriebs gehoben werden sollen.

Bislang fanden in der KAH Kunstausstellungen im Wechsel mit kulturhistorischen Ausstellungen statt. Zumindest letztere waren immer Ausstellungen von der Stange, also nicht wirklich von der KAH kuratiert. Ausstellungen, die durch mehrere Ausstellungshäuser tourten und in ihrem ewig gleichen Erscheinungsbild die Besucher mehr und mehr langweilten und nicht das aus den Themen herausholten, was man in den Räumlichkeiten hätte realisieren können. So gesehen war die Ausstellungsgestaltung dort nicht nur reichlich suboptimal, nein auch die Wahl der Themen hätte sicher etwas kreativer ausfallen können.

Warum gab's bisher kaum eine Ausstellung, die alltägliche Themen in den Mittelpunkt rückten? Den Karneval/die Ehe/Weihnachten/das Wasauchimmer im Kulturvergleich, deutsche Erfinder und Höchstleistungen auf dem Gebiet der Technik, Goethe, Schiller, Heine oder einfach nur etwas zur Entwicklung eines Themas der Alltagskultur. Am besten nach Abstimmung und in Symbiose mit parallelen Ausstellungen in den benachbarten Ausstellungshäusern.

Ja ich könnte mir sogar vorstellen, dass die KAH ein Ort sein könnte, der Jahr für Jahr die beste Wechselausstellung eines (auch kleinen) deutschen Museums, nach einem vorhergehenden Wettbewerb, in erweiterter Form präsentieren könnte. Um auf die Leistungen in der Provinz hinzuweisen und sie zu würdigen. Mit der erklärten Absicht, die KAH, als Ausstellungsrepräsentanz Deutschlands fungieren zu lassen und Anreize zu schaffen. Für alle deutschen Museen und für potentielle Ausstellungsbesucher aus dem In- und Ausland.

Die KAH, quasi als "Ausstellungszentrale" Deutschlands würde auf diese Weise einen erheblichen Bedeutungszuwachs erleben und nicht so da stehen, wie heute: Als Ort der Kunsthändler, höchst reisefreudiger Quasi-Kuratoren und Treffpunkt von überwiegend älteren Besuchern, die eher sozial als interessensgeleitet motiviert wurden, die KAH zu besuchen.

Möge es Rein Wolfs gelingen, eingefahrene Ausstellungstraditionen aufzubrechen, seine Handschrift sichtbar zu machen und die KAH wieder zu dem zu machen, was sie am Anfang mal war: Ein Ort der Inspiration für alle! Auch jüngere Besucher, die mehr wollen als den Kulturkanon in ewig gleichen Schachteln. Das Budget sollte das möglich machen.

Quelle: GA

Freitag, 11. Januar 2013

Frischer Wind für die Kunst- und Ausstellungshalle

... bleibt aus.

Obwohl die Findungskommission bis Ende 2012, den Nachfolgedirektor für die Kunst- und Austellungshalle der Bundesrepublik (KAH) benannt haben wollte, gibt es bis heute kein Ergebnis. Kein Wunder also, dass nun spekuliert wird.

Der General-Anzeiger macht da gerne mit und bringt einen so ungeeigneten Kandidaten wie den Kunsthändler Walter Smerling mit ins Spiel.

So schlecht, wie die KAH in den letzten Jahren da stand, so unbefriedigend ist die Findungskommision zusammengesetzt. Drei Kunsthistoriker, die einen Kunsthistoriker suchen. Das ist schon im Ansatz falsch. Denn die Kunst- und Ausstellungshalle ist der Idee nach nicht ein Zentrum der Kunstgeschichte, sondern eine Ausstellungshalle, in der Kunst und Geschichte eine gleichberechtigte Rolle spielen sollten. Es braucht also nicht zwingend einen Kunsthistoriker, sondern einen Menschen, der es versteht diese beiden Sphären so zusammenzuführen, dass das Publikum wieder Freude beim Besuch der KAH empfinden kann. Nicht mit Ausstellungen von der Stange, wie in den letzten Jahren, sondern mit Ausstellungsideen, die von der KAH entwickelt werden. Am besten mit solchen, die ungewöhnlich sind und Ausstellungsgestaltern, die mehr können und wollen als ihre Vorgänger und das auch dort umsetzen dürfen. Publikumsorientierten Ausstellunsgsmachern.

Bülent Gündüz wirft Marion Ackermann ins Rennen. Yeah, die ist gut und kreativ. Stephan Berg ist ebenso gut geeignet, nicht zuletzt deshalb weil er KEIN Kunsthistoriker ist und also breit denken kann.

Wenn ich mir einen Direktor für die KAH wünschen dürfte, dann würde ich einen Typen wie James Bradburne (Florenz) favorisieren. Einen Menschen, der in allen Welten zuhause ist und mit ihnen umzugehen versteht. Einen charismatischen Kopf, der Freude an Kultur in all ihren Ausformungen an alle möglichen Rezipienten vermitteln will - und kann.

In Kooperation mit Stephan Berg könnte so in Bonn ein Kulturzentrum entstehen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlen würde. Hell! Klar! Und sauber. Ohne miefig wirkendes bildungsbürgerliches Spießdünkeldenken und gewinnorientiertes Kunstmarketing. Ein Areal der Freude an Kunst und Kultur. Ein Ort, der wach macht. Ein Ort, wo man gerne ist, ohne sich blöd zu fühlen.

Nur ein Traum?

Montag, 12. November 2012

Rolandseck - der Tag danach

Wir haben's wahr gemacht und sind gestern mit der Dampflok ab Bad Godesberg in's Arp Museum gefahren. Mit zwei kleinen Jungs im Gepäck, die so mal leicht in ein Kunstmuseum zu locken waren.

Da kommt die Lok:
Die Dampflok kommt im Banhof Godesberg an

Wie zu erwarten, herrschte im Museum bei der Ankunft großes Gedränge. Erst mal weg. Nach einem kleinen Spaziergang am Rhein ein zweiter Versuch. Kürzere Schlange an der Kasse. Höchst sympathisch, dass die Dame an der Kasse unseren Jungens den Eintritt schenkte.

Sofort in die Sonderausstellung des Tages: "Lichtgestöber". Toll! Eine Austellung, die etwas erweitert auch gut in die Kunst- und Ausstellungshalle der BRD (KAH) passen würde. Eine Ausstellung mit einer Idee...

Obwohl weiter oben im Bau gerade mit einer Sonderausstellung das Hohe Lied auf Richard Meier gesungen wird, dürften Oliver Kornhoff und sein Team sehr darunter leiden, dass man für dieses Museum nur dann Gemälde als Leihgaben bekommt, wenn sie in dem Schuhkarton präsentiert werden, in dem gerade auch diese Sonderaustellung präsentiert wird.

Sonderaustellung: Richard Meier Rolandseck

So faszinierend das "Lichtgestöber" und der Museumsbau sind, so sehr langqweilten uns die Meier-Ausstellung (s.o.) und alle anderen Ausstellungen im Haus. Neben den Arps, die den Museumsmachern wie Blei am Hals hängen dürften, gibt's da viel zu viel Weiß und viel zu wenig Farbe, Spaß und Freude. Slotawa (gehts noch primitiver?) und gagaeske Wolkenpumpen? - Die bereiten nur denen Freude, die deren Freunde sind. Alle anderen dürften sie davon abhalten, das Museum weiterempfehlen zu wollen. Denn echte Freude an Kunst und Kultur bereiten sie wohl eher nicht. ...

So problematisch dieser Bau nicht nur im Hinblick auf die konservatorischen Bedingungen ist, so sehr sollte er doch auch Künstler und Kuratoren reizen, etwas aus ihm zu machen, das auch ein Publikum anspricht, das nicht nur einen Kopf und Abgrenzungstendenzen in eben demselben hat, sondern auch Sinne, Gefühle und Wünsche nach Ver- und Entrücktem. Die eher Kulturfernen unter 70, die nicht zur Upper-Class gehören und die, die einfach in Ihrer Freizeit nach Vergnügung suchen.
Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger etwa haben mit ihrer Ausstellung "Hochwasser – Trink oh Herz vom Überfluss der Zeit!" doch schon gezeigt, dass das geht. Warum nicht mehr von dieser Sorte?

dampflokfuehrer-IMG_0208

Trotz aller Meckerei: Im engeren Sprengel gehörte diese Aktion zu denen, die mir im Kunstkontext 2012 besonders gut gefielen. Wo sonst kann man schon mal mit der Dampflokomotive ins Museum fahren?

Die Museumsverantwortlichen hätten das sicher besser verkaufen können. Das ist nicht mein Problem. Finde ich aber trotzdem schade, dass sie es nicht getan haben.

Das Arp-Museum braucht mehr Mut! Viel mehr davon als bisher!

Mittwoch, 7. November 2012

Bahnhof Rolandseck: Mit der Dampflok ins Museum!

Kommenden Sonntag (11.11.12) wird im Arp Museum Bahnhof Rolandseck die Ausstellung "Lichtgestöber. Der Winter im Impressionismus" eröffnet. Die Ankündigung lässt eine höchst interessante Ausstellung erwarten :

"Sechs herausragende Winterlandschaften der berühmten Maler Claude Monet, Gustave Caillebotte und Alfred Sisley aus der »Sammlung Rau für UNICEF« bilden den Ausgangspunkt für eine groß angelegte Impressionisten-Ausstellung in der Kunstkammer Rau. Rund 55 hochkarätige Leihgaben aus internationalen Museen mit Werken von Courbet, van Gogh, Gauguin, Pissarro, Rohlfs, Liebermann, Slevogt und Corinth schildern den Winter in seinen vielfältigen Facetten vom lichten Schneegestöber bis zum frühlingshaften Tauwetter. Ursache für diese weiße »Farbexplosion « sind die außergewöhnlich strengen Winter der 1870er bis 1890er Jahre. Unmittelbar reagieren die Impressionisten auf die extremen Wetterbedingungen."

http://www.facebook.com/arpmuseumbahnhofrolandseck

Da das Arp Museum zugleich auch Bahnhof ist, haben sich die Veranstalter zur Eröffnung der Ausstellung etwas Besonderes einfallen lassen. Zwischen 9:30 und 17 Uhr pendelt die historische Henschel & Sohn T18 Dampflokomotive zwischen Bonn und Remagen. Die Mitfahrt ist kostenlos.
Fahrplan: http://www.arpmuseum.org/index.html

Großartige Idee, die gerade auch Familien mit Kindern und ein Publikum ansprechen dürfte, das nur selten Kunstausstellungen aufsucht.

P.S.: Die Vernissage der Ausstellung beginnt um 11 Uhr, aufgrund des Sonderzugfahrplans hat das Arp Museum bereits ab 10 Uhr geöffnet.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Heute im Rautenstrauch-Joest-Museum: Enttäuschungen

Ein Herbstwochenende ohne alle Pläne. Was tun? Nachdem wir die letzten Wochenenden in sozialen Gruppen (Freunde, Familie, Fußballverein) verbracht hatte, dachten wir, dass uns nun wieder einmal etwas Hochkultur gut tun würde. In einer richtigen Stadt. Die Wahl fiel auf Köln und das Rautenstrauch-Joest-Museum. Nicht zuletzt weil wir es in guter Erinnerung hatten. Außerdem gewann es dieses Jahr aus gutem Grund den Museumspreis des Europarates. Zwei gute Gründe also, ihm wieder einmal einen Besuch abzustatten.

Von der freundlichen Dame an der Kasse darauf hingewiesen, dass in 15 Minuten die Führung durch die aktuelle Sonderausstellung "Rama und Sita - Indiens schönste Liebesgeschichte" beginnen würde, entschieden wir uns spontan, unseren Besuch damit zu beginnen.

Ein sehr netter älterer Herr begann die Führung mit einführenden Worten. Vielen Worten, die sicher nötig waren, um die Teilnehmer mit dem Thema langsam vertraut zu machen. So langsam, dass ungeduldige Zuhörer, wie ich, schon mal einen Blick in die nächste Ausstellungsabteilung warfen. Pardon! Für mich sind Ausstellungen immer erst einmal Sehvergnügen und keine Hörspiele. Der Blick nach vorne setzte meinem Interesse ein rasches Ende. Denn sehr schnell wurde mir klar, dass die Exponate lediglich den Anlass dafür boten, eine Geschichte zu erzählen. Die Exponate selbst standen in dieser Ausstellung an zweiter Stelle. An erster Stelle kam die Story. Why not?

Rama Sita© Museum Rietberg Zürich/RJM

Warum nicht? Nu, weil sie mich schlicht überfordert hat. Klar kann man Ausstellungen machen, die eine Geschichte erzählen. Gute Ausstellungen sollten das sogar. Doch dann sollten sie mehr zu zeigen haben, als 87 kleinformatige Bildchen, die sehr viel Vorwissen indischer Kultur voraussetzen, um sie in ihren Feinheiten verstehen zu können.

Die Ausstellungsgestalter haben sich wirklich alle Mühe gegeben, diese Bilder so in Szene zu setzen, dass der Ausstellungsraum gut bespielt wirkte.

Rama Sita RJM Cologne

Es ist sicher nicht das Unvermögen der Ausstellungsgestalter, dass diese Ausstellung wohl alle Besucher an die Grenzen ihres Wohlwollens bringt. Im Gegenteil: Die Ausstellungsgestalter taten alles, um die Ausstellung optisch interesant zu machen.

Doch manche Themen eignen sich einfach nicht für Ausstellungen. So dieses hier. In einem hübschen Buch oder einer geschickt gemachten Sendung im TV wäre es sicher sehr viel besser aufbereitet gewesen. Ein Ausstellungsgestalter mit Mut hätte die Kuratoren darauf hinweisen müssen. Finde ich.

Nach dieser wenig fesselnden Ausstellung suchten wir unser Vergnügen in der Dauerausstellung. --- Und fanden es. Die Dauerausstellung zeigt, wie man gute Ausstellungen macht. Mit Raumeindrücken, die begeistern und Medien, die so eingesetzt sind, dass es Freude macht, mit ihnen umzugehen. Wer eine Ausstellung in Köln sehen will, die er nie vergisst, der muss das Rautenstrauch-Joest-Museum unbedingt besuchen. Da hat der Brückner ein Glanzstück hingelegt.

RJM Cologne

Weniger schön und unverständlich: Warum wird neuerdings das Fotografieren in der Dauerausstellung untersagt? Hat das "Rautenstrauch" schon so viel Erfolg gehabt, dass es keine Publicity mehr braucht?





Hinterrücks aufgenommen: Die Aufseherin/Wärterin/Security-Dame (oder wie heissen die heute?) möchte meinen Sohn auf die Interaktionsmöglichkeiten hinweisen. War nett von ihr gemeint, kam aber bei ihm ganz schlecht an. Er wollte nur mal kurz die Atmosphäre dieses Raums in sich aufsaugen. Schade, dass sie ihm das versaut hat.

Fazit: a) Zukünftig sollten Sonderausstellungen eingekauft werden, die es wert sind, eingekauft zu werden. "Rama und Sita" war ein Fehlkauf. b) Fotografierverbote in Dauerausstellungen sind nicht mehr zeitgemäß - und dumm, weil sie das Publikum verschrecken c) So nett die Ansprache vom Personal gemeint ist, so sehr kann sie nach hinten losgehen, wenn dieses nicht gut genug geschult ist. Doof für beide: das Aufsichtspersonal und uns Besucher.

Freitag, 31. August 2012

Das Grobkonzept der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ist nun endlich online.

Stiftung-Flucht-vertreibung-versoehnung

Sie finden es unter diesem wenig guten Logo auf der Homepage der Stiftung: www.sfvv.de

Aus der Pressemitteilung: "Kulturstaatsminister Bernd Neumann: „Mit der jetzt vorliegenden Konzeption und dem im letzten Jahr entschiedenen Architektenwettbewerb für das Ausstellungs- und Dokumentationszentrum ist das inhaltliche und bauliche Fundament für die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung gelegt. Mit der einvernehmlichen Verabschiedung in beiden Gremien der Stiftung ist die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz auf breiter Grundlage gegeben [sic!, JB]. Nun kann die detaillierte Ausarbeitung der Dauerausstellung beginnen.“"

Die Debatte ist eröffnet...

Futterkiste

xml version of this page Follow Me on Pinterest
Ich bei Facebook: Facebook

Dieses Blog durchsuchen

 

Kontakt

QR Code

Kommentare

Danke für den Hinweis!...
Danke für den Hinweis! Erscheint heute...
MariaBettina - 2014-03-17 09:33
Danke für den Hinweis,...
Danke für den Hinweis, Jörn. Genau solch...
rhwinter - 2014-01-13 09:48
Offene Fragen
Liebe/r Frau/Herr Paul, die Frage 5 scheint bald...
Joern Borchert - 2013-11-11 20:16
Alle suchen Gurlittt
In der Tat, Herr Borchert, scheint es die meisten Medien...
T.Paul - Artinfo24 (Gast) - 2013-11-11 13:21
@cogries
Dank Dir für den ausführlichen Kommentar....
Joern Borchert - 2013-11-08 01:14

Links in separatem Fenster

alle Links auf der aktuellen Seite in einem neuen Fenster öffnen 

Status

Online seit 3153 Tagen

Zufallsbild

Schloss-mit-opa-und-rosen

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Zählwerk

Besuche werden mit StatCounter gezählt.

Rechtliches


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

Impressum

Jörn Borchert
museologie [at] gmx [punkt]de

Jörn Borchert ist der Verantwortliche und Betreiber dieser Website sowie inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 10 Absatz 3 MDStV.
Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehme ich keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Haftungsausschluss