Meine Leser wissen, dass ich einen Sohn habe, der 9 Jahre alt ist, begeistert Fußball spielt, sich für seine Umwelt interessiert und notgedrungen - man kann sich seinen Vater ja nicht aussuchen - ab und an Museen besuchen muss.
Ich bin froh, dass schon einige dabei waren, die ihm gefallen haben. Ich finde auch gut, dass er langsam beginnt, Präsentationen selbst beurteilen zu können.
Mal schifft in seiner Einschätzung ein Museum ab, weil die Klos nicht sauber und die Fritten nicht lecker waren oder es keine Pfannekuchen gab. Oft auch deshalb, "weil man nichts tun konnte und es nichts für Kinder gab". Kunstmuseen rangieren meist zwischen den Kategorien "langweilig" bis "Danke Papa, dass Du so schnell fertig warst." Ausnahmen bestätigen die Regel: ARP-Museum, WRM/Köln.
Die Einrichtungen der Mittelklasse zeichneten sich dadurch aus, das man da was tun konnte, aber nicht verstanden hat, wozu das gut sein sollte. Zum Beispiel Odysseum/Köln. Ist ja aber auch kein Museum. Die Differenzierung kommt erst in der nächsten Phase der Ausbildung zum Ausstellungskritiker. ;-)
In der Spitzengruppe rangieren bei ihm die Einrichtungen, die Räume mit Ausstrahlung zu bieten haben. So steht das
Rautenstrauch-Joest Museum, ziemlich weit oben. Auch das
Museum voor Communicatie/Den Haag erwähnt er immer wieder als positives Beispiel. Doch wenn er das Highlight seiner jungen Besucherkarriere benennen soll, dann nennt er kein Museum, sondern das
Panorama Mesdag/Den Haag. Seine Worte in etwa: "Papa, am tollsten war das Museum, wo man erst so eine Treppe hoch steigen musste, wo es ganz dunkel war. Und oben wurde es dann ganz hell und man sah den Strand und viele alte Häuser. Fast so wie in echt." (
Ich schrieb darüber.)
Tom blickt also auf die Einrichtungen, die ihm wie Museen vorkommen, mit seinen eigenen kritischen Augen. Was mir gefällt, muss ihm nicht gefallen und andersrum ist das auch so. Langsam werden die Gespräche auf den Heimfahrten immer interessanter, weil seine Einschätzungen zunehmend differenzierter werden und ich immer mehr von ihm lernen kann.
--- Cut ---
Heute kam am Abendbrottisch die Frage auf, warum er mit voller Begeisterung und höchstem Interesse fast jeden Abend
Logo! bei Kika guckt, aber Museen zunächst einmal eher langweilig findet. Warum ist das TV besser als ein Museum?
Meine Schlussfolgerungen aus unserem Gespräch:
a) Es ist das Medium. Das attraktivste Medium in dieser Altersgruppe ist ohne Zweifel das Fernsehen. Bücher sind auch schön, aber aus eigenem Antrieb würden wohl alle Kinder seiner Altersgruppe eher das TV bevorzugen als das Buch, wenn nicht Pädagogen und Eltern gegensteuern würden.
b) Wichtiger erscheint mir, dass Tom Logo! aber vor allem deswegen so mag, weil es ihm die Nachrichten nahe bringt, die HEUTE wichtig sind. Keine Kindergeschichten mit pädagogischem Impetus oder romantische Erzählungen aus Grimms Zeiten, sondern das, was die Menschen gerade interessiert. Die erwachsenen Menschen! Er fühlt sich ernst genommen. Denn thematisch entspricht Logo! durchaus den Nachrichten, die die Erwachsenen jeden Abend sehen.
Diese sind so aufbereitet, dass ein Kind von etwa 10 Jahren sie verstehen kann. Für das Verständnis wichtige Hintergrundinformationen sind wesentliche Bestandteile der Sendung. Die Kinder fühlen sich gut, weil sie verstehen, dass sie die gleichen Informationen wie die Erwachsenen bekommen. Nur besser aufbereitet. Klar. Aber so, dass man mit Mama, Papa, Omi und Opa über das reden kann, was gerade in der Welt passiert.
Auf Augenhöhe!!!
Und da komme ich wieder zu Museen und ihren Vermittlungsbemühungen. Das, was sie den Kindern anbieten, mögen diese oft nicht, weil sie sich nicht wirklich ernst genommen fühlen. Ist den Kindern entweder viel zu "babyhaft" oder viel zu didaktisch, zu sehr aufs Lernen ausgerichtet. Erinnert sie viel zu sehr an die Schule. Dabei sind Museen doch Freizeiteinrichtungen. Oder etwa nicht?
Wie sehr würde ich mich also freuen, wenn auch Museen - nicht nur das TV -
die Kinder als Zielgruppe ansprechen würden, die nicht die dressierten Kunstpudel von Eltern sind, die dem Förderwahn verfallen sind. Sondern auch Kinder mit eigenem Kopf, höchst eigenem Selbstbewusstsein - und eigenem Stolz. Eigenständige Kinder halt.
PS:
Vor vielen Jahren sah ich im
Museum national d'Histoire Naturelle/Paris eine Ausstellung, die zeigte, wie das geht. Oben die exponatbegleitenden Informationsmedien für die Erwachsenen, unten die für die Kinder. Der Witz dabei war, dass auch die Erwachsenen eher das Informationsangebot annahmen, dass für die Kinder bestimmt war. Es war einfach besser verständlich...