Zur Lage der Museen: Laute Rufe im düsteren Wald
Der Deutsche Museumsbund hat einen modernen Präsidenten, dem mehr einfällt, als den Mond anzuheulen. Prima. Deshalb verbreitet er am laufenden Band positive Nachrichten zur Lage der Museen. Warum auch nicht? Wer etwas verkaufen will, der sollte die positiven Seiten seines Produktes besonders hervorheben. Die wenig informierten Feuilletonisten lassen sich gerne vor seinen Karren spannen. Etwa Eckhard Fuhr von der WELT oder Chris Melzer vom Bonner GA.
Doch Michael Eissenhauer gelingt es nicht, seine These, dass Museen zur Zeit gerade einen ungeahnten Boom erleben, mit Beispielen aus der Szene der "echten" Museen belegen zu können. Also mit Zahlen aus den Museen für Kunst, Kultur, Stadtgeschichte, Volkskunde, Technikgeschichte und zu anderen kulturgeschichtlichen Themen. Stattdessen wird der Freizeit(!)forscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelheim zitiert: "Wir erleben eine wirkliche Renaissance der Bildung. Immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder optimal mit Bildung zu versorgen und begreifen, dass das die Schlüsselressource der Zukunft sein wird. Die Museen haben bei diesem Wissenstransfer außerhalb der Schule die entscheidende Rolle." Klingt gut. Stimmt auch.
Aber nur zum Teil. Denn der Besucherboom, der hier heraufbeschworen wird, ist einigen wenigen spektakulären Blockbuster-Ausstellungen, die kaum (!) von Kindern, aber umso mehr Rentnern besucht werden und der immer größer werdenden Zahl von Science Centern zu verdanken. So wundert es kaum, dass in den oben genannten Artikeln das Gießener Mathematikum als schlagkräftiger Beweis für Eissenhauers These angeführt wird. Das Mathematikum in Gießen ist ohne Zweifel eine der innovativsten außerschulischen Lernorte der Bundesrepublik. Sein Initiator, der ebenso charismatische wie publikumsorientierte Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher, hat gezeigt, wie man eine solche Bildungseinrichtung auf den Weg bringt und auch in den Jahren nach der Eröffnung erfolgreich betreibt. Schlicht und einfach: mit Familientauglichkeit. Und er tut das so gut, dass das Haus nun sogar noch erweitert werden soll.
Doch obwohl Beutelspacher sein Haus "Mitmachmuseum" nennt, ist es ganz und gar kein Museum. Denn es hat keine historische Sammlung, die in der Ausstellung zum Tragen kommt. Es ist ein tolles Science Center, dessen Besuch auch mit Kindern Freude bringt, weil sie dort nicht von Aufsehern zurück gepfiffen werden. Ein Spielplatz, der Bildung verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. In jedem Fall ist es kein Museum.
Und so kann das Mathematikum keine Einrichtung sein, die belegt, dass Museen boomen. Im Gegenteil, es macht deutlich, wo die Defizite der bundesdeutschen Museen liegen. Beispielsweise in der Besucherorientierung und im Marketing. Denn während Beutelspachers Science Center sich stetig wachsenden Zuspruchs erfreut, schmieren Museen, die etwa der Alten Kunst gewidmet sind, zur Zeit recht gnadenlos ab. So muss man zu der Annahme gelangen, dass es vor allem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Themen sind, die ein anwachsendes Interesse zu verzeichnen haben. Die Museen, die dem alten Bildungskanon gewidmet sind, haben es nun umso schwerer, noch Besucher auf ihre Parkplätze zu locken.
Ein Blick nach München macht deutlich, wovon ich rede. Wer als Tourist die Landeshauptstadt München besucht, der tut das sicher nicht nur wegen des Bieres und der Schweinshaxen, sondern nicht zuletzt auch wegen der Museen. Einige der bedeutendsten deutschen Museen befinden sich in München. Die Stadt München ist aber auch vorbildlich, was die Publizierung von statistischen Daten im Internet angeht. Bei M-Statistik finden auch Museale einige Daten, die in diesem Zusammenhang für sie interessant sind: Die Besucherzahlen der wichtigsten Museen Münchens von 2000-2007 zum Beispiel. Von einem Boom ist da nichts zu sehen.
[auf die Bilder klicken!]
Die Pinakothek der Moderne:

Die Alte Pinkothek:

Die Neue Pinakothek:

Das Bayerische Nationalmuseum:

Das Münchener Stadtmuseum:

Das Deutsche Museum:

Diese Graphiken zeichnen ein eher düsteres Bild. Denn keines der Museen partizipiert an dem propagierten Museumsboom. Ist München eine Ausnahme? Geht es den Museen in den anderen Großstädten Deutschlands sehr viel besser? Das glaube ich nicht.
Es gibt also noch viel zu tun, bis das eintritt, was Herr Eissenhauer heute schon verkündet. Schöne Worte reichen nicht, um die Lage zu verbessern. Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel. In den Köpfen derjenigen, die für die Museen verantwortlich sind und in der Kulturpolitik!
Diese Ansicht bestätigt übrigens auch eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little, über die nicht nur in der WELT etwas zu lesen ist.
Doch Michael Eissenhauer gelingt es nicht, seine These, dass Museen zur Zeit gerade einen ungeahnten Boom erleben, mit Beispielen aus der Szene der "echten" Museen belegen zu können. Also mit Zahlen aus den Museen für Kunst, Kultur, Stadtgeschichte, Volkskunde, Technikgeschichte und zu anderen kulturgeschichtlichen Themen. Stattdessen wird der Freizeit(!)forscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelheim zitiert: "Wir erleben eine wirkliche Renaissance der Bildung. Immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder optimal mit Bildung zu versorgen und begreifen, dass das die Schlüsselressource der Zukunft sein wird. Die Museen haben bei diesem Wissenstransfer außerhalb der Schule die entscheidende Rolle." Klingt gut. Stimmt auch.
Aber nur zum Teil. Denn der Besucherboom, der hier heraufbeschworen wird, ist einigen wenigen spektakulären Blockbuster-Ausstellungen, die kaum (!) von Kindern, aber umso mehr Rentnern besucht werden und der immer größer werdenden Zahl von Science Centern zu verdanken. So wundert es kaum, dass in den oben genannten Artikeln das Gießener Mathematikum als schlagkräftiger Beweis für Eissenhauers These angeführt wird. Das Mathematikum in Gießen ist ohne Zweifel eine der innovativsten außerschulischen Lernorte der Bundesrepublik. Sein Initiator, der ebenso charismatische wie publikumsorientierte Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher, hat gezeigt, wie man eine solche Bildungseinrichtung auf den Weg bringt und auch in den Jahren nach der Eröffnung erfolgreich betreibt. Schlicht und einfach: mit Familientauglichkeit. Und er tut das so gut, dass das Haus nun sogar noch erweitert werden soll.
Doch obwohl Beutelspacher sein Haus "Mitmachmuseum" nennt, ist es ganz und gar kein Museum. Denn es hat keine historische Sammlung, die in der Ausstellung zum Tragen kommt. Es ist ein tolles Science Center, dessen Besuch auch mit Kindern Freude bringt, weil sie dort nicht von Aufsehern zurück gepfiffen werden. Ein Spielplatz, der Bildung verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. In jedem Fall ist es kein Museum.
Und so kann das Mathematikum keine Einrichtung sein, die belegt, dass Museen boomen. Im Gegenteil, es macht deutlich, wo die Defizite der bundesdeutschen Museen liegen. Beispielsweise in der Besucherorientierung und im Marketing. Denn während Beutelspachers Science Center sich stetig wachsenden Zuspruchs erfreut, schmieren Museen, die etwa der Alten Kunst gewidmet sind, zur Zeit recht gnadenlos ab. So muss man zu der Annahme gelangen, dass es vor allem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Themen sind, die ein anwachsendes Interesse zu verzeichnen haben. Die Museen, die dem alten Bildungskanon gewidmet sind, haben es nun umso schwerer, noch Besucher auf ihre Parkplätze zu locken.
Ein Blick nach München macht deutlich, wovon ich rede. Wer als Tourist die Landeshauptstadt München besucht, der tut das sicher nicht nur wegen des Bieres und der Schweinshaxen, sondern nicht zuletzt auch wegen der Museen. Einige der bedeutendsten deutschen Museen befinden sich in München. Die Stadt München ist aber auch vorbildlich, was die Publizierung von statistischen Daten im Internet angeht. Bei M-Statistik finden auch Museale einige Daten, die in diesem Zusammenhang für sie interessant sind: Die Besucherzahlen der wichtigsten Museen Münchens von 2000-2007 zum Beispiel. Von einem Boom ist da nichts zu sehen.
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Die Pinakothek der Moderne:

Die Alte Pinkothek:

Die Neue Pinakothek:

Das Bayerische Nationalmuseum:

Das Münchener Stadtmuseum:

Das Deutsche Museum:

Diese Graphiken zeichnen ein eher düsteres Bild. Denn keines der Museen partizipiert an dem propagierten Museumsboom. Ist München eine Ausnahme? Geht es den Museen in den anderen Großstädten Deutschlands sehr viel besser? Das glaube ich nicht.
Es gibt also noch viel zu tun, bis das eintritt, was Herr Eissenhauer heute schon verkündet. Schöne Worte reichen nicht, um die Lage zu verbessern. Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel. In den Köpfen derjenigen, die für die Museen verantwortlich sind und in der Kulturpolitik!
Diese Ansicht bestätigt übrigens auch eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little, über die nicht nur in der WELT etwas zu lesen ist.
Joern Borchert - 2008-05-13 22:01 + 553




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