Calmuth (IFU)

Montag, 10. März 2008

Calmuth in den 1930ern

Calmuth-in-den-1930ern

Über Calmuth habe ich hier ja schon verschiedene Male geschrieben. Dieser Tage kam mir eine Postkarte in die Hände, die Gut Calmuth, den späteren Sitz der Internationalen Film-Union (IFU), zeigt. Die Aufnahme stammt vermutlich aus den Jahren um 1930.

Auf der Rückseite ein Gruß, der einen Hinweis darauf enthält, dass der Schreiber sich hier mit 17 Mann ein Zimmer teilen musste. Leider ist kein Poststempel auf der Karte vorhanden.

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Freitag, 1. Februar 2008

Literatur für Freunde der Internationalen Film-Union/Remagen

Thaisy: la politique cinématographique de la France en Allemagne occupée (1945-1949)

Da einige Leser diesen Blog gefunden haben, weil Sie nach Informationen suchten, die etwas mit der Internationalen Film-Union/Calmuth bei Remagen zu tun haben, erlaube ich mir hier einen kurzen Hinweis auf die Dissertation von Laurence Thaisy, die sich mit der Filmpolitik in der französischen Besatzungszone beschäftigt und auch Informationen zu den Synchronisationsstudios in Calmuth enthält. Das ist jedenfalls aus dem Inhaltsverzeichnis zu schließen.

Zu beziehen ist diese Dissertation etwa über amazon.fr

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Die Internationale Film-Union/Calmuth kommt ins Fernsehen


Nach und nach beginnen die Bemühungen der Calmuth-Enthusiasten Früchte zu tragen. Inzwischen interessieren sich die Medien für Calmuth bzw. die Internationale Film-Union. Einen der Orte im Westen Deutschlands, wo bundesrepublikanische Filmgeschichte geschrieben wurde. Heute widmete sich ein Kamerateam des SWR unter Führung von Andreas Berg diesem so idyllisch gelegenen Areal in der Nähe Remagens, wo sich nach 1948 die Größen der deutschen Filmbranche die Klinke in die Hand gaben, um im Ausland produzierte Filme dem deutschen Publikum nahe zu bringen, indem sie sie synchronisierten. Doch auch als Kopierwerk und Produktionsstätte der Filmwochenschau "Blick in die Welt" hatte Calmuth Bedeutung.

Der SWR hat diese Bedeutung erkannt und zeigt deshalb am kommenden Samstag ( 8.12., 19:15 h - 19:45 h) in seiner Sendung "Landesart" Bilder auf die die sie bei ihren Recherchen in den Filmarchiven stießen. Besonders freue ich mich auf die Aufnahmen, die Romy Schneider zeigen, während sie sich selbst - natürlich rauchend - in Calmuth synchronisiert.

Sollten Sie selbst in Calmuth einmal gearbeitet haben oder jemanden kennen, der dort tätig war, würde ich mich sehr über eine E-Mail an museologie[at]gmx[dot]de oder über einen Anruf unter 0228-215837 freuen. Vielleicht finden sich ja ein paar menschen zusammen, die Interesse daran haben, die Geschichte der Internationalen Film-Union zu dokumentieren. - Damit kein Missverständnis aufkommt: Es geht mir nur um die Dokumentation, nicht darum, ein Museum einzurichten. Davon haben wir schon viel zu viele.

(Wenn Sie mehr über Calmuth oder die Internationale Film-Union wissen wollen, dann geben Sie dieses Wort einfach in das Suchfeld in der rechten Spalte ein.)

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Neues aus Calmuth

Im schönen Monat Mai berichtete ich hier schon einmal über Calmuth, den Weiler nahe Remagen, der in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Zentren deutschen Filmschaffens gehörte, neben München, Berlin und Göttingen. Hier hatte die Internationale Film-Union (IFU) ihren Sitz.

Es ärgerte mich - und tut es noch immer - dass sich kaum ein Mensch für diesen Ort stark macht, obwohl er doch einmal so bedeutungsvoll für die Demokratisierung Deutschlands war. Dort wurde nicht nur die Wochenschau für die französische Besatzungszone bearbeitet, sondern auch eine Menge Filme synchronisiert. Viele prominente Schauspieler der 50er/60er Jahre verbrachten einige Zeit dort, um fremdsprachige Filmwerke deutschen Kinobesuchern verständlich zu machen. Auch als Kopierwerk hatte Calmuth ein nicht geringe Bedeutung. Doch seit mehr als zehn Jahren sind die Gebäude der IFU dem Verfall preisgegeben.

Diese Tage besuchte ein Vertreter der "Generaldirektion Kulturelles Erbe" des Landes Rheinland-Pfalz das Gelände. Dr. Markus Fritz von Preuschen. Er bestätigte, dass die Gebäude durchaus erhaltenswert seien. Er besichtigte die Villa und das Ökonomiegebäude. Das Gebäude, das nicht nur filmhistorisch, sondern auch für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland den größten Wert hat, nämlich das Synchronisationsstudio, hat er sich nicht angesehen. Schade.

Hoffnung gibt, dass sich inzwischen Kulturhistoriker, Archivare und Medienvertreter der Region zusammen geschlossen haben, um die Geschichte von Calmuth zu dokumentieren und der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Wenn auch Sie sich für das filmhistorische Erbe der Bundesrepublik Deutschland engagieren wollen, mehr wissen als ich, ehemaliger Mitarbeiter der IFU sind oder aus anderen Gründen etwas zum Erhalt dieses Kulturdenkmals beitragen wollen, dann schreiben Sie eine mail an museologie[at]gmx[punkt]de.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Calmuth: Film, Idylle und Verfall

Ab und an düse ich mit dem Vespa-Roller durch die Landschaft und erkunde die nähere Umgebung.

Der Frühling lacht. Sonnenschein. Fliederdunst. Losgedüst.

Eine meiner ersten Touren führte mich - wenig verwunderlich - am Rhein entlang. Das Ziel Calmuth reizte mich schon länger. Nein, nicht die Hütte von Thomas Gottschalk auf dem Berg lockte mich an, sondern das Faktum, das es da im Tal eine Siedlung an der Trasse Bonn- Remagen gibt, die "mitten drin" aber dennoch abgeschieden liegt. Etwa vier bewohnte Häuser und drumherum nichts als Wald und Wiesen. Im Großraum Köln-Bonn sind solche Weiler selten. Außerdem wusste ich, dass da neben den bewohnten Häusern noch andere waren. Unbewohnte Gebäude ziehen mich, wie wohl viele andere Kulturwissenschaftler auch, besonders an. Da gibt es etwas zu entdecken.

Was gibt es in Calmuth zu entdecken? Offiziell nichts! "Betreten verboten!" Inoffiziel einen Gebäudekomplex, der auf den ersten Blick etwa 50 bis 60 Jahre alt sein dürfte.

Deutsche Film-Union

Stromert man etwas in der näheren Umgebung herum, dann findet man neben einer Baracke rasch ein Gebäude, dass einige Jahrzehnte älter ist und daher auf den ersten Blick wesentlich sympathischer wirkt.

2007_04_15-082

Ein Gutshof? Vielleicht. Die Spaziergänger, auf die ich traf, bezeichneten es als Schloss. Das ist sicher übertrieben, aber schön ist diese (!) Ansicht des Gebäudes allemal. Ein Teil des Gebäudes ist inzwischen eingestürzt. Daneben noch eine Villa der Jahrhundertwende nebst Teich und einige kleinere Gebäude. Außerdem noch etwas im Berg? Ein Bunker? Was auch immer es ist, es wird gerade renoviert. Insgesamt also ein gar nicht so kleines Anwesen.

Und wenn man sich dann so fragt, was in diesen Gebäuden, die heute verrotten, einmal passiert ist, dann merkt man rasch, dass es etwas mit "Film und Kino" zu tun hatte. Filmplakate liegen herum. Filmrollen auch. Auffallend oft wird auf die Brandgefahr hingewiesen.


Ein wenig gegoogelt und man hat herausbekommen, dass hier in der französischen Besatzungszone einmal die Internationale Film-Union ihren Sitz hatte. Besonders bedeutungsvoll war ihr Synchronisationsstudio (gebaut 1946-1948). In Europa das wohl modernste seiner Zeit! Etwa 800 Filme französischer, italienischer und amerikanischer Provenienz wurden hier synchronisiert. Hans-Jörg Felmy, Hildegard Knef, René Deltgen, Romy Schneider, Lotti Krekel, Fritz Wepper oder Harald Juhnke und viele andere gaben hier ihre Stimme für bekannte Spielfilme. Die Art und Weise, wie das in Calmuth realisiert wurde, war richtungsweisend. Ergänzt wurde das Synchronstudio durch eine leistungsfähige Kopieranstalt.

Das mag reichen, um die Bedeutung des Weilers Calmuth für die bundesrepublikanische Filmgeschichte anzudeuten.
Aber deswegen schreibe ich diesen ganzen Sermon hier nicht. Ich schreibe ihn vor allem, weil es mich sehr wundert, dass dieses Anwesen zusehends verrottet und verfällt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Jedem Kiosk schenken die Behörden oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehr Aufmerksamkeit als diesem wirklich bedeutsamen Kleinod der Filmgeschichte...
Wie wär`s wenn Thomas Gottschalk hier am Rande einer seiner Spazierwege aktiv würde und seine Popularität einsetzte, um etwas für die Filmgeschichte zu tun? Zumindest dafür sorgen würde, dass der Komplex nicht weiter verfällt.
Es ist höchste Zeit, dass hier etwas getan wird! Wo bleibt der Denkmalschutz?

Wenn's interessiert: Calmuth vor 1945 oder zum Nerother Wandervogel.

Einige Fotos aus Calmuth nun auch bei flickr.

Das IFU-Gelände bei Google Maps.

Wer Calmuth besuchen möchte, sollte sich darauf einstellen, dort Käthe H., einer resoluten alten Dame nebst ihrem beeindruckenden Sohn zu begegnen oder einem Polizisten, der dort nebenberuflich tätig ist. Bleiben Sie ruhig: Alle müssen böse dreinschauen. Dafür bekommen sie Geld vom Besitzer, der noch immer in der Filmbranche tätig ist und das Anwesen wohl absichtlich verfallen lassen will. Warum eigentlich?
Was könnte man nicht alles aus dem Gelände machen!

PS: Einige Menschen, die sich für Calmuth interessieren, kabbeln im Synchron-Forum miteinander.

Kulturelle Welten

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Kommentare

Schlafen im Museum
Da bin ich ja mächtig gespannt, was man außer...
Nina (anonym) - 2008-06-30 17:19
Aber, aber...
Lieber GP, dass man in der französischen Diaspora...
Joern Borchert - 2008-06-24 23:32
Sperrgut
Natürlich ist Denken wichtig. Und Erinnern auch....
GP-F (anonym) - 2008-06-23 21:30
Noch nie so viel
In Paris wird diese Ausstellung immer wieder erwähnt,...
Madeleine (anonym) - 2008-06-16 22:50

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