Wer auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle sucht, der entfacht nicht gerade Begeisterunsgstürme, wenn er sagt, dass er "Volkskunde" studiert hat. Dieses Fach beackert zwar das Feld der Kultur so umfassend und vielschichtig wie kaum ein anderes unserer philosophischen Fakultäten, einen guten Ruf genießt es trotzdem nicht. Absolventen dieser Disziplin sagen besser, sie haben (Europäische) Ethnologie, Kulturanthropologie oder - besser noch - Kulturwissenschaften studiert. Gerne verkaufen sie sich als Kunsthistoriker oder Historiker, wenn sie es im Nebenfach studiert haben.
"Volkskunde" klingt nach "Blut und Boden", feuchten Lederhosen und romantischen Erzählstoffen, wie Sagen und Märchen. Nach überflüssigem Zeugs, dass nur Pastorentöchter während der Strickstunde Erbauung verschafft. Das ist natürlich Quatsch. Volkskundler beschäftigen sich seit einigen Jahrzehnten auch - und nicht zuletzt - mit sehr viel aktuelleren Themen, die vor einem historischen Hintergrund einen sehr intensiven Bezug zur aktuellen Lebenswelt aufweisen und so bei der Bewältigung aktueller Probleme (Veränderung der Arbeitswelt, "Wende" etc.) nützliche Hilfestellungen geben könnten.
Manche Institute, das Bonner gehört dazu, haben bei aller Betriebsamkeit und Anwendungsorientierung jedoch vergessen, dass sie in der rauen Luft des Bologna-Prozesses nur überleben können, wenn ihr Marketing stimmt. Das Marketing und das Label der Volkskundler stimmt ganz und gar nicht. Es ist so schlecht, dass die Existenz des Faches (und damit auch seiner Forschungsinhalte!) nun bedroht ist.
Jetzt wird das Bonner Institut nach und nach erwürgt. Erst vor wenigen Jahren wurde es der Germanistik zugeschlagen. Leider kenne ich die inhaltliche Begründung dafür nicht. Sie muss idiotisch gewesen sein. Denn die aktuelle Volkskunde, so wie sie in Bonn seit Jahren betrieben wird, hat kaum einen Berührungspunkt mit der Germanistik aufzuweisen.
Nun sollen die wissenschaftlichen Stellen der Bonner Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde "eingefroren" werden. Hört sich nicht gut an.
Deshalb gibt es jetzt in Bonn die Initiative
"Rettet die Volkskunde". Dort gibt es alles Wissenswerte über den Stand der Dinge, eine
Petition zum Herunterladen und seit heute auch einen
Film für die Analphabeten unter uns.