Ihr Forschungsansatz ist in der Tat interessant. Diese Neugier von Soldaten auf andere Kulturen wird nicht zuletzt durch die vielen Fotos in entsprechenden privaten Alben und Aufnahmen von einfachen Soldaten belegt.
Aber: die Aufnahmen, die im staatlichen Auftrag entstanden sind, hier vor allem durch die Propagandakompanien der Wehrmacht (PK), hatten mit Sicherheit nicht den Auftrag etwas verbindendes zu illustrieren oder die Besonderheiten fremder Kulturen zu vermitteln, sondern die Überlegenheit der "germanischen Kultur" über die besiegten und besetzten Länder und deren Bewohner zu belegen.
Was das Thema "Lüge" angeht: Die PK Fotos waren inszeniert. Konsequenzen für die Fotografen hatte dies allerdings nur, wenn die Inszenierung übertrieben, d.h. erkennbar war. Dann konnte es bisweilen sogar zu zeitweiliger Strafversetzung führen.
Auf jeden Fall ist ein sehr kritischer Umgang mit den Fotos angeraten. Diese unkommentiert als wahrheitsgetreues Abbild der Wirklichkeit auszustellen, halte ich für hoch problematisch.
MfG
O. Sander
Sie können mir glauben, dass ich es schon allein aus beruflichen Gründen gewohnt bin, sehr kritisch mit Fotos umzugehen. Danke auch für den Hinweis auf die Fotos aus privaten Alben, die mit Interviewausschnitten von Kriegserlebnissen ergänzt werden könnten.
Auch ich gehe davon aus, dass die Fotos von Zucca mit Vorsicht zu genießen sind. Nichtsdestotrotz vermag ich nicht zu sehen, welche der Fotos der momentan in Paris gezeigten Ausstellung eindeutig propagandastischer Natur sein sollen. Nennen Sie mir doch bitte eines, damit ich schlauer werde.
Für mich stellen diese Fotos lediglich Ausschnitte des Alltags in Paris dar, wie er sich eben auch in den Jahren der Besatzung darstellte. Mehr nicht. Auch in den Années noires schien die Sonne. Und so düster die Jahre in politischer Hinsicht waren, die jungen Leute wollten trotzdem ihr Leben genießen. Baden, flanieren, küssen, wann immer ihnen das möglich war. Waren sie deshalb schon Kollaborateure? Wohl kaum.
Ich will nicht mehr sagen, als dass Kriege eben nicht nur aus Bombardements und Kampfhandlungen an der Front bestanden. Diese Ereignisse bestimmen das, was in den Geschichtsbüchern steht. Aber das war nicht der Krieg. Hinter der Front und fernab der Kampfhandlungen bemühten sich doch wohl alle, Zivilisten und Soldaten, soviel Alltag wie möglich herrschen zu lassen. Und wer könnte ihnen deshalb böse sein? Und warum muss der Fotograf, der das ablichtete, verurteilt werden? Allein weil er sein Fotomaterial von Deutschen Besatzern bekam? Nee, so eine Kritik ist mir dann doch gar zu einfach - und wenn sie es mir erlauben: zu propagandistisch.
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Obacht vor Inszenierungen
Aber: die Aufnahmen, die im staatlichen Auftrag entstanden sind, hier vor allem durch die Propagandakompanien der Wehrmacht (PK), hatten mit Sicherheit nicht den Auftrag etwas verbindendes zu illustrieren oder die Besonderheiten fremder Kulturen zu vermitteln, sondern die Überlegenheit der "germanischen Kultur" über die besiegten und besetzten Länder und deren Bewohner zu belegen.
Was das Thema "Lüge" angeht: Die PK Fotos waren inszeniert. Konsequenzen für die Fotografen hatte dies allerdings nur, wenn die Inszenierung übertrieben, d.h. erkennbar war. Dann konnte es bisweilen sogar zu zeitweiliger Strafversetzung führen.
Auf jeden Fall ist ein sehr kritischer Umgang mit den Fotos angeraten. Diese unkommentiert als wahrheitsgetreues Abbild der Wirklichkeit auszustellen, halte ich für hoch problematisch.
MfG
O. Sander
Auch ich gehe davon aus, dass die Fotos von Zucca mit Vorsicht zu genießen sind. Nichtsdestotrotz vermag ich nicht zu sehen, welche der Fotos der momentan in Paris gezeigten Ausstellung eindeutig propagandastischer Natur sein sollen. Nennen Sie mir doch bitte eines, damit ich schlauer werde.
Für mich stellen diese Fotos lediglich Ausschnitte des Alltags in Paris dar, wie er sich eben auch in den Jahren der Besatzung darstellte. Mehr nicht. Auch in den Années noires schien die Sonne. Und so düster die Jahre in politischer Hinsicht waren, die jungen Leute wollten trotzdem ihr Leben genießen. Baden, flanieren, küssen, wann immer ihnen das möglich war. Waren sie deshalb schon Kollaborateure? Wohl kaum.
Ich will nicht mehr sagen, als dass Kriege eben nicht nur aus Bombardements und Kampfhandlungen an der Front bestanden. Diese Ereignisse bestimmen das, was in den Geschichtsbüchern steht. Aber das war nicht der Krieg. Hinter der Front und fernab der Kampfhandlungen bemühten sich doch wohl alle, Zivilisten und Soldaten, soviel Alltag wie möglich herrschen zu lassen. Und wer könnte ihnen deshalb böse sein? Und warum muss der Fotograf, der das ablichtete, verurteilt werden? Allein weil er sein Fotomaterial von Deutschen Besatzern bekam? Nee, so eine Kritik ist mir dann doch gar zu einfach - und wenn sie es mir erlauben: zu propagandistisch.