Tipps für Texte in Ausstellungen

Wer kennt nicht diese Texte in Ausstellungen, die so schlecht lesbar sind, dass man bereits nach der ersten Texttafel so ermüdet oder gelangweilt ist, dass man sich die Lektüre der restlichen Elaborate weitgehend erspart?
Dabei ist es so einfach, Ausstellungsbesuchern mit Texten Freude zu bereiten. Wenn man einige simple Regeln beachtet.
Lisa Levinson vom Denver Art Museum gibt zum Beispiel neben denen, die sie oben sehen, weitere Tipps hier.
Mein Tipp: Bevor Sie den ersten Text schreiben, definieren Sie eine Erkenntnis, die der Besucher in jedem Fall mit nach Hause nehmen soll. Nicht zwei oder drei. Einen einzigen Gedanken in einem einzigen Satz, der möglichst lange im Gedächtnis haften bleiben soll. Einen Satz, der dem Denken eine andere Richtung gibt. Ihrem und dem der Ausstellungsbesucher.
Joern Borchert - 2008-05-20 10:02 + 1916
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
GP-F (Gast) - 2008-05-20 16:57
Ausgestelltes Denken
Klar. Übersetzungen sind nicht nötig. Doch oft helfen sie, Missverständnisse zu vermeiden. Insbesondere aus dem Chinesischen oder Japanischen. Man muss einfach den Mut haben, etwas mehr aus diesen Weltgegenden bei uns auszustellen. Die Besucher kommen dann von allein. Denn Neugier ist wie Lächeln in allen Sprachen gleich.
Bülent Gündüz (Gast) - 2008-05-26 18:27
Schön wär's
Hallo Jörn,
Dein Tipp in Kurators Ohr! ich kann da nur für Kunstausstellungen mitreden, aber das Schlimme sind nicht etwa zu wenige, zu viele, zu kurze oder zu lange Texte. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich die Texte lese und hinterher keine Ahnung habe, was man mir damit eigentlich sagen wollte. Oder neudeutsch: wo ist die Message? Oder noch schlimmer: Ausstellungstitel und Wandtexte scheinen nichts miteinander zu tun zu haben. Mich beschleicht dann immer das dumpfe Gefühl, dass die Kuratoren unbedingt wollten, dass man sich den Katalog kauft. Wie soll es da erst dem "Normalbesucher" gehen?
Dein Tipp in Kurators Ohr! ich kann da nur für Kunstausstellungen mitreden, aber das Schlimme sind nicht etwa zu wenige, zu viele, zu kurze oder zu lange Texte. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich die Texte lese und hinterher keine Ahnung habe, was man mir damit eigentlich sagen wollte. Oder neudeutsch: wo ist die Message? Oder noch schlimmer: Ausstellungstitel und Wandtexte scheinen nichts miteinander zu tun zu haben. Mich beschleicht dann immer das dumpfe Gefühl, dass die Kuratoren unbedingt wollten, dass man sich den Katalog kauft. Wie soll es da erst dem "Normalbesucher" gehen?
Joern Borchert - 2008-05-28 00:16
Grausam ist's
Lieber Bülent,
ich stimme vollkommen mit Dir überein. Die meisten Texte, die ich in Kunstmuseen lese, beantworten nicht die Fragen, die ich angesichts der Kunstwerke habe. Oftmals vernebeln Sie mehr, als mir Aufklärung zu liefern.
Ich glaube dennoch nicht, dass das ein Trick ist, um mehr Kataloge zu verkaufen. Warum sollten wir einen Katalog von Autoren kaufen, die nicht in der Lage sind, über ihren Horizont hinauszublicken und verständlich zu schreiben? Ich fürchte, dass es andere Gründe sind, die solche Texte entstehen lassen. An erster Stelle wäre da sicher die Angst vor dem Urteil der Fachkollegen zu nennen. Im eigenen Museum (!) und außerhalb des eigenen Hauses. An zweiter Stelle vielleicht überhaupt die Unfähigkeit, sich verständlich auszudrücken. Schließlich wurde an der Universität ja nicht gerade trainiert, klare Worte zu finden. Eher das Gegenteil: einfache Gedanken möglichst kompliziert zu formulieren. Oder, hast Du das anders erlebt? Eine rühmliche Ausnahme bildete dabei vielleicht Prof. G. Schweikhart/KHI in Bonn. So wie ich ihn erlebt habe, honorierte er klare Gedanken in allgemeinverständlicher Formulierung.
ich stimme vollkommen mit Dir überein. Die meisten Texte, die ich in Kunstmuseen lese, beantworten nicht die Fragen, die ich angesichts der Kunstwerke habe. Oftmals vernebeln Sie mehr, als mir Aufklärung zu liefern.
Ich glaube dennoch nicht, dass das ein Trick ist, um mehr Kataloge zu verkaufen. Warum sollten wir einen Katalog von Autoren kaufen, die nicht in der Lage sind, über ihren Horizont hinauszublicken und verständlich zu schreiben? Ich fürchte, dass es andere Gründe sind, die solche Texte entstehen lassen. An erster Stelle wäre da sicher die Angst vor dem Urteil der Fachkollegen zu nennen. Im eigenen Museum (!) und außerhalb des eigenen Hauses. An zweiter Stelle vielleicht überhaupt die Unfähigkeit, sich verständlich auszudrücken. Schließlich wurde an der Universität ja nicht gerade trainiert, klare Worte zu finden. Eher das Gegenteil: einfache Gedanken möglichst kompliziert zu formulieren. Oder, hast Du das anders erlebt? Eine rühmliche Ausnahme bildete dabei vielleicht Prof. G. Schweikhart/KHI in Bonn. So wie ich ihn erlebt habe, honorierte er klare Gedanken in allgemeinverständlicher Formulierung.




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