Geld machen

Mittwoch, 25. April 2012

Lug und Trug im Kunstbetrieb

Dieser Tage veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung die unschöne Geschichte eines angeblich von Josef Albers stammenden Gemäldes, das 1995 von der Düsseldorfer Galeristin Karin Fesel für 147.000 DM (!) an den Sammler Wolfgang Händel verkauft worden war.

Der damalige Direktor des Bonner Kunstmuseums, Dieter Ronte, sorgte dafür, dass es 1997 als Leihgabe in das von im geleitete Haus gelangte. So weit, so gut.

1999 erfuhr er von der "Josef and Anni Albers Foundation", dass das betreffende Werk eine Fälschung sein müsse. Sofort liess er es abhängen und übergab es seiner damaligen Freundin Karin Fesel zu weiteren Überprüfung. Die läßt das Bild vom Doerner-Institut in München checken und erhält ebenfalls die Auskunft, dass es sich zweifelsfrei um eine Fälschung handelt.

Von alledem erfährt der Leihgeber nichts, als man es ihm Jahre später angeblich kommentarlos wieder aushändigt.

Geadelt durch die Präsentation im Bonner Kunstmuseum wird es 2010 anlässlich der Art Cologne auf einen Wert von ca. 950.000 Euro taxiert. Auf etwa das zwölffache der ursprünglichen Kaufsumme!

Heinz Liesbrock, Direktor des Museums Quadrat Bottrop, machte die Polizei auf das dort ausgestellte Werk aufmerksam, die es sofort beschlagnahmte.
Weder der Händler noch der Besitzer des Werkes wussten von den Rechercheergebnissen Rontes und Fesels, sagen sie.
Auch ich frage mich, warum Ronte es nicht schon 1999 dem Kunstbetrieb entzog.

Ich erinnere mich an Werner Spies und seine Rolle im Kunstfälscherskandal. An Kasper König und die Ausstellung von Werken aus seiner eigenen Sammlung im Museum Ludwig. Nun tritt der ehemalige Direktor des Bonner Kunstmuseums unrühmlich an die Seite der ehemaligen Geschäftsführung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland.

Darf man denn gar kein Vertrauen mehr in die haben, die einen guten Ruf geniessen? Ja, ist der "gute Ruf" womöglich gar ein Indiz für Mauscheleien, Schiebereien und andere Machenschaften, die uns allen Schaden zufügen? Wir Besucher sind lediglich die Masse, die dafür sorgt, dass der Kunsthandel blüht. Es geht nicht um unser Vergnügen, sondern um Gewinnaussichten von Sammlern, Galeristen und - hoffentlich viel seltener, als ich vermute - auch um die Nebeneinkünfte von Museumsdirektoren.

[Wieso denke ich gerade an die Elite-Gymnasien und die Missbrauchsfälle dort? ]

Augen auf! Und - Museumsmitarbeiter - petzen, was das Zeug hält! Um Schlimmeres zu verhindern.

Die ganze Geschichte, wohlformuliert bei der SZ.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

So gedenkt der STERN Loki Schmidt: Gewinnen Sie eine Flasche...

Ich empfinde solche Internetseiten als außerordentlich geschmacklos:

Nachruf des Stern zum Tod von Loki Schmidt

Wenigstens beim Gedenken an die Toten könnte man doch mal kurz innehalten und auf den Rubel verzichten, oder nicht?

Gefunden in der Online-Ausgabe des Stern vom 21.10.2010

Freitag, 23. April 2010

cauSales - Das Magazin für Kulturmarketing und Kultursponsoring

Bei dieser Zeitschrift geht's nur um Kohle in der Kultur:

"Mit dem Informationsdienst cauSales. Das Magazin für Kulturmarketing und Kultursponsoring betreibt die Agentur Causales eine weitere Markt- und Kommunikationsplattform mit Alleinstellung im deutschsprachigen Raum. Das vierteljährlich erscheinende Onlinemagazin informiert Entscheidungsträger aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Medien, Agenturen und Kulturmanagement-Studierende in interessanten Fachbeiträgen und Interviews von und mit namhaften Experten über aktuelle Trends im Kulturmarketing. Übersichten zu branchenrelevanten Vorträgen, Tagungen und Fortbildungen sowie personelle Neubesetzungen im Marketing- und Sponsoringbereich in Wirtschaft und Kultur schaffen Markttransparenz.

Blättern Sie jetzt kostenfrei auf dem Branchenportal www.kulturmarken.de durch die aktuelle Ausgabe: Lassen Sie sich von den erfolgreichsten Kulturkampagnen inspirieren und finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Themen Kulturmarketing und Kultursponsoring auf einen Klick. Selbstverständlich steht cauSales. Das Magazin auch als kostenloses Pdf für Sie zum Download bereit!"


Ich mag den Tonfall nicht besonders. Aber das ist mein Geschmack. Ihnen gefällt er vielleicht. Warum auch nicht?

Bei aller Kritik: mal reinschauen! Da steht viel Interessantes drin. Auch für Museologen.

Zur jüngsten Ausgabe von cauSales: HIER

Dienstag, 9. März 2010

Deutsches Historisches Museum: "Macht zeigen", Studenten missbrauchen und sparen

Das Deutsche Historische Museum in Berlin, sicher keine ohn- oder unmächtige Institution, schließlich handelt es sich um das nationale Geschichtsmuseum der Bundesrepublik Deutschland, wenn nicht um das Deutsche Nationalmuseum, nutzt seine Stellung, um nun das zu tun, was die Museen in der Provinz auch tun. Es spart. Hemmungslos, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne sich seiner Vorbildfunktion bewusst zu sein!

Während die Provinzmuseen sich vielerorts kaum noch Wechselausstellungen leisten können, die nicht von Studenten, Praktikanten oder anderen unbezahlten Kräften realisiert werden - wofür viele, auch dumme Gründe genannt werden - setzt nun auch das mächtigste unserer Bundesmuseen ein Zeichen und macht es ebenso.

Mit einer Ausstellung, deren Ausstellungstitel in diesem Kontext an Zynismus kaum noch zu überbieten ist. Ihr Titel: "Macht zeigen - Kunst als Herrschaftsstrategie". Warum ich den Titel als zynisch empfinde. Nun, weil die Ausstellung von Studenten der HfG Karlsruhe unter Leitung von Wolfgang Ullrich konzipiert, kuratiert und auch gestaltet wurde und bei dieser Gelegenheit herrschaftsstrategisch ebenso klug wie deutlich asozial die aus der Not geborenen Vorgehensweisen kleiner Museen nun auch beim größten der Nationalmuseen Deutschlands eingeführt werden. Das Prekariat als Hofnarr. ("Wenn das die Kanzlerin wüsste....;-)

Statt ein Zeichen zu setzen und den Studenten der Kulturbranche (vom Designer bis zum Historiker) eine Perspektive zu geben, macht es auf billig und lässt sich von Studenten für praktisch lau eine Ausstellung produzieren. Studenten kosten nix und sind sehr engagiert. Das schont den Etat und so ein Projekt kann man zudem noch dazu als hervorragende Einführung in die Praxis anpreisen. Zumindest in Karlsruhe wird diese Ausstellung als vorbildliche Kooperation und Einführung in die Praxis verkauft. Doch was für eine Praxis ist das? Kein Wort darüber, dass Studenten auf diese Weise verführt wurden, ihren eigenen Sarg zu zimmern, indem sie das Tätigkeitsfeld, in dem sie später einmal ihre Brötchen verdienen wollen, höchst engagiert und fantasievoll selbst kaputt zu machen.

Denn warum braucht es eigentlich noch Ausstellungsdesigner, freie oder fest angestellte Historiker und Kuratoren, wenn es doch ebenso gut mit Studenten, Praktikanten, angestiftet und verleitet von Professoren, geht? Während die Professoren - bestens alimentiert! - ihren guten Ruf dadurch vermehren können, wird sich das Gros der Studenten, die an diesem Projekt mitwirkten, in 10 Jahren fragen, wie doof sie eigentlich heute waren, dass sie ihr Tätigkeitsfeld ohne Not selbst zerstört und so ihre Zukunft oder gar eine Familiengründung praktisch unmöglich gemacht haben. Nicht jeder Professor sorgt sich um die Zukunft seiner Studenten - seine eigene ist ihm oft näher - und offenbar macht die Hochschulreife nicht immer reif fürs Leben, sondern eben nur für das Hochschulwunderland mit all seinen wunderbaren Verlockungen, denen zu widerstehen, schwer fällt. Klar doch! Noch zahlt ja der stolze Papa, keiner sorgt sich und meckern tut auch niemand. Doch wer zahlt, wenn Papa tot ist?

Ebenso bedenkenswert finde ich, dass Peter Sloterdijk einer der Festredner zur Eröffnung dieser Ausstellung war. Ihm hätte ich mehr Überblick zugetraut. Aber für Geld und Einfluss macht auch der wohl alles.

Der Hofnarren gibt es in diesem Staat viele. Viel zu viele. Es ist an der Zeit, dass die Narren wieder etwas ernsthafter und selbstbewusster werden und Menschen auf den Plan treten, die der Ausbeutung von Menschen in Ausbildung zu Ungunsten der Allgemeinheit Einhalt gebieten. Die Herren und Damen des Hofes sollten das leisten!

Mir macht das Angst.

Herr Ullrich, Ihnen nicht?

Mittwoch, 27. Mai 2009

Master werden mit Kunst und Kohle

"In einem einzigartigen Pilotmodell kooperieren die Fächer Kunstgeschichte und BWL der Heinrich-Heine-Universität und bieten ihren Masterstudierenden einen Schwerpunkt im Bereich der Kunstvermittlung an. Kunsthistoriker lernen BWL, BWLer Kunstgeschichte und alle gemeinsam den heute aktuellen Umgang mit Kunst und Kultur. Studierende beider Fächer profitieren von dem neuen Angebot. Die Kooperation mit der Kunstgeschichte sichert den BWLern den Blick auf die inhaltlichen und ästhetischen Aspekte des Kunst- und Kultursektors, die Kunsthistoriker wiederum lernen Grundlagen der BWL, ohne die es auch im Kunst- und Kultursektor nicht geht."
Mehr darüber bei idw und natürlich auf den Seiten der Heinrich-Heine-Uni/Düsseldorf.

Super!

Donnerstag, 22. Januar 2009

Geld muss rollen oder wie Wörgl es schaffte, die Weltwirtschaftskrise auszutricksen

Wie der Bürgermeister von Wörgl (zwischen Innsbruck und Salzburg) das Sparen unattraktiv machte und die Wirtschaft seines Ortes 1932 mit "Arbeitswertscheinen", die jeden Monat 1 % ihres Wertes verloren, wieder ans Laufen brachte und so die Arbeitslosenquote innerhalb kürzester Zeit um 25% senken konnte, das beschreibt Annika Franke in ethmundo. Ob das alles so stimmt, weiß ich nicht.

Geschichte kann sehr aktuell sein.

Dienstag, 9. September 2008

Arp-Museum: Geschacher um postume Nachgüsse

Offen gestanden verstehe ich nicht, warum man ein Symposium veranstalten muss, um die Frage zu klären, was davon zu halten ist, wenn Skulpturen nach dem Ableben eines Künstlers nachgegossen werden. Nichts ist davon zu halten.

Oder was halten wir davon, wenn geniale Handwerker in China die Meisterwerke unserer abendländischen Alten Meister und die Gemälde van Goghs, Monets und andere Kunstwerke so gut kopieren, dass wir mit bloßem Auge keinen Unterschied mehr zum Original feststellen können?

Die Veranstalter des Symposiums klären uns in der Tagungsankündigung darüber auf, dass postume Güsse keine Nachgüsse seien. Nu ja.

Schon in wenigen Monaten soll eine umfangreiche Publikation zur Dokumentation des Symposiums erscheinen. Vermutlich steht nicht darin, dass von postumen Güssen abgesehen werden sollte, weil sie schlicht und ergreifend nicht vom Künstler, dem Urheber beeinflusst wurden und somit schlichtweg eine Authentizität vorgaukeln, die nicht existent ist. Schlichte Gemüter, wie ich nennen solche Objekte eine Fälschung. Prof. Gerhard Pfennig nennt es Reproduktion und gewann selbst mit dieser Formulierung keine Freunde in Rolandseck.

So, jetzt aber Schluss. Eine Tasse Kaffee. Dabei denke ich darüber nach, wann wohl der erste Maler testamentarisch verfügen wird, dass seine Gemälde postum nachgemalt werden dürfen? Zum Beispiel in China. Tsss...

Mehr zum Arp-Symposium:

+ General Anzeiger/Bonn
+ Wiesbadener Tageblatt

Sonntag, 27. Juli 2008

Bayreuth virtuell - Hochkultur via Internet

Dass die Bayreuther Festspiele eher etwas für die besser Betuchten sind, ist bekannt. Dass man nur durch persönliche Kontakte zu den Mitwirkenden beziehungsweise erst nach sehr langer Wartezeit eine Karte bekommt ist auch nicht neu.
Neu ist aber, dass man nun, so man denn auf Richard Wagner steht, nicht mehr nach Bayreuth reisen muss, um sich dort die Aufführung der "Meistersinger von Nürnberg" anzuschauen und anzuhören. Denn die heutige Vorstellung (27.7.2008) gib es per Live-Stream auch via Internet. Vorausgesetzt Sie benutzen den Internet Explorer als Browser und sind bereit 49 Euro dafür zu bezahlen, nicht wirklich da zu sein. Um das Geschäft weiter anzukurbeln, behaupten die Veranstalter, dass es auch für diese Karten nur ein limitiertes Kontingent gäbe.

Geschäftstüchtig waren sie schon immer, die Wagners. Diese Form der angeblichen Hochkultur per Internet allen Musikinteressierten möglichst kostengünstig zugänglich zu machen, liegt da natürlich nicht im Zentrum ihres Interesses. Hochkultur ist offenbar nur Hochkultur, wenn Sie nur denen zugute kommt, die über ein hohes Einkommen verfügen. Doof! Oder?

Mehr Informationen hier.
Nachtrag:
Dazu sollte man unbedingt auch Elke Heidenreichs Bayreuther Visionen lesen, die in der FAZ erschienen.
[Gefunden beim Kulturblogger]

Donnerstag, 15. Mai 2008

Fundraising mit ebay

top lots uk culture on ebay

In Kooperation mit ebay veranstaltet die Association for Independent Museums (AIM) nun zum zweiten Mal eine Auktions-Aktion, die dazu dient, den Museen, historischen Gebäuden und anderen Einrichtungen, die zum kulturellen Erbe des Königreichs gehören, etwas Geld in die Kasse zu bringen. Großen wie kleinen Häusern. Bei der ersten Aktion dieser Art spielte Top Lots im letzten Jahr etwa 30.000 Pfund ein.

Heute startete die zweite Aktion, die bis zum 15. Juni läuft. Ersteigert werden können unter anderem Karten für einen VIP-Abend mit Vivienne Westwood und 900 anderen Gästen, ein Blick in die verborgenen Winkel des Tower of London, Kuratoren-Touren oder auch eine Fahrt in einem britischen Panzer des Zweiten Weltkriegs. Und wenn Sie musikalisch sind, dann können Sie darauf bieten, eine halbe Stunde auf der Orgel der St. Paul's Cathedral spielen zu dürfen. Mindestgebot: 2000 Pfund.

Falls Sie neugierig sind, was Sie in den nächsten Wochen noch alles ersteigern können, dann schauen Sie einfach bei Top Lots vorbei. (Eine Fahrt in einem deutschen Panzer des Zweiten Weltkriegs gehört auch dazu. Naja.)

Hier geht's zu den momentan laufenden Auktionen der AIM bei ebay.
(Stand 15.Mai)

[gefunden bei emuseu]

Samstag, 1. März 2008

Einfache Ideen sind gute Ideen

Mir war bisher kein Museum bekannt, dass Jahreskarten als Geschenkgutschein über eine Handelskette vertreibt. Das Musée du Quai Branly tut es via FNAC.

Das berichtet Diane, die Autorin von Buzzeum, dem bestem Blog zum Museumsmarketing in Europa.

Wie wäre es, wenn der Deutsche Museumsbund und die ihm angeschlossenen Museen einen Geschenkgutschein als Jahreskarte für alle deutschen Museen in öffentlicher Trägerschaft via Aldi, Tchibo, Plus etc. anbieten würden? Eine Flatrate für alle Museen? Oder für ein einzelnes Museum. Lässt sich - nebenbei - auch medial gut vermarkten.

Futterkiste

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Kommentare

;-)
;-)
Joern Borchert - 2012-05-02 22:40
Es ist heute der erste...
Da kann man Heinrich Heine zum Glück auch viel...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-05-01 11:06
Pardon, Herr Eschershausen
es hat etwas gebraucht, bis ich begriffen habe, dass...
Joern Borchert - 2012-03-15 03:43
Zitronenfalter
Und da man mit Schutzhandschuhen schlecht schreiben...
Wilhelm Eschershausen (Gast) - 2012-03-13 14:27

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