Eine Woche vor Eröffnung des Arp-Museums in Rolandseck, dem ambitioniertesten Kulturprojekt des Landes Rheinland-Pfalz, werden die Kritiker wieder laut. Zu Recht! Heute zeigte der SWR die halbstündige Dokumentation von Thomas Leif und Ulrich Paulus: "Kunsttempel oder Luftschloss? Der Kampf ums Arp-Museum". Eine Dokumentation, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Aufschlüsse gab.
Aus meiner Sicht machte die Dokumentation deutlich, dass die Ziele der "Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V." andere sind, als die Kunst Hans Arps und Sophie-Täuber-Arps mit musealen Mitteln einem großen Publikum nahe zu bringen. Zur Freude und Erbauung des großen Publikums und zur Information der Experten. Sophie-Täuber Arp wird gar nicht gezeigt, wenn ich das richtig verstanden habe. Stattdessen die zeitgenössischen Künstler: Anselm Kiefer, Yvonne Fehling, Jennie Peiz, Johannes Brus, Barbara Trautmann und Anton Henning. Welchen Bezug zu Arp sie haben könnten, ist mir nicht klar. Von Hans Arp hat man offenbar nicht genug, um damit wenigstens das halbe Haus füllen zu können.
All das, was man von einem Arp-Museum erwarten könnte, nämlich eine allumfassende Ausstellung seines Werkes und seiner Ideen präsentiert zu bekommen, wird nicht nur nicht geleistet sondern sogar verweigert. Von einem Haus, das den Anspruch erhebt,
das Arp-Museum zu sein, könnte man etwa erwarten, dass es einen Werkkatalog herausgibt. Einen Katalog, der festlegte, was ein "echter" Arp ist, um ihn von einem unechten unterscheiden zu können. Doch das, würde den Satzungszielen des etwas obskur erscheinenden Stiftungsvereins widersprechen. Denn eines seiner Ziele ist der Handel mit Duplikaten Arps. Und da wäre ein Werkkatalog eher hinderlich, da man sich dann ja mal festlegen müsste, welchen Umfang das Werk Hans Arps hat.
Was ein Duplikat ist, darüber kann man streiten. Darüber, dass Museen keine Organisationen für den Handel mit Kunstwerken sind -egal ob Duplikat oder nicht - zumal wenn sie selbst über deren Authentizität bestimmen (wollen), darüber kann kaum ein Streit entbrennen. Denn es ist klar, dass derartige Praktiken weder vom Deutschen Museumsbund noch vom
International Council of Museums (ICOM; §8.4) gemäß ihrer ethischen Richtlinien toleriert werden. Institutionen, die sich außerhalb dieser Richtlinien bewegen, können sich immer noch "Museen" nennen, da dieser Begriff nicht geschützt ist, dürfen aber nicht damit rechnen, national oder international von Fachkollegen unterstützt zu werden. Das "Arp-Museum" bewegt sich also in einem Bereich, der nicht zur Sphäre der seriösen Museen gehört. Insofern kann und darf es mit der Anerkennung nicht rechnen, die es haben will
Es erstaunt also nach wie vor, dass es nicht ganz unbeträchtliche finanzielle Mittel aus dem "Bonn-Berlin-Ausgleich" und vom Land Rheinland-Pfalz bekommen hat. Offenbar hat das Arp-Museum eine gute und einflussreiche Lobby. Menschen, die ein immenses Interesse daran haben, ein Museum zu unterstützen, dass Handel betreibt und als Sammelpunkt finanzstarker Personenkreise fungiert. Dass etwa Anselm Kiefer im Arp-Museum als Lokomotive zur Neueröffnung in Rolandseck eingesetzt wird, ist wenig verwunderlich, gibt es doch in Bonn eine Stiftung, die an seiner Vermarktung kein geringes Interesse hat. Kenner wissen, welche ich meine.
So empfinde ich es noch immer als skandalös, dass öffentliche Steuermittel - in Rolandseck sind es etwa 33 Millionen Euro - dazu bereitgestellt werden, einigen wenigen Händlern und Sammlern eine Plattform für zweifelhafte Geschäfte zu bieten. Zumindest Geschäften, die der Allgemeinheit nicht zugute kommen.
Dass zur Eröffnung neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Ministerpräsident Kurt Beck anwesend sein wird, trägt nicht dazu bei, meine Kritik zu zerstreuen. Im Gegenteil! Ich frage mich eher, In welcher Bananenrepublik ich hier lebe und welche Bedeutung internationale Vereinbarungen zur Museumsethik haben, die sogar von der Bundeskanzlerin mit Füßen getreten werden. Welch ein Schande!
Mehr Informationen zu der Dokumentation im SWR bekommen Sie hier: Dr. Thomas Leif, Tel.: 0171-9321891, Ulrich Paulus, Tel.: 06131-929-3268, oder Rainer Brenner, Tel.: 06131/929-3268.
Weitere Details zum Handelshaus Arp in Rolandseck gibt es bei folgenden Medien:
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Bonner General-Anzeiger
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ad-hoc-news
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SWR
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3sat
Nachtrag vom 26.9.: Marion Leske schreibt in der
Welt unter der vielsagenden Überschrift "Wo der Schein trügt" ebenfalls Kritisches über das ARP-Museum.