Museologie

Mittwoch, 16. Mai 2012

Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik 2012

Von solchen Preisen können wir gar nicht genug haben:

"Die Fakultät Medien der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig lobt zum siebten Mal eine Auszeichnung für praxisrelevante, innovative Forschungsergebnisse zur Bildungsarbeit in Museen und Gedenkstätten aus, den

Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik 2012.

Noch nicht anderweitig veröffentlichte Diplom-, Staatsexamens-, Magister-, Doktorarbeiten, Bachelor- und Master-Thesen aller Absolventinnen und Absolventen von Universitäten, Fachhochschulen und gleich­rangigen Hochschulen im deutschen Sprachraum sind gleichberechtigt zugelassen, soweit sie einen Bezug zur personalen Bildungs­arbeit in Museen oder Gedenkstätten (für unterschiedlichste Zielgruppen) auf­wei­sen.

Der Preis ist mit 1.000 € dotiert und kann auch hälftig an zwei Personen vergeben werden. Über Vergabe und Nichtvergabe des Arnold-Vogt-Preises entscheidet eine dreiköpfige, unabhängige Jury. Der Rechts­weg ist ausgeschlossen.

Eigenbewerbungen sind ausdrücklich erwünscht. Bewerbungen sind 2012 möglich mit allen einschlägigen Arbeiten, die zwischen dem 01.01.2010 und dem 30.06.2012 fertig­gestellt wurden. Einzusenden ist die wissenschaftliche Arbeit in einem gebundenen Exemplar, außerdem ein tabellarischer Lebenslauf der Bewerberin, des Bewerbers, eine Kopie des betreffenden Hochschulzeugnisses sowie eine maximal zwei DIN-A-4-Seiten umfassende Darstel­lung der Zielsetzung, angewendeten Methodik und zentralen Ergebnisse der Arbeit, an:

HTWK Leipzig, Fakultät Medien
– Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik –
Karl-Liebknecht-Straße 132

04277 Leipzig

Einsendeschluss ist der 30. Juni 2012. Von der Preisträgerin, dem Preisträger wird ein Kurzvortrag zur ausgezeichneten Arbeit mit Diskussion für Studierende des Studiengangs Museologie in der HTWK Leipzig erwartet; bei diesem Anlass wird der Preis im November 2012 verliehen.

Den vollständigen Auslobungstext finden Sie im Internet unter: http://www.fbm.htwk-leipzig.de/fileadmin/fbmedien/professoren_mitarbeiter/downloads"

Montag, 14. November 2011

Alte oder Junge? Mitarbeiter für das Museum der Zukunft

Unter dem Titel "Will your next hire work towards a great future for your organisation?" machte sich dieser Tage Jasper Visser Gedanken über die Frage, welche Mitarbeiter ein Unternehmen/Museum benötigt, um auch zukünftig attraktiv zu sein.

Grob zusammengefasst kommt er zu dem Ergebnis, dass ambitionierte junge Leute, die einige Jahre Praktika, Kurzfrist-Jobs und Zeiten der Arbeitslosigkeit hinter sich haben, womöglich mehr für die Zukunft einer Institution leisten können, als Doktoren mit zehnjähriger Berufserfahrung.

Natürlich stimmt das, was er sagt. Und selbstverständlich ist es auch falsch. Jedes Unternehmen braucht junge, frische Kräfte, um am Puls der Zeit zu bleiben und Ideen zu entwickeln, auf die die meisten altgedienten Mitarbeiter niemals kommen würden. Und würden sie darauf kommen, sie würden kaum wagen, sie zu realisieren. Bon, das mag so sein. Nee, das ist sogar sicher so!

Mit den Jahren gerät man halt in die Fänge des sogenannten Stammpublikums. In die Fänge der Grauköpfe, die alles wollen, nur keine Veränderungen. Dieses Publikum erscheint auch mir als der Anfang vom Ende des Museums, so wie ich es mir vorstelle. Eines Museums, das mehr Flammen entfacht als erstickt.

Doch wenn Jasper Visser alle Argumente abwägen würde, dann käme sicher auch er darauf, dass erfahrene Mitarbeiter nicht zwangsläufig den Weg in die Zukunft versperrren müssen.

Auch die waren mal jung! Hatten innovative Ideen, an die sie sich noch heute gerne erinnern. Setzten manche von diesen durch - und mussten auch manchmal erkennen, dass nicht alles Freunde findet, was man selbst gut findet. Das gehört zu ihren Erfahrungen. Und wenn er es mir kaum glauben wird: Ich habe schon Mitarbeiter von Museen kennen gelernt, die kurz vor der Rente standen und so verrückte Ideen hatten, die ein 30-jähriger zu äußern niemals gewagt hätte.

Doch führt die Diskussion über die Erfahrung und den Wagemut der Jugend wirklich weiter? Tut sie nicht! Denn auch Jasper Visser will, wenn er den denn mal 50 ist, noch immer einen Job suchen oder gar schon einen festen inne haben. Dann wird es andere geben, die auf die Vorzüge jugendlichen Denkens pochen. Wieder mal zu Recht! Und er wird auf seine Erfahrungen verweisen und auf all das, was gar nicht geht. Oder gar nicht gehen soll. Sie werden ihm beweisen, dass es doch geht. Und dann steht Jasper so doof da, wie die Leute, die etwas ergraut aktuell in Museen tätig sind.

Vielleicht liegt das Problem aber etwas außerhalb dessen, was Jasper sagen wollte.

Das Problem liegt da, wo neue Museen gegründet und neue Mitarbeiter für sie rekrutiert werden. Der Chef ist meist ein alter Hase. Alle anderen Angestellten sind Doktoren der letzten Jahrgänge. Sie alle sind ungefähr gleich alt und kommen gleichzeitig in die Jahre, wo sie immer bequemer werden. Das ist dumm! Denn bis frischer Geist die hehren Mauern mit neuen Inhalten befruchten kann, vergehen viel zu viel Jahre. Frische Köpfe können ja nur wirksam werden, wenn einer der Alten in Rente geht.

So gibt es keine gleitenden Anpassungen an neue Zeiten und neue Besucherbedürfnisse, sondern jahrzehntelange Dämmerzustände. Dann treten wieder neue Kuratoren eines neuen Fünfer-Jahrgangs an und tun so, als ob sie eine Revolution in Gang setzen würden, doch setzen doch eigentlich das Spiel zwischen Alt und Jung nur weiter fort.

Die Lösung, mit der sich bestimmt auch Jasper Visser anfreunden kann: Wie wäre es, wenn wenigstens bei jeder Neugründung eines Museums, darauf geachtet würde, dass die neuen Mitarbeiter zumindest im Hinblick auf ihr Alter möglichst heterogen zusammengesetzt sein sollten. Endzwanziger bis Anfangsechsziger. Revolutionäre wie konservatorische Kräfte. Spinner und Beamte.

Leute mit frischen Ideen und solche, die vor allem deshalb im Museum arbeiten, um ihre Familien zu ernähren - was ja auch kein schlechter Grund ist. So würde schon bei der Neugründung eines Museums der Grund dafür gelegt werden, dass es dicht am Leben bleibt. Auf lange Dauer. Am Leben der jungen Freaks, denen das Museum nie innovativ genug sein kann und gleichzeitig auch in der Nähe derjenigen, die im Museum nichts anderes suchen als ihre Ruhe. Persönlich wie intellektuell.

Würden die beiden Altersgruppen den Dialog suchen, Verständnis füreinander entwickeln und endlich einmal begreifen, dass Museen ein besseres Instrument für die Integration als für die Distinktion gesellschaftlicher Gruppen bieten könnten - ja, dann hätten sie eine Zukunft!

Doch bis das begriffen sein wird, ist der Weg noch lang. Um diesen Weg zu finden und gangbar zu machen, werden wir weiter die alten Scouts brauchen, die wissen, welcher Weg hinten ihnen liegt und -JA! - auch junge, wilde, ungestüme Menschen, denen kein Sumpf zu tief und kein Graben zu breit ist, um ihn zu überwinden.

Nun haben's wohl alle begriffen: Ich wünsche mir in unseren Museen eine heterogenere Alterstruktur in den Positionen, wo Entscheidungen gefällt werden. Die Jungen können nicht ohne die Alten und die Alten kommen ohne die Jungen nicht weiter. Dooferweise haben die Alten das noch nicht begriffen. ;-)

Dienstag, 12. Juli 2011

Vortrag in Köln: James Bradburne zur Zukunft des Museums

Das Wallraf und die Kölner profitieren sehr davon, dass Dr. Andreas Blühm einige Jahre in Amsterdam tätig war. Da hat er was gelernt, was man in Deutschland kaum lernen kann und Menschen kennen gelernt, die Ideen hatten.

Übermorgen profitieren wir in Form eines kostenlosen, öffentlichen Vortrags von James Bradburne, einem Freund von Dr. Blühm, davon:

Offene Fragen – Die Zukunft des Museums

Dr. James Bradburne

Donnerstag 14.07.2011, 19.00 Uhr

Vortrag zur Ausstellung „Tat Ort Museum“. Gemeinsam veranstaltet mit der Fritz Thyssen Stiftung.

Ort: Stiftersaal im Wallraf


"Der 150. Geburtstag des Wallraf-Richartz-Museums ist ein guter Anlass für einen Blick zurück in die Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft. Gerade für die Museen mittlerer Größe und mittleren Alters ist die Vergangenheit von Errungenschaften und Wachstum geprägt, während in ihrer Zukunft große Herausforderungen drohen. Ist nicht sogar die Zukunft aller Museen besorgniserregend? Man denke nur an die Veränderung der Wissensvermittlung im Informationszeitalter, die Wirkung neuer Technologien auf die Gesellschaft und die Gefährdung der traditionellen Finanzquellen. Der Vortrag behandelt die Perspektiven von Museen in naher Zukunft und wirft zudem einen Blick auf die innovativen Experimente und Entwicklungen des Palazzo Strozzi in Florenz.

James Bradburne ist Architekt, Designer und Museums-Spezialist sowie aktueller Direktor des Palazzo Strozzi in Florenz."



Wer mehr über ihn wissen will, dem empfehle ich seine (nicht ganz aktuelle) Homepage.

Zur Einstimmung auf seinen Vortrag ein Video aus dem Jahr 2009:



Ich freu mich auf diesen Vortrag! Ich freue mich auf alle Vorträge von Menschen, die dünkelfrei und deutlich etwas dazu beitragen, dass unsere Museen uns besser gefallen. Wenn nicht heute, dann wenigstens morgen....

Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Simpsons im Kunstmuseum



[Pardon für die schlechte Bildqualität.]

Freitag, 8. April 2011

Prostitution als "Kultur der Aufklärung"?

Immer wieder wird in den Postillen der Provinz heftigst darüber debattiert, wo der Straßenstrich seine räumlichen und zeitlichen Grenzen hat und auch darüber, wie die Gemeinden via Steuern ihren Gewinn aus dem Lustgeschäft ziehen können. Nicht nur die Bonner kennen diese Diskussionen.

Wenn es um Kultur auf höherer Ebene, vor allem nationale Interessen geht, dann sieht das schon ganz anders aus. Dann zaubern die beteiligten Museumsdirektoren ganz rasch, den Zauberspruch "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" aus ihren Taschen. Und schon ist die Prostituition hoffähig, ja geradezu ein wichtiges Moment der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands.

Dr. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden scheut sich dann auch nicht mehr, Sätze wie die folgenden dem Spiegel vorzulegen:
"Wirtschaftlich verflochten sind wir längst, wir leben geradezu von China! Ohne China müsste morgen die Phaeton-Produktion eingestellt werden. Diese Diktatur gibt uns in unserer Demokratie Lohn und Brot."

Und damit wir weiter gut leben können, ist es uns dann auch nicht so wichtig, dass by the way nicht nur einer der prominentesten Künstler Chinas eingebuchtet wird, sondern auch noch viele andere. Vom Einreiseverbot Tilman Spenglers mal ganz abgesehen.

Hätten die Direktoren der beteiligten Institutionen - der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München - ein klein wenig Gespür für Anstand, Ehre, vor allem aber für Mitmenschlichkeit, sie hätten sofort darüber nachgedacht, ihre Leihgaben zurückzuziehen.

Doch auf dem Strich der Museologen herrschen offenbar andere Regeln. Die Regeln des Anstands sind es nicht! Es sind vor allem die der Ökonomie, wie Martin Roth es ja in obigem Zitat mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht hat - und die der persönlichen Geltungssucht. Möchte ich hinzufügen.

Dabei hat er noch nicht einmal alles gesagt. Er hat verschwiegen, dass es beim musealen Bunga-Bunga nicht allein um die staatlichen Finanzinteressen geht. Es geht auch - und sicher nicht zuletzt - um seine persönlichen Vorteile.

Er und die anderen Direktoren hatten Erlebnisse, die sie sich privat kaum hätten erlaubt können. Sie haben sicher keine finanziellen Vorteile aus diesem fiesen Spiel erlangt. Niemals würde ich das behaupten wollen. Sie bekamen von uns nur ein paar Dienstreisen nach China finanziert, ein paar Kontakte zu obersten Regierungskreisen und in die Welt der Wirtschaft, das Gefühl geradezu staatstragend zu sein. Und was auch immer mehr. Im Rahmen dieser Ausstellung konnten sie sich mal richtig wichtig fühlen. Wie im Puff halt. Kleine Hengste auf großer Rennbahn.

Was schert es sie da, dass sie dabei ein menschenverachtendes Regime unterstützen? Ein Regime, dass Tibet vereinnahmt hat, Kritiker drangsaliert und einsperrt. Unter Bedingungen, die wir uns sicher nur sehr unvollkommen vorstellen können.

Aufklärung geht anders, meine Herren!
Die geht nur mit Kraft und Potenz! Mit der Potenz einer Überzeugung. Zum Beispiel der, dass man nicht auf den Strich geht, wenn es um Kultur, den Himmlischen Frieden und die Werte der Menschheit geht. Sind da Phaetons wirklich bedeutsam?

Eine sehr peinliche Nummer der Paviane von den Felsen unserer Hochkultur in Berlin, Dresden und München. Wenn ich es könnte, würde ich mich für sie schämen. Die Hochkultur der westlichen Welt habe ich mir - nach der Zeit der Aufklärung - anders vorgestellt. Weniger korrupt - und viel mehr darauf ausgerichtet, nicht nur das eigene Ego prall, sondern die Welt insgesamt besser zu machen.

Diese Chance haben sie vertan. Wieder einmal.

FREE TIBET!
_______________

Wer noch nicht genug hat, der kriegt hier mehr: In der WELT, im Spiegel und nicht zuletzt bei Gottfried Fliegl.

Update v. 12.04.11: FAZ "Diese Ausstellung muss geschlossen werden"

Donnerstag, 10. März 2011

17. März ist "Picture a Museum Day"

Mitmachen!

Am 17. März sind alle Nerds dazu aufgerufen, Fotos in ihrem Lieblingsmuseum zu machen und sie anschließend auf flickr und twitter hochzuladen.

Wer da nicht mitmacht ist doof oder mag Museen nicht.

Mir gefällt diese Aktion. Bestimmt sehen Sie mich am 17.3. in einem Museum zwischen Remagen und Köln.

Ich werde mir ein Museum aussuchen, wo man nicht fotografieren darf. Allein deshalb, weil ich davon ausgehe, dass Museen dieser Art zum Untergang verdammt sind. Museen, die das Fotografieren verbieten, mögen Ihr Publikum nicht und haben kein Interesse daran, sich im Leben Ihrer Besucher zu etablieren.

Wenn sie dicht machen müssen, ist das kein großer Schaden. Was keinen Sitz im Leben hat, ist überflüssig.

Ich freue mich auf den 17. März. Die Diskussionen mit den Aufpassern/Wärtern in den Museen und alle Fotos, die an diesem Tag auf twitter publiziert und bei flickr niedergelegt werden.

Machen Sie mit! >>> Picture a Museum Day

Montag, 7. Februar 2011

Symposium in Bonn: "Das Prinzip Museum - Museum als Labor, als Katalysator, als Forum?

Pressemitteilung des Instituts für Kunstgeschichte und Archäologie der Universität Bonn:


Das 'Prinzip Museum'
Museum als Labor, als Katalysator, als Forum
Universität Bonn
11.-12 Februar 2011


"Das Museum wird vielleicht tatsächlich eine Stätte der interdisziplinären
Aktivität werden." Joseph Beuys (1980) [War es jemals etwas anderes?; JB.]


Angesichts der sich wandelnden Anforderungen, der Verschiebung der Aufgaben
und der Erwartungen im universitären wie im musealen Bereich wird am 11. und
12. Februar 2011 in Bonn eine aktuelle Standortbestimmung vorgenommen. In
einem komparatistischen Ansatz zwischen 'Kunstmuseum' und bzw. versus
'Museum der Kulturen' wird versucht, die Lage zu bestimmen und eine Bilanz
des heutigen Forschungsstandes zu ziehen.
Wie Joseph Beuys ahnte, soll 'Museum' ein Ort "ständiger Konferenz" sein
bzw. werden. Dort soll nicht wie bisher über das Museum gesprochen, sondern
es sollen unter Mitwirkung aller Beteiligten, der Wissenschaftler und
Nutzer, der Macher und 'User' Rollen und Funktionen reflektiert werden.
Jenseits der Reden von 'Museenboom', 'Museenreform' und '-krise' gilt es,
die tatsächliche aktuelle Lage zu erfassen und die auseinanderdriftenden
Ansätze der musealen und universitären Kunstgeschichte(n), der
Kulturgeschichte(n), der Ethnographie(n) und Ethnologie(n), der Museologie
und der Museumspraxis zusammenzuführen.
In der gegenwärtig dramatischen Verschiebung der Aufgaben wie der
Erwartungen und der Revision der wissenschaftlichen Kartographie wie der
gesellschaftlichen Konstellationen (Bildung/Ausbildung/'Edutainment') sind
Rolle und Aufgaben von Museum und Universität sowie deren Wechselwirkungen
neu zu definieren. Während in den Kulturwissenschaften speziell die
'Museumsstudien' 'boomen', während auch die Kunstgeschichte sich zunehmend
mit Museen- und Sammlungsgeschichte befasst, d. h. 'Museum' in seinen
verschiedenen Facetten gleichsam 'in' ist, leidet die reale Museenszene
unter drastischen Einschnitten und Veränderungen.
Museen, Moderne, die Kunstgeschichte und die Ethnologie sind parallel
entstanden und haben sich in komplexen wechselseitigen Verflechtungen
konstituiert. Museen sind eminente 'Agenturen der Moderne' und reflektieren
zugleich die jeweilige gesellschaftliche Verfasstheit sowie die Rollen von
Kunst und Wissenschaften in der Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der
heutigen Revision bisheriger Paradigmen westlichen Denkens sowie den
verlaufenden und anstehenden Umstrukturierungen der Wissenslandschaft wird
das Museum nun als Katalysator einer Revision der eigenen Verfasstheit in
Augenschein genommen. Mit Kunstgeschichte und Ethnologie als Agenten u.a.
der Domestizierung und Kommerzialisierung ihrer Objekte werden Aufgaben,
Funktionen und Perspektiven des eigenen Denkens und Tuns überprüft. In Bonn
werden Akteure sowie Agenten der Produktion, Distribution und Rezeption von
'Kunst'- und 'Kultur'-Dingen gemeinsam eine aktuelle Bilanz ziehen und neue
Perspektiven entwickeln.

Konferenzsprache - Deutsch und Englisch
Öffentliche Veranstaltung - Teilnahme kostenlos


PROGRAMM

Freitag, 11.2.2011

14.00 Uhr Begrüßung und Eröffnung durch die Gastgeber Anne-Marie Bonnet,
Karoline Noack und Paul Geyer

Sektion 1 Das Museum neu denken?
Moderation: Anne-Marie Bonnet

14.30 Uhr Wilfried Dörstel
Museum – theoriegeboren. Museum – eingangerzeugt.

15.00 Uhr Clara Himmelheber
Reflexion über Chancen und Grenzen der Neubaukonzeption des
Rautenstrauch-Jost-Museums zu Köln

15.30 Uhr Claus Deimel
Bemerkungen zur Geschichte des Neudenkens von Museen

16.00 Uhr Kaffeepause

Sektion 2 Welches Museum?
Moderation: Karoline Noack

16.30 Uhr Michael Fehr
Das Ende des Museums und das Aufblühen der musealen Praxis

17.00 Uhr Jean de Loisy
Les Maîtres du Désordre / Die Meister der Unordnung

17.30 Uhr Robert Fleck
Das Museum als Ort der Wissenschaft im 21. Jahrhundert

18.00 Uhr Pause

18.30 Uhr Abendvortrag
Hans Peter Hahn
Itinerare von Dingen zwischen den Kulturen


Samstag, 12.2.2011

Sektion 3 Kunst Museum vs. Museum der Kultur(en)I
Moderation: Barbara Schellewald

10.00 Uhr Clémentine Delisse
Stored Code: Remediating the Ethnographic Museum for the 21st Century

10.30 Uhr Falk Wolf
Zeitgenössische Aboriginal Art im Kunstmuseum

11.00 Uhr Friedrich von Bose
Geschichte(n) anders erzählen? Überlegungen zu einem "Decentering of Europe"
in der ethnographischen Museumspraxis

11.30 Uhr Kaffeepause

Sektion 4 Kunstmuseum vs. Museum der Kultur(en) II
Moderation: Paul Geyer

12.00 Uhr Lydia Haustein
Vom Mausoleum zum Museum

12.30 Uhr Margit Kern
Imaginationen des Lokalen in der zeitgenossischen Kunst.
Authentizitätsdiskurse im ethnologischen Museum

13.00 Uhr Bernard Lüthi
Realität, Praxis und Theorie

13.30 Uhr Mittagspause

Sektion 5 Museum ohne Grenzen
Moderation: Andreas Bee

14.30 Martin Roth
Sammeln? Akkumulieren? Zeigen? 'Präsenz' ohne Grenzen?

15.00 Gabriele Uelsberg
Universalmuseen – Zur Interdisziplinarität geboren und verdammt

15.30 Annette Löseke
Kulturmanagement: "Audience Development" als zentraler strategischer
Management-Ansatz für Museen

16.00 Martin Engler
200 Jahre Gegenwartskunst in Frankfurt. Die Erweiterung des Städel Museums

16.30 Kaffeepause

Sektion 6 Museum und Gesellschaft/ Öffentlichkeit(en)
Moderation: Mario von Lüttichau

17.00 Uhr Cornelia Weber
Universitätsmuseen 3.0. Potentiale und Perspektiven

17.30 Uhr Larissa Förster
Ein postkolonialer Blick auf ethnologische Sammlungen

18.00 Uhr Nora Sternfeld
Das Gültige, Sichtbare und Sagbare verändern. Handlungsräume im
postrepräsentativen Museum


Das Tagungsprogramm als PDF.

Last but not least: Alle Interessierten sind eingeladen und müssen auch nichts bezahlen. Vorbildhaft!

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Museen sind mehr..

Fahradstaender in Buesum (D)

Photo by kberberi on Flickr.com


Jasper Visser hat sich hingesetzt und darüber nachgedacht, was Museen mehr bieten als die Vermittlung von Kunst und Kultur, Geschichte und Technik.

Hier ist seine Liste:

"A museum is,

* A flex work spot with Wi-Fi and good coffee.
* The perfect spot to finally read James Joyce or any other challenging book.
* A place to go on a first date.
* A place to propose to your future spouse.
* A place to organise your wedding.
* Somewhere to dump your kids when you go shopping.
* Somewhere to dump your husband/boyfriend when you go shopping (and need some time to decide on the right dress).
* One of the schools in your life-long-learning ambition.
* Somewhere to celebrate your birthday.
* A free toilet (clean!).
* A great shop for birthday and Christmas presents.
* A meeting point and landmark.
* The starting point to get to know a new culture. (My favourite: ask local students in the museum to give you a tour and tell you stuff. They usually like it and tell great, unpolished stories.)
* A place to disconnect from work.
* A place to see a movie.
* The best bookstore in town for non-fiction.
* A wonderful organisation to do a meaningful internship or volunteer work.
* A place to challenge your opinions and ideas.
* Somewhere to go with your dad and catch up.
* A quiet place to do homework.
* Somewhere to host a (business) meeting.
* A place to get inspiration for the decoration of your house.
* Somewhere to buy postcards to send around the world.
* A place with lockers for stuff you don’t want to carry with you all day.
* A place to meet new people.
* Warm inside when it’s cold outside.
* Cool inside when it’s hot outside.
* Somewhere to kill the time between meetings when in a different city.
* A venue to host a conference or debate.
* A lunchroom.
* An alternative to amusement parks.
* A place to feel young again.
* Somewhere to recharge your cell phone or laptop (usually there are sockets in the café)."

Rein praktisch gesehen, bieten sie also dem Stadtmenschen eine Menge Komfort. Einen Komfort, der das Leben in der Stadt angenehmer macht. Jenseits aller Bildungsaufträge und dünkelhaften Attitüden.

Bestimmt fallen Ihnen noch mehr Dinge ein, die Ihnen an Museen gefallen. Dann verfassen Sie bitte einen Kommentar. Hier oder bei Jasper Vissers Museum of the Future.

Samstag, 18. September 2010

Hau den Lukas! Das DFB-Fußballmuseum

"Die Stiftung DFB Fußballmuseum gGmbH hat am 16. September 2010 ihr Ausstellungskonzept für ein nationales Fußballmuseum präsentiert. Das vom Deutschen Fußball-Bund und der Stadt Dortmund getragene Projekt will dem Fußball in seiner historischen und aktuellen Dimension mit einem erlebnisorientierten Ausstellungsformat einen dauerhaft öffentlichen Raum geben." (Zitat DFB)

Wie das aussehen soll oder könnte, führt Triad/Berlin auch in einem Video vor, das hier leider nicht eingefügt werden kann. [Die Produzenten bieten diese Möglichkeit nicht an].

Sie finden es, wenn Sie auf das Bild oder den Link klicken:

Hier gehts zum Video

Video zum Ausstellungskonzept (*.mov, 11:23min, 81.19Mb!)

Gute Güte! Was die alles tun, um ein Ausstellungskonzept vorzustellen. Immerhin wird so deutlich, wohin die Reise gehen soll. Die Reise geht in Richtung eines wirklich multimedialen Museums mit interaktiven Inhalten. [Wenn auch das "Museum" mangels Sammlung und Forschung der aktuell gültigen Definition eines Museums nicht entspricht.]

Vielleicht wird das DFB-Fußballmuseum überhaupt das erste Museum Europas eines Typs, der zur Vermittlung seiner Inhalte Objekte und Devotionalien nur noch zum Anlass nimmt, die Besucher in atemberaubende Bilderfluten eintauchen zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass die daraus resultierenden Effekte zunächst große Begeisterung hervorrufen werden.

Doch!

Derartige Präsentationen haben den Nachteil, dass sie eine Menge Personal für die technische Wartung erfordern. Ein/zwei Projektionen, die nicht funktionieren und die Begeisterung weicht Enttäuschungen auf Seiten der Besucher. Da ist also tagtäglich viel zu tun. Denn wir alle wissen, dass Technik dauernd ausfällt. [Spontan fällt mir dazu Hameln ein.]

Gravierender scheint mir allerdings zu sein, dass derartige Präsentationen, darunter leiden, dass sie eigentlich schon zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung veraltet sind. Technisch, ästhetisch, in Teilen auch inhaltlich. Triad konzipiert 2010. Das Museum wird 2014 eröffnet. Wer weiß, was in den vier Jahren dazwischen noch alles erfunden oder gefragt wird. Wer weiß, was heute top und morgen schon flop ist? Triads Konzept von heute ist 2014 schon kalter Kaffee. Das ist jetzt schon absehbar.

Moderne, multimediale Präsentationen altern im Vergleich zu den "alten, herkömmlichen" Präsentationsformen schlecht und zwingen daher zur permanenten Erneuerung. Technisch wie auch inhaltlich. So gesehen, wird das DFB-Fußballmuseum spätestens nach fünf Jahren seine Besucher sehr viel weniger begeistern können als zum Zeitpunkt seiner Eröffnung. Dann schon muss es renoviert werden, um den spätestens zu diesem Zeitpunkt einsetzenden Besucherschwund auffangen zu können.

Weiß der DFB, weiß die Stadt Dortmund, was sie da auf die Reise schicken? Welche Folgekosten sie heute schon erzeugen? Ich wünsche es Ihnen sehr! Vor allem den Dortmundern.

Zum Ausstellungskonzept (rough&dirty)

Mittwoch, 14. Juli 2010

Schatten und Licht: Das Rheinische Landesmuseum Trier erprobt, wie man Museen spannender machen könnte

Schon seit Jahren frage ich mich, wann endlich mal ein Museum auf den Gedanken kommt, seine Exponate und Räume so ins Szene zu setzen, dass der Museumsbesuch zu einem wirklich nachhaltig wirkenden Erlebnis wird. Zu einem Erlebnis, das deshalb eines ist, weil es den Bedürfnissen der heutigen Museumsbesucher entgegenkommt. Einem, das Inhalte vermittelt, indem es die Menschen und Besucher Teil der Geschichte und der Präsentation werden lässt und sie mitreißt.

Nun endlich hat ein kulturhistorisches Museum den Mut, eine neue Form der Geschichtsvermittlung auszuprobieren. Das Rheinische Landesmuseum in Trier.

"Im Reich der Schatten"
©Rheinisches Landesmuseum Trier, Thomas Zühmer

Aus der Pressemitteilung:
"In Trier erwacht die römische Antike jetzt auf faszinierende Weise zu neuem Leben. Im Rheinischen Landesmuseum wurde am Dienstag erstmals das mediale Raumtheater „Im Reich der Schatten“ vorgestellt, das hier am 22. Juni seine Publikumspremiere feiert. Die Inszenierung zeigt auf überaus unterhaltsame Weise das Leben und Lieben im römischen Trier vor rund 2000 Jahren und nimmt die Besucher auf eine atemberaubende Zeitreise mit. Hochmoderne Technik verbindet sich mit Elementen aus Kino, Theater und Trickfilm zu einem mitreißenden Erlebnis für alle Sinne. Mit Peter Striebeck und Christoph Maria Herbst leihen zwei renommierte Schauspieler den Hauptrollen ihre Stimmen."

Einen ersten Eindruck dieser Inszenierung liefert das Video auf der Einstiegsseite zum "Reich der Schatten".

Da muss ich hin! Da will ich hin! Ich will sehen und fühlen, wie das auf mich wirkt. Ohne die Inszenierung gesehen zu haben, freue ich mich schon jetzt darüber, dass zumindest ein kulturhistorisches Museum in Deutschland diese Vermittlungsform anbietet. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass Trier in der Nähe Frankreichs liegt. Denn dort werden Projektionen schon seit Jahrzehnten dazu genutzt, Faszination für Geschichte zu erzeugen.

In den Pressetexten zum "Reich der Schatten" finden Sie Antworten auf fast alle Ihre Fragen zu diesem ungewohnten Format der Vermittlung musealer Inhalte.

Realisiert wurde diese multimediale Inszenierung übrigens von der Berliner Agentur Tamschick MEDIA+SPACE.

Futterkiste

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Kommentare

;-)
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Joern Borchert - 2012-05-02 22:40
Es ist heute der erste...
Da kann man Heinrich Heine zum Glück auch viel...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-05-01 11:06
Pardon, Herr Eschershausen
es hat etwas gebraucht, bis ich begriffen habe, dass...
Joern Borchert - 2012-03-15 03:43
Zitronenfalter
Und da man mit Schutzhandschuhen schlecht schreiben...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-03-13 14:27

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