Leiche hautnah: Ötzi, der Mann vom Hauslabjoch

Wahrscheinlich bin ich der Vorletzte, der mitbekommen hat, dass es die Gletschermumie Ötzi im Internet nun in Farbe und 3D gibt. Wer will, der kann die Leiche aus zwölf verschiedenen Blickwinkeln betrachten und soweit in die Bilder hineinzoomen, dass fast jede Schweißpore sichtbar wird. Seine Tätowierungen werden in einem eigenen Bereich gesondert unter die Lupe genommen und können auch bei UV-Licht in Augenschein genommen werden. Und wer 3D-Bilder mag, der hat sicher sowie die entsprechende "Rot-Blau-Brille" im Haus, die es ihm erlaubt Ötzis Rundungen in 3D zu betrachten.
Die beeindruckenden Fotos, die auf der intuitiv zu bedienenden Website zu bewundern sind, verdanken wir
Eurac Research, dem Institut für Mumien und den Iceman in Bozen, wo vom 19. bis zum 21. März 2009 der erste Mumien-Weltkongress stattfindet. Zeitgleich (bis Oktober 2009) gibt es die Mumien-Schau der Superlative in Bozen zu sehen. Mit mehr als 60 Toten!
Ich will allerdings auch nicht verhehlen, dass mich bei längerem Surfen auf Ötzis Körper, so muss man das wohl nennen, ein seltsames Gefühl beschlich. Wieder einmal stellte sich mir die Frage, wie lange ich tot sein muss, damit man meinen Leichnam im Museum oder Internet präsentieren darf, ohne als Sittenstrolch zu gelten. Oder was würden Sie sagen, wenn ich meinen verstorbenen Vater eingescannt hätte, um ihn hier hochauflösend zur allgemeinen Betrachtung anzubieten?
Joern Borchert - 2009-03-17 22:01 + 1447
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