Freitag, 19. Februar 2010

Das Maritiem Museum in Rotterdam - ein Museum für Familien

"Das Maritiem Museum Rotterdam gehört zu den besten maritimen Museen in der Welt und präsentiert außer sensationellen Ausstellungen auch ein stark besuchtes Debatten- und Veranstaltungsprogramm für ein breites Publikum. Neben dem Museum hat das stolze Museumschiff 'Buffel' seinen Liegeplatz."

Mit diesen Worten preist es sich auf seiner Homepage deutschsprachigen Besuchern an. Mal abgesehen davon, dass der obige Text nicht sonderlich gut adaptiert wurde, scheint mir die superlative Beschreibung etwas übertrieben. Immerhin ist der Hafen Rotterdams der größte Europas und so darf man von diesem Museum schon etwas Besonderes erwarten.

Container vor'm Museum

Zur Einstimmung, die letztendlich auch das Highlight des Museums ist, gibt es unter der Überschrift "Main Port Live" ein Modell des Hafens in der Dimension von etwa 30 x 4 Metern. Illuminiert und sehr instruktiv. Pas mal. Unterlegt, im wahrsten Sinne des Wortes, ist die historische Dimension. Mit diesem Modell kann man sich durchaus, auch bei mittelmäßigem Interesse, etwa eine halbe Stunde befassen. Freudvoll, wenn es gelingt, die Videos zu ignorieren, die die Geschichte des Hafens visuell und akustisch vermitteln sollen.

hafen-rotterdam-DSCF9428


Es folgt im Rundgang eine Ausstellung zur Geschichte der Seefahrt. Selbstverständlich steht dabei die Geschichte der niederländischen Seefahrt im Mittelpunkt. Ganz nett, einige tolle Objekte, die aber suboptimal in Szene gesetzt werden. Ok, vielleicht sehen das niederländische Besucher anders.

Darauf folgt die momentane Sonderausstellung "Glamour auf dem Wasser". Auf ca. 100 qm können wir sehen, welchen Anteil niederländische Schiffsausstatter daran hatten, die Titanic, ein Schiff des Königshauses und andere Schiffe reicher Leute auszustatten. Das ist gut gedacht, aber nicht wirklich faszinierend aufbereitet.

rotterdam-luxus-DSCF9440

Sehr viel liebevoller ist die Ausstellung "Beesten aan boord zetten de wereld op z'n kop" gestaltet.
Made by Tinkers imagineers and André Postma (no homepage).

Schiffahrtsmuseum-Rotterdam-_-Tiere-an-Bord

Dieser Ausstellungsbereich macht wirklich Freude. Vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Ah ja, es gibt auch einen Kinderbereich. Einen Bereich, der für die Kinder bis 10 Jahre konzipiert sein soll. Das Reich von Professor Plons. Mein Sohn ist 8 Jahre alt. Ihm war der Bereich zu "babyhaft". Wir haben ihn ihn trotzdem besucht ---- und uns darüber gewundert, dass hier vermittelt wurde, dass die Tomaten unsere Supermärkte nicht aus den Niederlanden stammen. Wie auch immer, das Museum tut viel für Kinder und ist allein schon deshalb empfehlenswert.

Trotzdem: Meinem Empfinden nach kann dieses Museum nicht die Faszination vermitteln, die vom größten Hafen Europas zu vermitteln wäre. Statt der Weite, die das Thema des Museums vorgibt, vermittelt die Architektur eher Enge. Eine Enge, die auch ausstellungsdramaturgisch nicht aufgefangen wird.

Sonntags gibt es besondere Angebote für Kinder.

Eher beiläufig wurden wir an der Kasse darauf hingewiesen, dass wir auch das Schiff "Buffel" im naheliegenden Hafen besichtigen können. Dabei ist dieses Schiff der Höhepunkt des Museumsbesuchs. Denn dort kann man erahnen, was das Leben an Bord eines Schiffes der Marine mit sich brachte.

Martitiem-Museum

Dort wird die See, das Leben und die Hierarchie an Bord den Landratten nahe gebracht. Auch mittels Figurinen*, die ich im Museum sonst ja nicht besonders mag. Die hier aber durchaus Sinn machen.

Haengematte

Hier fehlen mir die Töne.

Der Kapitän

Visuell, interaktiv und (unbeabsichtigt) olfaktorisch.
rotterdam-interaktiv-DSCF9488

Die "Buffel" ist wirklich toll und allen Eltern zu empfehlen, die ihren Kindern mal ein ein außergewöhnliches Erlebnis bescheren wollen. Ein Erlebnis, das sie nicht vergessen werden.

Fazit: Ein durchaus besuchenswertes Museum. Auch wenn es schon ein wenig in die Jahre gekommen ist. Wer es mit Kindern besucht, der sollte das Museum rasch durcheilen, um genügend Zeit für die "Buffel" zu haben. Die bringt's! Ihnen Freude und ihren Kindern Erkenntnisse, die lange im Gedächtnis haften bleiben werden. GARANTIERT!

* Wer mehr Figurinen aus anderen Museen sehen will. der sollte mal bei Frau Gorgus vorbeischauen.

Begrüßung der Besucher im Mauritshuis/Den Haag

Neulich schenkte uns Gottfried Fliedl die Abbildung einer Tafel, mit der die Besucher im Victoria&Albert Museum/London um das Jahr 2000 (heute noch?) empfangen wurden. Einer Tafel, die wohl allen Besuchern sofort klar machte, dass sie nicht nur willkommen sind, sondern auch einen Anspruch auf besondere Leistungen haben.

10 Jahre danach, letzte Woche, wurde mir im Mauritshuis in Den Haag dieses Zettelchen in die Hand gedrückt.

Das Mauritshuis in Den Haag ist so klein, dass wohl niemand einen Orientierungsplan braucht. Offenbar geht es hier nur darum, den Besuchern das Kleingedruckte unterzujubeln.

Schlägt man es auf, wird man auch begrüßt. Allerdings sehr viel weniger freundlich als im V&A. Denn da gibt es das "Kleingedruckte". Das, was man im Museum alles nicht tun darf.

das kleingedruckte

Nur die englischsprachige Hälfte:

Mauritshuis-besucherregeln

Klar, die wirklich sensationellen Kunstwerke, die dort gezeigt werden, bedürfen besonderer Schutzmaßnahmen. Dennoch fände ich es angenehmer, wenn diese Regeln im Kassenbereich deutlich sicht- und lesbar ausgehängt würden und mir nicht mit einem Zettelchen, dass wohl niemand liest, untergejubelt würden. Und bestimmt könnte man all die Regeln, die beim Besuch des Mauritshuis zu beachten sind, auch freundlicher formulieren.
Bei einem Eintrittspreis von nun 13,50 Euro könnte man das schon wünschen dürfen, oder?

Und wenn man beim Shopping nach dem Kunstgenuss dann noch mitbekommt, dass auch einzelne Produkte im Museumsshop im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30% verteuert wurden, dann gewinnt man den Eindruck, dass man zwar als Melkkuh aber nicht als Gast begrüßt wurde.

Auch finde ich ich, dass ein Museums wie dieses, wenigstens eine Homepage haben könnte, die neben Niederländisch und Englisch, auch noch die eine oder andere Sprache ihrer wichtigsten Besuchergruppen anbieten könnte. Allein schon, damit auch ältere Besucher das Kleingedruckte verstehen können.

Die Kommunikation mit dem Publikum ginge besser. Da bin ich mir sicher. Aber vielleicht hat eine so respektable Einrichtung wie das Mauritshuis das ja gar nicht nötig.

Futterkiste

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Kommentare

@Aneta Kováčová
Schicken Sie mir bitte diese Anfrage noch einmal an...
Joern Borchert - 2012-01-12 22:00
Frau
Guten Tag, ich wollte mal fragen, ob wir Ihres Bild...
Aneta Kováčová (Gast) - 2012-01-12 10:28
Sehr geehrter Anonymus,
Vielen Dank für ihren Kommentar. Ich habe mir...
Joern Borchert - 2011-12-18 19:09
Sehr geehrter Herr Borchert,...
Sehr geehrter Herr Borchert, ich lese Ihren Blog eigentlich...
LJH (Gast) - 2011-12-13 15:14

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