wie oft muss ich es denn noch wiederholen: Das DHM hat keinen einzigen Euro dadurch gespart, dass ich Studierende in das Projekt einbezogen habe! Klar hätte ich für das Kuratorenhonorar auch auf dem Arbeitsmarkt suchen können, um jemanden zu finden, der mir Adressen recherchiert, Leihgeber anschreibt etc. Dass ich das nicht getan habe, hat mehrere Gründe:
1. Meine Studierenden kenne ich, zu ihnen habe ich mehr Vertrauen als zu mir fremden Personen.
2. Die Studierenden lernen bei dem Projekt auch etwas, und es stärkt die Identifikation mit der eigenen Hochschule, wenn man gemeinsam Projekte machen kann.
3. Auch Sudierende sind Menschen, die Mieten zahlen und zum Teil Familien versorgen müssen - die also Geld brauchen.
Sie hingegn scheinen zu unterstellen, dass Studierende grundsätzlich von Staat und/oder Eltern leben und per se keine Geldsorgen haben können. Das halte ich für weltfremd, kann also kein schlechtes Gewissen dafür entwickeln, dass ich mein Kuratorenhonorar mit Studierenden und nicht mit freiberuflichen Fach- oder Hilfskräften geteilt habe.
Wie es das British Museum etc. halten, weiß ich nicht - es ist mir auch egal. In diesem Fall geht es ja auch nicht um die Politik des DHM, sondern allein um meine eigene Entscheidung. Wie ich schon schrieb: Meinen Vertrag mit dem DHM machte ich, bevor überhaupt darüber entschieden war, ob und dass ich das Projekt zusammen mit den StudentInnen erarbeite.
Soweit ich die Entstehung anderer Ausstellungen im DHM verfolgt habe, kann ich Ihnen aber mitteilen, dass dort auch keine größeren Teams zur Verfügung stehen. Ich habe also nicht den Eindruck, dass in diesem Fall etwas faul ist. Alle Ausstellungen sind, der Macht des Faktischen gehorchend, knapp kalkuliert - Billigproduktionen sind es dennoch keine, wovon Sie sich für den Fall, dass Sie doch noch in die Ausstellung gehen sollten, auch schnell überzeugen können.
Zum Abschluss noch einen freundlich gemeinten Ratschlag: Wer investigativ tätig sein will und steile Hypothesen schon mal gleich als Tatsachen lanciert, sollte auf kein Medium verzichten, das Informationen bieten könnte. So schön das Internet ist und so vieles es bietet, so bequem ist es doch auch, sich allein darauf zu verlassen. Hätten Sie einen Blick in den Katalog geworfen, hätten Sie etwa auch sehen können, dass in dessen Impressum (also auf der Seite, die Profis als erstes anschauen) die Namen aller Studierenden nochmal eigens aufgeführt sind. Dass viele Medien sich auf den Namen des Hauptkurators beschränken (so wie in Konzertbesprechungen zwar der Name des Dirigenten, aber nicht der jedes einzelnen Streichers und Bläsers erwähnt wird), entspringt hingegen der Logik der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ich habe versucht, dem auf der Pressekonferenz, in Interviews etc. entgegenzuwirken, aber oft ging die arbeitsteilige Projektgestaltung dann leider doch unter. Doch gibt es auch eine Reihe von Rezensionen, in denen die Arbeit der Studierenden eigens hervorgehoben wird. Nur sind die eben nicht alle im Internet zu finden ;-)
Lieber Herr Borchert, ich hoffe, nun ist erstmal alles gesagt und ausgetauscht. Oder?
Freundlich grüßt
Ihr
Wolfgang Ullrich
Christina Irrgang (Gast) - 2010-03-13 12:44
Kommentar
Sehr geehrter Herr Borchert,
anbei eine - wie ich Ihren Beiträgen entnehmen konnte - Stellungnahme einer Studentin, die nun leider etwas verkürzt ausfallen muss, da der zuvor verfasste Text von Ihrem Blog "verschlungen" wurde.
Ihrem Argumentationsverlauf zu Folge, gehörten Sie zu einem jener Studenten, die sich nicht schon im Verlauf des Studiums einer in der Realität verankerten Tätigkeit verpflichteten. Viele unserer Karlsruher Hochschule für Gestaltung tätigen Studenten tun aber genau dies - nicht nur mittels solcher, von Prof. Ullrich angebotenen Projekte, sonder tatsächlich auch als freie Kuratoren, Journalisten, Autoren etc. Dass dies möglich ist, liegt nicht nur an der sehr realitätsgebundenen Struktur der Hochschule, sondern auch am Engagement jedes Einzelnen: Studenten, Professoren wie auch Mitarbeiter. Dass Studenten hiermit nicht nur Studenten, sondern Teil eines dem Studententums übergeordneten Prozederes - nämlich der Arbeitsmarkt! - sind, empfinde ich aus meiner Sicht als sehr begrüßungswürdig. Ich sehe in keinster Weise Nachteile, an dem Ausstellungsprojekt "Macht zeigen..." mitgearbeitet zu haben, zu dem Wolfgang Ullrich vom DHM als Kurator eingeladen wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Christina Irrgang
Joern Borchert - 2010-03-14 18:25
Hochmut kommt vor dem Fall
Wenn auch nicht alles verstanden wurde, so ist doch fast alles gesagt.
Ich danke besonders Frau Irrgang für nachfolgende Aussage:
"Ihrem Argumentationsverlauf zu Folge, gehörten Sie zu einem jener Studenten, die sich nicht schon im Verlauf des Studiums einer in der Realität verankerten Tätigkeit verpflichteten. Viele unserer Karlsruher Hochschule für Gestaltung tätigen Studenten tun aber genau dies - nicht nur mittels solcher, von Prof. Ullrich angebotenen Projekte, sonder tatsächlich auch als freie Kuratoren, Journalisten, Autoren etc."
Ich verzichte darauf, ihr ebenfalls schlechte Recherche vorzuwerfen. Selbstüberschätzung gehört zweifelsohne zu den schönsten Bestandteilen der jungen Jahre des Lebens. Denn auch ich wirkte als Student daran mit, den kulturellen Boden so vorzubereiten, dass er mit der Zeit immer unfruchtbarer wurde.
In ein/zwei Jahrzehnten werden Sie sich vielleicht an meine Worte erinnern und die Entwicklungen dort mit eben dem Grausen beobachten, das ich heute empfinde. Dann, wenn Praktikanten und Studenten Sie um Lohn und Brot bringen. Sollte es soweit nicht kommen, würde mich das von Herzen freuen.
Vielleicht begegnen wir uns mal im wirklichen Leben. Gerne erzähle ich dann mehr über meine Erfahrungen, meine Befürchtungen und auch Fakten, die schön aussehen, es aber nicht sind.
Damit ist es auch genug. Die Leser dieses Schriftwechsels mögen sich nun ihr eigenes Urteil bilden.
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Haftungsausschluss
...und noch einmal
wie oft muss ich es denn noch wiederholen: Das DHM hat keinen einzigen Euro dadurch gespart, dass ich Studierende in das Projekt einbezogen habe! Klar hätte ich für das Kuratorenhonorar auch auf dem Arbeitsmarkt suchen können, um jemanden zu finden, der mir Adressen recherchiert, Leihgeber anschreibt etc. Dass ich das nicht getan habe, hat mehrere Gründe:
1. Meine Studierenden kenne ich, zu ihnen habe ich mehr Vertrauen als zu mir fremden Personen.
2. Die Studierenden lernen bei dem Projekt auch etwas, und es stärkt die Identifikation mit der eigenen Hochschule, wenn man gemeinsam Projekte machen kann.
3. Auch Sudierende sind Menschen, die Mieten zahlen und zum Teil Familien versorgen müssen - die also Geld brauchen.
Sie hingegn scheinen zu unterstellen, dass Studierende grundsätzlich von Staat und/oder Eltern leben und per se keine Geldsorgen haben können. Das halte ich für weltfremd, kann also kein schlechtes Gewissen dafür entwickeln, dass ich mein Kuratorenhonorar mit Studierenden und nicht mit freiberuflichen Fach- oder Hilfskräften geteilt habe.
Wie es das British Museum etc. halten, weiß ich nicht - es ist mir auch egal. In diesem Fall geht es ja auch nicht um die Politik des DHM, sondern allein um meine eigene Entscheidung. Wie ich schon schrieb: Meinen Vertrag mit dem DHM machte ich, bevor überhaupt darüber entschieden war, ob und dass ich das Projekt zusammen mit den StudentInnen erarbeite.
Soweit ich die Entstehung anderer Ausstellungen im DHM verfolgt habe, kann ich Ihnen aber mitteilen, dass dort auch keine größeren Teams zur Verfügung stehen. Ich habe also nicht den Eindruck, dass in diesem Fall etwas faul ist. Alle Ausstellungen sind, der Macht des Faktischen gehorchend, knapp kalkuliert - Billigproduktionen sind es dennoch keine, wovon Sie sich für den Fall, dass Sie doch noch in die Ausstellung gehen sollten, auch schnell überzeugen können.
Zum Abschluss noch einen freundlich gemeinten Ratschlag: Wer investigativ tätig sein will und steile Hypothesen schon mal gleich als Tatsachen lanciert, sollte auf kein Medium verzichten, das Informationen bieten könnte. So schön das Internet ist und so vieles es bietet, so bequem ist es doch auch, sich allein darauf zu verlassen. Hätten Sie einen Blick in den Katalog geworfen, hätten Sie etwa auch sehen können, dass in dessen Impressum (also auf der Seite, die Profis als erstes anschauen) die Namen aller Studierenden nochmal eigens aufgeführt sind. Dass viele Medien sich auf den Namen des Hauptkurators beschränken (so wie in Konzertbesprechungen zwar der Name des Dirigenten, aber nicht der jedes einzelnen Streichers und Bläsers erwähnt wird), entspringt hingegen der Logik der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ich habe versucht, dem auf der Pressekonferenz, in Interviews etc. entgegenzuwirken, aber oft ging die arbeitsteilige Projektgestaltung dann leider doch unter. Doch gibt es auch eine Reihe von Rezensionen, in denen die Arbeit der Studierenden eigens hervorgehoben wird. Nur sind die eben nicht alle im Internet zu finden ;-)
Lieber Herr Borchert, ich hoffe, nun ist erstmal alles gesagt und ausgetauscht. Oder?
Freundlich grüßt
Ihr
Wolfgang Ullrich
Kommentar
anbei eine - wie ich Ihren Beiträgen entnehmen konnte - Stellungnahme einer Studentin, die nun leider etwas verkürzt ausfallen muss, da der zuvor verfasste Text von Ihrem Blog "verschlungen" wurde.
Ihrem Argumentationsverlauf zu Folge, gehörten Sie zu einem jener Studenten, die sich nicht schon im Verlauf des Studiums einer in der Realität verankerten Tätigkeit verpflichteten. Viele unserer Karlsruher Hochschule für Gestaltung tätigen Studenten tun aber genau dies - nicht nur mittels solcher, von Prof. Ullrich angebotenen Projekte, sonder tatsächlich auch als freie Kuratoren, Journalisten, Autoren etc. Dass dies möglich ist, liegt nicht nur an der sehr realitätsgebundenen Struktur der Hochschule, sondern auch am Engagement jedes Einzelnen: Studenten, Professoren wie auch Mitarbeiter. Dass Studenten hiermit nicht nur Studenten, sondern Teil eines dem Studententums übergeordneten Prozederes - nämlich der Arbeitsmarkt! - sind, empfinde ich aus meiner Sicht als sehr begrüßungswürdig. Ich sehe in keinster Weise Nachteile, an dem Ausstellungsprojekt "Macht zeigen..." mitgearbeitet zu haben, zu dem Wolfgang Ullrich vom DHM als Kurator eingeladen wurde.
Mit freundlichen Grüßen,
Christina Irrgang
Hochmut kommt vor dem Fall
Ich danke besonders Frau Irrgang für nachfolgende Aussage:
"Ihrem Argumentationsverlauf zu Folge, gehörten Sie zu einem jener Studenten, die sich nicht schon im Verlauf des Studiums einer in der Realität verankerten Tätigkeit verpflichteten. Viele unserer Karlsruher Hochschule für Gestaltung tätigen Studenten tun aber genau dies - nicht nur mittels solcher, von Prof. Ullrich angebotenen Projekte, sonder tatsächlich auch als freie Kuratoren, Journalisten, Autoren etc."
Ich verzichte darauf, ihr ebenfalls schlechte Recherche vorzuwerfen. Selbstüberschätzung gehört zweifelsohne zu den schönsten Bestandteilen der jungen Jahre des Lebens. Denn auch ich wirkte als Student daran mit, den kulturellen Boden so vorzubereiten, dass er mit der Zeit immer unfruchtbarer wurde.
In ein/zwei Jahrzehnten werden Sie sich vielleicht an meine Worte erinnern und die Entwicklungen dort mit eben dem Grausen beobachten, das ich heute empfinde. Dann, wenn Praktikanten und Studenten Sie um Lohn und Brot bringen. Sollte es soweit nicht kommen, würde mich das von Herzen freuen.
Vielleicht begegnen wir uns mal im wirklichen Leben. Gerne erzähle ich dann mehr über meine Erfahrungen, meine Befürchtungen und auch Fakten, die schön aussehen, es aber nicht sind.
Damit ist es auch genug. Die Leser dieses Schriftwechsels mögen sich nun ihr eigenes Urteil bilden.