Calmuth: Film, Idylle und Verfall
Ab und an düse ich mit dem Vespa-Roller durch die Landschaft und erkunde die nähere Umgebung.
Der Frühling lacht. Sonnenschein. Fliederdunst. Losgedüst.
Eine meiner ersten Touren führte mich - wenig verwunderlich - am Rhein entlang. Das Ziel Calmuth reizte mich schon länger. Nein, nicht die Hütte von Thomas Gottschalk auf dem Berg lockte mich an, sondern das Faktum, das es da im Tal eine Siedlung an der Trasse Bonn- Remagen gibt, die "mitten drin" aber dennoch abgeschieden liegt. Etwa vier bewohnte Häuser und drumherum nichts als Wald und Wiesen. Im Großraum Köln-Bonn sind solche Weiler selten. Außerdem wusste ich, dass da neben den bewohnten Häusern noch andere waren. Unbewohnte Gebäude ziehen mich, wie wohl viele andere Kulturwissenschaftler auch, besonders an. Da gibt es etwas zu entdecken.
Was gibt es in Calmuth zu entdecken? Offiziell nichts! "Betreten verboten!" Inoffiziel einen Gebäudekomplex, der auf den ersten Blick etwa 50 bis 60 Jahre alt sein dürfte.

Stromert man etwas in der näheren Umgebung herum, dann findet man neben einer Baracke rasch ein Gebäude, dass einige Jahrzehnte älter ist und daher auf den ersten Blick wesentlich sympathischer wirkt.
Ein Gutshof? Vielleicht. Die Spaziergänger, auf die ich traf, bezeichneten es als Schloss. Das ist sicher übertrieben, aber schön ist diese (!) Ansicht des Gebäudes allemal. Ein Teil des Gebäudes ist inzwischen eingestürzt. Daneben noch eine Villa der Jahrhundertwende nebst Teich und einige kleinere Gebäude. Außerdem noch etwas im Berg? Ein Bunker? Was auch immer es ist, es wird gerade renoviert. Insgesamt also ein gar nicht so kleines Anwesen.
Und wenn man sich dann so fragt, was in diesen Gebäuden, die heute verrotten, einmal passiert ist, dann merkt man rasch, dass es etwas mit "Film und Kino" zu tun hatte. Filmplakate liegen herum. Filmrollen auch. Auffallend oft wird auf die Brandgefahr hingewiesen.
Ein wenig gegoogelt und man hat herausbekommen, dass hier in der französischen Besatzungszone einmal die Internationale Film-Union ihren Sitz hatte. Besonders bedeutungsvoll war ihr Synchronisationsstudio (gebaut 1946-1948). In Europa das wohl modernste seiner Zeit! Etwa 800 Filme französischer, italienischer und amerikanischer Provenienz wurden hier synchronisiert. Hans-Jörg Felmy, Hildegard Knef, René Deltgen, Romy Schneider, Lotti Krekel, Fritz Wepper oder Harald Juhnke und viele andere gaben hier ihre Stimme für bekannte Spielfilme. Die Art und Weise, wie das in Calmuth realisiert wurde, war richtungsweisend. Ergänzt wurde das Synchronstudio durch eine leistungsfähige Kopieranstalt.
Das mag reichen, um die Bedeutung des Weilers Calmuth für die bundesrepublikanische Filmgeschichte anzudeuten.
Aber deswegen schreibe ich diesen ganzen Sermon hier nicht. Ich schreibe ihn vor allem, weil es mich sehr wundert, dass dieses Anwesen zusehends verrottet und verfällt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Jedem Kiosk schenken die Behörden oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehr Aufmerksamkeit als diesem wirklich bedeutsamen Kleinod der Filmgeschichte...
Wie wär`s wenn Thomas Gottschalk hier am Rande einer seiner Spazierwege aktiv würde und seine Popularität einsetzte, um etwas für die Filmgeschichte zu tun? Zumindest dafür sorgen würde, dass der Komplex nicht weiter verfällt.
Es ist höchste Zeit, dass hier etwas getan wird! Wo bleibt der Denkmalschutz?
Wenn's interessiert: Calmuth vor 1945 oder zum Nerother Wandervogel.
Einige Fotos aus Calmuth nun auch bei flickr.
Das IFU-Gelände bei Google Maps.
Wer Calmuth besuchen möchte, sollte sich darauf einstellen, dort Käthe H., einer resoluten alten Dame nebst ihrem beeindruckenden Sohn zu begegnen oder einem Polizisten, der dort nebenberuflich tätig ist. Bleiben Sie ruhig: Alle müssen böse dreinschauen. Dafür bekommen sie Geld vom Besitzer, der noch immer in der Filmbranche tätig ist und das Anwesen wohl absichtlich verfallen lassen will. Warum eigentlich?
Was könnte man nicht alles aus dem Gelände machen!
PS: Einige Menschen, die sich für Calmuth interessieren, kabbeln im Synchron-Forum miteinander.
Der Frühling lacht. Sonnenschein. Fliederdunst. Losgedüst.
Eine meiner ersten Touren führte mich - wenig verwunderlich - am Rhein entlang. Das Ziel Calmuth reizte mich schon länger. Nein, nicht die Hütte von Thomas Gottschalk auf dem Berg lockte mich an, sondern das Faktum, das es da im Tal eine Siedlung an der Trasse Bonn- Remagen gibt, die "mitten drin" aber dennoch abgeschieden liegt. Etwa vier bewohnte Häuser und drumherum nichts als Wald und Wiesen. Im Großraum Köln-Bonn sind solche Weiler selten. Außerdem wusste ich, dass da neben den bewohnten Häusern noch andere waren. Unbewohnte Gebäude ziehen mich, wie wohl viele andere Kulturwissenschaftler auch, besonders an. Da gibt es etwas zu entdecken.
Was gibt es in Calmuth zu entdecken? Offiziell nichts! "Betreten verboten!" Inoffiziel einen Gebäudekomplex, der auf den ersten Blick etwa 50 bis 60 Jahre alt sein dürfte.

Stromert man etwas in der näheren Umgebung herum, dann findet man neben einer Baracke rasch ein Gebäude, dass einige Jahrzehnte älter ist und daher auf den ersten Blick wesentlich sympathischer wirkt.
Ein Gutshof? Vielleicht. Die Spaziergänger, auf die ich traf, bezeichneten es als Schloss. Das ist sicher übertrieben, aber schön ist diese (!) Ansicht des Gebäudes allemal. Ein Teil des Gebäudes ist inzwischen eingestürzt. Daneben noch eine Villa der Jahrhundertwende nebst Teich und einige kleinere Gebäude. Außerdem noch etwas im Berg? Ein Bunker? Was auch immer es ist, es wird gerade renoviert. Insgesamt also ein gar nicht so kleines Anwesen.
Und wenn man sich dann so fragt, was in diesen Gebäuden, die heute verrotten, einmal passiert ist, dann merkt man rasch, dass es etwas mit "Film und Kino" zu tun hatte. Filmplakate liegen herum. Filmrollen auch. Auffallend oft wird auf die Brandgefahr hingewiesen.
Ein wenig gegoogelt und man hat herausbekommen, dass hier in der französischen Besatzungszone einmal die Internationale Film-Union ihren Sitz hatte. Besonders bedeutungsvoll war ihr Synchronisationsstudio (gebaut 1946-1948). In Europa das wohl modernste seiner Zeit! Etwa 800 Filme französischer, italienischer und amerikanischer Provenienz wurden hier synchronisiert. Hans-Jörg Felmy, Hildegard Knef, René Deltgen, Romy Schneider, Lotti Krekel, Fritz Wepper oder Harald Juhnke und viele andere gaben hier ihre Stimme für bekannte Spielfilme. Die Art und Weise, wie das in Calmuth realisiert wurde, war richtungsweisend. Ergänzt wurde das Synchronstudio durch eine leistungsfähige Kopieranstalt.
Das mag reichen, um die Bedeutung des Weilers Calmuth für die bundesrepublikanische Filmgeschichte anzudeuten.
Aber deswegen schreibe ich diesen ganzen Sermon hier nicht. Ich schreibe ihn vor allem, weil es mich sehr wundert, dass dieses Anwesen zusehends verrottet und verfällt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Jedem Kiosk schenken die Behörden oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehr Aufmerksamkeit als diesem wirklich bedeutsamen Kleinod der Filmgeschichte...
Wie wär`s wenn Thomas Gottschalk hier am Rande einer seiner Spazierwege aktiv würde und seine Popularität einsetzte, um etwas für die Filmgeschichte zu tun? Zumindest dafür sorgen würde, dass der Komplex nicht weiter verfällt.
Es ist höchste Zeit, dass hier etwas getan wird! Wo bleibt der Denkmalschutz?
Wenn's interessiert: Calmuth vor 1945 oder zum Nerother Wandervogel.
Einige Fotos aus Calmuth nun auch bei flickr.
Das IFU-Gelände bei Google Maps.
Wer Calmuth besuchen möchte, sollte sich darauf einstellen, dort Käthe H., einer resoluten alten Dame nebst ihrem beeindruckenden Sohn zu begegnen oder einem Polizisten, der dort nebenberuflich tätig ist. Bleiben Sie ruhig: Alle müssen böse dreinschauen. Dafür bekommen sie Geld vom Besitzer, der noch immer in der Filmbranche tätig ist und das Anwesen wohl absichtlich verfallen lassen will. Warum eigentlich?
Was könnte man nicht alles aus dem Gelände machen!
PS: Einige Menschen, die sich für Calmuth interessieren, kabbeln im Synchron-Forum miteinander.
Joern Borchert - 2007-05-16 21:01 + 1919




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