Historisches

Freitag, 9. Mai 2008

Dark Tourism: Gruseln als touristisches Ziel

Dark Tourism. Können Sie sich etwas darunter vorstellen? Ich jetzt schon, denn eben gerade bin ich über eine Seite mit dem Namen "Dark Tourism Forum" gestolpert, von der ich zuerst annahm, sie sei nicht ganz ernst gemeint. Bei näherem Hinschauen bemerkte ich, dass es sich um eine Website der University of Central Lancashire handelt und sie deshalb wohl durchaus als seriös einzustufen ist.

Grusel-Tourismus

Es geht also um KZs, Friedhöfe, Schlachtfelder, Orte der Sklaven, Gefängnisse etc., die nicht nur Orte der Aufklärung über vergangene Verbrechen und zurückliegendes Leid sind, sondern eben auch touristische Ziele. Ziele, die vermarktet werden.

Auf der Website finden Sie ein breites Spektrum von Informationen, Materialien und eine unüberschaubare Fülle von Links zum Thema sowie einschlägiger Literatur. Für Tourismus-Unternehmen dürfte interessant sein, dass sie dort auch professionelle Unterstützung zu den behandelten Grusel-Touren bekommen können. Nicht dumm.

Der Pragmatismus englischer Wissenschaftler begeistert mich immer wieder. Unbedingt ansehen!

Wenn Sie zum Dark Tourism-Forum gelangen wollen, dann klicken Sie HIER.

Freitag, 11. Januar 2008

Fußball und Nationalsozialismus

Auf den Seiten der Stadt Greven fand ich jüngst einen interessanten Vortrag von Dr. Andreas von Seggern mit dem Titel:

Doppelpass zwischen Fußball und Diktatur? – Ein Volkssport im Nationalsozialismus.
(Ansprache in der Gedenkstunde für den Frieden im Rathaus der Stadt Greven am Volkstrauertag, 18. November 2007)

Hier ist er online zu lesen (pdf, 6 Seiten).

Freitag, 21. Dezember 2007

Vogelsang - Nun geht es los!

10 Millionen vom Bund. 17 Millionen vom Land (mit Hilfe der EU). Drei Millionen aus der Region. Nun stehen also genügend Euro zu Verfügung, um die nationalsozialistische Ordensburg Vogelsang einer zivileren Nutzung zuzuführen. Zukünftig sollen dort
ein Nationalparkzentrum, ein Informations- und Bildungszentrum mit Gastronomie, eine regionalgeschichtliche Ausstellung sowie ein Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus und zur
Nachkriegsgeschichte Besucher auf die Höhen der Eifel locken. Darüber hinaus soll in Vogelsang die Nationalparkverwaltung untergebracht und eine Jugendherberge geschaffen werden.

Schon bald soll ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden, um das Gelände mit seinen historischen Gebäuden einer zeitgemäßeren Nutzung zuzuführen.

Dann kann es ja jetzt losgehen.


Mehr:
KStA: Hier
PR-Inside

Homepage von Vogelsang

Sonntag, 9. September 2007

Warum ich Bücher liebe

Strahov Theological Hall - Original Baroque Cabinets Curious Expeditions/Flickr (click on pic for more)

Na auch, weil viele von ihnen in solch wunderbaren Bibliotheken wie denen stehen, von denen Curious Expeditions eine Vielzahl von Fotos veröffentlicht hat. Worth a visit!

[via Archivalia]

Montag, 27. August 2007

Immanuel Kant online - in Bonn

Wo wir uns schon seit Tagen durch die Region bloggen, sei auch noch der Hinweis auf ein Angebot erlaubt, das nicht nur Philosophen Freude bereiten dürfte.
"Am Institut für Kommunikationsforschung und Phonetik der Universität Bonn sind die Werke, der Briefwechsel und der handschriftliche Nachlass Immanuel Kants als elektronisch gespeicherter Datensatz vorhanden. Die Daten entsprechen weitgehend den ersten drei Abteilungen, also den Bänden 1-23, der Akademie-Ausgabe von Kants Schriften. Sie sind in standardisierter Form mit Unicode und XML kodiert und können über die vorliegende Webseite gelesen und durchsucht werden."
Da gib es viel zu entdecken. Auch für Kulturhistoriker und andere Geisteswissenschaftler. Also los! Und zwar hier.

Und viel Vergnügen!

Freitag, 17. August 2007

Zum Sportplatz...

zum sportplatz bengen

Gesehen im August 2007 in 53501 Grafschaft-Bengen

Für's Deutsche Fußballmuseum c/o Martin Wörner

Montag, 14. Mai 2007

Und er bewegt sich: der Teppich von Bayeux


[by avidavid62]
[Lautsprecher an?]
[via http://archiv.twoday.net/stories/3715290/]
Mehr bei wikipedia

Nicht schlecht, oder?

Mittwoch, 28. März 2007

Zur Urgeschichte des Fernsehens

Da diesen Blog ja nur gebildete Menschen lesen, die sich unter anderem dadurch als solche darstellen, dass sie das Fernsehen als Medium grundsätzlich ablehnen und daher auch keines besitzen, interessiert dieser Hinweis mein Stammpublikum vermutlich also überhaupt nicht.

Aber vielleicht gewinne ich ja neue Leser, zum Beispiel Technikhistoriker, Volkskundler oder Fachleute für visuelle Kommunikation, indem ich auf eine Dissertation hinweise, die der Urgeschichte des Fernsehens nachspürt? Da dabei natürlich auch allerlei Begleitumstände beleuchtet werden, macht mein kleiner Hinweis auf die nachstehende Dissertation vielleicht wenigstens den neuen Lesern Freude, die sich für Technikgeschichte, Kulturgeschichte der visuellen Medien oder einfach nur fürs Glotzen als Solches interessieren.

Da isse, die Disse:

Die technische und kulturelle Erfindung des Fernsehens in den Jahren 1877 – 1882.

Inaugural-Dissertation
zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie (Dr. phil.)
durch die Philosophische Fakultät
der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
vorgelegt von
Heinrich Raatschen
aus Münster/Westfalen
Hauptgutachter: Prof. Dr. Hans Theo Siepe
Zweitgutachterin: Prof. Dr. Vittoria Borsò
Mündliche Prüfung: 20. Dezember 2005
Düsseldorf 2005
(pdf, 310 Seiten, Abbildungen verstreut im Text)

Montag, 5. März 2007

"Die Flucht": Geschichte wird gemacht

Als Ethnologe, Kulturwissenschaftler und Kind von Flüchtlingen, das seit es denken kann, sich immer und immer wieder Geschichten von der Flucht anhören musste, konnte ich natürlich nicht widerstehen und schaute mir zumindest den zweiten Teil des ARD-Epos "Die Flucht" an.

Meine Kritik:
So wird Geschichte gemacht. Ob wir es wollen oder nicht, so wird sich die Geschichte der Flucht in den Köpfen festsetzen. Nicht in allen - einige wissen es besser - aber in den Köpfen der meisten. Dieser Film wird von nicht unerheblichem Einfluss auf die öffentliche Diskussion um das "Zentrum gegen Vertreibungen" bleiben. Selten bewusst, häufiger unbewusst wird er Entscheidungen beeinflussen.

Doch: es gab nicht DIE Flucht. Es gab sehr viele "Fluchten". Millionen unterschiedlicher menschlicher Schicksale. Der Film ist Science Fiction. Das kann gar nicht genug betont werden.

Denn es spielte schon eine Rolle, ob man aus Ostpreußen, aus Pommern oder aus Breslau flüchtete. Nebenbei: Wer heute nach Oberschlesien reist, der wird überrascht sein, wie viele Deutschstämmige dort noch leben, deren Eltern eben nicht geflüchtet sind. Nicht immer war die Flucht so spektakulär, wie die der Flüchtlinge, die im Winter über's Haff flohen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil floh in überfüllten Zügen gen Westen. Das war in wenigen Tagen, manchmal auch nur Stunden erledigt. Auch eine solche Flucht war alles andere als ein Vergnügen. Allerdings auch weniger telegen.

Was mich als Historiker und mittelbar Betroffener an diesem Film stört, ist vor allem die Tatsache, dass all die bekannten "Highlights" der dramatischen Flüchtlingsgeschichten zusammengerührt wurden und so eine reißerische Story entstand, die so wohl kaum einer oder eine erlebt haben kann. Politisch korrekte ostpreußische Adelige verliebt sich in französischen Zwangsarbeiter, während zeitnah ihre Freundin von Russen vergewaltigt wird. Der Flüchtlingstreck zieht an aufgehängten Deserteuren vorbei. Auf dem zugefrorenen Haff wird in einem Leiterwagen ein Kind geboren, nachdem eines stirbt, das nicht beerdigt werden kann, weil der Boden zu sehr gefroren ist. Zwischendurch greifen Tiefflieger den Flüchtlingstreck an. Der heimliche Lover der Gräfin versinkt bei einer Rettungsaktion im eisigen Wasser. Ein Ruf aus dem Munde der spröd-gefühlvollen Gräfin und er taucht wieder auf, was ihrem Mann offensichtlich nicht gefällt.

Ich will das Leid der Flüchtlinge nicht schmälern, aber so war es nicht. Denn der Film stellt eine Synopse der bekannten Flucht-Topoi dar, die seit dem Kalten Krieg Historikern nur allzu bekannt sein dürften, vor allem wenn Sie Interviews zur Thematik durchgeführt haben. Insofern bin ich etwas verwundert darüber, dass die im Abspann genannten Historiker - allesamt anerkannte - nicht für mehr historische Korrektheit gesorgt haben. Doch, auch Historiker sollten sich ihrer politischen Verantwortung bewusst sein .

Es war aber auch nicht die Flucht als solche, die den Flüchtlingen wirklich zu schaffen machte. Es war eher der Verlust der Heimat, die Notwendigkeit, das Leben von Null an wieder neu aufbauen zu müssen, sich in eine fremde Landschaft und vor allem eine neue soziale Umgebung integrieren zu müssen. Flüchtlinge waren nicht beliebt. Sie hatten nichts und jammerten nur. Was nach der Flucht kam, war für Flüchtlinge sehr viel schwerer zu ertragen als die Flucht selbst. Das machte ihren Mitmenschen keine Freude.

Darüber einen Film zu machen, dürfte sehr viel schwieriger sein und weniger Zustimmung von Kulturstaatsminister Neumann erhalten. Denn da würde der Finger auf einen der wunden Punkte unserer Nachkriegsgeschichte gelegt werden müssen. Auf all die oft unnötigen Schwierigkeiten, die Flüchtlingen von denen bereitet wurden, die nicht geflohen sind und deshalb auch kaum Verständnis für die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge aufbringen konnten. Ein solcher Film wäre sicher weniger larmoyant, würde uns aber vielleicht weitere Diskussionsanreize zu der Frage liefern, wie wir mit Fremden umgehen. Seien sie aus dem eigenen Land oder aus anderen. Schließlich fühlten sich das Gros der Flüchtlinge in Westdeutschland erst wohler, als in größerem Umfang Türken als sogenannte "Gastarbeiter" nach Deutschland kamen. Anfang der 60er Jahre. 15 Jahre nach Kriegsende.

Andere Filmkritiken:
+ "Vertreibung als Drama.Die Flucht vor uns selbst." Im Tagesspiegel.
+ Peter Steinbach (einer der Filmberater) im Tagesspiegel.
+ "Wie die Flucht aus Schlesien wirklich war" in der Welt.
+ "Das stimmt vorne und hinten nicht" Der Historiker Heinrich Schwendemann über den Film im Deutschlandfunk.
+ Der Betonblog weist auf ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Peter Reichel im Deutschlandradio hin.

Donnerstag, 1. März 2007

Autobiographie: Johann Christoph Pickert (* 1787)

Da ich ein ausgeprägtes Faible für autobiographische Schriften habe, die einfache Bürger, Bauersleute oder meinethalben auch Soldaten zwischen 1750 und 1850 geschrieben haben, freue ich mich sehr, mal wieder auf eine solche gestoßen zu sein. Die Rede ist von

Johann Christoph Pickert:
Die Lebensgeschichte des Johann Christoph Pickert.

Herausgegeben von Gotthardt Frühsorge und Christoph Schreckenberg. Göttingen 2006. (172 Seiten mit 2 Abbildungen
gebunden, Schutzumschlag; Format: 12,5 x 19,5 cm; 19 €)

Kurztext des Wallstein Verlag:

"Ein sensationeller Fund einer Handschrift: der Bericht eines einfachen preußischen Soldaten aus den Napoleonischen Kriegen, ­ Geschichte »von unten«, hier erstmals gedruckt.

Johann Christoph Pickert wurde 1787 in Haldensleben bei Magdeburg geboren und lernte erst den Beruf des Handschuhmachers, bevor er 20 Jahre als Soldat im preußischen Heer diente. Nach seiner Versetzung »zur siebenten Invaliden Compagnie« schrieb dieser einfache Mann seine Lebensgeschichte auf. Darin erzählt er von seiner Jugend- und Lehrzeit, von seiner Rekrutierung und vom harten Leben in der preußischen Armee: Er nahm an der Schlacht von Jena und Auerstedt teil und wurde als Gefangener zur Zwangsarbeit nach Frankreich geschickt.
Seine Erinnerungen sind zugleich eine »Körpergeschichte«, eine Geschichte der Freuden und Leiden seines Leibes ­ vom Kind über den Knaben bis zur martialischen Behandlung des Soldaten im Krieg.
Die Erzählperspektive und die stilistische Authentizität, die ausführlichen Detailschilderungen sowie das gänzlich unprätentiöse Schreiben stellen Pickerts Lebensbericht neben Ulrich Bräkers »Armen Mann im Toggenburg« aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Alles, was Pickert für erinnerungswürdig hält, betrifft im Detail nur ihn, zeigt den heutigen Lesern aber einen Ausschnitt aus der Lebenswelt einer sozialen Schicht, die selten zu Wort kommt.
Dieses einzigartige autobiographische Dokument wurde zufällig in einem Antiquariat entdeckt und wird hier erstmals veröffentlicht. Der Text wird durch einen Stellenkommentar und ein Nachwort ergänzt."

REZENSIONEN:

Martin Winter in: sehepunkte 7 (2007), Nr. 2 [15.02.2007]

Sven Thorsten Kilian in der Berliner Literaturkritik (21.2.2007)

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Kommentare

Schlafen im Museum
Da bin ich ja mächtig gespannt, was man außer...
Nina (anonym) - 2008-06-30 17:19
Aber, aber...
Lieber GP, dass man in der französischen Diaspora...
Joern Borchert - 2008-06-24 23:32
Sperrgut
Natürlich ist Denken wichtig. Und Erinnern auch....
GP-F (anonym) - 2008-06-23 21:30
Noch nie so viel
In Paris wird diese Ausstellung immer wieder erwähnt,...
Madeleine (anonym) - 2008-06-16 22:50

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