Keine Volkskunde mehr in Bonn
Nach vielen Jahren des Hick und Hack, der Einordnung der Volkskunde in die Germanistik (das war ihr Tod), ist nun das Ende der Volkskunde in Bonn endgültig besiegelt. Lasen wir im General-Anzeiger vor wenigen Wochen.
Ab dem Wintersemester 2012/13 wird es keine Volkskundler mehr in Bonn geben. Das tut mir persönlich weh. Doch ich kann nachvollziehen, warum nun Schluss mit lustig ist. Eine Disziplin, die keine Fürsprecher aus der Hochkultur hat und nicht deutlich machen kann, was sie zur Verbesserung der Welt beitragen kann, die muss untergehen.
Der Untergang der Bonner Volkskunde war schon lange absehbar. Seien wir ehrlich! Sie hat jahrzehntelang
Themen in den Vordergrund gestellt, die keinerlei gesellschaftliche Relevanz besaßen und trat nur dann öffentlich in Erscheinung, wenn Freitag der 13. war oder der Osterhase nach Eiern suchte. War ja ganz lustig, aber nicht so bedeutsam, dass irgendeiner auf die Idee hätte kommen können, dass diese Meldungen etwas mit ernsthafter Wissenschaft zu haben könnten.
Nicht einmal Gunther Hirschfelder gelang es, der Bonner Volkskunde ein Profil zu geben, das das Ruder hätte herumreißen können. Das Erbe, das er antrat, wurde nicht dadurch besser, dass es nun auch unter dem Titel "Kulturanthropologie" auftrat. So sehr er sich auch bemühte, dem Kanon Fragen mit Bezug zum aktuellen Leben hinzuzufügen, der Ruf des Fachs war verdorben.
Nicht zuletzt durch den "Atlas der Deutschen Volkskunde" (ADV) und das ungeschickte Verhalten seines Vorgängers, Prof. H.L. Cox, im Umgang mit demselben. Dessen starrer Blick auf Sprichwörter und Vergangenes ließ Themen in den Hintergrund treten, wo sich das Fach nicht nur hätte profilieren können, sondern auch Meriten hätte ernten können. Welche Chancen wurden da für die Volkskunde (nicht nur in Bonn) im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung vertan und ignoriert?
So weh mir das tut: Ich kann aus ihrer Sicht verstehen, dass die Bonner Uni die Volkskunde los werden wollte. Die, die nicht deutlich machen können, dass man aus dem Gestern viel für das Heute lernen kann, die sind nutzlos. Klar! Aber auch überflüssig? Ich glaube nicht.
Gleichzeitig habe ich die Befürchtung, dass das nur ein Anfang ist. Wann wird die Kunstgeschichte rausgekegelt? Die Geographie? Wann die Archäologie? Andere Disziplinen, die mehr kosten, als sie an Drittmitteln einbringen? In zunehmendem Maße regiert das Geld die Welt. Welchen Wert haben da noch Disziplinen, die etwas zur Moral der gegenwärtigen Gesellschaft beitragen könnten?
Ich werde ängstlich. Sie nicht?
Ab dem Wintersemester 2012/13 wird es keine Volkskundler mehr in Bonn geben. Das tut mir persönlich weh. Doch ich kann nachvollziehen, warum nun Schluss mit lustig ist. Eine Disziplin, die keine Fürsprecher aus der Hochkultur hat und nicht deutlich machen kann, was sie zur Verbesserung der Welt beitragen kann, die muss untergehen.
Der Untergang der Bonner Volkskunde war schon lange absehbar. Seien wir ehrlich! Sie hat jahrzehntelang
Themen in den Vordergrund gestellt, die keinerlei gesellschaftliche Relevanz besaßen und trat nur dann öffentlich in Erscheinung, wenn Freitag der 13. war oder der Osterhase nach Eiern suchte. War ja ganz lustig, aber nicht so bedeutsam, dass irgendeiner auf die Idee hätte kommen können, dass diese Meldungen etwas mit ernsthafter Wissenschaft zu haben könnten.
Nicht einmal Gunther Hirschfelder gelang es, der Bonner Volkskunde ein Profil zu geben, das das Ruder hätte herumreißen können. Das Erbe, das er antrat, wurde nicht dadurch besser, dass es nun auch unter dem Titel "Kulturanthropologie" auftrat. So sehr er sich auch bemühte, dem Kanon Fragen mit Bezug zum aktuellen Leben hinzuzufügen, der Ruf des Fachs war verdorben.
Nicht zuletzt durch den "Atlas der Deutschen Volkskunde" (ADV) und das ungeschickte Verhalten seines Vorgängers, Prof. H.L. Cox, im Umgang mit demselben. Dessen starrer Blick auf Sprichwörter und Vergangenes ließ Themen in den Hintergrund treten, wo sich das Fach nicht nur hätte profilieren können, sondern auch Meriten hätte ernten können. Welche Chancen wurden da für die Volkskunde (nicht nur in Bonn) im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung vertan und ignoriert?
So weh mir das tut: Ich kann aus ihrer Sicht verstehen, dass die Bonner Uni die Volkskunde los werden wollte. Die, die nicht deutlich machen können, dass man aus dem Gestern viel für das Heute lernen kann, die sind nutzlos. Klar! Aber auch überflüssig? Ich glaube nicht.
Gleichzeitig habe ich die Befürchtung, dass das nur ein Anfang ist. Wann wird die Kunstgeschichte rausgekegelt? Die Geographie? Wann die Archäologie? Andere Disziplinen, die mehr kosten, als sie an Drittmitteln einbringen? In zunehmendem Maße regiert das Geld die Welt. Welchen Wert haben da noch Disziplinen, die etwas zur Moral der gegenwärtigen Gesellschaft beitragen könnten?
Ich werde ängstlich. Sie nicht?
Joern Borchert - 2011-05-06 23:45 + 1041
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Christian Henner-Fehr (Gast) - 2011-05-08 21:21
Mich...
...macht es traurig und zornig zugleich, wenn diese Fachbereiche nach und nach verschwinden. Traurig, weil sie, wie Du richtig schreibst, eben nicht überflüssig sind und zornig, weil die Verantwortlichen es nicht schaffen, die Relevanz ihrer Themenbereiche zu kommunizieren.
Joern Borchert - 2011-05-10 18:41
o tempora
@Christian: Ich empfinde so wie Du und frage mich, weshalb in unserer globalisierten Gegenwart ausgerechnet ethnologische Disziplinen so gerne gestrichen werden. Disziplinen, die helfen können, die Regeln dieser Welt zu verstehen. Ich frage mich ferner, warum nicht etwa die Germanistik oder die Kunstgeschichte ganz oben auf dem Index stehen und antworte mir selber: die haben eine bessere Lobby, d.h. wohlhabendere Unterstützer.
Ich hoffe inständigst, dass die Ethnologen, Kulturanthropologen oder Volkskundler die Zeichen der Zeit sehen und sich im Kampf ums Überleben Verbündete suchen: Historiker, Geographen, Historische Geographen, Indologen, Sinologen, Altamerikanisten, Archäologen u.a. Die Liste der bedrohten Fächer ist lang, das verborgene Blühen in dunkler Kuschelnische vorbei!
Ich hoffe inständigst, dass die Ethnologen, Kulturanthropologen oder Volkskundler die Zeichen der Zeit sehen und sich im Kampf ums Überleben Verbündete suchen: Historiker, Geographen, Historische Geographen, Indologen, Sinologen, Altamerikanisten, Archäologen u.a. Die Liste der bedrohten Fächer ist lang, das verborgene Blühen in dunkler Kuschelnische vorbei!




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