Dienstag, 23. August 2011

Kasteel Amerongen/NL: Da lebt Geschichte

Vor ein paar Wochen habe ich hier schon darauf hingewiesen, dass es sich lohnen könnte, das Kasteel Amerongen zu besuchen. Gerade einmal fünf Kilometer neben der Autobahn zwischen Utrecht und Arnheim gelegen, bot es sich also an, auf der Heimreise aus dem Urlaub hier einen Zwischenstop einzulegen.

Noch ist das Kasteel nicht gut ausgeschildert. Das ärgert aber nur kurz, weil man so die Gelegenheit bekommt, auch den Ort mit seinen malerisch-hübschen Straßen und Gässchen kennenlernen zu dürfen.
Bereits die Schilder und Tafeln am Zaun deuten darauf hin, dass wir es hier mit einem ambitionierten Projekt zu tun haben.

Amerongen-entree

Auf den ersten Blick entspricht das Kasteel nicht den Vorstellungen, die unadelige Deutsche von adeligen Landsitzen haben mögen. Es ist groß, wirkt aber eher schlicht. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob wirklich alle Kunsthistoriker diesen Bau zeitlich sofort richtig einordnen könnten. Sieht so ein Bau der Renaissance aus?

Understatement in the Netherlands?

Aber deshalb waren wir nicht da. Uns interessierte vor allem sein Innenleben und das, was Saskia Boddeke und Peter Greenaway daraus gemacht haben. Also los!
Der Besucherrundgang beginnt entgegen aller Gewohnheit im Untergeschoss des Schlosses.

Da, wo Wäsche gewaschen, Essen gekocht und all das vorbereitet wird, was denen da oben ein freudvolles oder repräsentatives Leben beschert. Sofort wird man von beeindruckenden filmischen Sequenzen empfangen und eingestimmt. Und wenige Meter weiter hat jeder Besucher begriffen, dass dieses Schloss anders ist als alle anderen, die er bisher gesehen hat.

Während die Puristen unter den Historikern aller Couleur jetzt schon Bauchschmerzen bekommen, setzt bei den akademisch weniger vorbelasteten Besuchern wahrscheinlich schon hier die Erkenntnis ein, dass dieser Schlossbesuch mehr bieten wird, als ausgelatschte Treppenstufen, Portraits unbekannter Adeliger, alte Möbel, eine verräucherte Küche und - als Höhepunkt des Rundgangs - ein Himmelbett. Ja, das alles gibt es auch in Amerongen zu sehen. Und noch viel mehr in 3D.

Amerongen-nashorn

Die natürlich auch.

amerongen-schmetterlinge-IMG_7648

Doch das Besondere ist, das es im Kasteel Amerongen auch das alltägliche Leben zu sehen gibt. Das derjenigen, die dort residierten, sich als Gäste aufhielten, wohnten, arbeiteten, liebten, litten, intregierten und alle auf ihre eigene Weise an der Geschichtsschreibung mitwirkten.



Boddeke und Greenaway ist es gelungen, mit großartigen filmischen Sequenzen, mit emotional berührenden Bildern und Geschichten diesem Haus Leben einzuhauchen. Ein Leben, das es möglich macht, wieder Freude an Geschichte zu empfinden, Lust zu bekommen, mehr wissen zu wollen und sich zu fragen, warum eigentlich alle anderen Burgen und Schlösser immer so langweilig sind. Es geht doch auch anders, wie man hier sehen und erleben kann.

amerongen-frau-IMG_7702

Der anschließende Gang durch den Park und die Gärten steigert das Erlebnis noch. Ein beeindruckender Laubengang, Mispelbüsche, schöne Rosen und Bilderbuchausblicke ...

Amerongen-Laubengang

Mespilus-germanica

Prädikat: Höchst empfehlenswert!

Trauriger Nachtrag: Leider werden alle Filmdialoge lediglich in Niederländisch angeboten. Das ist dumm, weil davon auszugehen ist, dass sicher auch viele deutsche Besucher angelockt werden könnten. Denn schließlich ist Haus Doorn, der Wohnsitz des letzten Deutschen Kaisers, nur wenige Kilometer entfernt.

Homepage: Kasteel Amerongen

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Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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