So "schön" war der Krieg
"Als ich in Charkow war, war alles bis in die Innenstadt zerstört. Eine herrliche Stadt, eine herrliche Erinnerung. Alle Leute sprachen etwas deutsch. Auch in Taganrog - herrliche Kinos und wundervolle Strandcafés. Schön ist die Landschaft - im LKW war ich überall. Da sah man nichts als Frauen, die Pflichtarbeitsdienst machten. Straßen haben die gemacht, mordsschöne Mädels - da sind wir vorbeigefahren, haben sie einfach in den PKW hereingerissen, umgelegt und wieder rausgeschmissen."
Aus: Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten
Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben
Verlag: S. Fischer, 2011
ISBN: 3100894342, Euro 22,95
(Mehr beim Deutschlandfunk)
Obiges Zitat macht grausam deutlich, aus welcher Perspektive manche deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs die Kriegsschauplätze und die Zivilbevölkerung wahr nahmen. Schöne Orte - schöne Frauen. Und alles gehört uns! Sicher verhielten sich nicht alle Soldaten so.
Seit vielen Jahren denke ich über ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel "Der schöne Krieg" nach und sammle Materialien dazu. Eine Ausstellung, die deutlich machen soll, dass für die "Moral der Truppe" durchaus auch touristische Aspekte von Belang waren und - ich denke an Afghanistan - vermutlich noch immer sind.
Die Interviews, die ich mit Kriegsteilnehmern des Zweiten Weltkriegs führte, zahlreiche Biographien, Bücher und Fotografien machen mehr als deutlich, dass es hinter der Front durchaus und über einige Jahre zahlreiche Möglichkeiten gab, den kulturellen wie intellektuellen Horizont zu erweitern. Fremde Kulturen, fremde Sitten. Leckere Speisen, sonnige Strände, das freundliche Entgegenkommen der Unterworfenen. Für besondere "Leistungen" an der Front gab's Belohnungen wie eine Woche in Paris (all inclusive!) oder andere Vergnügungsreisen. Doch, der Krieg hatte auch (!) seine schönen Seiten. Wäre dem nicht so, er wäre viel schneller beendet gewesen.
Selbst die Kriegsgefangenschaft war nur selten so, wie es uns die Historiker des Kalten Kriegs weismachen wollten. Nicht nur, dass viele Kriegsgefangene dort in besseren Verhältnissen lebten als die deutsche Zivilbevölkerung. Nein, wer wollte, der konnte sich auch dort weiterbilden oder etwas lernen, was ihn zu seinem späteren Beruf führte. In einigen Lagern existierten regelrechte "Lageruniversitäten".
Last but not least: Für viele Männer blieb der Krieg die einzige Fernreise ihres Lebens. Ein Faktum, das über das Kriegsende hinaus nachwirkte und geeignet war, die Schrecken des Krieges in den Hintergrund treten zu lassen und seine Aufarbeitung erheblich zu stören.
Viele Gründe, dieses Thema aufzugreifen, um daraus ein Buch, eine Ausstellung oder einen Film zu machen. Finden Sie nicht?
Wenn Sie Lust haben, an diesem Projekt mitzuwirken, dann würde ich mich an dieser Stelle über einen Kommentar freuen.
PS:
15.04.2011 19:00 Uhr
Buchpremiere mit Sönke Neitzel und Harald Welzer,
Moderation: Rüdiger Suchsland
Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, 10117 Berlin
Lesenswert: Julia Encke "Dokumente des Grauens in der FAZ.
Aus: Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten
Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben
Verlag: S. Fischer, 2011
ISBN: 3100894342, Euro 22,95
(Mehr beim Deutschlandfunk)
Obiges Zitat macht grausam deutlich, aus welcher Perspektive manche deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs die Kriegsschauplätze und die Zivilbevölkerung wahr nahmen. Schöne Orte - schöne Frauen. Und alles gehört uns! Sicher verhielten sich nicht alle Soldaten so.
Seit vielen Jahren denke ich über ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel "Der schöne Krieg" nach und sammle Materialien dazu. Eine Ausstellung, die deutlich machen soll, dass für die "Moral der Truppe" durchaus auch touristische Aspekte von Belang waren und - ich denke an Afghanistan - vermutlich noch immer sind.
Die Interviews, die ich mit Kriegsteilnehmern des Zweiten Weltkriegs führte, zahlreiche Biographien, Bücher und Fotografien machen mehr als deutlich, dass es hinter der Front durchaus und über einige Jahre zahlreiche Möglichkeiten gab, den kulturellen wie intellektuellen Horizont zu erweitern. Fremde Kulturen, fremde Sitten. Leckere Speisen, sonnige Strände, das freundliche Entgegenkommen der Unterworfenen. Für besondere "Leistungen" an der Front gab's Belohnungen wie eine Woche in Paris (all inclusive!) oder andere Vergnügungsreisen. Doch, der Krieg hatte auch (!) seine schönen Seiten. Wäre dem nicht so, er wäre viel schneller beendet gewesen.
Selbst die Kriegsgefangenschaft war nur selten so, wie es uns die Historiker des Kalten Kriegs weismachen wollten. Nicht nur, dass viele Kriegsgefangene dort in besseren Verhältnissen lebten als die deutsche Zivilbevölkerung. Nein, wer wollte, der konnte sich auch dort weiterbilden oder etwas lernen, was ihn zu seinem späteren Beruf führte. In einigen Lagern existierten regelrechte "Lageruniversitäten".
Last but not least: Für viele Männer blieb der Krieg die einzige Fernreise ihres Lebens. Ein Faktum, das über das Kriegsende hinaus nachwirkte und geeignet war, die Schrecken des Krieges in den Hintergrund treten zu lassen und seine Aufarbeitung erheblich zu stören.
Viele Gründe, dieses Thema aufzugreifen, um daraus ein Buch, eine Ausstellung oder einen Film zu machen. Finden Sie nicht?
Wenn Sie Lust haben, an diesem Projekt mitzuwirken, dann würde ich mich an dieser Stelle über einen Kommentar freuen.
PS:
15.04.2011 19:00 Uhr
Buchpremiere mit Sönke Neitzel und Harald Welzer,
Moderation: Rüdiger Suchsland
Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, 10117 Berlin
Lesenswert: Julia Encke "Dokumente des Grauens in der FAZ.
Joern Borchert - 2011-04-12 20:59 + 801
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