Museen in Deutschland

Mittwoch, 16. Mai 2012

Andreas Blühm sucht die Weite

Wie schon seit Jahren zu erwarten, gibt Andreas Blühm seinen Direktorenposten im Wallraf-Richartz-Museum/ Köln auf, um demnächst in die Niederlande zurückzukehren und dort ein anderes Museum zu leiten: Das Groninger Museum.

Ein Interview dazu ist im Kölner Stadt-Anzeiger nachzulesen.

Source: ksta.de via Joern on Pinterest



Darin gibt er private Gründe als wesentliche Motivation für den Ortswechsel an. Doch wir alle wissen, dass es immer zwei Gründe gibt. Einen, der gut aussieht und einen, der wahr ist. Der schöne Grund: Seine Frau kommt aus Groningen. Der wahre Grund wird etwas damit zu tun haben, dass er es satt ist, mit den Kölner Schwierigkeiten zu kämpfen.

Nun erwartet ihn ein Museum mit einem Sammlungsbestand, der neben Kunst auch Artefakte der Archäologie, des Kunsthandwerks und vieles mehr beinhaltet. Ich bin gespannt, was er aus so einer heterogenen Sammlung macht. Ich bin mir aber ziemlich, dass es wieder großartig wird und das Groninger Museum erneut in die Champions-League der europäischen Museen aufsteigt.

Viel Luft, viel Raum, viel Sonne! Einen weiten Himmel wird Andreas Blühm in Friesland allemal finden. Mit großer Freude (und etwas Neid) gratuliere ich ihm also zu diesem Schritt.

Uns Museumsbesuchern wünsche ich nun zahlreiche Anreize, demnächst wieder einmal nach Groningen fahren zu MÜSSEN.

Samstag, 28. April 2012

Mindener Museum: Relaunch ohne Ausstellung?

Am 26.9.2012 soll das Mindener Museum wieder eröffnet werden, lesen wir im Mindener Tageblatt.

Ebenso lesen wir dort auch, dass es bislang kein Geld für die "inhaltliche Ausgestaltung" des Museums gibt. Damit ist wohl gemeint, dass es weder ein Gestaltungs- noch ein Vermittlungskonzept, noch Geld dafür gibt.

Wie bitte? Fünf Monate vor der Wiedereröffnung eines der ehemals bedeutendsten Stadtmuseen Westfalens ist nicht klar, was gezeigt werden soll, wer die Gestaltung übernimmt und wie das finanziert werden soll.

Ist das ein Scherz? Ich fürchte nicht.
Man zerschlägt ein Museum, das sich durch seine Inhalte ebenso wie durch seine Atmosphäre auszeichnete, ohne ein besseres, ja überhaupt ein Konzept zu haben.



Meynert, Koch und alle anderen dafür Verantwortlichen gehören für die rowdyhafte Zerstörung dieses kulturellen Erbes, ich meine das alte Mindener Museum, an den Schandpfahl auf dem Marktplatz. Und Volker Rodekamp darf man getrost daneben stellen. Er kennt seine Leichen im Keller des MiMu... Doch statt schamvoll zu schweigen, hat er die Zerstörung des Mindener Museums sogar als Präsident des Deutschen Museumsbundes noch unterstützt. Lasen wir im Mindener Tageblatt und wunderten uns.

Armes Minden!

Schon Heinrich Heine erschrak, als er Minden besuchte:

"Minden ist eine feste Burg,
Hat gute Wehr und Waffen!
Mit preußischen Festungen hab ich jedoch
Nicht gerne was zu schaffen.

Wir kamen dort an zur Abendzeit.
Die Planken der Zugbrück' stöhnten
So schaurig, als wir hinübergerollt;
Die dunklen Gräben gähnten. [...]
Das ganze Gedicht: Hier.

Heute muss das Gedicht wohl eher mit diesen Zeilen beginnen:

"Minden ist eine arme Stadt,
voll Doofen und von Affen."

Ich befürchte Schlimmstes für die Zukunft des MiMu: eine politisch korrekte Ausstellung, ohne Fehl und Tadel, aber auch ohne Trachten, Spinnräder oder Mammutschädel und andere nicht mehr zeitgemäße Exponate, das Kaiserreich und den Nationalsozialismus korrekterweise verdammend, gestaltet von dem Architekten, der den Umbau realisiert hat. Ein Museum der geraden Linien. Ein billiges Museum. Kein Museum, dass so begeisternd wirken könnte, wie das alte. Clean, abwaschbar, behindertengerecht: ein dreidimensionales Lehrbuch ohne Esprit wie vielerorts. Vor allem aber ohne die Atmosphäre, die vor Jahren auch weitere Anreisen nach Minden lohnend erschienen ließ.

Wenn dann die Besucher ausbleiben, dann wird aus den Häusern an der Ritterstrasse halt ein Hotel mit Wellnessbereich oder das Businesscenter "Old Minden" für junge Start-ups. Is ja auch schön, gelle.

Wo sind denn eigentlich die Mindener Kulturmenschen? Haben Sie keine Meinung zu diesem Trauerspiel? Oder gibt es in Minden niemanden mehr, der noch ein Gefühl für Kultur hat?

Der Artikel im MT


P.S.: Die Kulturferne der Kulturverantwortlichen gruselt mich zunehmend mehr. Geht's denn wirklich nur noch um Geld und Karriere?

P.P.S.: Sorry, Joachim. Bau Kultur auf, statt sie sie niederzumachen! Wie ihr mit dem MiMu umgegangen seid, ist so dumm, dass man vermuten muss, dass es nicht nur Sparzwänge waren, die Euch zu seiner Zerstörung bewogen. Schliesslich gibt es auch Leute, die von dieser Zerstörung finanziell profitieren oder politisch etwas davon haben. Es gibt viele Männerbünde, die Unheil anrichten und vieles zu ihren Gunsten wenden. Sogar "Sparzwänge".

Freitag, 14. Oktober 2011

Das Militärhistorische Museum in Dresden ist eröffnet

Sonntag, 11. September 2011

Klein und fein: Das Siebengebirgsmuseum in Königswinter

Letzte Woche wurde das Siebengebirgsmuseum in Königswinter wieder eröffnet.

Empfangen werden die Besucher von netten Damen an der Kasse und einem wahrhaftig beeindruckendem Panorama aus der Kamera des bekannten Fotografen Axel Thünker.

Panorama von Axel Thünker

Die den Charme des alten Museums mochten, werden im weiteren Verlauf ihres Besuchs womöglich etwas wehmütig. Offen gestanden: Ich auch. "Ey, Papa. es gibt doch noch eine Treppe, die knarrt." Mit diesen Worten versuchte mein 10-jähriger Sohn mich zu trösten.

Esel

Ja, ich finde es schade, dass die alte Heimseligkeit verloren ist. Nur bin ich nicht das Maß der Dinge und muss anerkennen, dass meine Begeisterung für antiquierte Museen und die von mir favorisierte Dachbodenatmosphäre in den kleineren Museen nur von wenigen geteilt wird. Ich freue mich aber sehr, wenn sich eine Gemeinde so sehr für sein Museum interessiert, dass sie es ausbaut, statt es zu schließen. Wenn sie ihrer Geschichte eine Zukunft gibt.

Und ich gebe auch gerne zu, dass Museen vor allem den Bedürfnissen ihres Zielpublikums entsprechen sollten.

Nach wie vor hat das Haus Charme. Es wirkt nun lockerer, frischer, und leichter als vor der Neugestaltung. Der Charme seines Leiters ist auf das Haus übergesprungen. Ohne Zweifel!

7G-tom-hoert-texte-IMG_7908

Interaktive Installationen machen es auch für Menschen interessant, die jünger als 60 Jahre sind. Und dass es nun auch als Veranstaltungsort für öffentliche und private Veranstaltungen zu nutzen ist, finde ich nicht weniger sympathisch.

Am meisten aber freute mich, dass mein Sohn, der Museen sehr skeptisch gegenüber steht, eine Stunde im Siebengebirgsmuseum verweilte, ohne zu murren. Weil er was zu tun bekam...

Dank dafür!

Nachtrag: Gar nicht gefallen hat mir, dass
man im Museum (fast) nicht fotografieren darf.
Darüber sollte man noch einmal nachdenken.


Mehr:
Der General-Anzeiger berichtete über die Neueröffnung.

Die Homepage des Siebengebirgsmuseum (Da ist noch was zu tun!)

Ausstellungsgestaltung: Dr.
Ulrich Hermanns

Dienstag, 2. August 2011

Yesterday's Future: Gefunden in den Katakomben des Deutschen Museums

Jürgen Scriba be- und untersuchte mit fotografischen Mitteln die Depots des Deutschen Museums in München. Um das zu sehen, was in ein paar Jahren, dort präsentiert werden wird.

aus dem Depot des Deutschen Museums in Muenchen

Dabei entstanden nicht nur viele banale Fotos, eine Ausstellung und ein Buch, sondern auch eine höchst bemerkenswerte, weil interessante Website, die beweist, dass auch mit Fotos, die sicher keinen Fotopreis gewinnen, interessante Geschichten aus dem Untergrund unserer Museen erzählt werden können.

Aus dem Vorwort zu Scribas "Zeitbergwerk":

"Meine Ausflüge führten in ein surreales Zwischenreich: Während Besuchermassen in den Ausstellungsräumen imposante Dampfmaschinen bewundern oder sich von künstlichem Blitz und Donner in Erstaunen setzen lassen, horten Archivare in den menschenleeren Kellern des Museums, was dereinst Zeuge unserer Zeit sein könnte.

Vom Inventarisierungs-Etikett geadelt, reifen banale Gebrauchsgegenstände zu wertvollen Exponaten heran – in einem lautlosen Transformationsprozess gerinnt hier Gegenwart zu Geschichte.
So entstanden – nicht selten rätselvolle – Stillleben von Gegenständen aus einer Zeitzone des Übergangs vom Jetzt zum Einst, einer bizarren Welt, die dem normalen Museumsbesucher verborgen bleibt."

Yesterday's Future - eine Website - gut gedacht und gemacht.

Wer's lieber live mag: Die Fotoausstellung ist in der Sonderausstellung „ Geliebte Technik der 1950er Jahre – Zeitzeugen aus unserem Depot“ bis voraussichtlich Ende 2011 im Deutschen Museum zu sehen. Ob die besser ist als der Webauftritt? Kann ich mir kaum vorstellen.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Besuch im Ruhr Museum

Ein beeindruckendes Gebäude:

Boah - Was für'n Bau

Eine Rolltreppe, die Freude macht:

So wir man gerne empfangen!

Ein schönes Treppenhaus:

Wow! Wie schön!

Schon auf den ersten Metern macht das Ruhr Museum Freude. Der Bau ist einfach überwältigend. Schön? Interessant? Brutal? Arrogant? Von allem etwas.

Dieses Museum lebt vor allem von seiner Hülle. Es dürfte sehr schwer möglich sein, darin eine Ausstellung zu realisieren, von der nicht alle Besucher begeistert sind.

Auch wir waren begeistert.

Gut, der Beginn der Ausstellung könnte etwas spannender sein. Ein heftiges Bildergewitter prasselt auf die Besucher ein, das vor allem die Nicht-Eingeborenen etwas überfordert und nicht gerade Lust auf mehr macht. Das ist etwas ungeschickt. Doch immerhin - ein paar Bilder vom Fußball - und wir sind wieder glücklich.

Nicht grandios. Aber ansprechend.

Gefolgt von einem Musée sentimental des Ruhrgebiets. Mit Objekten von der Urzeit bis heute - und Geschichten von Dingen und Menschen, die Interesse wecken und schon mehr Laune machen.

Musee sentimental

Dieses Museum lebt von Kontrasten. Alt-neu, bunt-grau, kantig-rund, Gold-Beton und vielen weiteren Kontrasten, die den Besuchern fortlaufend Eindrücke gewähren, die sie in anderen Museen niemals bekommen werden. Das macht den Besuch des Ruhr Museum zu einem einzigartigen Erlebnis. Ohne Zweifel!

Antike trifft Industrie
Wunderschön vor den Betonwänden

Enttäuschend allerdings, dass auch das neue Ruhr Museum es nicht hinbekommt, archäologische Themen so aufzubereiten, dass Faszination an ihnen aufkommen könnte.

Noch langweiliger geht es kaum
Puuuh!
So erzeugt man kein Interesse!

Wann endlich sehe ich in einem Museum mal eine Präsentation, die auch meiner Frau und meinem Kind klar macht, dass die Entwicklung vom Faustkeil zur Klinge eine der ersten technischen Revolutionen darstellte und das Leben der Menschen ganz entscheidend verändert hat. Mir ist auch klar, dass diese Revolution nicht leicht zu visualisieren ist. Aber man könnte ja mal wenigstens den Versuch einer adäquaten Umsetzung wagen. Topf an Topf und Stein an Stein ist einfach nur bloßer Stumpfsinn und eine Beleidigung der Besucher. Pardon! Das geht besser! Der Geissler-Volker hätte da sicher bessere Ideen gehabt!

Noch ein kritischer Punkt: Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir im Ruhr Museum auch etwas über den Bergbau erfahren würden. Nicht zuletzt über die Arbeit Unter Tage. Haben wir dieses Thema übersehen? Kommt es nicht vor? Oder reicht es, dass es in Bochum das Bergbaumuseum gibt? Ich finde, die Arbeit der Bergleute hätte durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit in diesem Museum verdient. Gerade in diesem Museum!

Ebenso waren wir auch etwas irritiert, dass das Gebäude als Arbeitsort und Ort der Kohleaufbereitung kaum ein Thema ist.

Die sehr bescheiden daher kommenden Blöcke, die man erst spät wahr nimmt und eigentlich eher der Orientierung im Gebäude dienen sollen, sind da keinesfalls ausreichend.

Auf welcher Ebene des Gebäudes befinde ich mich eigentlich?

So kritisch meine Worte klingen, so sehr kann ich Ihnen einen Besuch im Ruhrmuseum empfehlen.

RuhrMuseum1

Wir (2 Erw., 1 Kind) waren etwa drei Stunden dort. Noch nie waren wir in dieser Kombination so lange in einem Museum und noch nie gähnten meine Familienmitglieder so selten in einem Museum. Das Ruhr Museum ist also eine Empfehlung wert!


PS: Die aktuelle Wechselausstellung:

So ist das nicht gut! Viel zu viele Bilder.
Viel zu viele Fotos. Viel zu viele kleine Fotos. Viel zu wenig Ausstellungsdramaturgie. Einfach nur hunderte von Fotos auf die Wand genagelt. Schade um die schönen Fotos. Auch da könnte man etwas kreativer werden...

PPS: Könnte noch etwas kinderfreundlicher werden. Manche Dinge können Kinder einfach nicht sehen, weil sie ungeschickt installiert sind bzw. Trittstufen fehlen.

Freitag, 13. Mai 2011

IP Vogelsang: Nun geht's los

Dieser Tage präsentierte die "vogelsang ip gemeinnützige GmbH" die Wissenschaftler und Ausstellungsgestalter, die dafür sorgen sollen, dass die Geschichte der Ordensburg Vogelsang so aufbereitet wird, dass sie aktuellen wissenschaftlichen Standards und den Rezeptionsgewohnheiten des heutigen Publikums entspricht.
"Die Ankerausstellung wird 2014 auf zwei Etagen im Westflügel des Forums eröffnet. Sie erstreckt sich auf zirka 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die „Burgschänke“ und der „Kultraum“ werden als gesonderte „Exponaträume“ des Gebäude-Komplexes der ehemaligen NS-„Ordensburg“ präsentiert. Zusätzlich werden im Gelände mehrere Informationspunkte das dezentrale Ausstellungskonzept ergänzen."

Für die Inhalte ist ein Team unter Leitung von Professor Edgar Wolfrum/Universität Heidelberg verantwortlich. Die Ausstellungsgestaltung besorgen Nina Holsten und Ika Gerrard von den Graphischen Werkstätten Feldstraße Hamburg [Das freut mich besonders: Gruß an Simone W.!] sowie Charlotte Kaiser vom Büro Kaiser Matthies Berlin.

Budget: 3 Millionen Euro
Eröffnung: 2014

Toi -Toi - Toi

Donnerstag, 21. April 2011

Kein Gerücht: Freier Eintritt und Katalog für Blogger

"Wie war das eigentlich damals, als es das Web 2.0 noch nicht gab?
Museum für Kommunikation sucht Blogger!

Wir wollen Bloggern einen Einblick in die Geschichte der Kommunikation geben und dazu einladen, über aktuelle Entwicklungen und die Zukunft der Informationsgesellschaft nachzudenken.

Wie hat sich die Technik verändert? Was hat Kommunikation mit Macht zu tun und inwiefern beeinflusst das Web 2.0 die Verteilung dieser Macht? Wie könnte die Zukunft des Internets aussehen?

Blogger können sich bei freiem Eintritt einen Eindruck vom Museum und von unseren Ausstellungen verschaffen. Zusätzlich bekommen sie von uns einen Ausstellungskatalog, in dem man zuhause noch ein wenig schmökern kann. Blogger werden gebeten, sich über Twitter oder Facebook zu melden und einen Termin mit uns zu vereinbaren."

Quelle:MfK

Meines Wissens ist das Museum für Kommunikation Berlin, das erste Museum in Deutschland, das aktiv an Blogger herantritt, um sie in seine Marketingaktivitäten einzubinden.

Ich finde, das ist eine sehr gute Idee und wundere mich, warum das nicht mehr Museum machen. Der Nutzen dürfte größer sein als die entgangenen Eintrittsgelder.

Muss ne gute Ausstellung sein.

Übrigens die Ausstellung "Gerüchte" (made by Museum für Kommunikation/Bern), kann noch bis zum 3. Juli besucht werden.

Aufmerksam wurde ich auf diese Aktion durch den medienleiter, der die Ausstellung besucht und sich sehr gefreut hat, dass "Storytelling" den Inhalt der Ausstellung ausmacht. Wer hätte das gedacht? - Nee, auf die Rezension zu dieser Ausstellung können sich die Macher schon was einbilden. Sie macht Lust, dieses Museum mal wieder zu besuchen.

Blogger nutzt das Angebot und schenkt Euch ein paar gute Stunden.

PS: Gute Grüße an Veit D.!

Sonntag, 17. April 2011

Mein Besuch im Willy-Brandt-Forum in Unkel am Rhein

Die Saison ist eröffnet! Bei schönstem Sonnenschein ging's heute nun endlich mit den Rädern mal wieder nach Unkel. Dieses Mal stand nicht das Eis an erster Stelle, sondern das Willy-Brandt-Forum. Wie angekündigt.

Arbeitszimmer von Willy Brandt
Sein Arbeitszimmer: Im Zentrum der Ausstellung

Um es vorwegzunehmen. Ohne jeden Zweifel steigert das Forum die Attraktivität des Ortes ganz erheblich. Jetzt gibt es da nicht nur schöne Gassen, hübsche Häuser und schöne Gärten zu bewundern - jetzt gibt es da auch so etwas wie einen kulturellen Mittel - und Höhepunkt, der Unkel einige zusätzliche Fans bescheren dürfte.

Der Willy und die Welt

Unverkennbar ist, dass sich das Willy-Brandt-Forum an den Präsentationsweisen des Haus der Geschichte (HDG) in Bonn orientiert. Inclusive der "Hörknochen", die in Unkel allerdings sehr viel eleganter sind als im HdG. Die Besucher und Unkel können sich also darüber freuen, dass der Ausstellungsdirektor des HdG in Unkel wohnt und dort Mitglied des wissenschaftlichen Beirats ist.

Vitrine-im-Eingangsbereich

Den Machern des Museums ist es so gelungen, auf etwa 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein dichtes Bild vom Leben und Wirken Willy Brandts zu zeichnen uns spannend näher zu bringen. Dass es da viel zu lesen gibt, liegt in der Natur der Sache.

Es gibt da viel zu lesen. Aber in diesem Umfang ist das ok.

Dennoch kommt zu keinem Zeitpunkt des Ausstellungsbesuches Langeweile auf. Der Gestalter der Ausstellung, Jan Fiebelkorn, versteht offenbar das Spiel mit Exponaten, Fotos, Texten, Filmen und das der Dramaturgie.

Zugegeben: Zwischendurch, in einem Raum, da wird die Luft etwas dünne. Das kann passieren. Neben einem Werk des höchst geschätzten Ernst Volland, Willy mit Gitarre und Entwürfen zur Ausstellung gibt's da auch leere Rahmen. Offenbar eine Lücke in der Planung. Vielleicht eine produktive Lücke. Eine, die die Macher dazu anregt, am Projekt dran zubleiben und es weiter zu denken?

Oma erklärt Enkel Willy Brandt und seine Bedeutung

Neben den wichtigen Punkten aus der politischen Karriere Willy Brandts kommen auch immer wieder solche aus seinem Privatleben zur Darstellung. Besonders konzentriert im Keller des Ausstellungsgebäudes, wo geschickt das Inventar der ehemaligen Sparkasse genutzt wurde. Da lernen wir dann auch, dass Weinbrand-Willy eigentlich eher gute Rotweine bevorzugte.

Willy Brandt persönlich

Und ganz am Ende können die Besucher dann auch noch einen Gruß versenden. Per Mail. In alle Welt. Ich hab's probiert:

Meine Mail aus Unkel

Möge meine Nachricht angekommen sein, dass ich saugut finde, was die Unkeler da auf die Beine gestellt haben. Das soll ihnen erst mal eine andere Gemeinde dieser Größenordnung nachmachen...

Fahren Sie nach Unkel, freuen Sie sich über dieses Angebot - und denken Sie vor allem darüber nach, was Sie in Ihrer Gemeinde tun können, um sie noch attraktiver zu machen. Da gibt es viele Möglichkeiten! Es muss ja nicht gleich ein Museum sein. Manchmal reicht auch ein Café.

Montag, 21. März 2011

Das Willy-Brandt-Forum in Unkel am Rhein

Stalin hat eins, Nixon hat auch eins, Mitterand irgendwie auch, Charles de Gaulle sowieso. Kohl und Gorbatschow werden auch eins bekommen.

Diese Woche bekam erst einmal Willy Brandt eins. Ein Museum.

Willy Brandt muss Kanzler bleiben!

Weil Museen heute aus Gründen des Marketing nicht mehr Museen heißen sollten, nennen die Macher es "Willy-Brandt-Forum".

Was auch immer die Macher dachten, ich bin sehr gespannt, was sie aus Willy herausgekitzelt haben. Weinbrand und seine Beziehungen zum weiblichen Geschlecht sowieso. Bestimmt wird das thematisiert. Aber auch etwas, was uns heute noch was sagt? Was politisch Relevantes?

Ich bin gespannt und freue mich wieder einmal auf Unkel, die Perle in der Bonner Bucht.

Der Ausflug dorthin lohnt immer. Allein schon wegen der Eisdiele gegenüber Willys Forum.

Mehr:

Kultur in Bonn

Google-News

Futterkiste

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Kommentare

;-)
;-)
Joern Borchert - 2012-05-02 22:40
Es ist heute der erste...
Da kann man Heinrich Heine zum Glück auch viel...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-05-01 11:06
Pardon, Herr Eschershausen
es hat etwas gebraucht, bis ich begriffen habe, dass...
Joern Borchert - 2012-03-15 03:43
Zitronenfalter
Und da man mit Schutzhandschuhen schlecht schreiben...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-03-13 14:27

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