Sonntag, 4. Dezember 2011

Das Deutsche Museum/Bonn: Ein Triebstauwerk

Schon vor'm Betreten des Museums, ahnt man, was einen erwartet.

Ein trüber Dezembertag. Nörgelnde Kinder. Was liegt näher, als ein Museum zu besuchen, das ihren Interessen entsprechen könnte?

Unsere heutige Wahl fiel deshalb auf das Deutsche Museum in Bonn. Nicht zuletzt, weil eine Modelleisenbahn im Programm stand.

Um es vorweg zu nehmen: Die Modelleisenbahn diente offenbar lediglich dazu, Familien anzulocken. Ein primitiver 15-Meter-Parcours, der ästhetisch von jeder Modelleisenbahn im Fenster einer Apotheke mühelos übertroffen wird. Enttäuschend!

So enttäuschend, wie das gesamte Museum überhaupt. Wer denkt, das wäre ein Museum für die Familie, der wird ebenso enttäuscht, wie der, der denkt, er könnte hier einen Zugewinn an Erkenntnis erlangen. Mag sein, dass man mit einer Führung etwas klüger das Haus verlässt, als man hinein gekommen ist. Wer sich als Individualbesucher die Ausstellung ansieht, geht mit dem Gefühl nach Hause, in naturwissenschaftlicher Hinsicht ein Analphabet zu sein. Nix gelernt, außer dass man doof ist.

Pardon, das ist aber nicht die Aufgabe eines Museums. Jedes Museum sollte man mit dem erhebenden Gefühl verlassen können, dass man schlauer ist als vor dem Besuch. Oder wofür zahlt man das Eintrittsgeld?

Das Deutsche Museum in Bonn leistet das nicht.

Schlimmer noch: Die Kinder, mit denen wir unterwegs waren, zwei zehnjährige Technikfreunde, äußerten unisono, dass das wieder einmal ein Museum war, das überhaupt keinen Spaß gemacht hat.

Was nahmen sie mit nach Hause?

1. Museen sind doof, weil sie unseren Trieb nach Erkenntnis nicht befriedigen.

2. Naturwissenschaften sind nicht für uns, sondern für irgendwelche anderen. Hornbebrillte, intellektuelle Südstadtfreaks etwa, deren Kinder auf Schulen gehen, wo sie dazu erzogen werden, nichts zu fordern, aber alles zu erdulden. Sogar diese Präsentation.

Ich finde, das Deutsche Museum in Bonn sollte sofort geschlossen werden, um weiteren Schaden zu vermeiden und noch mehr Interessen zu zerstören.

Die vorhandenen Mitarbeiter - die haben sicher mehr drauf, als sie zeigen dürfen - könnten ihre Energien zum Beispiel einsetzen, um interessante Wissenschaftsshows in der Bonner Region anzubieten und Kinder an Naturwissenschaften heranzuführen.

Das wäre sehr viel nutzbringender als dieses Museum, das mehr kaputt macht als erzeugt.

So sorry!

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rhwinter - 2011-12-05 11:36

Nähe und Distanz

Haha, wie schön, nach so vielen Jahren nagenden Selbstzweifels ein Hoffnungsschimmer, dass es möglicherweise doch nicht nur die eigene Doofheit ist, die es über all die Jahre so konsequent verhindert hat, dass ich zu diesem Museum eine Beziehung aufbauen kann! Ich war darüber immer ein wenig traurig, denn zum "Mutterhaus" in München habe ich seit frühester Kindheit eine durchaus tiefe emotionale Beziehung: Mein "erstes Museum" (engl.: first love)! Als Kind war ich so oft es nur ging im Deuschen Museum in München - und stets aufs Neue begeistert von den Flugzeugen, Schiffen, Mondfähren, Schleusen- und Bergwerksmodellen undundund. Ans Lernen dachte ich dabei natürlich nicht, ich besuchte die Artefakte eher wie gute Freunde, die man von Zeit zu Zeit eben wiedersehen möchte. Eine Laufbahn als Naturwissenschaftler oder zumindest Techniker wurde mir letztlich nur deshalb nicht zuteil, weil meine Eltern zu früh aus München wegzogen (und mich mitnahmen!), als dass ich die naturwissenschaftlichen und technischen Aussagen der Ausstellung hätte zur Kenntnis nehmen können. Ich zog ins Rheinland und wir gingen fast 20 Jahre getrennte Wege, bis es irgendwann hieß, in Bonn würde eine Dependance des Deutschen Museums errichtet. So groß die Freude darüber war, größer noch war die Enttäuschung: Keine Freunde, keine Beziehung - nur Distanz. Und dabei ist's leider auch nach mehreren Bastelnachmittagen dort mit den eigenen Kindern geblieben: Wir haben nicht (mehr) zueinander gefunden. Ob das nun an mir liegt oder an anderen: Für mich ist das Deutsche Museum in Bonn in seiner derzeitigen Form ein durchaus überflüssiges Museum. Schade!

Joern Borchert - 2011-12-05 18:54

Danke

für diesen Beitrag, der auf den Etikettenschwindel hinweist, der hier betrieben wird. Würde nicht "Deutsches Museum Bonn" über'm Eingang hängen, würde es nur von der Stadt finanziert, so wäre ich mir sicher, dass es schon vor Jahren dicht gemacht hätte.

Andererseits denke ich, dass in jeder Stadt eine Einrichtung vorhanden sein sollte, die unseren Jüngsten die Naturwissenschaften nahe bringt. Das muss nicht gleich ein Science Center sein. Ein Ort à la Phänomenta würde ja schon völlig reichen, um das auszugleichen, was zumindest in unseren Grundschulen nicht geleistet wird. >>>http://www.phaenomenta.com/



P.S.:Wenn sie wenigstens den Transrapid endlich mal entsorgen würden... Das wäre doch mal ein Signal! Ein Signal, dass die Mitarbeiter und Träger des Deutschen Museum Bonn noch nicht ganz eingeschlafen sind.
LJH (Gast) - 2011-12-13 15:14

Sehr geehrter Herr Borchert, ich lese Ihren Blog eigentlich gerne, doch bei diesem Artikel muss ich doch staunen, in welcher Art und Weise Sie sich anmaßen, über das Museum zu urteilen. Natürlich ist das DM Bonn hinter jeder Bestrebung der neuen Museologie zurück, dialogische Erkenntnis-Orte zu sein, es liegt brach und ist kein Ort an dem man sich gerne aufhält. Dennoch erwarte ich dann auch Anregungen oder konstruktive Kritik. Nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich habe institutionell nichts mit diesem Museum zu tun. Mit Museums-Bashing solcher Art machen Sie es sich nur recht einfach. Zustimmen würde Ihnen vermutlich jeder Besucher des DM Bonn. Differenziert ist das aber bei weitem nicht.

Joern Borchert - 2011-12-13 22:14

Sehr geehrter Anonymus,

Vielen Dank für ihren Kommentar. Ich habe mir als Besucher "angemaßt", das Museum zu beurteilen. Dass manchen Lesern die "Art und Weise" eines Verrisses sauer aufstoßen würde, war mir schon beim Schreiben klar. Im Grunde scheinen ja auch sie meine Beurteilung des Museums zu teilen. Oder habe ich sie falsch verstanden?

Was die differenzierende Bewertung angeht, die sie einfordern: das Museum wird als Einrichtung verkauft, die Erwachsenen und Kindern neueste wissenschaftliche Erkenntnisse nahe bringen will. Mag sein, dass diverse Begleitprogramme das leisten. Mag auch sein, dass naturwissenschaftlich höchst gebildete Besucher etwas mit dieser Ausstellung anfangen können. Alle anderen, das Gros der Besucher, werden von den hier gezeigten Erzeugnissen der Technik und Naturwissenschaft eher abgeschreckt als angezogen. Vermutlich liegt das Problem nicht im Unvermögen der dort beschäftigten Wissenschaftler, sondern eher darin begründet, dass das Mutterhaus weit weg ist und die Lage des Museums in Bonn auch eher als randseitig zu bezeichnen ist.

Wenn Sie meinen letzten Kommentar zu diesem Artikel gelesen haben, dann haben Sie auch mitbekommen, dass ich vorschlug, das Museum in eine Einrichtung umzuwandeln, die etwa à la Phänomenta Experimente anbietet, die Faszination an Naturwissenschaften und Technik erzeugen könnte. Sehr haptisch, ohne Werbeattidüden, vor allem aber publikumsorientiert und dünkelfrei. Für alle halt. Kluge und Doofe, Alte und Junge.

Sicher keine leichte Aufgabe in diesen dunklen Kasematten. Andere Orte wären sichr besser geeignet. Doch ein guter Ausstellungsgestalter würde es im Verbund mit den Wissenschaftlern des DM schon hin bekommen, auch diesen Ort als Ort der Erkenntnis erstrahlen zu lassen. Sogar für mich.

Oder sehen Sie das anders?
Wenn ja, dann freue ich mich über Ihre Vorschläge und weiteren Differenzierungen.

Her damit! Aber rasch....

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Joern Borchert - 2012-05-02 22:40
Es ist heute der erste...
Da kann man Heinrich Heine zum Glück auch viel...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-05-01 11:06
Pardon, Herr Eschershausen
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Joern Borchert - 2012-03-15 03:43
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Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-03-13 14:27

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