Dienstag, 6. Mai 2014

Die ganz große Gucke: Das Miniatur-Wunderland in Hamburg

Nee, ich bin ganz und gar kein Fan von Betrieben, die so tun, als ob sie Museen wären, wie etwa Wachsfigurenkabinette, das Currywurstmuseum, das DDR-Museum oder die "Story of Berlin"

Das sind Einrichtungen, denen es allein darum geht, Kohle zu machen. Noch deutlicher: Das sind keine Museen, die etwas zur Bildung beitragen wollen und wenn sich der Wind dreht, schließen sie wieder ihre Pforten. Das sind reine Belustigungsbetriebe, die Freude verkaufen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Als wir letztens in Hamburg waren, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, dem zwölfjährigen Sohn ein paar Museen in der Speicherstadt zur Auswahl zu geben. (Speicherstadt kommt in diesem Alter wg. der TV-Serie "Pfefferkörner" immer gut.)
Ziemlich schnell entschied er sich für das Miniatur-Wunderland.
Also auch für einen dieser Belustigungsbetriebe, die ich ja eigentlich nicht mag.

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Zum einen störte mich an seiner Wahl, dass ich da mit meiner ICOM-Card nicht gratis reinkam, zum anderen fürchtete ich, dass diese Entscheidung mit den mir bekannten Neigungen meiner Frau inkompatibel sein könnte. Egal, gesagt ist gesagt und versprochen ist versprochen. Also Kohle auf den Tisch und rein in den (vermeintlich) kulturlosen Trubel.

Ich mag es ja gar nicht im Pulk zu stehen. Überhaupt gar nicht. Schnell war klar, dass ich lernen musste, den Pulk zu ertragen. Fiel anfangs schwer.

Nazi-Aufmarsch

Doch, was soll ich sagen? Mit jedem Meter, den wir weiter voranschritten, gefiel mir besser, was mir da gezeigt wurde. Nee, das hatte nicht einmal etwas damit zu tun, dass alle kleinen Jungs (wie ich) auf Eisenbahnen stehen. Im Grunde sind die Eisenbahnen dort nur ein dynamisch-wirkendes, schmückendes Beiwerk zu wahrhaftig liebevoll ausgearbeiteten Landschaften und Szenerien, in denen es viel zu entdecken gibt.

Schönes:

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Spannendes:

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Was für Freunde der Nacht:

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Katastrophales:

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Was für Fußballfans:

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Was für Ostwestfalen:

Hermann

Ganz großes Kino! So bildgewaltig und bewegend, dass auch meine Frau fast zwei Stunden lang, ganz toll fand, was es dort im Miniatur-Wunderland zu sehen gab. (Das will was heißen!)

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Unterm Strich
________________________________

Nein, das Miniatur-Wunderland will kein Museum sein, eher eine Schaubude. Ein Ort, wo das Schauen Freude macht und man unaufhörlich in großen Landschaften kleine Geschichten entdecken kann. Das gelingt ihm bestens.

Was kann der Ausstellungsmacher dabei lernen?

Vieles! Vor allem, dass es darauf ankommt, eine Stimmung zu erzeugen, die fesselnd wirkt. Ein Ambiente zu schaffen, das Lust macht, die Augen und das Hirn zu öffnen. Wenn ich Studenten an die Museologie heranführen dürfte, würde ich sie dorthin führen. Denn dort kann man wirklich lernen, wie man das große Publikum anspricht, indem man ihm Entdeckungen möglich macht.

Egal, was ich oben geschrieben habe: Das Miniatur-Wunderland gehört auf den Reiseplan aller Hamburg-Touristen und der Studenten, die mal publikumsorientierte Ausstellungen machen wollen. Unbedingt!

Futterkiste

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Kommentare

Danke sehr!
Danke sehr!
Joern Borchert - 2015-01-14 00:42
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47
Feuerlöscher
Lieber Jörn, super, dass Du die Serie startest...
nina gorgus - 2014-06-11 09:45
Richard lebt!
Schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Werde...
Joern Borchert - 2014-05-30 19:50

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