Ethnologie

Montag, 6. Oktober 2008

Günter Wiegelmann ist tot

Im Alter von 80 Jahren verstarb am 2. Oktober der bedeutende Volkskundler Günter Wiegelmann.

Die Trauerfeier findet am 10. Oktober 2008 um 11.00h in der
Friedhofskapelle des neuen St. Mauritz Friedhofs, Manfred-von-Richthofen-Straße, Münster, statt.

Dienstag, 8. Juli 2008

Ausstellung zum Studentenleben in Münster

Wenn Sie irgendwann einmal in Münster studiert haben, dann würden sich die Studenten des Seminars für Volkskunde/Europäische Ethnologie sehr freuen, wenn Sie an ihrem Ausstellungsprojekt "Studieren in Münster" mitwirken würden.

Gesucht werden Objekte, die sie an ihr Studentenleben in Münster erinnern. Objekte, die bei Ihnen sentimentale Gefühle wachrufen. Die Badehose, über die Ihre Kommilitonen immer lachten oder etwas aus der Studentenkneipe. Kritzeleien, die Sie während der Vorlesungen anfertigten. Filme, die Sie in Münster drehten. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und schicken Sie Ihre Erinnerungsstücke an

Projektgruppe „Studieren in Münster
Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Scharnhorststr. 100
48151 Münster
Tel.: 0251/33651

Einsendeschluss ist der 31.Juli 2008.

Freitag, 6. Juni 2008

International Journal of Intangible Heritage

Vor wenigen Wochen erschien Volume 3 (2008) des International Journal of Intangible Heritage.

"The International Journal of Intangible Heritage is a refereed academic and professional English language journal dedicated to the promotion of the understanding of all aspects of the intangible heritage of the world, and the communication of research and examples of good professional practice. Proposals for contributions to future volumes of the Journal are actively sought from all countries, professions and specialisms."

Das Beste zum Schluss: Alle Beiträge sind kostenfrei herunterzuladen.

Samstag, 26. April 2008

Das Handy als kulturelles Artefakt

und als Vehikel, einen Job zu finden. Keine blöde Idee, seine Magisterarbeit über etwas zu schreiben, was fast alle täglich in den Händen und am Ohr haben. In der Tat: das Dingens sollte von vielen analysiert und bewertet werden. Und so ist es nur zu begrüßen, wenn diese Arbeit auch im Internet veröffentlicht wird. So weckt man Interesse. Auch bei potentiellen Arbeitgebern? Vielleicht.

Fabian Klenk hat eine solche Magisterarbeit geschrieben und ihr den Titel "Ethnologie der modernen Technologien. Das Mobiltelefon als kulturelles Artefakt" gegeben. Entstanden ist sie 2007 am Institut für Ethnologie und Afrikanistik der LMU München.

Bewertung: Also ich würde heute auch noch mal gerne meine Magisterarbeit schreiben, wenn smarte 96 Seiten (incl. Bibliographie) ausreichend sind. OK, heute scheint das Tempo die Grundlage der Bewertung zu sein. Je schneller, je knapper, umso besser. Klenk benötigt 44 Seiten für das Vorgeplänkel, die den Forschungsgegenstand umschreiben. Danach folgen 44 Seiten, die einen ethnologischen und geographischen Rundumschlag darstellen, die mein anthropologisches Erkenntnisinteresse zum Handy nur wenig befriedigen, aber wohl den Hauptteil der Arbeit darstellen sollen.

Insgesamt erweckt die Arbeit den Eindruck, dass sie lediglich das Vorspiel zu einer Dissertation sein soll. Das macht sie nicht besser. Klenk hätte seinen Claim, seinen Forschungsgegenstand besser abstecken sollen.

Ich bin enttäuscht. Vor allem von seinen Dozenten, die ihm das nicht beigebracht haben.

Hier geht es zu Fabian Klenks Website
und hier
zu seiner Magisterarbeit.

Montag, 21. April 2008

Bonner Volkskundler in Nöten

Wer auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle sucht, der entfacht nicht gerade Begeisterunsgstürme, wenn er sagt, dass er "Volkskunde" studiert hat. Dieses Fach beackert zwar das Feld der Kultur so umfassend und vielschichtig wie kaum ein anderes unserer philosophischen Fakultäten, einen guten Ruf genießt es trotzdem nicht. Absolventen dieser Disziplin sagen besser, sie haben (Europäische) Ethnologie, Kulturanthropologie oder - besser noch - Kulturwissenschaften studiert. Gerne verkaufen sie sich als Kunsthistoriker oder Historiker, wenn sie es im Nebenfach studiert haben.

"Volkskunde" klingt nach "Blut und Boden", feuchten Lederhosen und romantischen Erzählstoffen, wie Sagen und Märchen. Nach überflüssigem Zeugs, dass nur Pastorentöchter während der Strickstunde Erbauung verschafft. Das ist natürlich Quatsch. Volkskundler beschäftigen sich seit einigen Jahrzehnten auch - und nicht zuletzt - mit sehr viel aktuelleren Themen, die vor einem historischen Hintergrund einen sehr intensiven Bezug zur aktuellen Lebenswelt aufweisen und so bei der Bewältigung aktueller Probleme (Veränderung der Arbeitswelt, "Wende" etc.) nützliche Hilfestellungen geben könnten.

Manche Institute, das Bonner gehört dazu, haben bei aller Betriebsamkeit und Anwendungsorientierung jedoch vergessen, dass sie in der rauen Luft des Bologna-Prozesses nur überleben können, wenn ihr Marketing stimmt. Das Marketing und das Label der Volkskundler stimmt ganz und gar nicht. Es ist so schlecht, dass die Existenz des Faches (und damit auch seiner Forschungsinhalte!) nun bedroht ist.

Jetzt wird das Bonner Institut nach und nach erwürgt. Erst vor wenigen Jahren wurde es der Germanistik zugeschlagen. Leider kenne ich die inhaltliche Begründung dafür nicht. Sie muss idiotisch gewesen sein. Denn die aktuelle Volkskunde, so wie sie in Bonn seit Jahren betrieben wird, hat kaum einen Berührungspunkt mit der Germanistik aufzuweisen.

Nun sollen die wissenschaftlichen Stellen der Bonner Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde "eingefroren" werden. Hört sich nicht gut an.

Rettet die Volkskunde - in Bonn

Deshalb gibt es jetzt in Bonn die Initiative "Rettet die Volkskunde". Dort gibt es alles Wissenswerte über den Stand der Dinge, eine Petition zum Herunterladen und seit heute auch einen Film für die Analphabeten unter uns.

Donnerstag, 3. April 2008

Und noch einmal: das Freilichtmuseum Kommern

Beim WDR finden Sie eine reichhaltige Dokumentation zum Freilichtmuseum Kommern, die auch Audiokommentare enthält. Auch schon solche von Dr. Josef Mangold, dem neuen Direktor.

Hier geht's lang!

Donnerstag, 20. März 2008

Wer ein Interesse an Freilichtmuseen hat...

der findet bestimmt auch die Seite des Elsässers Marc Grodwohl interessant.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Sankt Petersburg um 1900

Mehr als 50 Fotos, die um 1900 in Sankt Petersburg aufgenommen wurden, finden Sie auf den Seiten von Bob Atchison, die eine kleine Reise in die Vergangenheit wert sind.

Samstag, 8. September 2007

Schweizer fragen nach etwas, was es in Deutschland nicht gibt oder nicht geben darf: Volkskultur

Die Schweizer Kulturstiftung "Pro Helvetia öffnet mit dem Themenprogramm «echos» ein Forum für die Volkskultur des 21. Jahrhunderts. Sie stellt Fragen und diskutiert Antworten mit allen Beteiligten: Kulturschaffenden aus Kunst und Volkskultur, Kulturförderern, Politikern und Publikum. Das Programm beweist: Volkskultur ist in Bewegung, Tradition hat Zukunft.

Neben ästhetischen Fragen greift das Programm auch grundsätzliche Aspekte auf: Welche Bedeutung hat die Volkskultur für das kulturelle Leben und die kulturelle Identität der Schweiz? Was bedeutet «Volkskultur» in den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz? Oder auch: Wer fördert welche Kultur und warum?

Als zweijähriges Programm von Herbst 2006 bis 2008 entsteht «echos» in enger Zusammenarbeit mit Partnern quer durch die Schweiz."
Weil wir in Deutschland ja keine Volkskultur haben oder haben dürfen - und was ist überhaupt "Volk" oder "Kultur"?- und weil es ja dann ja nun mal doch einen Unterschied zwischen den kulturellen Gepflogenheiten und Praktiken der "Oberen Million" und den "Millionen da unten" gibt, finde ich es recht interessant, was unsere Nachbarn im Südwesten da veranstalten. Auch wenn ihr Begriff von Volkskultur - etwa im erst jüngst eingerichteten Echos-Blog - etwas arg begegrenzt erscheint, fände ich es trotzdem sehr interessant, ein solches Projekt auch einmal in Deutschland durchzuführen.

Nein! Kein Projekt zur "Leitkultur"! Das Wort allein widerspricht ja schon dem, was Kultur ist. Wie auch immer man Kultur definieren mag, wenn es um Volkskultur geht, dann kann damit doch wohl nur eine Kultur der Vielfalt gemeint sein. Eine Kultur, auf die historische, soziale und geographische Fakten einen immensen Einfluß haben. Und diese Kultur ist dementsprechend in all ihren Ausprägungen bedeutend vielfältiger und bunter als manche Politiker das propagieren.

[via Kulturmanagement]

Mittwoch, 5. September 2007

Was Frauen nicht kennen und Museen nicht haben: Speibecken

Herren hingegen dürften wissen, um welche Sanitäreinrichtung es sich hier handelt.

speibecken ca 1992

Aufnahme: Anfang der 1990er Jahre, irgendwo in Bayern

Genau: es ist ein Kotz- oder Speibecken. Bei Burschenschaftlern soll das Dingens "Papst" oder "Pabst" genannt werden. Keine Ahnung. In solchen Kreisen verkehrte ich nie. Die gebildeten Leser dürfen es Vomitorium nennen.

speibecken technisch
Modell "See", 1968


Allem Anschein nach existieren derartige Becken nur noch in alten Gasthäusern und Bierschwemmen wie etwa dem Hofbräuhaus. Mir ist lediglich ein Hersteller bekannt. Die Firma Keramag in Ratingen. Von dort wurde mir vor mehr als zehn Jahren mitgeteilt, dass von diesen Becken etwa 600 bis 700 Stück pro Jahr verkauft wurden, bis man Mitte der 1980er Jahre wegen mangelnder Nachfrage die Produktion einstellte. Ab wann sie produziert wurden, konnte man nicht mehr ermitteln. Vielleicht ab den 1940er Jahren, so die vage Vermutung der Firma.

Warum aber bringe ich hier einen Beitrag zu Speibecken? Na, weil ich es faszinierend finde, dass es auf dieser Welt wenigstens ein Objekt gibt, dass nur die wenigsten Frauen kennen dürften. Denn bezeichnenderweise hängen diese Becken nur auf Herrentoiletten und sind somit der Kenntnis der Damen entzogen.

Darüberhinaus ist es ein Objekt, dass auf die Praxis des Alkoholkonsums und die allgemeine Akzeptanz damit verbundener Konsequenzen hinweist. Zugleich ein Objekt, dass Auskunft über die Servicebereitschaft von Gastronomen "in einem Land vor unserer Zeit" gibt. Heute sind die Leidenden dazu gezwungen, ihren Kopf dorthin zu halten, wo --- das führen wir jetzt nicht weiter aus.

Völlig ungeschützt vermute ich, dass die Blütezeit dieser Becken die 1950er Jahre waren. Da Keramag ihre Produktion Mitte der 80er Jahre einstellte, vermute ich ferner, dass sich entweder an den Trinkgewohnheiten etwas geändert hat oder an deren allgemeiner Akzeptanz. Immerhin gibt es noch, wie gesagt, Orte, wo diese Becken weiterhin angeboten werden. Mir scheint, dass das eher im süddeutschen Raum der Fall ist.

Unbekannt ist mir, in welchem Umfang es derartige Becken auch in anderen Ländern gab oder noch gibt. Wäre interessant, weil es den Wert der Speibecken als kulturhistorisch aussagekräftige Objekte noch steigern würde, wenn diese nur in Deutschland benutzt worden wären.

Ich würde mich also freuen, wenn ich Hinweise zu Herstellern und Orten der Installation bekommen würde. Ebenso würde ich mich freuen, wenn mir mitgeteilt würde, ob es ein Museum gibt, dass derartige Sanitärkeramik im Sammlungsbestand hat.

Wer weiterlesen möchte, der findet hier etwas:

+ "Speibecken" bei Wikipedia (+Bild)
+ Blog von r0ssi.de
+ eines aus Frankreich (?), das zu einer ehr bückenden Haltung auffordert
+ oder etwas zum Osterfest?
+ flickr
+ eines in Bangkok
+ im Hofbräuhaus (modern style)
+ in einem englischsprachigen Forum etwas über das "Vormitub"

Kulturelle Welten

Es geht um Dies und Das aus der Welt der Kulturvermittlung: über Museen und Ausstellungen, Lichter in der Nacht und was Jörn Borchert sonst noch so ge-, miss- und auffällt. Gerne schaue ich dabei nach Frankreich.

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Kommentare

Fortschritt kann auch...
Hallo Frau Kuhlemann, klar, es ist immer gut, wenn...
Joern Borchert - 2008-10-06 20:12
Fortschritt
Hallo Herr Borchert, wieso finden Sie das wieder nicht...
Marion Kuhlemann (anonym) - 2008-10-06 11:39
Pardon!
Pardon, wenn ich zu streng war. Wurde vielleicht dazu...
Joern Borchert - 2008-10-02 22:53
Mal nicht so streng!
Hi Jörn, och komm schon, jetzt sei nicht so streng,...
Bülent Gündüz (anonym) - 2008-10-02 14:00

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