Kultur für Kids

Montag, 15. April 2013

Paris mit Kindern? Nur, wenn's sein muss!

Alle Leser dieses Blogs wissen, dass ich Paris liebe. Nirgendwo sonst in Europa kann man so viel auf einmal sehen wie in Paris. Viel Kunst und noch viel mehr Kultur(en).

Paris-stoffe-IMG_1741

Jedes Stadtviertenel hat seine Eigenheiten und seine Atmosphäre. Östlich vom Gare du Nord die Inder. Westlich davon die Afrikaner. Am Place d'Italie die Asiaten. Zwischendrin Viertel, deren Erscheinungsbild von Textilhändlern, Auktionshäusern oder anderen Gewerben geprägt ist. Die Vielzahl der gastronomischen Betriebe muss nicht extra erwähnt werden. Tagsüber Gewimmel. Nachts wunderbare Lichtstimmungen. Paris ist eine Stadt, in der man sich niemals langweilen wird. Erwachsene lieben diese Vielfalt der Eindrücke.

Doch wie (üb)erleben Kinder Paris?

Das Versuchskaninchen war unser Sohn. 11 Jahre alt. Aufgewachsen in einem Dorf vor den Toren von Bonn. Ein wacher Kerl, der so ist, wie viele kleine Kerle halt heute so sind, die Fußball mehr mögen als Museen.

In der Cite des Sciences

Da meine Frau mehr als acht Jahre in Paris lebte, ich sie dort kennen und lieben lernte, dachten wir, dass es eine gut Idee wäre, unseren Sohn nun mal mit Paris bekannt zu machen. Mit den Orten, wo wir uns ineinander verliebten und mit den Orten, die Paris ausmachen.

Fangen wir mit dem Ergebnis an:

Ein Paris-Besuch mit kleinen Jungs seiner Art, und sicher auch mit anderen Kindern, sollte sehr sorgfältig vorbereitet werden. Sehr viel sorgfältiger als wir das getan haben.

Die Vielfalt der Eindrücke, die auf Kinder in einer Stadt wie Paris einprasseln, werden von Erwachsenen sehr unterschätzt. Das fängt damit an, dass Kinder ganz real eine andere Perspektive als Erwachsene haben. In der meist überfüllten Metro sehen Kinder nur die unteren Teile der Rücken vieler Menschen, wo Erwachsene einen Überblick über die Situation haben und in Gesichter sehen. Darüber hinaus verstehen sie kein Wort und können auch nicht verstehen, was sie lesen. Das irritiert sie weiter. Alles ist neu. Alles ist anders. Sorgen Sie also dafür, diese Irritationen zu minimieren. Etwa, indem sie statt der Metro eher mit Bussen fahren und in Bars einkehren, die jenseits der touristischen Flugschneisen liegen. Ein Sandwich an der Seine oder im Jardin du Luxembourg ist allemal besser als ein Hamburger in den Galeries du Louvre.

Das muss auch mal sein!

Tipp 1: Lassen Sie keine Gelegenheit aus, für Entspannung zu sorgen! Entwickeln sie einen Blick für ruhige Orte.

Wir kennen uns ziemlich gut in Paris aus und dachten also, dass wir ihm schon genug zeigen könnten, was ihn potentiell begeistern könnte und im Falle des Falles auch gut improvisieren könnten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass einige seiner Kumpels da schon waren und solche Städtereisen gut für's Image sind, konnten wir davon ausgehen, dass er bestens motiviert war, die Mühen der großen Stadt auf sich zu nehmen.

Neben den Eindrücken gehören zu den Mühen in einer großen Stadt die langen Wege. Man latscht sich halt die Füße platt. Ob auf dem Weg zu Museen oder anderen Sehenswürdigkeiten, man läuft den ganzen Tag. Ich glaube kaum, dass es jemals einen Paris-Besucher gab, der am Abend nicht um schmerzende Füße oder Beine klagte. Erwachsene können sich das erklären. Kinder sind davon erst einmal negativ überrascht.
Einen Tag, nicht mal an dem anstrengendsten, lief bei uns auf dem iPhone eine App mit. Am Ende des Tages hatten wir auf Straßen und in Museen knapp 16 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht in etwa der Strecke von Bonn nach Meckenheim. Ein Vielfaches von dem, was wir gewohnt sind. Vergessen Sie dabei nicht, dass ein Kind seine Beine fast doppelt so oft bewegen muss wie ein Erwachsener, um die gleiche Strecke zurückzulegen.

Tipp 2: Wenden Sie alle Tricks an, ihr Kind davon zu überzeugen, dass die uncoolen Wanderschuhe viel besser geeignet sind, Fußschmerzen zu reduzieren, als die coolen "All-Stars". machen Sie ihren Kindern klar, dass auch die, die in Paris wohnen, über die langen Wege klagen.


Nun aber zu dem wichtigen Punkt: Was kann ich mit Kindern in Paris anschauen?

Dazu gibt es hunderte Webseiten und tausende Einträge in entsprechenden Foren, selbst wenn man das Disneyland unberücksichtigt lässt. Ich habe bislang keine Website zum Thema gefunden, die ich besonders empfehlen möchte. Alle ignorieren, was Kinder leisten können und wollen.

Tipp 3: Googeln sie erst gar nicht nach "Paris mit Kindern". Kostet viel Zeit und bringt gar nichts, um ihren Familienaufenthalt in Paris angenehm werden zu lassen. Sie müssen ihren eigenen Weg finden. Sorry.

Klar! Eltern, die Kinder haben, die nichts schöner finden, als Museen zu besuchen, haben in Paris das Paradies gefunden. Da gibt es so viele Museen, die etwas für Kinder anbieten, das museumsbegeisterte Eltern sich vor Freude eigentlich überschlagen sollten.

Hauptflugschneise....

Unser Sohn gehört, wie wohl die meisten Kinder seines Alters, nicht in diese Kategorie. Er steht Museen eher skeptisch gegenüber. Wenn die Atmo stimmt, es gute Computerspiele oder eindrucksstarke Räume dort gibt, findet er sie auch gut. Doch die meisten Museen findet er reichlich überflüssig, weil sie nichts mit seinem Leben und seinen Interessen zu tun haben. Weil ich ebenfalls Probleme mit Museen habe, die lebensfern sind oder nur dazu dienen, die Plattform dafür abzugeben, kultürlich zu erscheinen und soziale Schranken aufzubauen, kann ich ihn gut verstehen.

Dooferweise ist in Frankreich offensichtlich angeordnet worden, dass alle Museumstexte der nationalen Museen nur in Französisch, Englisch und Spanisch verfasst sein dürfen. Das macht Museumsbesuche mit deutschen Kindern nicht einfach. Die Eltern müssen dauernd übersetzen, wenn sie wollen, dass ihre Kinder etwas verstehen. Es dauert meist nicht lange, und die Kinder sind ebenso entnervt wie ihre Eltern.

Ich schreibe das übrigens aus der Perspektive eines ICOM-Mitglieds, der in alle öffentlichen Museen kommt, ohne stundenlang in Schlangen vor dem Eingang anstehen zu müssen. Wir laufen quasi direkt ins Museum. Wer die ICOM-Card nicht hat, muss sich sehr genau überlegen, in welcher Schlange vor welchem Museum er seine Kinder quälen will, damit sie etwas sehen können, was sie meist nicht oder nur kaum interessiert. Bevor man den Louvre oder den Gare d'Orsay besucht, sollte man mit Kindern eher die Cité des Sciences, das Naturkundemuseum oder das Musée des Art et Métiers besuchen. Sicher auch die Rolltreppen des Centre Pompidou. Nur die!

Pompidou

Tipp 4: Je weniger Museen ihre Kinder besuchen müssen, umso mehr werden ihre Kinder Paris lieben lernen. Mit Jugendlichen wird das nicht viel anders sein. Bleiben Sie entspannt. Mit 17/18 Jahren, wenn Sie nicht dabei sind, werden ihre Kinder Paris lieben.

Wie oben schon angedeutet: Paris ist eine Stadt, die alle paar hundert Meter Überraschungen bereit hält, die Kindern Gedanken in den Kopf setzen, die sie bisher noch nicht hatten. Wer Paris mit Kindern besuchen will, der sollte sich auf das konzentrieren, was Kinder interessiert. Das Leben!

Da können sie mal darüber nachdenken, warum es in manchen Straßen rund um die Metro-Station "Château-Rouge" Frisöre gibt, die auf Haare von Menschen afrikanischer Herkunft spezialiert sind. In der Passage Brady können sie mal einen kleinen Ausflug nach Indien unternehmen. Ein asiatischer Supermarkt in der Nähe des Place d'Italie ist auch eine Reise wert. Da riecht und sieht man was, was man bisher noch nie roch oder sah.

Ja, sogar Sacre Coeur kann gut sein. Vorausgesetzt man spart sich seine Kräfte und benutzt die Funiculaire und hat das Glück den Fußballkünstler Iya Traore dort anzutreffen.



Ja, die Aussicht ist bei klarem Wetter auch schön. Die Kirche selbst wird Kindern allerdings keine Freude machen. Erwachsenen auch nicht. Rund um die Metrostationen der Umgebung sind die Pickpockets besonders aktiv. Ebenso die Hütchenspieler-Banden. Jungs, die Freude an Detektivspielen haben, bekommen da also viel geboten.

Werbung, die ich nicht vergessen werde.

Übrigens auf Platz 2 der persönlichen Hitliste unseres Sohnes landete das Shoppen. Nee, damit war nicht nur Abercrombie& Fitch gemeint, sondern alle Geschäfte überhaupt. Und tatsächlich gibt es ja auch unzählige Geschäfte in Paris, die spannender als die sind, die wir in Deutschland haben. Auch die "Arabs" gehörten wegen ihrer ungewöhnlichen Öffnungszeiten und ihres Ambientes zu den Shops, die seine Neugier weckten. Ich ärgere mich, dass wir ihm keinen der faszinierenden, bunten und sinnesfrohen Wochenmärkte gezeigt haben. Tun wenigstens Sie das, wenn Sie ihren Kindern das Pariser Leben nahe bringen wollen. [Special-Tipp für Väter nahe an einem Markt: Le Baron Rouge.]

Platz 3 nahmen dann die Rinnsteine bzw. die Praktiken der Straßenreinigung in Paris ein. Er fand es höchst interessant, dass man in Paris, von Zeit zu Zeit, Wasser durch die Rinnsteine laufen lässt, um sie zu reinigen. Auch die hübschen grünen Plastik-Besen, die Reisig-Besen nachempfunden sind, gefielen ihm. Ebenso die Fahrzeuge, die Wasser verspritzten, um die Straßen zu reinigen.

Tipp 5: Vergessen Sie mal das, was Ihnen als "Must" in Paris erscheint und suchen sie mit Ihren Kindern jenseits der Sehenswürdigkeiten nach all dem, was für sie ungewöhnlich ist. Da gibt es so viel zu entdecken. Viel mehr, als Sie sich jetzt vorstellen können. Lassen Sie sich von ihren Kindern überraschen und gewinnen Sie einen neuen Blick auf Paris! Einen jenseits der Sehenswürdigkeiten. Die sind viel langweiliger als das echte Leben.

Nachdem ich Ihnen schon Platz 2 und 3 der Hitliste unseres Sohnes genannt habe, erraten Sie Platz 1 ohne Mühe. Klaro! Der Eiffelturm.
Bevor Sie hier auf meiner Seite gelandet sind, haben sie sicher schon herausgefunden, dass man dafür Tickets online buchen kann. Tun Sie das!!! Allerdings klappt das nur, drei bis vier Monate im Voraus. Wenn sie zu denen gehören, die in kleineren Zeiträumen planen, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als auf das nächtliche Paris zu schauen. So ab etwa 21 Uhr sind die Wartezeiten für die Fahrstühle noch erträglich. Wer das Schlange stehen verkürzen will, der muss Treppen steigen. Der eine steigt, der andere wartet. Am Ende sind sie zur gleichen Zeit auf der zweiten Etage.

Diesen Blick wird er wahrscheinlich nie vergessen,

Egal! Paris ohne Eiffelturm ist wie Spaghetti-Eis ohne Erdbeersauce.

Tipp 6: Sie machen den Besuch des Eiffelturms wesentlich spannender, wenn Sie nicht direkt zur Station "Champ de Mars / Tour Eiffel" fahren. Wählen Sie stattdessen die Metro-Station "Trocadéro". Dort bekommen Sie einen Blick auf den Turm, den Sie nie vergessen werden. Kleine fliegende "Untertassen" oder mechanische Vögel werden ihren Kindern sehr viel Freude machen. Alles Nepp! Aber Nepp, der Freude macht!

Paris-tom-eiffel-IMG_1512

Wir waren im März 2013 in Paris. Im Nachhinein ist uns klar geworden, dass man mit Kindern nur in der wirklich warmen Jahreszeit Paris besuchen sollte. Einfach deshalb, weil man sich dann in den zahlreichen Parks oder an der Seine niederlassen kann, um sich zu entspannen. Schön auch, die kleinen Segelschiffchen im Jardin du Luxembourg oder in den Tuileries auf's Wasser setzen zu können oder sie einfach nur zu beobachten.

Wie auch immer: Machen Sie sich nichts vor! Wenn sie mit ihrer Familie nach Paris fahren, dann sind sie den ganzen Tag unterwegs. Es sei denn, sie haben ein Hotel mitten im Zentrum gebucht. Da hilft es sehr, sich mal auf eine Wiese legen zu können oder auf eine Parkbank zu setzen. Um die Seelen baumeln zu lassen oder aus entspannter Warte dem Metropolen-Leben zuzusehen.

Tipp 7: Nur mit Kindern nach Paris fahren, wenn's warm ist!

Zum Schluss ein Bitte: Wenn Sie nach Paris fahren wollen, um sich eine Freude zu machen, dann tun sie das!
Wenn Sie denken, dass Sie auch ihren Kindern damit eine Freude machen könnten, dann würde ich vorschlagen, einen Aufenthalt zu planen, der nicht länger als drei Tage dauert. Drei Tage mit Kindern in Paris reichen völlig, um den Eiffelturm zu erklimmen, die Pariser Atmosphäre einzufangen, ein bißchen zu shoppen und alles zu sehen, was die Pariser Straßenreinigung auszeichnet.

Tipp 8: Chocomel & Orangina. Vor allem aber alles ausprobieren, was die Bäckereien so anbieten.

An ein Croissant aux Amandes denkend, habe ich glatt vergessen, was ich noch schreiben wollte, um sie davon abzubringen, mit Kindern Paris besuchen zu wollen.

;-)

Montag, 1. April 2013

Palais de Tokyo: Kinder im Museum

Bevor wir das Palais de Tokyo besuchten nahmen wir erst noch einen Drink und ein paar wirklich leckere Macarons zu uns. Während wir da so saßen, tranken und aßen, wurde eine Gruppe von kleinen, etwa fünfjährigen Kindern ins Haus geführt.

?

Meinem Berater fiel fast das Glas aus der Hand, als er das sah. "Ey Papa, dürfen die denn das? So kleine Kinder in ein Museum bringen?" Ich erklärte ihm daraufhin das französische Schulsystem. Wenige Minuten später meinte er: "Gibt es in Paris eigentlich kein Jugendamt?"

kinder vor kunst

Ich konnte seine Bedenken gut verstehen und mir fiel auch nichts ein, was seine Sorgen hätte auflösen können. Ich hab ihm also nicht widersprochen. Fand's aber gut, dass er Mitleid empfand. Die besten Museumsberater haben Mitleid mit den Besuchern von Museen. Nur so können sie sie besser machen.
Nee, nicht die Besucher. Die Museen!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Breda's Museum: Kinderausstellung

Im Breda's Museum sah ich endlich mal den Ansatz dessen, was ich gerne meinen Klienten empfehle. Nämlich, dass ein gutes Stadt- oder Heimatmuseum den Charme von Omas Dachboden haben sollte, um Neugier und Entdeckerfreuden zu wecken. Also nicht das Abwaschdesign, das zunehmend diesen Museumstyp erobert.

Kinderausstellungsbereich im Breda's Museum

Es handelt sich dabei zwar nur um wenige Quadratmeter Ausstellungsfläche in der Chassékazerne, die unter dem Titel "Stofnesten" auf die jüngsten Besucher (ca. 4 - 8 Jahre) des Hauses ausgerichtet sind, aber die deuten an, welches Potential in diesem Gedanken steckt. Hier in Breda können die kleinen Besucher Sachen entdecken, die ein breites Spektrum historischer Themen berühren: Technik, Geographie, Religion, Alltagsgeschichte, Schule und mehr. Von Lichtschranken ausgelöste Töne oder Geschichten machen diesen "Dachboden" noch kurzweiliger. Kommt bei kleinen Kindern bestimmt gut an.

Für die erwachsenen Besucher: Die aktuelle Sonderausstellung über "Peter van Brendel, den Meister der Lichter in der Nacht" ist ebenenfalls höchst empfehlenswert.
Also, wenn Sie mal da sind...

Donnerstag, 8. November 2012

Schuhe sammeln: All Stars 2011/2012

Seitdem mein Sohn letztes Jahr in der Ausstellung "Mit 17 - Jung sein in Deutschland" des Hauses der Geschichte sah, dass Schuhe wie seine museums- und vitrinenwürdig sind, besteht er darauf, dass seine heißgeliebten, ausgelatschten und verdreckten "All Stars" einen eigenen Rahmen im häuslichen Ausstellungsflur haben.

Das darf nicht weg. Das ist Kultur!

Hier die Jahrgänge 2011 und 2012. Den Jahrgang 2013 werden wir auch noch in den Rahmen pressen können. 2014 mit Mühe. Doch was ist dann?

Das hat man nun davon, wenn man mit Kindern Ausstellungen besucht: Da bekommen sie Ideen in den Kopf, die sie ansonsten nie gehabt hätten. Egal! Uns macht das Sammeln und Ausstellen abgeranzter Schuhe Freude. Vor allem, weil manche Besucher unserer kleinen Hausausstellung sich wundern, womit wir unsere Wohnung dekorieren. - So soll das sein!

Dienstag, 6. November 2012

Video: Regeln für den Museumsbesuch

Ein Video von Kindern (naja) für Kinder zur Frage: Wie verhalte ich mich so in einem Museum, dass es den Erwachsenen gefällt?"

Entstanden im Rahmen des de Young Museum's teen ambassador program in San Francisco, CA.



Ob das wirklich so gemacht ist, dass Kinder Lust auf einen Museumsbesuch bekommen? Mich würde diese naseweise Kindergreisin eher abschrecken.

Mittwoch, 23. November 2011

Das kinderfreundlichste Museum der Niederlande

Was ist das Museum der Niederlande, das den Wünschen von Kindern am besten entgegen kommt?

Museum-explorer

Um das herauszubekommen, haben ANWB Explorers in Kooperation mit der Niederländischen Museumsvereinigung die Kinder ihres Landes dazu aufgerufen, die Museen der Niederlande einem Kindertauglichkeitstest zu unterziehen.

Das Projekt läuft unter der Bezeichnung "Museuminspecteurs". [Da auch mehr Infos dazu]

Ich bin gespannt, welche Museen ganz oben auf der Liste der Kinder stehen werden. Im Mai 2012 werden wir es wissen.

By the way: Den Museen unserer Bundesrepublik würde es bestimmt auch nicht schaden, wenn sie einem Wettbewerb ausgesetzt würden, bei dem Kinder die Juroren sind. --- Nur die wissen, wie die Zukunft aussieht!

Donnerstag, 15. September 2011

Wallraf: Musikalische Kinderrallye durchs Museum

Ringel Klingel

Kommenden Sonntag, den 18.9., können die guten Kinder unter den unsrigen das Wallraf musikalisch erkunden:

"Zwischen Rembrandt und Rubens mit Eimer und Besen so richtig Krach machen? Gemeinsam mit Stefan Lochners "Muttergottes" einem Minnesänger beim Musizieren lauschen? Oder lieber einen Tanz für eine Frauenstatue erfinden? Am Weltkindertag wird es im Wallraf-Richartz-Museum rhythmisch, laut und aufregend."

Einem Minnesänger vor der Muttergottes lauschen. Eine Frauenstatue umtanzen. Mit Putzmitteln vor Rembrandt Krach machen. Vielleicht ein (Lager-)Kerzenfeuer vor Lochners Jüngstem Gericht?

So sehr mich das Wallraf begeistert, so sehr frage ich mich, welches Kinderbild die MuseumspädagogInnen dort hegen und pflegen. Zumindest keines, was die Kinder aus Chorweiler, Merheim oder gar meines ansprechen könnte. Ein Programm für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren? Für Mädchen und Jungen? Eine höchst heterogene Zielgruppe, die mit so einer Veranstaltung kaum komplett zu erreichen sein dürfte.

Ich hoffe allerdings, dass der Texter nur ungeschickt formuliert hat und dass die Veranstaltung besser ist als ihre Beschreibung.

Ich kann mir keinen 12-Jährigen vorstellen, der eine Staue umtanzen mag. Sie etwa?


Mehr Infos: Ringel, Klingel und Rabatz

Montag, 23. Mai 2011

Nachgedacht: Was kann logo!, was Museen nicht können?

Meine Leser wissen, dass ich einen Sohn habe, der 9 Jahre alt ist, begeistert Fußball spielt, sich für seine Umwelt interessiert und notgedrungen - man kann sich seinen Vater ja nicht aussuchen - ab und an Museen besuchen muss.

Ich bin froh, dass schon einige dabei waren, die ihm gefallen haben. Ich finde auch gut, dass er langsam beginnt, Präsentationen selbst beurteilen zu können.

Mal schifft in seiner Einschätzung ein Museum ab, weil die Klos nicht sauber und die Fritten nicht lecker waren oder es keine Pfannekuchen gab. Oft auch deshalb, "weil man nichts tun konnte und es nichts für Kinder gab". Kunstmuseen rangieren meist zwischen den Kategorien "langweilig" bis "Danke Papa, dass Du so schnell fertig warst." Ausnahmen bestätigen die Regel: ARP-Museum, WRM/Köln.

Die Einrichtungen der Mittelklasse zeichneten sich dadurch aus, das man da was tun konnte, aber nicht verstanden hat, wozu das gut sein sollte. Zum Beispiel Odysseum/Köln. Ist ja aber auch kein Museum. Die Differenzierung kommt erst in der nächsten Phase der Ausbildung zum Ausstellungskritiker. ;-)

In der Spitzengruppe rangieren bei ihm die Einrichtungen, die Räume mit Ausstrahlung zu bieten haben. So steht das Rautenstrauch-Joest Museum, ziemlich weit oben. Auch das Museum voor Communicatie/Den Haag erwähnt er immer wieder als positives Beispiel. Doch wenn er das Highlight seiner jungen Besucherkarriere benennen soll, dann nennt er kein Museum, sondern das Panorama Mesdag/Den Haag. Seine Worte in etwa: "Papa, am tollsten war das Museum, wo man erst so eine Treppe hoch steigen musste, wo es ganz dunkel war. Und oben wurde es dann ganz hell und man sah den Strand und viele alte Häuser. Fast so wie in echt." (Ich schrieb darüber.)

Das war toll!

Tom blickt also auf die Einrichtungen, die ihm wie Museen vorkommen, mit seinen eigenen kritischen Augen. Was mir gefällt, muss ihm nicht gefallen und andersrum ist das auch so. Langsam werden die Gespräche auf den Heimfahrten immer interessanter, weil seine Einschätzungen zunehmend differenzierter werden und ich immer mehr von ihm lernen kann.

--- Cut ---

Heute kam am Abendbrottisch die Frage auf, warum er mit voller Begeisterung und höchstem Interesse fast jeden Abend Logo! bei Kika guckt, aber Museen zunächst einmal eher langweilig findet. Warum ist das TV besser als ein Museum?

Meine Schlussfolgerungen aus unserem Gespräch:

a) Es ist das Medium. Das attraktivste Medium in dieser Altersgruppe ist ohne Zweifel das Fernsehen. Bücher sind auch schön, aber aus eigenem Antrieb würden wohl alle Kinder seiner Altersgruppe eher das TV bevorzugen als das Buch, wenn nicht Pädagogen und Eltern gegensteuern würden.

b) Wichtiger erscheint mir, dass Tom Logo! aber vor allem deswegen so mag, weil es ihm die Nachrichten nahe bringt, die HEUTE wichtig sind. Keine Kindergeschichten mit pädagogischem Impetus oder romantische Erzählungen aus Grimms Zeiten, sondern das, was die Menschen gerade interessiert. Die erwachsenen Menschen! Er fühlt sich ernst genommen. Denn thematisch entspricht Logo! durchaus den Nachrichten, die die Erwachsenen jeden Abend sehen.

Diese sind so aufbereitet, dass ein Kind von etwa 10 Jahren sie verstehen kann. Für das Verständnis wichtige Hintergrundinformationen sind wesentliche Bestandteile der Sendung. Die Kinder fühlen sich gut, weil sie verstehen, dass sie die gleichen Informationen wie die Erwachsenen bekommen. Nur besser aufbereitet. Klar. Aber so, dass man mit Mama, Papa, Omi und Opa über das reden kann, was gerade in der Welt passiert.
Auf Augenhöhe!!!

Und da komme ich wieder zu Museen und ihren Vermittlungsbemühungen. Das, was sie den Kindern anbieten, mögen diese oft nicht, weil sie sich nicht wirklich ernst genommen fühlen. Ist den Kindern entweder viel zu "babyhaft" oder viel zu didaktisch, zu sehr aufs Lernen ausgerichtet. Erinnert sie viel zu sehr an die Schule. Dabei sind Museen doch Freizeiteinrichtungen. Oder etwa nicht?

Wie sehr würde ich mich also freuen, wenn auch Museen - nicht nur das TV - die Kinder als Zielgruppe ansprechen würden, die nicht die dressierten Kunstpudel von Eltern sind, die dem Förderwahn verfallen sind. Sondern auch Kinder mit eigenem Kopf, höchst eigenem Selbstbewusstsein - und eigenem Stolz. Eigenständige Kinder halt.

PS:
Vor vielen Jahren sah ich im Museum national d'Histoire Naturelle/Paris eine Ausstellung, die zeigte, wie das geht. Oben die exponatbegleitenden Informationsmedien für die Erwachsenen, unten die für die Kinder. Der Witz dabei war, dass auch die Erwachsenen eher das Informationsangebot annahmen, dass für die Kinder bestimmt war. Es war einfach besser verständlich...

Sonntag, 29. August 2010

Gedanken eines Ausstellungsmachers am Strand

Zu den schönsten Stunden des Urlaubs am Meer gehören ohne Zweifel die Stunden der Strandspaziergänge. Den Elementen ausgesetzt schaut man auf's Meer. Beobachtet den Zug der Wolken, schaut zum Horizont und stellt sich vor, was dahinter liegen könnte oder wie es wohl wäre, nun auf hoher See zu sein. Stets begleitet von der monotonen Klangkulisse der Brandung.

Es gibt Objekte. Eine unüberschaubare Vielzahl davon. Darunter viele, die Geschichten erzählen oder provozieren und zu Interaktionen anregen.


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Wir laufen den Strand entlang, lassen unsere Blicke in die Ferne schweifen und hoffen auf Überraschungen. Ja, wir erwarten und suchen sie. Alles, was da liegt, erregt unser Interesse. Das kann eine Qualle sein, die gerade angespült wurde.

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Der Körper eines Krebses. Eine außergewöhnliche Muschel. Zivilisationsmüll.

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Teile eines Fischernetzes. Ein Schuh. Ein Baumstamm oder ein Brett. Wir bleiben stehen. Betrachten. Bewerten. Mal länger, mal kürzer. Heben auf. Untersuchen. Werfen weg oder nehmen mit. Gehen weiter.
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Wir nehmen wahr, dass einzelne Strandabschnitte unterschiedliche Fundkonzentrationen bieten. Hier das frisch angespülte Fundgut.

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Weiter oben am Strand, das was die letzten Stürme anspülten oder weiter über den Strand geweht haben. In den Dünen das, was allein der Wind dorthin trug. Ab und an Werke von Menschen, die nicht nur sehen, sondern auch aktiv gestalten wollten.

Beach shop

beach installation texel

Der Gedanke liegt also nah, den Strand als spannenden Ausstellungsraum mit verschiedenen Ausstellungsbereichen zu verschiedenen Themen der Naturwissenschaften und der Kultur zu begreifen. Zu Themen, die meist die Natur vorgibt.

Besucherfreudlich ist der Ausstellungsraum "Strand" sowieso. Wer will, der kann sammeln, gestalten oder kann seinem Entzücken so laut Ausdruck verleihen wie er will, ohne dass ihn eine Aufsichtsperson anmeckert. Nackig oder bekleidet. Egal! Wer will, darf die Ausstellungsstücke anfassen oder in die Luft werfen, zerstören oder seine eigene Kollektion anlegen.

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Ausstellungstexte braucht es hier nicht, um die Besucher an Fragen der Meteorologie, Biologie, Ökologie, Soziologie etc. heranzuführen und sie zum Nachdenken anzuregen. Jeder nimmt mit, was er will und tragen kann und stellt die Fragen, die ER fragen will.

Besucht wird diese Ausstellung von so viel Besuchern - weltweit dürften es unzählige Millionen sein - dass wohl jeder Museumsdirektor vor Freude laut grunzen würde, wenn ihm das gelänge, was hier am Strand an Neugier, Erkenntnissen und Fragestellungen ganz allein von der Natur produziert wird. Ohne jede Didaktik oder Museumspädagogik. Einfach nur so. Die Themen werden von der Flut angespült, wenn sie nicht vom Himmel fallen. Grad so wie uns die wertvollsten Gedanken in den Kopf kommen.

Ich glaube, wir Ausstellungsmacher können nicht nur auf dem Jahrmarkt (W. Benjamin), sondern auch am am Strand etwas lernen. Wenn wir wollen, dass Ausstellungen zum forschenden Lernen anregen sollen.

Kennen Sie einen anderen Sehort, der so viel Freude macht, so anregend ist und so wenig Frust bereitet?

Gutes kann so einfach sein!

Sonntag, 2. Mai 2010

Dominique-Vivant Denon führt durch den Louvre

Natürlich soll Denon, der Gründungsdirektor des Louvre, nur Kinder durch den Louvre führen. Den selbst in Paris scheinen Webangebote, die Freude machen könnten, nur für Kinder geeignet zu sein. Erwachsene sind ernsthaft, vor allem die kulturbeflissenen unter ihnen. Kultur ist schön, wenn sie weh tut oder langweilig ist. Denon denkt da anders.

Also führt Denon nur Kinder durch den Louvre. Unterhaltsam, kurzweilig und manchmal auch so, dass selbst der Erwachsene was dabei lernen kann. Wenn er denn noch lernen mag oder kann.

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Mir macht das Freude. Und noch immer habe ich nicht alles entdeckt, was Denon zu erzählen hat. In jedem Fall bleibe ich dabei - auch wenn es nur für Kinder ist.

Zum Louvre-Führung von M. Denon geht es hier entlang. Sie erkennen ihn sofort. Ja, das Zeichentrickmännchen auf der Startseite des Louvre und an anderen Stellen dort. Wenn Sie ihm folgen mögen, werden Sie überrascht sein, was er zu vermitteln weiß. Klicken Sie mal auf ihn, um in sein Büro zu gelangen. Sie haben schon Dümmeres gemacht. Also los!

So geht das Internet! So gewinnt man Sympathien. Bei Kindern - und auch bei Erwachsenen. Garantiert.

Schade, dass in Deutschland das Internet nur Pädophilen und anderen Fieslingen vorbehalten sein soll. Das verhindert manche Innovation - und viele Chancen sowieso. Aber das Fahren mit der Eisenbahn sollte annodunnemals einem ja auch die Nerven rauben. Trotzdem fahren wir in der BRD mit der Bahn.

Es besteht also Hoffnung, dass auch Deutschland den Status einer Internet-Bananenrepublik überwinden wird.

[Naja, ich glaub nicht wirklich daran. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Sagt man. Aber selbst daran glaube ich nicht.]

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Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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