Ethnologie

Sonntag, 30. Juni 2013

Das Téléphonoscope war das vorhergesagte Internet

telephonoscope-aus-science-illustree-robida-06

1891 veröffentlichte Albert Robida in La Science Illustrée einen umfangreichen Artikel zum Thema "La Vie Électrique". Fantasien zur Welt von Morgen, wie er sich das 20. Jahrhundert aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts vorstellte.

Wenn ich mir dieses Bild anschaue, dann denke ich, dass er den richtigen Riecher hatte. Er sah nicht nur voraus, dass man irgendwann einmal über Distanzen Bilder schicken könnte, sondern noch dazu, dass dieses Medium der Bildung dienen könnte. Sogar der von Frauen, was im ausgehenden 19. Jahrhundert ja wirklich nicht selbstverständlich war.

Er hat das Internet nicht erfunden. Aber er hat ihm den Weg bereitet und Fantasien geweckt, die wir nicht gering schätzen sollten. Es kam so, wie er es sich ausgemalt hat. Und Moocs gibt es ja auch inzwischen. Warum muss das nur immer solange dauern?

Was passiert weiter im 21. oder gar im 22. Jahrhundert? Was ist die nächste Entwicklung, die die Kommunikation der Menschen untereinander noch einmal auf eine neue Stufe hebt? Wer kann uns das sagen? Wer ist der Nachfolger von Albert Robida?

Sonntag, 16. Juni 2013

Der Erdbeerpflückwagen. Eine Erfindung aus Wachtberg?

Diese Erdbeerpflücker in meiner Umgebung sind einfach die Wucht. Seit ich hier lebe, frage ich mich immer, wie man es monatelang durchhält, den ganzen Tag in gebückter Haltung Erdbeeren zu pflücken. Unzählige Menschen (meist) aus Polen tun das hier den ganzen Sommer lang und fast den ganzen Herbst hindurch. Habe ich ja schon mal geschrieben.

erdbeerpflueckwagen_aktion

Heute sah ich ein mir bislang unbekanntes Erntehilfsgerät: den Erdbeerpflückwagen. Er besteht aus einem Stahlrohrrahmen (mal mit rundem, mal mit eckigem Querschnitt), vier Rädern unterschiedlichster Provenienz und einem Plastikgartenstuhl (weiß oder braun) , dem die Beine abgesägt wurden. Der kann ebenso locker wie mehrere Sammelkörbe in den Stahlrohrrahmen eingehängt werden.

erdbeerpflueckwagen_a

So pragmatisch diese Wagen konstruiert und zusammengesetzt sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass ein deutscher Kopf sie erdacht hat. Der wäre nie darauf gekommen, die Reifen ausrangierter Kinderwagen mit beinlosen Gartenstühlen auf einem Rahmen zu kombinieren, um die Arbeit der Erdbeerpflückerinnen und ihrer männlichen Kollegen leichter werden zu lassen. Schon gar nicht, ohne die Stühle fest zu montieren.
Da alle Wagen nicht mehr ganz frisch aussahen, gehe ich davon aus, das sie sich bereits in mehreren Erntekampagnen bewährt haben. Muss also ein gutes Gerät sein, dieser Erdbeerpflückwagen.

Geraet-zum-Erdbeerpfluecken

Ich habe große Lust, herauszubekommen, wer der geniale Erfinder ist. Wenn es denn nur einer oder eine war und kein Projekt einer Gemeinschaft. Vielleicht wissen Sie ja mehr. Dann wäre ein Hinweis freundlich.

Ich meine, wenigstens dieser Mensch sollte, stellvertretend für alle Erdbeerpflückerinnen und -pflücker, eine angemessene, öffentliche Würdigung erfahren.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Stéphane Hessel ist tot. Es lebe Stéphane Hessel!

Ich mag alle, die die Wahrheit aussprechen. Allem Anschein nach muss man ein gewisses Alter erreicht haben, um das zu wagen und dabei auch ernst genommen zu werden.
Ohne Helmut Schmidt und Heiner Geissler, um nur die bekanntesten zu nennen, wäre Deutschland sicher ärmer.

In Frankreich erregte Stéphane Hessel eine Aufmerksamkeit, die rasch die Grenzen der Republik überschritt, indem er zu Widerstand gegen all das aufrief, was nicht fair ist und den Profit oder die Gier nach politischer Macht an die Stelle der Lebensfreude setzt.

Hier nachzulesen:

Empoert-Euch
[Klick das Bild, um den ganzen Text zu lesen.]


Eine der Passagen, die mir besonders gut gefällt:

"Wir rufen deshalb auf: „zu einem friedlichen Aufstand gegen den Missbrauch der Massenkommunikationsmittel und der Verführung unserer Jugend zum Massenkonsum, der Verachtung der Schwächsten und der Kultur, der kollektiven
Amnesie sowie der maßlosen Konkurrenz – Jeder gegen Jeden“.

Allen Menschen, die das XXI. Jahrhundert gestalten werden, sagen wir mit unserer
ganzen Zuneigung:

„SCHÖPFUNG IST WIDERSTAND.
WIDERSTAND IST SCHÖPFUNG.“
"


Wer die Schwachen stark macht, der sorgt dafür, dass es auch den Starken dauerhaft gut geht.

Möge Stéphane Hessel noch lange wirken! Virulieren, zirkulieren, irritieren.

Mensch, lehne Dich auf, um die Welt etwas liebenswerter zu machen! Gelegenheiten dafür gibt es jeden Tag! Auch in Deiner Umgebung. Am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Schule Deines Kindes... Nicht nur da. Aber da kannst Du besonders viel bewirken. TU ES! Vergiss Deine Feigheit....

Dienstag, 29. Januar 2013

Willem-Alexander wird König der Niederlande

willem-alexander

Am 30. April wird Willem-Alexander nun König der Niederlande. Damit bekommen die Toilettentüren des Cafés am Marktplatz in Delft, die das obige Bild zeigt, eine neue Bedeutung.

Die, die an niederländischer Geschichte interessiert sind, sehen HIER die Ansprachen, die die Königinnen der vergangen Jahrzehnte hielten, als sie ihr Amt an ihre Nachfolgerinnen abgaben.

[Auch zu anderen niederländischen Themen interessant: Geschiedenis 24]

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Damara Living Museum



"Mit dem im Februar 2010 eröffneten Living Museum Projekt hat man versucht, diese Kultur zu rekonstruieren und für die Nachwelt zu erhalten."

Der Versuch eine Kultur zu rekonstruieren - Halbnackte Menschen, die tanzen, haben sicher etwas mit Kultur zu tun. In diesem Kontext mit Kolonialkultur, oder womit sonst?

Was soll ich davon halten? Meine Meinung: Rein gar nichts! Schlimmer noch: Ich finde Afrikaner in Baströckchen einfach nur dumm, wenn sie in Europa/USA damit Aufmerksamkeit erregen wollen.
Die können mehr!

Donnerstag, 6. September 2012

Bonner Gesellschaft für Volkskunde und Kulturwissenschaften: Jahrestagung 2012

„Das soll in die Ausstellung?!“
Musealisierung der Gegenwart.


"Seit einigen Jahren unterliegt das Feld Museum starkem Wandel: Museen verstehen sich gerne als Orte der sinnlichen Erfahrung und intellektuellen Erkenntnis. Vielfach vermitteln sie ihre Themen dabei anhand originaler Zeugnisse aus der Vergangenheit. Gleichzeitig sollen sie sich stärker für den Besucher öffnen und auf seine Erwartungen eingehen. D.h. ihn dort abholen, wo er sich gerade befindet: In einer immer komplexer werdenden Gegenwart. Auf der diesjährigen Jahrestagung der BGVK möchten wir uns mit dem Thema „Musealisierung der Gegenwart“ beschäftigen und zum interdisziplinären Austausch einladen."

Tagungsorte:

Freitag, 26.10.2012
Siebengebirgsmuseum der Stadt Königswinter, Kellerstraße 16, 53639 Königswinter

Samstag, 27.10.2012
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn

VERANSTALTER/WEITERE INFORMATIONEN
Bonner Gesellschaft für Volkskunde und Kulturwissenschaften e.V.
www.bgvk.de


PROGRAMM

Freitag, 26.10.2012

14:00 Uhr Ankunft

14:30 Uhr Begrüßung

14:45 Uhr Elmar Scheuren (Königswinter):
Einführung und Führung durch das Siebengebirgsmuseum

16:00 Uhr Museumsbäckerei, Kaffeepause

16:30 Uhr Eröffungsvortrag Prof. Dr. Dr. Markus Walz (Leipzig)
Museum 2.0, Cultural Anthropology 0.0? Konkurrenzen um einige Kernaufgaben des Museums als Funktionen der Gegenwartsrepräsentation

17:15 Uhr Panel I: Sammeln im 21. Jahrhundert

Dr. Sandra Mühlenberend (Dresden):
Referenzobjekte der Jetztzeit-Sammlungsstrategien am Deutschen Hygiene-Museum Dresden

Dr. Carsten Vorwig (Kommern):
Bungalow und Wohncontainer.Neues Bauen im LVR-Freilichtmuseum Kommern am Rande der Gegenwart

19:00 Uhr Möglichkeit des gemeinsamen Abendessens

Samstag, 27.10.2012

10:00 Uhr Ankunft

10:30 Uhr Begrüßung

10:45 Uhr Panel II: Themen und Diskurse

Julia Pedak (Bonn):
Sind wir schon in der Gegenwart? Zur Musealisierung der 1960er und 1970er Jahre in Freilichtmuseen

Johannes J. Arens M.A. (Aachen):
Speisen und Getränke verboten! Die Musealisierung von Ernährung in historischen und regionalgeschichtlichen Sammlungen

Kaffeepause

Petra Dittmar M.A. (Lindlar):
Nachhaltig vermittelt? Aktuelle Ausstellungen im LVR-Freilichtmuseum Lindlar

Natalie Bayer M.A. (Göttingen):
Migration und Stadtgeschichte im Museum: Blickregime und Narrativierungspraktiken eines neuen Ausstellungshypes

13:00 Uhr Mittagspause

13:45 Uhr Führung durch das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

15:15 Uhr Panel III: (Neue) Vermittlungsmethoden

Dr. Clara Himmelheber (Köln)
Objektlos aber nicht gegenstandslos: Die Darstellung von Aktualität und der eigenen Kultur in der Dauerausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums – Kulturen der Welt

Dr. Frauke Miera, Dr. Lorraine Bluche (Berlin)
Polyphone Ortsgeschichten im Kreuzberg Museum. Die Ausstellung „ortsgespräche“ als Auftakt eines gegenwartsbezogen alltagsgeschichtlichen Audio-Archivs für Berlin

16:40 Uhr Kaffeepause, Ende der Tagung

Anschließend findet die Mitgliederversammlung der BGVK statt, zu der wir alle Teilnehmerinnen
und Teilnehmer herzlich einladen.

ANMELDUNG: Anmeldung bis zum 12.10.2012 bei Anna Palm (apalm@uni-bonn.de).

Tagungsgebühren: 15,00 € (ermäßigt: 10,00 €), für Mitglieder der BGVK kostenlos.


--
Anna Palm M.A.
wissenschaftliche Mitarbeiterin
Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde
Institut für Germanistik, Vgl. Literatur- u. Kulturwissenschaft
am Hofgarten 22
53113 Bonn
Tel. 0228 73 5017
E-Mail: apalm@uni-bonn.de
www.volkskunde.uni-bonn.de

Samstag, 18. August 2012

Landleben im Container

Wer im Sommer Ameland besucht, der wird wahrscheinlich auch den Cultureel Ambachtelijke Dag (Handwerkermarkt) in Ballum besuchen. Ein Tag, an dem sich das kleinste Dorf der Insel mächtig ins Zeug legt und alle zeigen, was sie können und haben. Körbe werden geflochten, Seile gedreht, Wäsche nach Art der Großmutter gewaschen, Dreschmaschinen rattern, die Kinder zeigen ihre Kutschen und wer etwas gesammelt hat, der zeigt es auch. Zum Beispiel Kleiderbügel:

Auch andere sammeln Kleiderbügel. Nicht nur ich.


Eine höchst sympathische Veranstaltung in einem wunderschönen Dorf.

Etwas bizarr erschien mir lediglich die Präsentation einiger Ballumer Senioren in einem Container, der wohl mal dem Übersee-Transport diente.

Uniek evenement in Ballum op Ameland. Ambachtelijke Dag donderdag 26 juli 2012.

In einem Ambiente, das aus historischen Versatzstücken besteht, schaut ein älterer Herr ebenso alten Damen dabei zu, wie sie handarbeiten oder Tee trinken.

http://www.ambachtelijkedag.nl/

Was damit bezweckt werden sollte, erschloss sich mir nicht. Deswegen hat mir diese Inszenierung wahrscheinlich besonders viel Freude bereitet. Ich mag skurrile Präsentationen, die mich irritieren. Sehr!

Samstag, 30. Juni 2012

Wer Kinder verstümmelt sollte mal einen Psychiater konsultieren

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Circumcision_central_Asia2.jpg&filetimestamp=20090409202501
Turkestan, um 1870, Library of Congress/Wikipedia

Viele Religionen sichern ihren Fortbestand dadurch, dass sie ihre Mitglieder in einem Alter rekrutieren, wo diese ihre Gedanken noch nicht artikulieren können. Die Eltern geben vor, ob man etwa Jude, Moslem, Christ ist oder zu einer anderen Religionsgruppe gehören soll. Das an sich ist schon brutal genug.

Doch richtig brutal wird es dann, wenn die Aufnahme in die jeweilige Religionsgemeinschaft damit verbunden ist, dass Teile der Genitalien entfernt werden.

Schwarz gegen Weiß
creative commons image / flickr / sneakymoose / Spencer's Bris, October 2, 2008

Ich befasse mich mit dieser Frage, weil ich mich wundere, dass das Urteil des Kölner Landgerichts zur religiös motivierten Genitalverstümmelung in unserer Gesellschaft überhaupt noch diskutiert werden muss.

Selbstverständlich stellt die Entfernung von irgendwelchen Teilen eines Körpers eine Körperverletzung dar. Muss man darüber diskutieren? Wohl nicht! Ebenso ist klar, dass die Kinder, die so maltraitiert werden, sich dagegen nicht wehren können. Sie erleiden dadurch heftigste physische und psychische Schmerzen, die völlig unnötig sind.

Wenn unsere Medien über Fälle der Kindesmisshandlung berichten, ist die Entrüstung immer groß. Aus gutem Grund! Ebenso ist es obsolet geworden, seine Kinder zu verprügeln. In Deutschland ist das ein Straftatbestand! Auch andere Kindesmisshandlungen werden in unserem Kulturkreis kaum noch geduldet. Vertreter von Religionsgemeinschaften beanspruchen allerdings besondere Rechte. Sie wollen einen Staat im Staate und beanspruchen, dass für sie Recht und Gesetz keine Gültigkeit hat.

Das gipfelt dann darin, dass sie meinen, kleinen Jungs physische und psychische Schmerzen zufügen und sie verstümmeln zu dürfen, indem sie ihnen die Vorhaut abschneiden. Ich soll das dann als praktische Religionsausübung, als identitätsstiftende Operation akzeptieren. Niemals!

Nein, ich akzeptiere das ebensowenig wie exorzistische Praktiken innerhalb der christlichen Kirche, Hexenverbrennungen, Zwangsverheiratungen, die Verstümmelung weiblicher Genitalien oder andere Formen des Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

In unserem Kulturkreis herrscht Konsens darüber, dass der bestraft werden muss, der einem anderen Gewalt antut. Wer seinem Kind etwas abschneidet oder abschneiden lässt - egal aus welchen Gründen -, gehört also ohne jeden Zweifel vor's Gericht und sicher auch in psychologische Behandlung.

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Was mir trotz allen Übelseins an der herrschenden Debatte allerdings gefällt, ist der Umstand, dass bei diesem Thema diejenigen Probleme bekommen, die Toleranz predigen, insbesondere in Bezug auf Religionen, und gleichzeitig für Menschen- und Kinderrechte eintreten. Wie winden sie sich aus diesem Dilemma? Was tun sie dafür, dass Kinder nicht mehr im Namen von Religionen mißhandelt werden?

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Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt von 2008, der der Zirkumzision sehr kritisch gegenüber steht.
Ebenso die Meinung der Niederländischen Ärztekollegen (KNMG, 2010), die Beschneidungen aus nicht-therapeutischen Gründen ebenfalls ablehnen und auf die Risiken hinweisen, die mit dieser unnötigen Operation verbunden sind.

+ Die Pressemitteilung des Kölner Landgerichts zum Beschneidungsurteil.


P.S.: Interessant ist, dass in der öffentlichen Debatte verschwiegen wird, dass sich auch in Israel Widerstand gegen diese Praxis breit macht. Niemals wird aber gesagt, dass die Beschneidung auch das Masturbieren erheblich erschwert. Warum eigentlich nicht? Könnte es nicht sein, dass das der wahre Grund für diese menschenverachtende Praxis ist?

Freitag, 23. September 2011

Der Papst ist da. Der Kopf fliegt weg?

Da geben unsere Volksvertreter im Bundestag dem Papst stehend Ovationen. Schwule wie Geschiedene und Wiederverheiratete. Menschen, die denken können (sollten). Dem Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, die wohl mehr Tote auf dem Gewissen hat, als alle weltlichen Potentaten der Vergangenheit zusammen. Eine skurrile, ja surreale Veranstaltung im Bundestag.

Da wird einem zugejubelt, der heute dafür verantwortlich ist, dass täglich Tausende von Menschen mit HIV infiziert werden und täglich Tausende von Kindern sterben müssen, weil sie gezeugt, aber nicht ernährt werden können. Weil er seinen Untertanen das Kondom verbietet.

Für Verbrechen gegen die Menschheit kommen andere für geringere Vergehen - gleichwohl ebenso verachtenswerte - vor den Internationalen Gerichtshof.

Der Papst nicht. Warum nicht?

Die Auflösung dieses Rätsels werde ich nicht mehr erleben. Da bin ich mir sicher. Ich wünsche aber meinem Sohn, dass er noch erleben darf, dass der Papst, dessen Anhänger unter seiner Ägide bis heute Beihilfe zum Tod unzähliger Menschenleben leisten, einer gerechten Strafe zugeführt wird. Die Kreuzigung wäre eine Option. Der Internationale Gerichtshof eine andere. Da ich nicht die brutale Ethik des Papstes teile, würde ich - nolens volens - letztere bevorzugen.

Für ein wenig Hoffnung auf ein Leben in einer Welt, die den Menschen das Leben ein wenig erträglicher machen könnte, trägt vielleicht der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz Deschner bei.

Dem Betonblog verdanke ich den Hinweis auf dieses Video:



Solange es Menschen gibt, die am Wohlergehen der Menschheit mehr interessiert sind, als an ihrem eigenen Vorteil, besteht Hoffnung.
Das Gros der Menschen hängt mehr am Leben als der Papst. Das gibt mir die Hoffnung, das in 100 Jahren niemand mehr sterben muss, weil der Papst es so wollte.

Mehr:
Homepage von Karlheinz Deschner.


Mutter im Glück

Donnerstag, 22. September 2011

Kuschelkultur oder Darkroom?

Dieser Tage versammelt sich die Gemeinde deutscher Volkskundler in Tübingen (!), um sich über das Thema "Kultur_Kultur. Denken, Forschen, Darstellen" auszutauschen.

Schöne Tagung!

Worum es gehen soll, erfahren wir sofort auf der Tagungs-Homepage: Es geht um Alles oder Nichts. Also kaum etwas.

Konkreter:

"Kultur_Kultur. Denken, Forschen, Darstellen richtet den Blick auf Kultur als zentrale Kategorie der Volkskunde und ihrer Fortentwicklungen. Der Tübinger Kongress will dazu einladen, die kulturale Wende im Fach einer umsichtigen Evaluie­rung zu unterziehen. Es wird gefragt, wie sich eine wissenschaftliche Disziplin rüsten kann, die für sich eine selbstkritische Zuständigkeit für Kultur reklamiert und gleichzeitig auf die veränderten Bedingungen für ein Verstehen der kulturalen Dimension der sozialen Welt zu reagieren hat. Es geht dabei weder allein um Theorien und Methoden noch um eine Wieder­holung der Diskussionen um Repräsentationen von Kultur oder die notwendigen Differen­zierungen einer desavouierten machtvollen Konstruktion. Der Kongress soll vielmehr das Verhältnis des Faches zu seinem Gegenstand prüfen und neu begründen helfen und dazu anleiten, populäre Denkweisen in Geschichte und Gegenwart ebenso in den Blick zu neh­men wie die Probleme und Perspektiven der Kulturforschung in einer sich zusehends inter­disziplinär organisierenden Wissenschaftslandschaft."

Haben Sie verstanden, welches Ziel dieser Kongress verfolgt? Ich nicht. Wie viel Zeit wurde verschwendet, um dieses Geschwurbel zu formulieren? Ist das Wissenschaft? Ich hoffe nicht.

Die "kulturale Wende des Fachs"? Was ist damit gemeint? Das Abfinden mit dem Ende des Fachs? In Bonn läuten die Totenglocken. Oder ist die kulturale Wende, dass man nun noch mehr Dummquatsch beherrscht als vor 20 Jahren? Im Text wird das nicht klar.

Unter uns: Finden Sie im Tagungsprogramm einen Vortrag, von dem Sie sagen würden: "Ja, den will ich hören."?

Nun, vielleicht am 23.09. um 20:00 Uhr:Raum: FS Lecture zu Ehren Prof. Dr. Hermann Bausingers
Prof. Dr. Barbara Kirshenblatt-Gimblett (New York)

Was würde Sie, als Volkskundler, ansprechen? Was würde Sie interessieren, wenn Sie Historiker, aber nicht Volkskundler wären? Welchen Vortrag würden Sie als interessierter Laie gerne hören?

Seien sie nicht höflich! Da ist doch nun wirklich kaum ein Vortrag dabei, der einen dazu bewegen könnte, den Kongress besuchen zu wollen. Zumindest bringt das die Homepage nicht rüber.

Da wundert es dann auch kaum noch, dass es dort keinen Link zu Twitter, Facebook oder anderen sozialen Medien gibt. Auch ein "Livestream" steht nicht im Wörterbuch der Deutschen Volkskunde.

Wir sind uns selbst genug. Deshalb können wir auch darauf verzichten, fremdsprachige Versionen unserer Homepage anzubieten. Wissenschaftler anglophoner, francophoner oder anderer Sprachgruppen könnten unser Tun womöglich kritisieren.

Es stimmt mich traurig, wie sich das eigentlich kulturrelevanteste Fach aller Fächer unserer Universitäten sich selbst und ohne Zwang so ins Abseits manövriert. Das Internet nicht nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen.

Wann endlich tritt endlich mal wieder Einer oder Eine auf die Bühne der Wissenschaft und zeigt uns, welch großen Nutzen wir alle aus der Ethnologie ziehen können? Was die Europäische Ethnologie leisten kann, um das Leben zu bereichern oder gar zu verbessern?

Raus aus dem Darkroom der Wissenschaft - Rein ins Leben!
Ohne Dummquatsch - So wie es Bausinger und Jeggle gemacht haben. In Tübingen....

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Kommentare

Danke sehr!
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Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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