Europeana I: Europäische Kultur im beta-Format + Entsteht das Internet der Zukunft in Deutschland?
Millionen Menschen haben sich heute die neue digitale Bibliothek zum europäischen Kulturerbe angesehen: Europeana. Den ganzen Tag lang. Ich nicht. Der Andrang war so groß, dass ich nur bis zur Einstiegsseite kam, wenn ich denn überhaupt in die Nähe des Portals gelangte. Konnte überhaupt jemand in die Tiefen der Datenbank vorstoßen? Enttäuschend.

Wie immer, wenn im Internet eine Sensation ihre Pforten öffnet, waren die Server überlastet. Erst sollen drei, dann sechs Server eingesetzt worden sein. Ich würde sagen immer noch mindestens 10 zuwenig. Da vorauszusehen war, dass der Andrang enorm werden würde, hätte man doch ein paar mehr Kapazitäten bereitstellen sollen. Allein schon um zu verhindern, dass die halbe Welt ihre Tinte dafür vergeudet - wie auch ich hier - dass Europeana nicht erreichbar war. Die andere Hälfte der Welt verlautbarte ungeprüft die Presseinformationen, die Ihnen zur Verfügung gestellt wurden. Kaum einer der berichtenden Journalisten dürfte die Chance gehabt haben, einmal einen Blick in das Portal zu werfen, um es kritisch zu beurteilen. Aus Marketingsicht ein klassischer Fehlstart also.
Praktisch zeitgleich fand in Darmstadt der 3. Nationale IT-Gipfel der Bundesrepublik Deutschland statt. Bedeutende Vertreter aus Politik und Wirtschaft gaben da ihre Statements ab. Ergebnis des Gipfels ist die "Darmstädter Erklärung vom 20. November 2008" (PDF, 8 Seiten). Viele Worte aus fremden Sprachen. Toll gedrechselte Sätze. Besonders gut gefällt mir darin die Passage, die damit überschrieben ist, dass das "Internet der Zukunft" in Deutschland entstehen soll (Seite 3). Hoffentlich! Denn das Internet der Gegenwart spielt in Deutschland offensichtlich eine bestenfalls untergeordnete Rolle. Überhaupt scheint mir Deutschland gegenüber neuen Technologien sehr viel weniger aufgeschlossen zu sein, als das "Land der Ideen" es vermuten lässt. In Deutschland träumt man von der Zukunft und verschläft die Gegenwart.
Und da bin ich wieder bei Europeana, der digitalen Bibliothek für das Europäische Kulturerbe. Etwa 2 bis 3 Millionen Dokumente und Bilder soll die Datenbank anbieten, deren Ziel es ist, 2010 etwa 10 Millionen Datensätze zu liefern. Da ich heute vor der Tür verreckte, muss ich das glauben. Aber ich nehme Viviane Reding (EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien) ab, dass Deutschland zur Datenbank bisher lediglich ca. 1% der Inhalte beigesteuert hat. Das war vorherzusehen und ist mehr als peinlich. Vor allem deshalb, weil die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Elisabeth Niggemann, Präsidentin von Europeana ist. (Mangels Zugang zum Portal konnte ich leider nicht überprüfen, in welchem Umfang die DNB etwas zu Europeana beigetragen hat. Wenn überhaupt.)
Zum Vergleich: Bislang stammen 50% der angebotenen Dokumente aus französischen Quellen. Selbst der Film zum Fall der Berliner Mauer wurde nicht aus Deutschland zugeliefert, sondern vom Institut national de l'audiovisuel/Paris. Hören Sie sich dazu mal das Interview mit der sympathisch wirkenden Viviane Reding im Deutschlandradio an. Wenigstens bis zum 20.04.09 ist es online. Sehr hörenswert!
Wenn Sie mehr Informationen wünschen, dann sollten Sie sich das "Press Pack" der EU zu Europeana anschauen. Da gibt es ein Factsheet, FaQs, ein Video und vieles mehr. (Mei, was habe ich lange suchen müssen, bis ich es fand. Die EU schmeisst sich einem nicht gerade an den Hals.)
Das für heute. Ich hoffe, in den nächsten Tagen etwas zum Inhalt von Europeana schreiben zu können. Vorausgesetzt: Ich komme rein.
PS: Nun ist es 22:30 h. Der größte Teil der Mitteleuropäer geht nun ins Bett. Noch immer ist der Zugang zu Europeana unmöglich. Vermutlich sind jetzt die "Amis" schuld. Nee, ich glaube eher, dass da eher ein paar europäische Internetanalphabeten gerade lernen, wie man eine Site im Internet lanciert. In Brüssel oder sonstewo... Unglaublich!

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Wie immer, wenn im Internet eine Sensation ihre Pforten öffnet, waren die Server überlastet. Erst sollen drei, dann sechs Server eingesetzt worden sein. Ich würde sagen immer noch mindestens 10 zuwenig. Da vorauszusehen war, dass der Andrang enorm werden würde, hätte man doch ein paar mehr Kapazitäten bereitstellen sollen. Allein schon um zu verhindern, dass die halbe Welt ihre Tinte dafür vergeudet - wie auch ich hier - dass Europeana nicht erreichbar war. Die andere Hälfte der Welt verlautbarte ungeprüft die Presseinformationen, die Ihnen zur Verfügung gestellt wurden. Kaum einer der berichtenden Journalisten dürfte die Chance gehabt haben, einmal einen Blick in das Portal zu werfen, um es kritisch zu beurteilen. Aus Marketingsicht ein klassischer Fehlstart also.
Praktisch zeitgleich fand in Darmstadt der 3. Nationale IT-Gipfel der Bundesrepublik Deutschland statt. Bedeutende Vertreter aus Politik und Wirtschaft gaben da ihre Statements ab. Ergebnis des Gipfels ist die "Darmstädter Erklärung vom 20. November 2008" (PDF, 8 Seiten). Viele Worte aus fremden Sprachen. Toll gedrechselte Sätze. Besonders gut gefällt mir darin die Passage, die damit überschrieben ist, dass das "Internet der Zukunft" in Deutschland entstehen soll (Seite 3). Hoffentlich! Denn das Internet der Gegenwart spielt in Deutschland offensichtlich eine bestenfalls untergeordnete Rolle. Überhaupt scheint mir Deutschland gegenüber neuen Technologien sehr viel weniger aufgeschlossen zu sein, als das "Land der Ideen" es vermuten lässt. In Deutschland träumt man von der Zukunft und verschläft die Gegenwart.
Und da bin ich wieder bei Europeana, der digitalen Bibliothek für das Europäische Kulturerbe. Etwa 2 bis 3 Millionen Dokumente und Bilder soll die Datenbank anbieten, deren Ziel es ist, 2010 etwa 10 Millionen Datensätze zu liefern. Da ich heute vor der Tür verreckte, muss ich das glauben. Aber ich nehme Viviane Reding (EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien) ab, dass Deutschland zur Datenbank bisher lediglich ca. 1% der Inhalte beigesteuert hat. Das war vorherzusehen und ist mehr als peinlich. Vor allem deshalb, weil die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Elisabeth Niggemann, Präsidentin von Europeana ist. (Mangels Zugang zum Portal konnte ich leider nicht überprüfen, in welchem Umfang die DNB etwas zu Europeana beigetragen hat. Wenn überhaupt.)
Zum Vergleich: Bislang stammen 50% der angebotenen Dokumente aus französischen Quellen. Selbst der Film zum Fall der Berliner Mauer wurde nicht aus Deutschland zugeliefert, sondern vom Institut national de l'audiovisuel/Paris. Hören Sie sich dazu mal das Interview mit der sympathisch wirkenden Viviane Reding im Deutschlandradio an. Wenigstens bis zum 20.04.09 ist es online. Sehr hörenswert!
Wenn Sie mehr Informationen wünschen, dann sollten Sie sich das "Press Pack" der EU zu Europeana anschauen. Da gibt es ein Factsheet, FaQs, ein Video und vieles mehr. (Mei, was habe ich lange suchen müssen, bis ich es fand. Die EU schmeisst sich einem nicht gerade an den Hals.)
Das für heute. Ich hoffe, in den nächsten Tagen etwas zum Inhalt von Europeana schreiben zu können. Vorausgesetzt: Ich komme rein.
PS: Nun ist es 22:30 h. Der größte Teil der Mitteleuropäer geht nun ins Bett. Noch immer ist der Zugang zu Europeana unmöglich. Vermutlich sind jetzt die "Amis" schuld. Nee, ich glaube eher, dass da eher ein paar europäische Internetanalphabeten gerade lernen, wie man eine Site im Internet lanciert. In Brüssel oder sonstewo... Unglaublich!

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Joern Borchert - 2008-11-20 21:41 + 1679
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