Samstag, 23. März 2013

Neulich in Bonn: „Die Zeit läuft – und ich immer hinter her“

Ein Stück, das sehr viel mehr ist als bloß Theater.

„Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt - Läuft die Zeit; wir laufen mit.“ Als Wilhelm Busch vor mehr als 100 Jahren diese Zeilen zu Papier brachte, ahnte er wohl kaum, dass die Zeit noch an Tempo zulegen würde. Mehr und mehr wird die Zeit zu einem wertvollen Gut. Wo man meint, sie einsparen zu können, da tut man das. Mit immer schnelleren Fortbewegungsmitteln und smarteren Kommunikationsmedien, die sich im ICE oder PKW ebenso nutzen lassen, wie im Freibad, auf dem Campingplatz oder im Ferienhotel. Im Büro und in den Nahverkehrsmitteln sowieso. Wer nicht dauernd online ist, muss um seine Existenz fürchten.

Zumindest meinen das die, die auf der Höhe der Zeit sind und nicht gnadenlos rückständig wirken wollen.
Je besser das Zeitmanagement, je mehr man in einen Tag packt, umso größer die gesellschaftliche Anerkennung. Nach einem langen Arbeitstag soll auch die Freizeit so ausgestaltet sein, dass die Familie oder der Freundeskreis aktiv gepflegt werden und Kultur und Sport nicht zu kurz kommen. Die To-Do-Listen werden lang und länger. Das Leben immer stressiger, die Zeit zusehends knapper.

Das und mehr beobachtete auch die Bonner Theaterregisseurin Sylvia Oltmanns und inszenierte ein Stück, das sehr viel mehr ist als ein Theaterstück, so wie wir es kennen. So lange sie schon im Theater zu Hause ist, so sehr ist sie sich bewusst, dass das Theater von heute mehr bieten muss, als ein Bühnenbild und ein paar wohl gedrechselte Dialoge. So entwarf sie ein Bühnenstück zur Zeit(versch-)wendung, das so kurzweilig ist, dass es sogar die begeistern dürfte, die meinen, Theater sei nichts für sie. Da wird Schauspiel mit Tanztheater verbunden, Musik mit Artistik, Show mit seriösem Vortrag. Ja, sie haben richtig gelesen, mit einem Vortrag zum Zeitmanagement. Keine Angst, auch der lässt keine Langeweile aufkommen. Zwischendurch ist das Publikum aufgerufen, Schlagworte zum Thema auf die Bühne zu werfen, die im Stil eines Improvisationstheaters sofort szenisch umgesetzt werden. Manchmal schräg, manchmal direkt und kompromisslos, zuweilen lustig, immer aber unterhaltsam.

Wo andere Regisseure mit Marmor arbeiten, liefert Oltmanns nicht mehr und nicht weniger als Luft und Liebe. Liebe zum Publikum und frische Luft zum Nachdenken. Jede Minute dieser bunt schillernden Inszenierung des ernsten Themas „Zeit“ macht Freude. Spaß beim Hingucken und Freude beim Gewinnen neuer Erkenntnisse.

So geht unverkrampftes Theater. Theater, das etwas bewirken kann, weil es einfach lebens- lustig ist. Keine Minute dieser Aufführung ist verschenkt. Besser kann man seine Zeit nicht verbringen.

Das Beste zum Schluss! Sie können etwas mit nach Hause nehmen: Ideen zum Zeitgewinn!

P.S.: Ich freue mich auf die nächsten Themen, die Sylvia Oltmanns künstlerisch ausloten wird. Nicht unwahrscheinlich, dass das aktuell brennende Thema „Solidarität“ dabei eine Rolle spielen könnte: alt-jung, arm-reich, schnell-langsam, krank-gesund …. Auch da geht was!

Homepage von Sylvia Oltmanns

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Kommentare

Danke sehr!
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Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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