Vom 12.10. bis zum 7.11.2010 präsentiert der Direktor des
Museum Ludwig - Kasper König - in der Reihe "gesehen und geliebt" seine Privatsammlung im eigenen Haus.
Mir stockte der Atem, als ich diese Ankündigung im Informationsheft zum 4. Quartal 2010 des Museum Ludwig
las.
Natürlich liegt es nahe, Kunst zu sammeln, wenn man sich für Kunst begeistert. Problematisch wird es dann, wenn man Direktor eines Kunstmuseums ist. Denn dann unterliegt man gewissen Bestimmungen der öffentlichen Hand, die darauf abzielen, Korruption zu verhindern.
Bestimmt gibt es gute Gründe, warum ICOM die Paragraphen 8.12-18 in seinen
Code of Ethics aufgenommen hat und kommunale Verwaltungen wie private Firmen sich sehr darum bemühen, ihre Mitarbeiter davon abzuhalten, ihre berufliche Stellung dazu zu nutzen, geldwerte Vorteile jenseits ihres Jobs zu erlangen.
Wer als Kurator in einem Museum arbeitet, ist sich bewusst, dass eigene Sammlungstätigkeit problematisch ist und dass er etwa von einem Ausstellungsgestalter nicht einmal zum Essen eingeladen werden darf, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Das ist oft überzogen. Aber begründet.
Begründet durch Verhaltensweisen wie die von Kasper König, der sich nicht scheut, seine eigene Sammlung in einem Museum zu präsentieren, das von uns allen finanziert wird und dessen Direktorengehalt wir alle bezahlen.
Unweigerlich fragt man sich, wie viele Künstler oder andere Sammler ihm etwas schenkten, um im Museum Ludwig präsentiert zu werden oder zumindest in die Sammlung aufgenommen zu werden.
Ist Kasper Koenig dement? - Weil ich sein zuweilen sperriges Auftreten und seine Ausstellungen mag, will ich das nicht glauben. Ja er ist alt. Er steht ganz oben. Doch dement? Nee.
Ist er nur doof? - Glaube ich nicht. Vor Gericht würde er vielleicht Unwissenheit anführen. Glauben würde das jedoch keiner. Der Mann muss das Business- und seine Regeln kennen. Oder?
Ich fürchte, dass er einfach nur dreist ist.
Dreist genug, um sich über alle Vorschriften, Bestimmungen und jewede Ethik hinwegzusetzen, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen, die ihm eigentlich verboten sind. Als einer der weltweit maßgeblichen Kuratoren, die aktuell über das Kunstgeschäft bestimmen. Als Oberhaupt von Kunsthändlern, deren biologischer Vater er ist. Wie schon 2006 in der
ZEIT nachzulesen war.
So sehr ich Königs Impulse mochte - mit dieser Ausstellung liefert er den Beweis, dass er unter einem gewissen Realitätsverlust leidet. Oder wie ist zu erklären, dass er in aller Öffentlichkeit demonstriert, dass er sich an international gültige Normen nicht gebunden fühlt?
Schade. Wieder ein Stern, der von meinem Firmament verbannt wird.
PS: Mich wundert nur, dass die Antikorruptionstelle der Stadt Köln bei der Ausstellung seiner Privatsammlung nicht aktiv wird. Wahrscheinlich ist der Schaden, den er durch sein Tun angerichtet hat, minimal gegenüber den Schäden, die in der Kölner Stadtverwaltung üblich sind. -- Kölner Klüngler und Korruptionskünstler verstehen diese Sätze wahrscheinlich gar nicht. Vielleicht andere.
Zum Nachlesen:
ICOM Code of Ethics for Museums, 2006