Sonntag, 16. Juni 2013

Der Erdbeerpflückwagen. Eine Erfindung aus Wachtberg?

Diese Erdbeerpflücker in meiner Umgebung sind einfach die Wucht. Seit ich hier lebe, frage ich mich immer, wie man es monatelang durchhält, den ganzen Tag in gebückter Haltung Erdbeeren zu pflücken. Unzählige Menschen (meist) aus Polen tun das hier den ganzen Sommer lang und fast den ganzen Herbst hindurch. Habe ich ja schon mal geschrieben.

erdbeerpflueckwagen_aktion

Heute sah ich ein mir bislang unbekanntes Erntehilfsgerät: den Erdbeerpflückwagen. Er besteht aus einem Stahlrohrrahmen (mal mit rundem, mal mit eckigem Querschnitt), vier Rädern unterschiedlichster Provenienz und einem Plastikgartenstuhl (weiß oder braun) , dem die Beine abgesägt wurden. Der kann ebenso locker wie mehrere Sammelkörbe in den Stahlrohrrahmen eingehängt werden.

erdbeerpflueckwagen_a

So pragmatisch diese Wagen konstruiert und zusammengesetzt sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass ein deutscher Kopf sie erdacht hat. Der wäre nie darauf gekommen, die Reifen ausrangierter Kinderwagen mit beinlosen Gartenstühlen auf einem Rahmen zu kombinieren, um die Arbeit der Erdbeerpflückerinnen und ihrer männlichen Kollegen leichter werden zu lassen. Schon gar nicht, ohne die Stühle fest zu montieren.
Da alle Wagen nicht mehr ganz frisch aussahen, gehe ich davon aus, das sie sich bereits in mehreren Erntekampagnen bewährt haben. Muss also ein gutes Gerät sein, dieser Erdbeerpflückwagen.

Geraet-zum-Erdbeerpfluecken

Ich habe große Lust, herauszubekommen, wer der geniale Erfinder ist. Wenn es denn nur einer oder eine war und kein Projekt einer Gemeinschaft. Vielleicht wissen Sie ja mehr. Dann wäre ein Hinweis freundlich.

Ich meine, wenigstens dieser Mensch sollte, stellvertretend für alle Erdbeerpflückerinnen und -pflücker, eine angemessene, öffentliche Würdigung erfahren.

Sonntag, 9. Juni 2013

Maastricht: Das Museum am Vrijthof

Das Museum am Vrijthof in Masstricht ist ein Beispiel dafür, wie man Museen heute modernisiert und dabei die Aura der Exponate und die eines Gebäudes zerstören kann. Was modern sein soll, ist nicht immer gut.
maastricht-museum-vrijthof-IMG_2408

Dabei ist der Empfang vorbildlich: Höchst freundliche Damen händigen dem Besucher ein Gerät aus, das dafür sorgt, dass während des Rundgangs automatisch Töne und Bilder in Gang gesetzt werden, die einem einige wichtige Stationen der Stadtgeschichte auditiv und visuell nahe bringen sollen. In der gewünschten Sprache. Selbstverständlich auch unter Einbeziehung von Ausstellungstücken. Klingt erst einmal gut.

maastricht-museum-vrijthof-exhibition

Doch! Die Projektionen und Töne, die das Gerät in der gewählten Sprache auslöst, vermögen nicht wirklich zu begeistern. Irgendwie sind die Texte schlecht und nicht so gesprochen, dass sie zu begeistern vermögen. Zumindest auf Deutsch funktionieren sie nicht gut.

maastricht-museum-vrijthof-festsaal

Insgesamt vermag das Museum nicht wirklich die von den Besucher mitgebrachte Aufmerksamkeit fruchtbar zu machen. Mal sind die Erläuterungen zu banal (z.B. im Ausstellungsbereich "Aufklärung") und wer im Museum nicht still stehen will, der wird sich dadurch geärgert fühlen, dass die offenen Raumtöne immer wieder neu ansetzen. Ganz dumm wird es gerade dann, wenn es besonders spannend werden könnte: Im Festsaal, wo eine Wandfläche mit vier Szenen bespielt wird, die sehr an das erinnern, was bis vor Kurzem auf Schloss Amerongen zu sehen war und im letzten Saal, wo den Besuchern nahe gebracht werden soll, warum Maastricht schon immer so einzigartig war. Gerade in diesen Räumen gibt es keine deutschen Texte oder Töne. Nur niederländische. Das ist sehr dumm, weil deutsche Besucher vermutlich zur wichtigsten Zielgruppe des Hauses gehören.

Ich hätte gewarnt sein können, wäre ich aufmerksam gewesen. Denn schon die Homepage des Museum am Vrijthof gibt es in keiner deutschen Version. Auch nicht klug, weil Masstricht sicher zu einem der wichtigsten Ausflugsziele der Deutschen zählen dürfte, die westlich des Ruhrgebiets wohnen.

Schade! Es macht mir wirklich keine Freude, dieses Museum so schlecht davon kommen zu lassen. Die reiche Geschichte Maastrichts liess mich mehr erwarten und würde auch mehr möglich machen. Doch das Museum enttäuscht jedwede Erwartung, weil es den Fehler gemacht hat, den Strömungen derjenigen zu folgen, die meinen, Museen müssten sich an den Strategien von Erlebnisparks orientieren. Und dann auch noch so ungeschickt, dass die Pfunde mit den sie wuchern könnten, im Nichts verschwinden. Die Exponate werden in Maastricht zur Randfiguren in einem schlecht inszenierten Kaleidoskop von belanglosen Geschichtsschnippseln.

Sorry, wenn das die Zukunft von Museen sein sollte, dann denke ich, dass man auf solche Museen ganz verzichten sollte. Museen, die ihre Zielgruppen ignorieren und nichts bewegen, sind überflüssig.

Montag, 3. Juni 2013

Kunstgewitter - interaktiv

So skeptisch ich gegenüber Interaktionen bin, wenn sie in blindem Maße dazu benutzt werden, museale Inhalte zu vermitteln, so sehr liebe ich interaktive Kunstwerke. Die machen erst einmal Freude. Sonst erst einmal nichts. Doch wenn sie ein Gefühl berühren, dann finde ich sie sowieso schon toll, weil sie etwas in Gang setzen.

Kunstwerke, die etwas mit Blitz und Donner zu tun haben, begeistern mich immer. Zu diesen gehört die wundervolle Installation, die Chris Klapper zusammen mit ihrem Ehemann Patrick Gallagher letztes Jahr in den 2424-Studios in Philadelphia präsentierte. Titel: Symphony in D Minor.

http://www.chrisklapper.com/www.chrisklapper.com/Symphony_in_D_Minor.html

Woraus besteht dieses Kunstwerk? Aus vier zylindrischen Körpern, die waagerecht von der Decke hängen.

Was ist daran faszinierend? Die Zylinder wackeln lackelnd von der Decke. Doch noch faszinierender ist, dass sie dann leuchtend und laut aktiv werden, wenn Ausstellungsbesucher sie berühren und anstossen. Dann geht ein Gewitter los, dass sich gewaschen hat.

Wie doof, dass ich hier kein Vimeo-Vido einbinden kann oder vielleicht auch nur zu blöd dafür bin. Das Video dieses außerordentlich krachenden Kunstwerkes finden Sie aber auf der Seite der Künstlerin: HIER
Wenn Sie wissen wollen, wie man Ausstellungsbesucher begeistern und Kunst krachen lassen kann, dann sollten Sie es sich mal ansehen.

Solche Kunst bringt mich in Wallungen. Ich würde mich freuen, wenn es so etwas auch mal in Deutschland zu sehen gäbe. Doch welcher Museumsdirektor hat noch den Mut, ein Gewitter zu inszenieren? Obwohl die angespannte Haushaltslage geradezu danach schreit.

Das ist Kunst, die mir gefällt! Und sicher auch anderen...

Videolink:

'SYMPHONY in D MINOR' PHILADELPHIA OCT.20 - DEC. 2, 2012 from Patrick Gallagher on Vimeo.

Was man im Museum sagen sollte

by Mike Twohy
by Mike Twohy


Und sowieso: Experten sprechen nie von bunten Bildern. Bei ihnen sind die bunten Bilder von starker Farbigkeit geprägt. Damit das mal klar ist! Ganz wichtig!

Samstag, 25. Mai 2013

Meine Entdeckung des Tages: Mark Tansey

Wie schön, dass die Breitbandautorinjournalistinhistorikerin Maren Gottschalk gerade in den USA unterwegs ist. Dort sah sie im Metropolitan Museum of Art ein Gemälde, das sie via Facebook teilte.

Das hier:
Mark Tansey: The Innocent Eye Test

Mark Tansey (American, born San Jose, California 1949): The Innocent Eye Test

Mich sprach das Gemälde aus naheliegenden Gründen sofort an. Noch dazu kam es mir irgendwie bekannt vor. Nach kurzer Internetrecherche weiß ich nun auch warum: Die Kuh starrt auf ein Gemälde von Paulus Potter, das ich vor einiger Zeit im Mauritshuis/Den Haag gesehen hatte. Sein Titel: "Der Stier".

Auf den ersten Blick könnte man ja denken, dass Tanseys Bild ein Foto ist. Oder zumindest die malerisch umgesetzte Abbildung eines historischen Fotos. Warum sollten Herren, die aussehen wie Experten, keine Kuh ins Museum geführt haben, um zu erforschen, wie eine Kuh auf Kunst reagiert? Ein Berliner Galerist verkaufte schon für teuer Geld Kunst von Affen und auch heute wirken manche Forschungsprojekte reichlich abstrus. Warum also sollte dieses Bild keine realistische Situation abbilden? Und überhaupt: Käme Kunst von Können würde sie ja nicht Kunst, sondern Könst heißen. Kunst und Kuh passen also besser zusammen. Auch legte mir das Gemälde nahe, kurz über mögliche Berührungspunkte von Kuh zu Kunsthistorikerin nachzudenken. Die gibt es zwar, das darf man aber nicht sagen, weil es auch welche gibt, die keine Kühe mit schwingenden Eutern und vor sich herwirbelnden Armen sind. Ausserdem sollte es auch einem guten Künstler, der in Amerika geboren ist, kaum möglich sein von cow zu art zu kommen.

Also alles Quatsch! Mark Tansey spielt aber mit solchen Gedanken, setzt alle malerischen Mittel und Bildideen ein, um so halbgebildete Kunstmenschen wie mich zu irritieren. Ein bisschen Fotoatmo, ein wenig Grisaille, rechts noch ein Heuhaufen von Monet hinzugefügt und schon verschwimmt alles im Hirn, was man von Kunst, Kultur und Geschichte zu wissen glaubte.

Ein Gemälde, das alles ausschöpft, was die Kunst zu bieten hat, um zu irritieren oder Gedanken wach zu rufen. Ja auch eines, das dazu aufruft, wieder einmal darüber nachzudenken, was Kunst leisten kann.

Ich finde dieses Gemälde ganz großartig. Ohne es jemals, angenagelt an eine Wand, gesehen zu haben. Doch, das geht! Dank des MET, das seine Sammlung so gut im Web präsentiert, dass ich sehr tief in sie eintauchen kann, ohne nach New York fliegen zu müssen.

[Danke, Maren, für den Hinweis auf ein Bild, dass mich nicht so schnell los lassen wird und eine schöne Stunde am Abend.]

Freitag, 17. Mai 2013

Ein Freiraum: Der Platz zwischen der KAH und dem Kunstmuseum Bonn

Dieser Tage erschien im General-Anzeiger Bonn ein Artikel zur Frage, wie denn eigentlich zukünftig der Platz zwischen der Kunst- und Ausstellungshalle (KAH) und dem Kunstmuseum (KUMU) genutzt werden sollte. Um das konservative Bonner Publikum anzusprechen, werden in diesem Artikel keine Visionen entwickelt, sondern eher bedauert, dass es erst einmal kein Zeltdach mehr auf dem Platz geben wird, unter dem man Schlittschuh laufen oder Konzerte hören kann.
Kein Wort dazu, wie gut dieser Platz zwischen Kunstmuseum und KAH als Kulturort geeignet ist. Als eine Chance, eine Attraktion für Bonn zu schaffen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirken könnte.

Mit der Zeit gefällt mir die trockene Art von Rein Wolfs, mit der er dem GA begegnet, immer mehr:

>>"Der Platz wird auch in Zukunft belebt sein, es muss aber zur Museumskultur passen", machte Wolfs deutlich. Ein Konzept hat der Intendant noch nicht zur Hand.<<

Ein naheliegender Gedanke für aufmerksame Menschen mit Gefühl. Aber ein offenbar großer Schritt für Bonner Lokaljournalisten. Dass Rein Wolfs erst einmal nachdenkt, bevor er entscheidet, spricht mehr für als gegen ihn. Das quält die Journalisten. Rein Wolfs ist allem Anschein nach kein Populist, der Wünsche befriedigt, die auf den den ersten Blick gut aussehen, aber auf Dauer in die Hose gehen. Mich freut, dass er so sperrig ist. Schon seit Monaten.

Um ihn nicht ganz allein im Mairegen dastehen zu lassen, möchte ich meinen Senf zum Museumsplatz abgeben. Nicht zuletzt, weil nun endlich mal die Chance besteht, diesen Platz als Kunstort lebendig werden zu lassen. Wenn Sie wollen als dritte Ausstellungsfläche zwischen den beiden Häusern. Eine Fläche, die tags und nachts, ganzjährig als Attraktion fungieren könnte. Mit Formen der Kunst, die dafür geeignet sind. Formen, die den Architekturen der angrenzenden Häuser angepasst sind und ihre Ausstellungsaktivitäten auf die Straße tragen.

Vorausgesetzt: Alle Verantwortlichen wollen etwas bewegen. Die der Stadt, die des Bundes und alle ihre Angestellten. Auch extra muros.

Der Platz zwischen KAH und Kunstmuseum bietet eine Fläche, die der Fantasie fast keine Grenzen setzt. Ebenso alle Mauern der angrenzenden Museumsgebäude. Auch sie bieten Möglichkeiten, die noch nie genutzt wurden.

Meine Gedanken dazu:

Ich gehe davon aus, eine Million Euro oder 1/16 des Jahresetats der KAH zu investieren, um eine Attraktion zu schaffen. Für Bonn, Deutschland, vor allem aber für Menschen, die in Bonn etwas sehen wollen, was einzigartig ist. Einwohner und Touristen.


Here we go:

1. Warum wurde niemals daran gedacht, auf dem Museumsplatz eine Brunnenfläche einzurichten, die ähnliche Funktionen wie der Tinguely-Brunnen neben dem Centre Pompidou in Paris erfüllen könnte? Vielleicht eine Brunnenanlage, die große Kunst repräsentiert und zum Verweilen einlädt. Vielleicht eine andere interaktiv nutzbare Installation, die schön anzusehen ist und Gedanken erzeugt, die man andernorts nicht bekommt. Keine Ahnung, wie das aussehen sollte. Aber dafür gibt es ja das Mittel der öffentlichen Ausschreibung, die etwa auf eine Attraktion abzielen könnte, ein Wahrzeichen für Bonn zu schaffen. Auf dem Museumsplatz.

2. Die Architekturen, die den Museumplatz umgeben, eignen sich hervorragend für Präsentationen, die in Frankreich unter der der Bezeichnung "son et lumière" laufen, nun aber international wohl eher als "3D-Videomapping" bezeichnet werden.

Einfach ausgedrückt: Videos bespielen Wände mit Kunst. Transformieren sie, bringen die Wände zum Wackeln oder ins Schwingen und unser bisheriges Kunstverständnis in Unordnung. Wenn sie gut gemacht sind, dann machen sie klar, dass Kunst nicht nur an Wänden hängen muss, sondern uns auch bewegen kann. Sogar die, die behaupten, sie würden keine Kunst mögen.

Natürlich sollten diese Projektionen etwas mit den Ausstellungen zu tun tun haben, die jeweils in der KAH oder im KuMu gezeigt werden.

Test-Macke

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Dauerhaft nachts präsentiert, würden Sie nicht nur die Besuchszeiten erweitern sondern national sowieso, höchstwahrscheinlich aber auch international Aufmerksamkeit erregen. Oder wo gibt es in Deutschland Museen, die auch nachtaktiv sind? In so großem Stil, dass sich eine Übernachtung lohnt?

Allein der Ausstellungsetat der KAH gäbe das locker her, diese Licht-Kunst auf den Platz zu bringen. Und warum muss Kunst in Museen eingesperrt bleiben? ich kenne keinen guten Grund dafür.

3. An diese Idee anschliessend: Ein international ausgeschriebener Wettbewerb, der Künstler dazu aufruft, Werke zu entwerfen, die aus nichts als Luft, Liebe und Licht bestehen. Hier auf diesem Platz mit kulturell-bewegendem Anspruch. Die deutsche Biennale der Lichtkunst in der Nacht. Gerne auch in den kalten Monaten. Das Bonner Winterlichtkunstwunder würde sicher auch vom GA positiv bewertet werden. In jedem Fall würde es dafür sorgen, Touristen auch in touristisch schwachen Zeiten anzuziehen.

4. Ähnlich, aber tagsüber: Warum nicht eine Million des Budgets in die Hand nehmen, um den Platz tagsüber zu bespielen? Von Straßenküstlern aller Arten. Vom kleinen Jongleur, Guitarrenspieler bis zur großen Compagnie. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Kunst mehr ist als das, was wir in Museen sehen. Es gibt in Europa so viele Straßenkünstler, dass der Platz zum Streetartzentrum Deutschlands werden könnte. Wenn man es denn wagte. Am besten mit ebenfalls vorgeschaltetem Wettbewerb, auch um das Projekt schon im Vorfeld international bekannt zu machen.

Mal grob nachgerechnet:

Budget: 1 Mio. Euro (nur aus dem Etat der KAH, s.u.)

- Es braucht einen, der das organisiert. Der kostest ca. 80.000 Euro im Jahr.

Bleiben 920.000 Euro für die Künstler.

920.000 Euro geteilt durch 360 Tage macht gut 2.500 Euro, die man jeden Tag für Straßenkünstler ausgeben könnte, wenn man den Platz ganzjährig bespielen wollte.
Nehmen wir mal nur 300 Tage (ohne Januar/Februar) an, dann stünden pro Tag mehr als 3.000 Euro zur Verfügung. Damit geht schon was. Sogar was Gutes!

Stellt man sich geschickt an, dann schafft man eine Dramaturgie, die neben den normalen Tagen, wo nur Kleinstraßenkunst geboten wird, Ereignisse, bei denen international bedeutsame Compagnien auftreten, die auch Besucher aus dem weiterem Umkreis anziehen. Die großen Nummern. Zwei im Jahr.

Das ist eine höchst primitive Rechnung. Doch selbst die macht schon klar, dass man den Platz mit eingekauften Straßenkünstlern fast ganzjährig beleben könnte, selbst wenn man nur den Etat der KAH anzapfen würde.
Ausgeblendet wurde in dieser Rechnung, dass Mittel der Stadt Bonn, des Bundeslandes NRW, möglicherweise auch die einiger Sponsoren und Hilfen der EU ebenfalls in die Finanzierung eines solchen Projektes einfliessen könnten.
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So ein schöner, noch dazu großer Platz. So viele Möglichkeiten. Sicher noch viel mehr, als mir eingefallen sind. Ich hoffe sehr, dass Rein Wolfs der Erste ist, der erkennt, wie man diesen Platz bespielen kann, ohne ihn zu zerstören. Mit Kunst, die auch denen gefällt, die sich vor Museen scheuen.

Nach allem, was von zu ihm zu lesen war, haben wir Grund zur Hoffnung. Zur Hoffnung, dass Wolfs die Ketten kleinkarierten Denkens sprengen kann und Visionen hat, die wenigstens Bonner Kulturinteressierten die KAH wieder schmackhaft machen könnten.

P.S.: Nachdem die Irokesen auch wieder suboptimal laufen, würde ich mich wundern, wenn das Ausstellungsdesign von "Kleopatra" nicht an das von Napoleon erinnerte. Was würde ich mich freuen, wenn ich mich täuschte.

P.P.S.: Ein paar Minuten mit einem Aufseher Im Langhaus geschnackt. Der würde sich auch freuen, wenn wieder etwas mehr Leben in die Bude käme... Auch er sah, dass es nicht gut ist, wenn man immer das Gleiche tut und dabei, wie die KAH in den letzten Jahren, langsam den Bach runtergeht. - Überhaupt: Direktoren, die wissen wollen, welche Ausstellungen gut gemacht sind, sollten immer zuerst die Publikumsexperten=Security-Guys befragen. Die träumen nicht vom Bildungsideal. Die sehen die Realität. Und wenn sie frustriert sind, dann ist es allerhöchste Zeit, die Ausstellungen attraktiver zu machen. Die überflüssigsten Museen sind die, wo das Personal nicht glücklich ist. Denn dort finden auch die Besucher keine Freude.

P.P.P.S: Rein Wolfs, sorgen Sie für Veränderungen! Es gibt viele, die Sie glücklich machen können. Nutzen Sie die Chancen! Am besten mit Überraschungen, die man von diesem Haus (KAH) nicht mehr erwartet hat.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Jos Stelling: Der Illusionist

Jahrelang schwirrte in meinem Kopf ein Film umher, den ich in meinen zwanziger Jahren mal gesehen hatte. Ein höchst skurriler Film, der mich mal eingefangen hat, von dem ich aber anscheinend alle Daten vergessen hatte, um ihn jemals wiederfinden zu können. Alles, was ich noch wußte, war, dass ziemlich Anfang eine seltsame Familie in einer Windmühle saß, mit Fliegen kämpfte und der Film von einem niederländischen Regisseur stammte. Ein Film mit vielen Tönen, aber ohne Worte.

Endlich habe ich mich mal daran gemacht, diesen Film zu suchen. Wie schön, dass ich ihn wieder gefunden habe. Auf vielen Umwegen und verschlungenen Pfaden kam ich darauf, dass er sogar bei youtube zu sehen ist. So kann ich meine Begeisterung für diesen Film mit Ihnen teilen.

Es handelt sich um den Film "Der Illusionist" (NL 1984) von Jos Stelling. Dummerweise ist der Film im Handel nicht mehr erhältlich.

Dankenswerterweise hat aber "GrisGris Daumenkino" ihn auf youtube hochgeladen.
In drei Teilen, die ich gerne weitergebe:

Teil 1


Teil 2



Teil 3



Obwohl Jos Stelling international zahlreiche Preise gewonnen hat, ist er in Deutschland fast unbekannt. Verstehe das, wer kann.

Möge dieser Blogartikel dazu beitragen, ihn auch hierzulande etwas bekannter zu machen und deutsche Filmemacher dazu anregen, etwas wagemutiger zu werden.

Das ist ganz großes Kino. Versprochen!

Also los! Ein paar Flaschen Heineken bereit stellen. Den liebsten Menschen in den Arm nehmen, Fullscreen einschalten und dann abtauchen: In die wundersamen Welten des Jos Stelling und seines Illusionisten.

Auch Ihnen wird dieser Film nie wieder aus dem Hirn gehen, wenn Sie ihn - in Ruhe - gesehen haben.

Mehr:
Homepage von Jos Stelling

Alle Filme von Jos Stelling (kompiliert, 4:27 min):
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Zum erstem Mal: TweetUp im Kunstmuseum Bonn

Am Mittwoch, den 15.5. 2013, hatte ich die Gelegenheit und die Zeit an einem TweetUp in einem Museum teilzunehmen. Endlich mal!

Wer nicht weiß, was das ist, dem hilft vielleicht das, was Helge David schrieb, als er zu dieser Veranstaltung einlud. Zur Heimsuchung im Bonner Kunstmuseum.

Ich war also höchst neugierig.

Er schrieb nicht, dass Tweetups ein Deal sind. Warum auch? Ein Deal zwischen dem jeweiligen Museum und denen, die gerne twittern.

Die Twitterer bekommen neben dem freien Eintritt ins Museum eine kostenlose Führung und die Erlaubnis, weitgehend hemmungsfrei fotografieren zu dürfen. Das ist in Museen ja nicht selbstverständlich. Vor allem dann, wenn sie zeitgenössische Kunst zeigen. Das allein dürfte manche Teilnehmer dieses Tweetups sehr gefreut haben. Zu Recht!

Für die Museen sind solche TweetUps interessant, weil sie ohne große Mühen, vor allem aber ohne nennenswerte Kosten binnen weniger Stunden viel mehr Menschen erreichen können als etwa mit einer Werbeanzeige. Klar, eine Sendung im Regionalfernsehen sorgt für mehr eintrittszahlende Besucher. Aber die Teilnehmer eines solchen TweetUps beeinflussen die Stimmung im Netz. In einem Bereich, der so tief wie der Atlantik und so wenig erforscht ist, wie der Mond. Auch wenn die Social-Media-Vertreter schon alle Zweifel über Bord geworfen haben. Doch wer wird da wirklich erreicht? Wie wirkt sich das aus? Bringt das was? Und wenn ja, was?

Deswegen war ich heute dabei. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was Twitter für Museen leisten kann.

Auf der Heimfahrt rechnete ich mal kurz durch. Völlig grob. Mal angenommen, die 10 Top-Twitterer des Abends hätten im Durchschnitt nur 500 Follower - selbst ich hab ja mehr und manche mehr als 3.000 - , dann erreichte jeder Tweet schon 5000 Menschen. Die restlichen 30 Teilnehmer und Kleintwitterer blende ich erstmal aus. Nun nehme ich mal an, dass diese Top Ten jeweil nur 10 Tweets abgesendet hätten, dann gelangten binnen einer Stunde 50.000 Tweets die Follower innerhalb der engen Grenzen der Stargemeinde. Pas mal!

Klar, die wurden nicht alle wahrgenommen. Wie Zeitungsanzeigen oder Werbebanner an Straßen auch nicht von allen wahrgenommen werden.
Sie merken aber auch, dass ich das sehr kleingerechnet habe. In meiner Grobrechnung blendete ich die aus, die auch twittern, aber noch nicht mit großen Follower-Zahlen glänzen. Alle Teilnehmer des TweetUps zur Ausstellung "Heimsuchung" im Kunstmuseum Bonn werden die Ausstellung weiter empfehlen. Weitere Tweets senden, andere Kanäle wie etwa Facebook nutzen, um auf die Ausstellung aufmerksam zu machen oder einfach nur im Freundes- oder Familienkreis darüber berichten, wie nett sie im Kunstmuseum Bonn von Stephan Berg und Volker Adolphs empfangen worden sind.

Die Reichweite eines sochen TweetUps sollte man also nicht unterschätzen.

Ach ja, die Ausstellung. Die gab's ja auch noch. Eine großartige Ausstellung, die viel zu schnell an mir vorbeigerauscht ist. Hören, Sehen, Fotografieren und dann noch Twittern. Mit einem iPad, das der Frau gehört und nur selten von mir genutzt wird. Hard Stuff.

Was ich trotzdem mitgenommen habe, obwohl ich etwas überfordert war?

1. Das Kunstmuseum Bonn ist ein Ort, der sich unter der Ägide von Stephan Berg so entwickelt, dass deutlich wird, was er leisten kann. Gerade im Zusammenspiel mit der KAH und Fantasien, die publikumstauglich sind.

2. Kunst kann, muss aber nicht an der Wand hängen. Je mehr man sinnlich und körperlich in sie einbezogen wird, um so mehr berührt und bewirkt sie.

3. Endlich! Eine Kunstausstellung in Bonn, die man auch mit Kindern besuchen kann. Eine Ausstellung ohne das Diktum, sie geniessen zu müssen. Da kann man in Höhlen krabbeln, sich verirren, seltsame Räume betreten, sich irritieren lassen oder mal über den Alltag nachdenken. Einfach mal nur so.

Und überhaupt: Eine Ausstellung mit Zelt spricht mich immer an.

zelt


Zum Kunstmuseum Bonn geht es HIER.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Die beste Ausstellungskritik ist 5.000 Euro wert

Endlich gibt es einen Preis, der Ausstellungskritiken würdigt, die nicht nur konzeptionelle, sondern auch szenografische Aspekte berücksichtigen.

Die Ausschreibung lautet so:

"Die hbs Kulturstiftung lobt 2013 erstmals ihren Kritikerpreis aus. Mit diesem Preis werden Kritiker gewürdigt, denen es in ihren Besprechungen gelingt, Ausstellungen in Museen jeglicher Art in Bezug auf Inhalt und Gestaltung umfassend zu würdigen.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Kriterien für den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs sind:
· der Preisträger soll die von ihm besprochene Ausstellung nicht nur inhaltlich beurteilen, sondern auch gestalterische, konzeptionelle und szenografische Aspekte einbeziehen
· es wird ein umfassender kritischer Blick auf Ausstellungen gewürdigt; Kritiken, die den Eindruck erwecken, reine Katalogbesprechungen zu sein, sind nicht auszeichnungswürdig
· das Verhältnis der Ausstellung zum musealen Grundkonzept des Hauses sollte einbezogen werden
· weder die Größe der Ausstellung oder des Museums noch die überregionale Reichweite der Zeitung, in der die Kritik erschien, sind ausschlaggebend
· es sollen Kritiken bzw. Museumsbesprechungen aus allen Museumssparten und –arten berücksichtigt werden

Um den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs können sich Journalisten bewerben. Der Deutsche Museumsbund und die Landesverbände der Museen können Journalisten vorschlagen. Eine Jury entscheidet über den Preisträger.

Einzureichende Unterlagen:
· eine Kritik im Umfang bis 12.000 Zeichen
· Angaben zum Medium, in dem der Text veröffentlicht wurde
· max. 1 DIN A4-Seite Biografie
· max. 1 DIN A4-Seite Veröffentlichungsübersicht

Die Jury
· das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs, gleichzeitig Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
· der Präsident des Deutschen Museumsbundes
· der Vorsitzende des Vorstandes des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen, gleichzeitig Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs
· ein Journalist
· der Stifter (ohne Stimmrecht)
Bei Stimmengleichheit zählt die Stimme des geschäftsführenden
Vorstandsmitglieds der Kulturstiftung hbs zweifach.

Bewerbung und Termine
Bewerbungen sind per E-mail einzureichen an: sparkassenstiftung@svn.de.
Einsendeschluss ist Freitag, der 31. Mai 2013. Alle Dokumente müssen in einem pdf mit max. 10 MB zusammengefasst sein.

[Auch wenn diese Ausschreibung ausschließlich die maskuline Form nutzt, sind
selbstverständlich Bewerbungen von Journalistinnen gleichermaßen erwünscht.]"


Eigentlich großartig! Obwohl mir nicht klar ist, warum sich nur Journalisten bewerben dürfen. Egal! Gute Anfänge sollen nicht kleingeredet werden.

Ausstellungskritiker, die das hier lesen sollten sich schnell ins Zeug legen und bis zum 31. Mai eine Kritik verfassen, die auch für potentielle Besucher lesenswert ist.

Zum Ausdrucken hier noch einmal all das, was wichtig ist: http://bit.ly/11ZewZv

P.S.: Bülent, hau rein!

Montag, 29. April 2013

Der Bildungsauftrag

Vor wenigen Minuten machte mich Ivana Scharf via Twitter auf den Bildungsauftrag aufmerksam. Den angeblichen Schlüssel zur Verbesserung der Museen.

Danger

Ich mußte erst einmal schlucken. Denn der Bildungsauftrag verfolgt mich, seit ich in Museen arbeite und wird mir seit Jahrzehnten als letztes Argument um die Ohren gehauen, wenn ich mal zaghaft nachfrage, ob man eine museale Ausstellung nicht vielleicht etwas mehr an den Interessen des potentiellen Publikums ausrichten könnte.

Was ist dieser Bildungsauftrag?

Da hilft selbst Wikipedia nicht weiter.

Ich versuch's mal selbst. Wie schon angedeutet ist der Bildungsauftrag ein Totschlagargument, das die Hüter des Bildungsgrals dann einsetzen, wenn ihnen nichts Besseres einfällt. Der Bildungsauftrag wird immer dann eingesetzt, wenn ihnen das kuschelige Fell ihres schmalen Universitätswissens davonzuschwimmen scheint.
Also zum Beispiel, wenn ein Austellungsgestalter eine Idee hat, die wirklich gut ist, um Besucher an ein Thema heranzuführen. Zwar finden die Kuratoren die Idee eigentlich auch gut (mal so als Mensch), aber würden sie Ihr zustimmen, könnte es passieren, dass die Idee des Ausstellungsgestalters besser wirkt, als das, was sie mit all ihren Ausstellungs- oder Audioguidetexten zum Ausdruck bringen könnten. Also lehnen sie sie erst einmal ab. Damit sie weiterwurschteln können, statt an Räumen und Erlebnissen zu arbeiten, brauchen sie den Bildungsauftrag. Er erlaubt es Ihnen, weiter schöne Texte zu schreiben. Solche Texte, die sie viele Jahre im Studium geübt haben. Sätze, die deutlich machen, wie klug sie sind. Sätze, Texte, Theorien, um in der Gesellschaft der Wissenschaftler Bedeutung zu erlangen oder zu erhalten.

- An dieser Stelle stelle ich mir immer vor, was passieren würde, wenn ein Museumsdirektor, einer von der besten Sorte, seine MitarbeiterInnen mal dazu zwingen würde, allgemeinverständliche Texte zu schreiben. Texte, die man nicht nur verstehen, sondern auch noch gut finden kann, weil sie nur die wichtigen informationen liefern. Womöglich sogar solche mit Bezügen zur Lebenspraxis der Besucher.
In der Haut dieses Direktors möchte ich nicht stecken. Da würden vermutlich sogar mal Akademiker streiken und den Direktor dazu zwingen, den Verein zu wechseln und sich einen neuen Trainerposten zu suchen. Das kulturelle Leben im Museum ist sehr viel härter, als die meisten Gänseblümchen sich das vorstellen mögen. -

Zurück zum Bildungsauftrag.
Wurde er schon mal zum Unwort des Jahres nominiert? Verdient hätte er es.

Ich finde, das Wort "Bildungsauftrag" gehört zu den perfidesten in der unserer Bildungslandschaft. Es gaukelt vor, dass öffentliche Institutionen, wie Museen, darauf ausgerichtet sind, der ganzen Gesellschaft einen Nutzen zu bringen. Doch wer hat hier eigentlich wem den Auftrag erteilt, zu bilden? Niemand weiß das! Und was gehört in den Kanon des Auftrags? Ist auch unbekannt.

Tatsächlich schafft dieser Bildungsauftrag eher das Gegenteil von dem, wofür er angeblich gut sein soll. Er füttert die, die schon mehr als satt sind und grenzt die aus, die Hunger haben. Wer hochgebildet ist, bekommt noch mehr. Wer weniger gebildet ist, verhungert am ausgestreckten Arm. Vor allem aber wird immer dann der Bildungsauftrag auf den Besprechungstisch geworfen, wenn es darum geht, zu verhindern, Ausstellungsinhalte und deren Vermittlung der modernen Gesellschaft anzupassen.

Das Wort "Bildungsauftrag" gehört also abgeschafft, weil er nur dazu dient, Pfründe zu wahren und Veränderungen zu vereiteln. Aber ganz schnell!

Futterkiste

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Kommentare

sehe ich genauso mein...
sehe ich genauso mein Onkel aus Polen arbeitet fast...
Anne (Gast) - 2013-06-13 13:24
Ganz wichtig...
... sind bei der Bewertung von Kunst und Künstlern...
Joern Borchert - 2013-06-07 20:24
Nein, natürlich...
Nein, natürlich nicht. Vor allem könnte uns...
AndreasP (Gast) - 2013-06-06 19:48
Haha, sehr schön!
Haha, sehr schön!
Richard (Gast) - 2013-06-06 10:54
Künstler....
liefern neben Positionen auch Irritationen, die es...
Joern Borchert - 2013-06-03 22:40

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