Eigenheimgärten in Neubaugebieten
Wundern sie sich auch darüber, dass die handtuchgroßen Gärten in den Neubaugebieten so uniform sind, obwohl die Häuser auf den Baugrundstücken stets mit dem Argument angepriesen werden, dass sie der Individualität breiten Spielraum lassen? Die paar Quadratmeter um das mehr oder minder solide Eigenheim sind es jedenfalls nicht, denn sie weisen fast immer das gleiche Inventar auf: Carport, Bank vor der Haustür, Trampolin, Sandkasten, Schaukelgestell auf dem Rollrasen, Hütte für das Gartengerät, Solarleuchten und wenigstens eine Sonnenblume (!) neben der Immergrünhecke (Kirschlorbeer!) , die die Blicke der Nachbarn und Passanten auf den Kochtopf in ein paar Jahren etwas einschränken wird. Kräuterbeet ist auch wichtig.
Welche dieser Bestandteile auch immer in diesen Gärten enthalten sein mögen, sie wirken so sehr wie 1:1-Sehnsuchtsnachbauten aus dem Hochglanzprospekt der Bausparkasse, dass ich mich frage, warum noch kein Baumarkt auf die Idee gekommen ist, das Standardinventar für Neuhäuslebauer im Komplettpaket zu verkaufen: "Einmal zahlen - und das Glück ist komplett."

Vielleicht hat sich das Heiko Lieske ebenfalls gefragt, als er begann, sich wissenschaftlich mit Eigenheimgärten zu befassen. Herausgekommen ist 2006 dabei eine Arbeit, die danach fragt, was uns heute eigentlich Gärten bedeuten. Sind sie bloßes Abstandsgrün oder der kleine Raum, wo wir unserer Fantasie Raum geben? Sind sie eher Dekoration, Demonstration von Kreativität oder Orte, wo wir uns in einer selbstgeschaffenen Idylle selbstverwirklichen können.
"Mit Methoden der Qualitativen Sozialanalyse wurden Gartenbesitzer [in der Nähe von Dresden; JB] befragt und ihre Gärten interpretiert. Dabei wurden Interviewdaten, fotodokumentarische und plangrafische Daten erhoben und mit hermeneutischen Verfahren ausgewertet. Das Ergebnis der Studie ist eine Sammlung und Diskussion für die heutige private Gartenkultur relevanter Themenbereiche und Fragestellungen." [Zitat aus http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?dis=2008049003140]
Ich glaube, ich bleibe an diesem Thema dran. Es passt nicht nur zu meinem Interesse für Gartenkultur, sondern auch zu meinem unmittelbaren Lebensumfeld am Rande eines Neubaugebiets, dessen Gärten mir von Tag zu Tag in ihrer Eintönigkeit rätselhafter erscheinen.
Als erstes lese ich also die Dissertation von Heiko Lieske mit dem wunderschönen Titel: "Eigenheimgärten. Feldstudie zur Gartenkultur in Neubaugebieten." Ich habe noch nicht viel darin herumgeblättert, aber das, was ich las, machte mir Freude. Mitunter auch eine schelmische... Wann kann man das schon mal von einer Dissertation sagen? Ich freue mich also auf die ausführliche Lektüre!
Übrigens: Anhänger der Waldwirtschaft, die die Dissertation lieber gedruckt und gebunden in Händen halten wollen, können sie zum Beispiel hier für 39,80 erwerben.
Welche dieser Bestandteile auch immer in diesen Gärten enthalten sein mögen, sie wirken so sehr wie 1:1-Sehnsuchtsnachbauten aus dem Hochglanzprospekt der Bausparkasse, dass ich mich frage, warum noch kein Baumarkt auf die Idee gekommen ist, das Standardinventar für Neuhäuslebauer im Komplettpaket zu verkaufen: "Einmal zahlen - und das Glück ist komplett."

Vielleicht hat sich das Heiko Lieske ebenfalls gefragt, als er begann, sich wissenschaftlich mit Eigenheimgärten zu befassen. Herausgekommen ist 2006 dabei eine Arbeit, die danach fragt, was uns heute eigentlich Gärten bedeuten. Sind sie bloßes Abstandsgrün oder der kleine Raum, wo wir unserer Fantasie Raum geben? Sind sie eher Dekoration, Demonstration von Kreativität oder Orte, wo wir uns in einer selbstgeschaffenen Idylle selbstverwirklichen können.
"Mit Methoden der Qualitativen Sozialanalyse wurden Gartenbesitzer [in der Nähe von Dresden; JB] befragt und ihre Gärten interpretiert. Dabei wurden Interviewdaten, fotodokumentarische und plangrafische Daten erhoben und mit hermeneutischen Verfahren ausgewertet. Das Ergebnis der Studie ist eine Sammlung und Diskussion für die heutige private Gartenkultur relevanter Themenbereiche und Fragestellungen." [Zitat aus http://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?dis=2008049003140]
Ich glaube, ich bleibe an diesem Thema dran. Es passt nicht nur zu meinem Interesse für Gartenkultur, sondern auch zu meinem unmittelbaren Lebensumfeld am Rande eines Neubaugebiets, dessen Gärten mir von Tag zu Tag in ihrer Eintönigkeit rätselhafter erscheinen.
Als erstes lese ich also die Dissertation von Heiko Lieske mit dem wunderschönen Titel: "Eigenheimgärten. Feldstudie zur Gartenkultur in Neubaugebieten." Ich habe noch nicht viel darin herumgeblättert, aber das, was ich las, machte mir Freude. Mitunter auch eine schelmische... Wann kann man das schon mal von einer Dissertation sagen? Ich freue mich also auf die ausführliche Lektüre!
Übrigens: Anhänger der Waldwirtschaft, die die Dissertation lieber gedruckt und gebunden in Händen halten wollen, können sie zum Beispiel hier für 39,80 erwerben.
Joern Borchert - 2009-10-09 19:16 + 763
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