Mittwoch, 7. November 2007

Reisebericht Paris: too much

Centre-Pompidou-Beaubourgschlange-arcimboldoArcimboldo-Paris-Shopandrang-cite-des-sciences

Fotos von oben nach unten: Schlange vor dem Centre Pompidou, Schlange vor der Arcimboldo-Ausstellung, Arcimboldo-Shop, Cité des Sciences.

Im Zeitraum 31.10.-5.11.2007 hatte es offenbar mehr Ausländer und Provinzler nach Paris als Pariser ins Ausland oder die Provinz gezogen. Herbstferien in Frankreich. Brückentage in Deutschland und Frankreich. Die Metro brechend voll. Die Gehsteige der Innenstadt erlauben nur Schneckentempo. Und vor den bedeutenden Museen und Ausstellungen stundenlange Wartezeiten. Da wird einem schnell bewusst, warum man vor vielen Jahren ICOM-Mitglied wurde. Das inzwischen reichlich schmuddelig aussehende Plastikkärtchen hochhaltend, ein freundliches "Pardon" murmelnd, marschiert man direktemang an den Schlangen vorbei in die Ausstellungen hinein.

Da ist es mit dem Vergnügen aber auch schon vorbei. Denn viel zu viele Menschen knubbeln sich in den Ausstellungssälen. Eine ruhige Auseinandersetzung mit den gezeigten Kunstwerken ist meist nicht möglich. Die Downlights waren die Ausstellungen zu Arcimboldo und Courbet. Eine Warteschlange von mehreren hundert Metern, gefolgt von einem Ausstellungsrundgang der bei dem Gedränge nur höchst mühevoll und quälend mehr als eine dreiviertel Stunde dauern kann, um dann im Shop der Ausstellung zu landen, wo sich Kaufwillige fast ebenso lang aufhalten dürften, wie in den Ausstellungen selbst. Wie kam mir bloß der Gedanke in den Kopf, dass man eine Ausstellung durchleiden muss, um dann ins Heiligtum zu gelangen, wo alle Wünsche wahr werden? In den Shop.

Kunst ist Kommerz. Ausstellungen sind das Schmieröl, das die Maschine des Kunstbetriebs in Gang hält. Die Werke der Leihgeber steigen im Wert. Die Veranstalter und einige Mitarbeiter dieser Ausstellungen steigern ihren persönlichen Wert ebenfalls. Eigentlich bräuchte es dafür keine Ausstellungsbesucher. Doch wenn man sie erreicht, dann flutscht es noch besser. Dann gibt es via Evaluationen noch Laudationen und via Shop noch Cash.

Die kleinen Hunde, die in den Ausstellungen Blut geleckt haben, und viel Geld dafür ausgeben, Knochen Trophäen ostasiatischer Provenienz als Entschädigung für die Qualen des Ausstellungsbesuches zu erwerben, haben meist keine Ahnung von den Hintergründen dieses Business. Da sie ohnehin nichts gegen die Regeln dieses Marktes tun können, ist das vielleicht auch gut so. Immerhin verschaffen die Waren der Ausstellungshops ihnen Illusionen und schöne Erinnerungen. Und die sind letztendlich nicht in Euro umzurechnen...

Straßburg: Tomi Ungerer hat ein Museum bekommen

Letztes Wochenende wurde in der Villa Greiner/Straßburg das Tomi Ungerer Museum eröffnet. Mit seinen Kinderbüchern und Illustrationen zu Politik und Erotik ist es sich ein Familienmuseum. Ob es auch familienfreundlich ist, werden wir sehen.

Zur Homepage des Museums

Das schreibt Le Monde und das die taz zur Eröffnung.

Salzburg: Kunstausstellung für Kinder

Eine freundliche Leserin dieses Blogs hat mich darauf hingewiesen, dass vom 10.11.2007 bis zum 2.3.2008 das Museum der Moderne Salzburg Rupertinum eine Kunstausstellung für Kinder zum Thema "Alice & Co im Wunderland" zeigt.

Ich bin mir sicher, dass sich auch erwachsene Museumsbesucher über Ausstellungen freuen, die für Kinder konzipiert sind.

Zurück aus Paris

eiffelturm

Nach einiger Abstinenz waren wir nun wieder in Paris. Meine Frau wegen der Unesco-Generalkonferenz. Ich, um mir einige neue Museen und Ausstellungen anzusehen. Zwischendurch gab es natürlich Treffen mit alten und neuen Freunden und den obligatorischen Besuch im Da Lat, der von uns bevorzugten asiatischen "Kantine" in Paris.

Mein Ausstellungsprogramm: Nirgendwo sonst gibt es wohl so eine Museumsdichte wie in Paris. Also ein guter Ort für Museologen, um Kenntnisse zu erweitern und Anregungen zu sammeln. Über das, was ich dort dieses Mal gesehen und gelernt habe, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen berichten.

Kulturelle Welten

Es geht um Dies und Das aus der Welt der Kulturvermittlung: über Museen und Ausstellungen, Lichter in der Nacht und was Jörn Borchert sonst noch so ge-, miss- und auffällt. Gerne schaue ich dabei nach Frankreich.

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Kommentare

Die Kampagne ist ja fantastisch!...
Die Kampagne ist ja fantastisch! Ja das wäre wirklich...
Christoph Mathiak (anonym) - 2008-10-09 23:15
Fortschritt kann auch...
Hallo Frau Kuhlemann, klar, es ist immer gut, wenn...
Joern Borchert - 2008-10-06 20:12
Fortschritt
Hallo Herr Borchert, wieso finden Sie das wieder nicht...
Marion Kuhlemann (anonym) - 2008-10-06 11:39
Pardon!
Pardon, wenn ich zu streng war. Wurde vielleicht dazu...
Joern Borchert - 2008-10-02 22:53

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