Reisebericht Paris: too much




Fotos von oben nach unten: Schlange vor dem Centre Pompidou, Schlange vor der Arcimboldo-Ausstellung, Arcimboldo-Shop, Cité des Sciences.
Im Zeitraum 31.10.-5.11.2007 hatte es offenbar mehr Ausländer und Provinzler nach Paris als Pariser ins Ausland oder die Provinz gezogen. Herbstferien in Frankreich. Brückentage in Deutschland und Frankreich. Die Metro brechend voll. Die Gehsteige der Innenstadt erlauben nur Schneckentempo. Und vor den bedeutenden Museen und Ausstellungen stundenlange Wartezeiten. Da wird einem schnell bewusst, warum man vor vielen Jahren ICOM-Mitglied wurde. Das inzwischen reichlich schmuddelig aussehende Plastikkärtchen hochhaltend, ein freundliches "Pardon" murmelnd, marschiert man direktemang an den Schlangen vorbei in die Ausstellungen hinein.
Da ist es mit dem Vergnügen aber auch schon vorbei. Denn viel zu viele Menschen knubbeln sich in den Ausstellungssälen. Eine ruhige Auseinandersetzung mit den gezeigten Kunstwerken ist meist nicht möglich. Die Downlights waren die Ausstellungen zu Arcimboldo und Courbet. Eine Warteschlange von mehreren hundert Metern, gefolgt von einem Ausstellungsrundgang der bei dem Gedränge nur höchst mühevoll und quälend mehr als eine dreiviertel Stunde dauern kann, um dann im Shop der Ausstellung zu landen, wo sich Kaufwillige fast ebenso lang aufhalten dürften, wie in den Ausstellungen selbst. Wie kam mir bloß der Gedanke in den Kopf, dass man eine Ausstellung durchleiden muss, um dann ins Heiligtum zu gelangen, wo alle Wünsche wahr werden? In den Shop.
Kunst ist Kommerz. Ausstellungen sind das Schmieröl, das die Maschine des Kunstbetriebs in Gang hält. Die Werke der Leihgeber steigen im Wert. Die Veranstalter und einige Mitarbeiter dieser Ausstellungen steigern ihren persönlichen Wert ebenfalls. Eigentlich bräuchte es dafür keine Ausstellungsbesucher. Doch wenn man sie erreicht, dann flutscht es noch besser. Dann gibt es via Evaluationen noch Laudationen und via Shop noch Cash.
Die kleinen Hunde, die in den Ausstellungen Blut geleckt haben, und viel Geld dafür ausgeben,
Joern Borchert - 2007-11-07 23:34 + 296





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