Gedanken eines Ausstellungsmachers am Strand
Zu den schönsten Stunden des Urlaubs am Meer gehören ohne Zweifel die Stunden der Strandspaziergänge. Den Elementen ausgesetzt schaut man auf's Meer. Beobachtet den Zug der Wolken, schaut zum Horizont und stellt sich vor, was dahinter liegen könnte oder wie es wohl wäre, nun auf hoher See zu sein. Stets begleitet von der monotonen Klangkulisse der Brandung.
Es gibt Objekte. Eine unüberschaubare Vielzahl davon. Darunter viele, die Geschichten erzählen oder provozieren und zu Interaktionen anregen.

Wir laufen den Strand entlang, lassen unsere Blicke in die Ferne schweifen und hoffen auf Überraschungen. Ja, wir erwarten und suchen sie. Alles, was da liegt, erregt unser Interesse. Das kann eine Qualle sein, die gerade angespült wurde.

Der Körper eines Krebses. Eine außergewöhnliche Muschel. Zivilisationsmüll.

Teile eines Fischernetzes. Ein Schuh. Ein Baumstamm oder ein Brett. Wir bleiben stehen. Betrachten. Bewerten. Mal länger, mal kürzer. Heben auf. Untersuchen. Werfen weg oder nehmen mit. Gehen weiter.

Wir nehmen wahr, dass einzelne Strandabschnitte unterschiedliche Fundkonzentrationen bieten. Hier das frisch angespülte Fundgut.
Weiter oben am Strand, das was die letzten Stürme anspülten oder weiter über den Strand geweht haben. In den Dünen das, was allein der Wind dorthin trug. Ab und an Werke von Menschen, die nicht nur sehen, sondern auch aktiv gestalten wollten.


Der Gedanke liegt also nah, den Strand als spannenden Ausstellungsraum mit verschiedenen Ausstellungsbereichen zu verschiedenen Themen der Naturwissenschaften und der Kultur zu begreifen. Zu Themen, die meist die Natur vorgibt.
Besucherfreudlich ist der Ausstellungsraum "Strand" sowieso. Wer will, der kann sammeln, gestalten oder kann seinem Entzücken so laut Ausdruck verleihen wie er will, ohne dass ihn eine Aufsichtsperson anmeckert. Nackig oder bekleidet. Egal! Wer will, darf die Ausstellungsstücke anfassen oder in die Luft werfen, zerstören oder seine eigene Kollektion anlegen.

Ausstellungstexte braucht es hier nicht, um die Besucher an Fragen der Meteorologie, Biologie, Ökologie, Soziologie etc. heranzuführen und sie zum Nachdenken anzuregen. Jeder nimmt mit, was er will und tragen kann und stellt die Fragen, die ER fragen will.
Besucht wird diese Ausstellung von so viel Besuchern - weltweit dürften es unzählige Millionen sein - dass wohl jeder Museumsdirektor vor Freude laut grunzen würde, wenn ihm das gelänge, was hier am Strand an Neugier, Erkenntnissen und Fragestellungen ganz allein von der Natur produziert wird. Ohne jede Didaktik oder Museumspädagogik. Einfach nur so. Die Themen werden von der Flut angespült, wenn sie nicht vom Himmel fallen. Grad so wie uns die wertvollsten Gedanken in den Kopf kommen.
Ich glaube, wir Ausstellungsmacher können nicht nur auf dem Jahrmarkt (W. Benjamin), sondern auch am am Strand etwas lernen. Wenn wir wollen, dass Ausstellungen zum forschenden Lernen anregen sollen.
Kennen Sie einen anderen Sehort, der so viel Freude macht, so anregend ist und so wenig Frust bereitet?
Gutes kann so einfach sein!
Es gibt Objekte. Eine unüberschaubare Vielzahl davon. Darunter viele, die Geschichten erzählen oder provozieren und zu Interaktionen anregen.

Wir laufen den Strand entlang, lassen unsere Blicke in die Ferne schweifen und hoffen auf Überraschungen. Ja, wir erwarten und suchen sie. Alles, was da liegt, erregt unser Interesse. Das kann eine Qualle sein, die gerade angespült wurde.

Der Körper eines Krebses. Eine außergewöhnliche Muschel. Zivilisationsmüll.

Teile eines Fischernetzes. Ein Schuh. Ein Baumstamm oder ein Brett. Wir bleiben stehen. Betrachten. Bewerten. Mal länger, mal kürzer. Heben auf. Untersuchen. Werfen weg oder nehmen mit. Gehen weiter.

Wir nehmen wahr, dass einzelne Strandabschnitte unterschiedliche Fundkonzentrationen bieten. Hier das frisch angespülte Fundgut.
Weiter oben am Strand, das was die letzten Stürme anspülten oder weiter über den Strand geweht haben. In den Dünen das, was allein der Wind dorthin trug. Ab und an Werke von Menschen, die nicht nur sehen, sondern auch aktiv gestalten wollten.


Der Gedanke liegt also nah, den Strand als spannenden Ausstellungsraum mit verschiedenen Ausstellungsbereichen zu verschiedenen Themen der Naturwissenschaften und der Kultur zu begreifen. Zu Themen, die meist die Natur vorgibt.
Besucherfreudlich ist der Ausstellungsraum "Strand" sowieso. Wer will, der kann sammeln, gestalten oder kann seinem Entzücken so laut Ausdruck verleihen wie er will, ohne dass ihn eine Aufsichtsperson anmeckert. Nackig oder bekleidet. Egal! Wer will, darf die Ausstellungsstücke anfassen oder in die Luft werfen, zerstören oder seine eigene Kollektion anlegen.

Ausstellungstexte braucht es hier nicht, um die Besucher an Fragen der Meteorologie, Biologie, Ökologie, Soziologie etc. heranzuführen und sie zum Nachdenken anzuregen. Jeder nimmt mit, was er will und tragen kann und stellt die Fragen, die ER fragen will.
Besucht wird diese Ausstellung von so viel Besuchern - weltweit dürften es unzählige Millionen sein - dass wohl jeder Museumsdirektor vor Freude laut grunzen würde, wenn ihm das gelänge, was hier am Strand an Neugier, Erkenntnissen und Fragestellungen ganz allein von der Natur produziert wird. Ohne jede Didaktik oder Museumspädagogik. Einfach nur so. Die Themen werden von der Flut angespült, wenn sie nicht vom Himmel fallen. Grad so wie uns die wertvollsten Gedanken in den Kopf kommen.
Ich glaube, wir Ausstellungsmacher können nicht nur auf dem Jahrmarkt (W. Benjamin), sondern auch am am Strand etwas lernen. Wenn wir wollen, dass Ausstellungen zum forschenden Lernen anregen sollen.
Kennen Sie einen anderen Sehort, der so viel Freude macht, so anregend ist und so wenig Frust bereitet?
Gutes kann so einfach sein!
Joern Borchert - 2010-08-29 19:23 + 590
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