Das kann nicht sein. Das darf nicht sein!
Die Vergangenheit ist vergangen. Fotografien überleben. Sie rufen Gefühle hervor. Manche Politiker und Historiker wollen diese Gefühle steuern, indem sie die Bilder benutzen, kommentieren und bewerten. Warum nicht? Es ist immer gut, wenn man uns darüber aufklärt, dass das Sichtbare Hintergründe hat. Hintergründe, die oftmals dem widersprechen, was man zu sehen glaubt.
Dennoch gibt es Fotografien, die nicht zu den Hintergründen passen, die uns die Historiker und Politiker nahe bringen. Fotos, die uns vor Augen führen, dass ein Krieg nicht nur Mord und Totschlag bedeutet, sondern auch Annäherung verschiedener Kulturen, das Erleben kultureller Andersartigkeit, ja auch durchaus harmloses Vergnügen beinhalten kann. Ein solcher Blickwinkel ist politisch völlig inkorrekt und überhaupt obsolet. Er passt nicht ins Bild vom Krieg. Kein Wunder also, dass Historiker, die Meriten ernten wollen, sich dem Holocaust und anderen Abscheulichkeiten des Zweiten Weltkriegs zuwenden. Morde und Vergewaltigungen verkaufen sich - auch in den Medien - halt besser, als der Alltag, den es zeitgleich eben auch gab.
Crédits photo : Mairie de Paris
Nun zeigt die Bibliothèque historique de la Ville de Paris (22, rue Malher (4e)) etwa 250 Farbfotografien des Fotografen André Zucca, die er in den "schwarzen Jahren" aufgenommen hat, als Frankreich im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung stand und fast alle erwachsenen Franzosen in der Résistance aktiv waren. Zuccas Fotos zeigen Kinder, die in den Bassins des Jardin du Luxembourg ihre Boote fahren lassen, junge Menschen beim Sonnenbad an der Seine, auch musizierende Wehrmachtsmusiker. Bilder, die das Leben in Paris während der deutschen Besatzung als völlig harmlos und gar nicht unterdrückt erscheinen lassen. Alles "Friede, Freude, Sonnenschein"? Diesen Eindruck rufen die Fotos hervor.
Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Meint jedenfalls Philippe Dagen in Le Monde.
Lesen Sie den Artikel bei Le Monde und lassen Sie sich erklären, wie das alles zu erklären ist, was nicht ins Bild passt.
Mein Forschungsdesiderat: die Seiten der Kriege, die nicht nur den geographischen und geistigen Horizont der Soldaten erweiterten, sondern ihnen im Kulturkontakt auch Denkanstöße gaben und nach dem Krieg zur Völkerverständigung beitrugen. Das mag parodox klingen. Doch weil das so ist, gibt es da noch viel zu entdecken, was den uns vertrauten Geschichtsbildern sehr interessante Aspekte hinzufügen könnte. Aspekte, die vielleicht irritieren. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Kriegserlebnisse einen wichtigen Baustein der europäischen Einigung darstellen.
Die Ausstellung in Paris:
When: 20th March - 1st July 2008
Where: La Bibliothèque Historique de la Ville de Paris, 22 rue Mahler, Paris 4th arrondissement. Métro Saint Paul (line 4), bus 69, 76, 96
Opening hours: Tuesday - Sunday, 11am - 7pm
Entrance fee: adults 4 euros, concession 2 euros
Das passt auch gut dazu.
Und am 25.April hat auch Die Welt mitbekommen, dass man nun darüber schreiben muss. Noch besser als der Artikel sind die Kommentare.
Dennoch gibt es Fotografien, die nicht zu den Hintergründen passen, die uns die Historiker und Politiker nahe bringen. Fotos, die uns vor Augen führen, dass ein Krieg nicht nur Mord und Totschlag bedeutet, sondern auch Annäherung verschiedener Kulturen, das Erleben kultureller Andersartigkeit, ja auch durchaus harmloses Vergnügen beinhalten kann. Ein solcher Blickwinkel ist politisch völlig inkorrekt und überhaupt obsolet. Er passt nicht ins Bild vom Krieg. Kein Wunder also, dass Historiker, die Meriten ernten wollen, sich dem Holocaust und anderen Abscheulichkeiten des Zweiten Weltkriegs zuwenden. Morde und Vergewaltigungen verkaufen sich - auch in den Medien - halt besser, als der Alltag, den es zeitgleich eben auch gab.
Crédits photo : Mairie de ParisNun zeigt die Bibliothèque historique de la Ville de Paris (22, rue Malher (4e)) etwa 250 Farbfotografien des Fotografen André Zucca, die er in den "schwarzen Jahren" aufgenommen hat, als Frankreich im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung stand und fast alle erwachsenen Franzosen in der Résistance aktiv waren. Zuccas Fotos zeigen Kinder, die in den Bassins des Jardin du Luxembourg ihre Boote fahren lassen, junge Menschen beim Sonnenbad an der Seine, auch musizierende Wehrmachtsmusiker. Bilder, die das Leben in Paris während der deutschen Besatzung als völlig harmlos und gar nicht unterdrückt erscheinen lassen. Alles "Friede, Freude, Sonnenschein"? Diesen Eindruck rufen die Fotos hervor.
Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Meint jedenfalls Philippe Dagen in Le Monde.
Lesen Sie den Artikel bei Le Monde und lassen Sie sich erklären, wie das alles zu erklären ist, was nicht ins Bild passt.
Mein Forschungsdesiderat: die Seiten der Kriege, die nicht nur den geographischen und geistigen Horizont der Soldaten erweiterten, sondern ihnen im Kulturkontakt auch Denkanstöße gaben und nach dem Krieg zur Völkerverständigung beitrugen. Das mag parodox klingen. Doch weil das so ist, gibt es da noch viel zu entdecken, was den uns vertrauten Geschichtsbildern sehr interessante Aspekte hinzufügen könnte. Aspekte, die vielleicht irritieren. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Kriegserlebnisse einen wichtigen Baustein der europäischen Einigung darstellen.
Die Ausstellung in Paris:
When: 20th March - 1st July 2008
Where: La Bibliothèque Historique de la Ville de Paris, 22 rue Mahler, Paris 4th arrondissement. Métro Saint Paul (line 4), bus 69, 76, 96
Opening hours: Tuesday - Sunday, 11am - 7pm
Entrance fee: adults 4 euros, concession 2 euros
Das passt auch gut dazu.
Und am 25.April hat auch Die Welt mitbekommen, dass man nun darüber schreiben muss. Noch besser als der Artikel sind die Kommentare.
Joern Borchert - 2008-04-11 21:27 + 501




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