Ist das Historische Archiv der Stadt Köln unterversichert?

[Foto von rbrands]
Eine reichlich blöde Frage, auf die ich eben im Kölner Stadt-Anzeiger stieß. Demnach sei das Historische Archiv mit 60 Millionen Euro versichert gewesen. Der Kulturdezernent der Stadt Köln, Georg Quander, beziffert den Wert der Archivalien mit 400 Millionen Euro.
Klassischer Fall von Unterversicherung? Quatsch!
Klassischer Fall von dummer Fragestellung und sensationsgeilem Journalismus nebst unbedachter Äußerung eines Dezernenten.
Denn eigentlich weiß der auch, dass man den Wert der Archivalien und Kunstgüter, die im Historischen Archiv der Stadt Köln lagerten, nicht wirklich beziffern kann. Er hätte auch drei Millarden Euro sagen können, oder zehn. Denn das was dort nicht mehr gerettet werden kann, ist unwiederbringlich verloren und mit keinem Geld der Welt zu ersetzen. Nicht einmal mit Billionen.
Insofern unterscheidet sich der Kölner Unglücksfall eben auch von dem der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Während die Bücher der Weimarer Bibliothek zu nicht geringen Teilen prinzipiell durchaus ersetzbar waren, so sind es die Urkunden und Archivalien aus Köln - und das in Ihnen enthaltene Wissen! - eben nicht. Sie kann man mit Geld und pfiffigen Antiquaren nicht wieder beschaffen. Die Archivalien, die nicht mehr gerettet werden können, sind für alle Zeiten futsch. Ein zukünftiges Loch im kulturellen Gedächtnis der Stadt Köln.
Die oben genannten 60 Millionen beziehen sich also vermutlich nur auf das Gebäude und seine Ausstattung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Archivalien versichert hat. Wenn doch, dann hätte man das Geld zum Fenster hinausgeworfen.
Der Stadt Köln und allen Menschen, die an europäischer Kulturgeschichte interessiert sind, wünsche ich heute nur eines: Es möge endlich aufhören zu regnen!
Wer etwas Gutes tun will, der spendet für die obdachlos gewordenen Nachbarn des Archivs etwas Geld auf folgendes Konto:
Empfänger: Stadt Köln
Kontonummer: 190 319 0419
Stichwort: Severin
Stadtsparkasse Köln-Bonn
Bankleitzahl: 370 501 98
Ein Spendenkonto zur Rettung der Archivalien scheint noch nicht eingerichtet worden zu sein. Wann passiert das endlich? Wenigstens die Einrichtung eines zweiten Spendenkontos sollten die Kölner doch hinkriegen. Wo sie schon keine U-Bahnen bauen können, ohne dass ...
Wer gut über das aktuelle Schicksal des Historischen Archivs der Stadt Köln unterrichtet sein möchte, der sollte täglich bei Archivalia vorbeischauen. Die Informationen sind allemal besser als die Ihres heimischen Käseblattes.
Hoffentlich gehört zu dem, was gerettet werden kann, wenigstens das.
Joern Borchert - 2009-03-05 21:48 + 1387
6 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
ladislaus (Gast) - 2009-03-06 11:18
Die Versicherung von Staatsvermögen gegen Schäden ist ohnehin völlig unsinnig. Man versichert sich, weil man selbst ein Risiko nicht tragen will und lieber in Höhe des eigenen sehr kleinen Risikos zahlt. Der Staat ist mit seinem riesigen Immobiilienbesitz und seinem großen Sachvermögen selbst schon so eine Versichertengemeinschaft, die das Risiko weit streut, wieso soll er sich noch zusätzlich versichern?
Christian (Gast) - 2009-03-08 13:23
Ich würde nicht sagen, dass es unsinnig ist. Man muss schon solche Sachen versichern, denn jetzt ist es soweit. Die Sachen liegen irgendwo in den Trümmern und die meisten davon werden wahrscheinlich nicht mehr zu gebrauchen sein. Eigentlich schade, denn meiner Meinung nach ist der Wert dieser Gegenstände unbezahlbar. Dennoch ist eine Versicherung sinnvoll, denn man braucht ja wieder ein paar Sachen und das Geld dafür kann man sich nicht aus dem Ärmel schütteln vielleicht kann man einiges wieder herstellen dafür braucht man auch Geld.
Joern Borchert - 2009-03-12 01:03
"man braucht ja wieder ein paar Sachen"
Sorry Christian, da hast Du etwas nicht richtig verstanden. Alles das, was vernichtet ist, ist auch nicht mehr zu ersetzen. Da hilft kein Geld der Welt. Es ist weg. Für immer.
Und damit auch das, was wir aus der Geschichte hätten lernen können.
Und damit auch das, was wir aus der Geschichte hätten lernen können.
ute (Gast) - 2009-03-29 16:59
wieso haben wir eigentlich immer den ansatz, aus der geschichte zu lernen? nicht durch geschichte, sondern durch forscherdrang entwickelt sich die welt. lernte jemand was aus dem börsencrash 1929? aus dem 1.wk oder dem 2.wk? ein museum köchelt vergangenes, ist nett, aber mehr auch nicht. es langweilt eher und bringt einen nicht weiter. man schwelgt in der vergangenheit und ist meistens glücklich und snobistisch stolz, heute zu leben. so kommt die menschheit nicht weiter. und deswegen werden paläste und kirchen in disney-berlin oder walt-dresden wieder aufgebaut, anstatt nach vorne zu gehen. viel spass mit history....
jens (Gast) - 2009-03-30 18:29
Ich finde Museen sehr wichtig, liebe Ute! Wenn man nicht weiss, was man da lernen kann... Und das im Jahre 2009...
Joern Borchert - 2009-04-06 00:06
Ute: Protestiere, wenn Dir danach ist
Ich finde, dass man in Museen sehr viel lernen kann. Durch das was da ausgestellt wird. Und wenn einem das nicht gefällt oder nichts gibt, dann kann man lernen, dass es die Möglichkeit gibt, dagegen zu protestieren. Tu es, wenn Dir danach ist. Die Mitarbeiter der Museen nehmen Proteste sehr ernst. Da alle Museen im Internet präsent sind, ist es nicht schwer, Mails an sie zu schicken, in denen Du beschreiben kannst, was Dir nicht gefällt oder auch solche, in denen Du darstellst, wie man es besser machen könnte. Über Letztere freuen sich Museumsmitarbeiter besonders.
Bedauerlicherweise dauert es einige Zeit, bis sie Deine Kritik und Vorschläge auch so umsetzen können, dass die Ausstellungen besser werden. Das hat etwas mit Verwaltungsgabläufen zu tun und nicht zuletzt damit, dass Veränderungen immer viel Geld kosten. Bleib trotzdem dran. Früher oder später bewegen sich sogar Museen. Dafür gibt es einige Beispiele. Zum Beispiel das Walraff in Köln. Da bewegt sich was!
Bedauerlicherweise dauert es einige Zeit, bis sie Deine Kritik und Vorschläge auch so umsetzen können, dass die Ausstellungen besser werden. Das hat etwas mit Verwaltungsgabläufen zu tun und nicht zuletzt damit, dass Veränderungen immer viel Geld kosten. Bleib trotzdem dran. Früher oder später bewegen sich sogar Museen. Dafür gibt es einige Beispiele. Zum Beispiel das Walraff in Köln. Da bewegt sich was!




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