Donnerstag, 23. Mai 2013

Gute Aussichten

Auch schon vor 200 Jahren war das Frühlingswetter manchmal schlechter als gewünscht.

In meiner Magisterarbeit zur Wetterprognostik während der Aufklärung fand ich gerade diesen Satz:

Alles wird gut!

Mir gibt das die Hoffnung, dass wir im nächsten Monat, die Hüllen fallen lassen können. Wäre doch mal was...

Freitag, 17. Mai 2013

Ein Freiraum: Der Platz zwischen der KAH und dem Kunstmuseum Bonn

Dieser Tage erschien im General-Anzeiger Bonn ein Artikel zur Frage, wie denn eigentlich zukünftig der Platz zwischen der Kunst- und Ausstellungshalle (KAH) und dem Kunstmuseum (KUMU) genutzt werden sollte. Um das konservative Bonner Publikum anzusprechen, werden in diesem Artikel keine Visionen entwickelt, sondern eher bedauert, dass es erst einmal kein Zeltdach mehr auf dem Platz geben wird, unter dem man Schlittschuh laufen oder Konzerte hören kann.
Kein Wort dazu, wie gut dieser Platz zwischen Kunstmuseum und KAH als Kulturort geeignet ist. Als eine Chance, eine Attraktion für Bonn zu schaffen, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirken könnte.

Mit der Zeit gefällt mir die trockene Art von Rein Wolfs, mit der er dem GA begegnet, immer mehr:

>>"Der Platz wird auch in Zukunft belebt sein, es muss aber zur Museumskultur passen", machte Wolfs deutlich. Ein Konzept hat der Intendant noch nicht zur Hand.<<

Ein naheliegender Gedanke für aufmerksame Menschen mit Gefühl. Aber ein offenbar großer Schritt für Bonner Lokaljournalisten. Dass Rein Wolfs erst einmal nachdenkt, bevor er entscheidet, spricht mehr für als gegen ihn. Das quält die Journalisten. Rein Wolfs ist allem Anschein nach kein Populist, der Wünsche befriedigt, die auf den den ersten Blick gut aussehen, aber auf Dauer in die Hose gehen. Mich freut, dass er so sperrig ist. Schon seit Monaten.

Um ihn nicht ganz allein im Mairegen dastehen zu lassen, möchte ich meinen Senf zum Museumsplatz abgeben. Nicht zuletzt, weil nun endlich mal die Chance besteht, diesen Platz als Kunstort lebendig werden zu lassen. Wenn Sie wollen als dritte Ausstellungsfläche zwischen den beiden Häusern. Eine Fläche, die tags und nachts, ganzjährig als Attraktion fungieren könnte. Mit Formen der Kunst, die dafür geeignet sind. Formen, die den Architekturen der angrenzenden Häuser angepasst sind und ihre Ausstellungsaktivitäten auf die Straße tragen.

Vorausgesetzt: Alle Verantwortlichen wollen etwas bewegen. Die der Stadt, die des Bundes und alle ihre Angestellten. Auch extra muros.

Der Platz zwischen KAH und Kunstmuseum bietet eine Fläche, die der Fantasie fast keine Grenzen setzt. Ebenso alle Mauern der angrenzenden Museumsgebäude. Auch sie bieten Möglichkeiten, die noch nie genutzt wurden.

Meine Gedanken dazu:

Ich gehe davon aus, eine Million Euro oder 1/16 des Jahresetats der KAH zu investieren, um eine Attraktion zu schaffen. Für Bonn, Deutschland, vor allem aber für Menschen, die in Bonn etwas sehen wollen, was einzigartig ist. Einwohner und Touristen.


Here we go:

1. Warum wurde niemals daran gedacht, auf dem Museumsplatz eine Brunnenfläche einzurichten, die ähnliche Funktionen wie der Tinguely-Brunnen neben dem Centre Pompidou in Paris erfüllen könnte? Vielleicht eine Brunnenanlage, die große Kunst repräsentiert und zum Verweilen einlädt. Vielleicht eine andere interaktiv nutzbare Installation, die schön anzusehen ist und Gedanken erzeugt, die man andernorts nicht bekommt. Keine Ahnung, wie das aussehen sollte. Aber dafür gibt es ja das Mittel der öffentlichen Ausschreibung, die etwa auf eine Attraktion abzielen könnte, ein Wahrzeichen für Bonn zu schaffen. Auf dem Museumsplatz.

2. Die Architekturen, die den Museumplatz umgeben, eignen sich hervorragend für Präsentationen, die in Frankreich unter der der Bezeichnung "son et lumière" laufen, nun aber international wohl eher als "3D-Videomapping" bezeichnet werden.

Einfach ausgedrückt: Videos bespielen Wände mit Kunst. Transformieren sie, bringen die Wände zum Wackeln oder ins Schwingen und unser bisheriges Kunstverständnis in Unordnung. Wenn sie gut gemacht sind, dann machen sie klar, dass Kunst nicht nur an Wänden hängen muss, sondern uns auch bewegen kann. Sogar die, die behaupten, sie würden keine Kunst mögen.

Natürlich sollten diese Projektionen etwas mit den Ausstellungen zu tun tun haben, die jeweils in der KAH oder im KuMu gezeigt werden.

Test-Macke

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Dauerhaft nachts präsentiert, würden Sie nicht nur die Besuchszeiten erweitern sondern national sowieso, höchstwahrscheinlich aber auch international Aufmerksamkeit erregen. Oder wo gibt es in Deutschland Museen, die auch nachtaktiv sind? In so großem Stil, dass sich eine Übernachtung lohnt?

Allein der Ausstellungsetat der KAH gäbe das locker her, diese Licht-Kunst auf den Platz zu bringen. Und warum muss Kunst in Museen eingesperrt bleiben? ich kenne keinen guten Grund dafür.

3. An diese Idee anschliessend: Ein international ausgeschriebener Wettbewerb, der Künstler dazu aufruft, Werke zu entwerfen, die aus nichts als Luft, Liebe und Licht bestehen. Hier auf diesem Platz mit kulturell-bewegendem Anspruch. Die deutsche Biennale der Lichtkunst in der Nacht. Gerne auch in den kalten Monaten. Das Bonner Winterlichtkunstwunder würde sicher auch vom GA positiv bewertet werden. In jedem Fall würde es dafür sorgen, Touristen auch in touristisch schwachen Zeiten anzuziehen.

4. Ähnlich, aber tagsüber: Warum nicht eine Million des Budgets in die Hand nehmen, um den Platz tagsüber zu bespielen? Von Straßenküstlern aller Arten. Vom kleinen Jongleur, Guitarrenspieler bis zur großen Compagnie. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Kunst mehr ist als das, was wir in Museen sehen. Es gibt in Europa so viele Straßenkünstler, dass der Platz zum Streetartzentrum Deutschlands werden könnte. Wenn man es denn wagte. Am besten mit ebenfalls vorgeschaltetem Wettbewerb, auch um das Projekt schon im Vorfeld international bekannt zu machen.

Mal grob nachgerechnet:

Budget: 1 Mio. Euro (nur aus dem Etat der KAH, s.u.)

- Es braucht einen, der das organisiert. Der kostest ca. 80.000 Euro im Jahr.

Bleiben 920.000 Euro für die Künstler.

920.000 Euro geteilt durch 360 Tage macht gut 2.500 Euro, die man jeden Tag für Straßenkünstler ausgeben könnte, wenn man den Platz ganzjährig bespielen wollte.
Nehmen wir mal nur 300 Tage (ohne Januar/Februar) an, dann stünden pro Tag mehr als 3.000 Euro zur Verfügung. Damit geht schon was. Sogar was Gutes!

Stellt man sich geschickt an, dann schafft man eine Dramaturgie, die neben den normalen Tagen, wo nur Kleinstraßenkunst geboten wird, Ereignisse, bei denen international bedeutsame Compagnien auftreten, die auch Besucher aus dem weiterem Umkreis anziehen. Die großen Nummern. Zwei im Jahr.

Das ist eine höchst primitive Rechnung. Doch selbst die macht schon klar, dass man den Platz mit eingekauften Straßenkünstlern fast ganzjährig beleben könnte, selbst wenn man nur den Etat der KAH anzapfen würde.
Ausgeblendet wurde in dieser Rechnung, dass Mittel der Stadt Bonn, des Bundeslandes NRW, möglicherweise auch die einiger Sponsoren und Hilfen der EU ebenfalls in die Finanzierung eines solchen Projektes einfliessen könnten.
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So ein schöner, noch dazu großer Platz. So viele Möglichkeiten. Sicher noch viel mehr, als mir eingefallen sind. Ich hoffe sehr, dass Rein Wolfs der Erste ist, der erkennt, wie man diesen Platz bespielen kann, ohne ihn zu zerstören. Mit Kunst, die auch denen gefällt, die sich vor Museen scheuen.

Nach allem, was von zu ihm zu lesen war, haben wir Grund zur Hoffnung. Zur Hoffnung, dass Wolfs die Ketten kleinkarierten Denkens sprengen kann und Visionen hat, die wenigstens Bonner Kulturinteressierten die KAH wieder schmackhaft machen könnten.

P.S.: Nachdem die Irokesen auch wieder suboptimal laufen, würde ich mich wundern, wenn das Ausstellungsdesign von "Kleopatra" nicht an das von Napoleon erinnerte. Was würde ich mich freuen, wenn ich mich täuschte.

P.P.S.: Ein paar Minuten mit einem Aufseher Im Langhaus geschnackt. Der würde sich auch freuen, wenn wieder etwas mehr Leben in die Bude käme... Auch er sah, dass es nicht gut ist, wenn man immer das Gleiche tut und dabei, wie die KAH in den letzten Jahren, langsam den Bach runtergeht. - Überhaupt: Direktoren, die wissen wollen, welche Ausstellungen gut gemacht sind, sollten immer zuerst die Publikumsexperten=Security-Guys befragen. Die träumen nicht vom Bildungsideal. Die sehen die Realität. Und wenn sie frustriert sind, dann ist es allerhöchste Zeit, die Ausstellungen attraktiver zu machen. Die überflüssigsten Museen sind die, wo das Personal nicht glücklich ist. Denn dort finden auch die Besucher keine Freude.

P.P.P.S: Rein Wolfs, sorgen Sie für Veränderungen! Es gibt viele, die Sie glücklich machen können. Nutzen Sie die Chancen! Am besten mit Überraschungen, die man von diesem Haus (KAH) nicht mehr erwartet hat.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Jos Stelling: Der Illusionist

Jahrelang schwirrte in meinem Kopf ein Film umher, den ich in meinen zwanziger Jahren mal gesehen hatte. Ein höchst skurriler Film, der mich mal eingefangen hat, von dem ich aber anscheinend alle Daten vergessen hatte, um ihn jemals wiederfinden zu können. Alles, was ich noch wußte, war, dass ziemlich Anfang eine seltsame Familie in einer Windmühle saß, mit Fliegen kämpfte und der Film von einem niederländischen Regisseur stammte. Ein Film mit vielen Tönen, aber ohne Worte.

Endlich habe ich mich mal daran gemacht, diesen Film zu suchen. Wie schön, dass ich ihn wieder gefunden habe. Auf vielen Umwegen und verschlungenen Pfaden kam ich darauf, dass er sogar bei youtube zu sehen ist. So kann ich meine Begeisterung für diesen Film mit Ihnen teilen.

Es handelt sich um den Film "Der Illusionist" (NL 1984) von Jos Stelling. Dummerweise ist der Film im Handel nicht mehr erhältlich.

Dankenswerterweise hat aber "GrisGris Daumenkino" ihn auf youtube hochgeladen.
In drei Teilen, die ich gerne weitergebe:

Teil 1


Teil 2



Teil 3



Obwohl Jos Stelling international zahlreiche Preise gewonnen hat, ist er in Deutschland fast unbekannt. Verstehe das, wer kann.

Möge dieser Blogartikel dazu beitragen, ihn auch hierzulande etwas bekannter zu machen und deutsche Filmemacher dazu anregen, etwas wagemutiger zu werden.

Das ist ganz großes Kino. Versprochen!

Also los! Ein paar Flaschen Heineken bereit stellen. Den liebsten Menschen in den Arm nehmen, Fullscreen einschalten und dann abtauchen: In die wundersamen Welten des Jos Stelling und seines Illusionisten.

Auch Ihnen wird dieser Film nie wieder aus dem Hirn gehen, wenn Sie ihn - in Ruhe - gesehen haben.

Mehr:
Homepage von Jos Stelling

Alle Filme von Jos Stelling (kompiliert, 4:27 min):
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Zum erstem Mal: TweetUp im Kunstmuseum Bonn

Am Mittwoch, den 15.5. 2013, hatte ich die Gelegenheit und die Zeit an einem TweetUp in einem Museum teilzunehmen. Endlich mal!

Wer nicht weiß, was das ist, dem hilft vielleicht das, was Helge David schrieb, als er zu dieser Veranstaltung einlud. Zur Heimsuchung im Bonner Kunstmuseum.

Ich war also höchst neugierig.

Er schrieb nicht, dass Tweetups ein Deal sind. Warum auch? Ein Deal zwischen dem jeweiligen Museum und denen, die gerne twittern.

Die Twitterer bekommen neben dem freien Eintritt ins Museum eine kostenlose Führung und die Erlaubnis, weitgehend hemmungsfrei fotografieren zu dürfen. Das ist in Museen ja nicht selbstverständlich. Vor allem dann, wenn sie zeitgenössische Kunst zeigen. Das allein dürfte manche Teilnehmer dieses Tweetups sehr gefreut haben. Zu Recht!

Für die Museen sind solche TweetUps interessant, weil sie ohne große Mühen, vor allem aber ohne nennenswerte Kosten binnen weniger Stunden viel mehr Menschen erreichen können als etwa mit einer Werbeanzeige. Klar, eine Sendung im Regionalfernsehen sorgt für mehr eintrittszahlende Besucher. Aber die Teilnehmer eines solchen TweetUps beeinflussen die Stimmung im Netz. In einem Bereich, der so tief wie der Atlantik und so wenig erforscht ist, wie der Mond. Auch wenn die Social-Media-Vertreter schon alle Zweifel über Bord geworfen haben. Doch wer wird da wirklich erreicht? Wie wirkt sich das aus? Bringt das was? Und wenn ja, was?

Deswegen war ich heute dabei. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was Twitter für Museen leisten kann.

Auf der Heimfahrt rechnete ich mal kurz durch. Völlig grob. Mal angenommen, die 10 Top-Twitterer des Abends hätten im Durchschnitt nur 500 Follower - selbst ich hab ja mehr und manche mehr als 3.000 - , dann erreichte jeder Tweet schon 5000 Menschen. Die restlichen 30 Teilnehmer und Kleintwitterer blende ich erstmal aus. Nun nehme ich mal an, dass diese Top Ten jeweil nur 10 Tweets abgesendet hätten, dann gelangten binnen einer Stunde 50.000 Tweets die Follower innerhalb der engen Grenzen der Stargemeinde. Pas mal!

Klar, die wurden nicht alle wahrgenommen. Wie Zeitungsanzeigen oder Werbebanner an Straßen auch nicht von allen wahrgenommen werden.
Sie merken aber auch, dass ich das sehr kleingerechnet habe. In meiner Grobrechnung blendete ich die aus, die auch twittern, aber noch nicht mit großen Follower-Zahlen glänzen. Alle Teilnehmer des TweetUps zur Ausstellung "Heimsuchung" im Kunstmuseum Bonn werden die Ausstellung weiter empfehlen. Weitere Tweets senden, andere Kanäle wie etwa Facebook nutzen, um auf die Ausstellung aufmerksam zu machen oder einfach nur im Freundes- oder Familienkreis darüber berichten, wie nett sie im Kunstmuseum Bonn von Stephan Berg und Volker Adolphs empfangen worden sind.

Die Reichweite eines sochen TweetUps sollte man also nicht unterschätzen.

Ach ja, die Ausstellung. Die gab's ja auch noch. Eine großartige Ausstellung, die viel zu schnell an mir vorbeigerauscht ist. Hören, Sehen, Fotografieren und dann noch Twittern. Mit einem iPad, das der Frau gehört und nur selten von mir genutzt wird. Hard Stuff.

Was ich trotzdem mitgenommen habe, obwohl ich etwas überfordert war?

1. Das Kunstmuseum Bonn ist ein Ort, der sich unter der Ägide von Stephan Berg so entwickelt, dass deutlich wird, was er leisten kann. Gerade im Zusammenspiel mit der KAH und Fantasien, die publikumstauglich sind.

2. Kunst kann, muss aber nicht an der Wand hängen. Je mehr man sinnlich und körperlich in sie einbezogen wird, um so mehr berührt und bewirkt sie.

3. Endlich! Eine Kunstausstellung in Bonn, die man auch mit Kindern besuchen kann. Eine Ausstellung ohne das Diktum, sie geniessen zu müssen. Da kann man in Höhlen krabbeln, sich verirren, seltsame Räume betreten, sich irritieren lassen oder mal über den Alltag nachdenken. Einfach mal nur so.

Und überhaupt: Eine Ausstellung mit Zelt spricht mich immer an.

zelt


Zum Kunstmuseum Bonn geht es HIER.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Die beste Ausstellungskritik ist 5.000 Euro wert

Endlich gibt es einen Preis, der Ausstellungskritiken würdigt, die nicht nur konzeptionelle, sondern auch szenografische Aspekte berücksichtigen.

Die Ausschreibung lautet so:

"Die hbs Kulturstiftung lobt 2013 erstmals ihren Kritikerpreis aus. Mit diesem Preis werden Kritiker gewürdigt, denen es in ihren Besprechungen gelingt, Ausstellungen in Museen jeglicher Art in Bezug auf Inhalt und Gestaltung umfassend zu würdigen.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Kriterien für den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs sind:
· der Preisträger soll die von ihm besprochene Ausstellung nicht nur inhaltlich beurteilen, sondern auch gestalterische, konzeptionelle und szenografische Aspekte einbeziehen
· es wird ein umfassender kritischer Blick auf Ausstellungen gewürdigt; Kritiken, die den Eindruck erwecken, reine Katalogbesprechungen zu sein, sind nicht auszeichnungswürdig
· das Verhältnis der Ausstellung zum musealen Grundkonzept des Hauses sollte einbezogen werden
· weder die Größe der Ausstellung oder des Museums noch die überregionale Reichweite der Zeitung, in der die Kritik erschien, sind ausschlaggebend
· es sollen Kritiken bzw. Museumsbesprechungen aus allen Museumssparten und –arten berücksichtigt werden

Um den Kritikerpreis der Kulturstiftung hbs können sich Journalisten bewerben. Der Deutsche Museumsbund und die Landesverbände der Museen können Journalisten vorschlagen. Eine Jury entscheidet über den Preisträger.

Einzureichende Unterlagen:
· eine Kritik im Umfang bis 12.000 Zeichen
· Angaben zum Medium, in dem der Text veröffentlicht wurde
· max. 1 DIN A4-Seite Biografie
· max. 1 DIN A4-Seite Veröffentlichungsübersicht

Die Jury
· das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs, gleichzeitig Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
· der Präsident des Deutschen Museumsbundes
· der Vorsitzende des Vorstandes des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen, gleichzeitig Vorstandsmitglied der Kulturstiftung hbs
· ein Journalist
· der Stifter (ohne Stimmrecht)
Bei Stimmengleichheit zählt die Stimme des geschäftsführenden
Vorstandsmitglieds der Kulturstiftung hbs zweifach.

Bewerbung und Termine
Bewerbungen sind per E-mail einzureichen an: sparkassenstiftung@svn.de.
Einsendeschluss ist Freitag, der 31. Mai 2013. Alle Dokumente müssen in einem pdf mit max. 10 MB zusammengefasst sein.

[Auch wenn diese Ausschreibung ausschließlich die maskuline Form nutzt, sind
selbstverständlich Bewerbungen von Journalistinnen gleichermaßen erwünscht.]"


Eigentlich großartig! Obwohl mir nicht klar ist, warum sich nur Journalisten bewerben dürfen. Egal! Gute Anfänge sollen nicht kleingeredet werden.

Ausstellungskritiker, die das hier lesen sollten sich schnell ins Zeug legen und bis zum 31. Mai eine Kritik verfassen, die auch für potentielle Besucher lesenswert ist.

Zum Ausdrucken hier noch einmal all das, was wichtig ist: http://bit.ly/11ZewZv

P.S.: Bülent, hau rein!

Montag, 29. April 2013

Der Bildungsauftrag

Vor wenigen Minuten machte mich Ivana Scharf via Twitter auf den Bildungsauftrag aufmerksam. Den angeblichen Schlüssel zur Verbesserung der Museen.

Danger

Ich mußte erst einmal schlucken. Denn der Bildungsauftrag verfolgt mich, seit ich in Museen arbeite und wird mir seit Jahrzehnten als letztes Argument um die Ohren gehauen, wenn ich mal zaghaft nachfrage, ob man eine museale Ausstellung nicht vielleicht etwas mehr an den Interessen des potentiellen Publikums ausrichten könnte.

Was ist dieser Bildungsauftrag?

Da hilft selbst Wikipedia nicht weiter.

Ich versuch's mal selbst. Wie schon angedeutet ist der Bildungsauftrag ein Totschlagargument, das die Hüter des Bildungsgrals dann einsetzen, wenn ihnen nichts Besseres einfällt. Der Bildungsauftrag wird immer dann eingesetzt, wenn ihnen das kuschelige Fell ihres schmalen Universitätswissens davonzuschwimmen scheint.
Also zum Beispiel, wenn ein Austellungsgestalter eine Idee hat, die wirklich gut ist, um Besucher an ein Thema heranzuführen. Zwar finden die Kuratoren die Idee eigentlich auch gut (mal so als Mensch), aber würden sie Ihr zustimmen, könnte es passieren, dass die Idee des Ausstellungsgestalters besser wirkt, als das, was sie mit all ihren Ausstellungs- oder Audioguidetexten zum Ausdruck bringen könnten. Also lehnen sie sie erst einmal ab. Damit sie weiterwurschteln können, statt an Räumen und Erlebnissen zu arbeiten, brauchen sie den Bildungsauftrag. Er erlaubt es Ihnen, weiter schöne Texte zu schreiben. Solche Texte, die sie viele Jahre im Studium geübt haben. Sätze, die deutlich machen, wie klug sie sind. Sätze, Texte, Theorien, um in der Gesellschaft der Wissenschaftler Bedeutung zu erlangen oder zu erhalten.

- An dieser Stelle stelle ich mir immer vor, was passieren würde, wenn ein Museumsdirektor, einer von der besten Sorte, seine MitarbeiterInnen mal dazu zwingen würde, allgemeinverständliche Texte zu schreiben. Texte, die man nicht nur verstehen, sondern auch noch gut finden kann, weil sie nur die wichtigen informationen liefern. Womöglich sogar solche mit Bezügen zur Lebenspraxis der Besucher.
In der Haut dieses Direktors möchte ich nicht stecken. Da würden vermutlich sogar mal Akademiker streiken und den Direktor dazu zwingen, den Verein zu wechseln und sich einen neuen Trainerposten zu suchen. Das kulturelle Leben im Museum ist sehr viel härter, als die meisten Gänseblümchen sich das vorstellen mögen. -

Zurück zum Bildungsauftrag.
Wurde er schon mal zum Unwort des Jahres nominiert? Verdient hätte er es.

Ich finde, das Wort "Bildungsauftrag" gehört zu den perfidesten in der unserer Bildungslandschaft. Es gaukelt vor, dass öffentliche Institutionen, wie Museen, darauf ausgerichtet sind, der ganzen Gesellschaft einen Nutzen zu bringen. Doch wer hat hier eigentlich wem den Auftrag erteilt, zu bilden? Niemand weiß das! Und was gehört in den Kanon des Auftrags? Ist auch unbekannt.

Tatsächlich schafft dieser Bildungsauftrag eher das Gegenteil von dem, wofür er angeblich gut sein soll. Er füttert die, die schon mehr als satt sind und grenzt die aus, die Hunger haben. Wer hochgebildet ist, bekommt noch mehr. Wer weniger gebildet ist, verhungert am ausgestreckten Arm. Vor allem aber wird immer dann der Bildungsauftrag auf den Besprechungstisch geworfen, wenn es darum geht, zu verhindern, Ausstellungsinhalte und deren Vermittlung der modernen Gesellschaft anzupassen.

Das Wort "Bildungsauftrag" gehört also abgeschafft, weil er nur dazu dient, Pfründe zu wahren und Veränderungen zu vereiteln. Aber ganz schnell!

Sonntag, 12. Mai 2013

Amy Whitehouse (full concert)

Auch diesen Sonntag gibt's was Schönes auf Ihre Ohren.
Ein komplettes Konzert von Amy Winehouse.



Mögen ihr viele nacheifern. Auch Ausstellungsmacher, die denken, alles müsste so gehen, wie es geht.

Ein paar Gedanken zur Zukunft des Museums

Seit es Museen gibt, wird darüber diskutiert, an wen sie sich wenden und wie sie also gestaltet werden sollen. Dienen Sie als Sprachrohr derjenigen, die vorgeben, was in den Kanon der Bildung gehört, die das Oben vom Unten trennt? Oder sind Museen eher Orte voller Geheimnisse, die Gedanken anregen, die man andernorts niemals bekommen könnte. Für alle?

Da wir in einer Gesellschaft leben, die so tut, als ob sie demokratisch wäre, haben unsere Museen sich daran zu orientieren, was mehrheitsfähig ist oder sein soll. Bestimmt wird das von denen, die ein Interesse an Museen haben.
Also von denen, die Museen als Instrumente zur Bildung ihrer Interessen nutzen und denjenigen, die mit der Ausgestaltung ihren Lebensunterhalt verdienen. Das sind nicht wenige. Auch jenseits derer, die mehr oder weniger fest in Museen angestellt sind. Museen müssen gebaut, bewacht, klimatisiert, beleuchtet und auch „bespielt“ werden. Eine große Spielwiese für Freiberufler vieler Arten. Sie alle suchen nach Einkommen und versuchen Trends zu setzen.

Seit einigen Jahren ist Trend, dass Museen interaktiv sein sollten, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Interaktiv bedeutet in diesem Zusammenhang meist die Integration von technischen Medien. Ja, auch haptische Interaktionen sind erlaubt. In technischen und manchmal auch Museen zu naturkundlichen Themen. Technische Interaktionen über Computer-Stationen, Touchscreens, Audio-Guides oder Apps werden aber von den meisten Museen bevorzugt.

Warum? Ganz einfach: Diese Interaktionen kommen dem Mitteilungsbedürfnis der Kuratoren sehr entgegen. Da können sie alles hineinpacken, was sie schon immer zum jeweiligen Thema sagen wollten. Diese Medien zwingen sie weniger, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Das spart Zeit und Grips und deshalb wird heute in fast allen öffentlichen Ausschreibungen für Ausstellungsgestaltungen gefordert, dass Interaktionen im Mittelpunkt stehen sollen.

So what?

Es ist unübersehbar, dass Museen heute nicht mehr als besonders hip angesehen werden. Sehen wir mal von den Blockbustern für die ab, die älter als 60 Jahre sind. Die, die nicht genug von Impressionisten und Picasso bekommen können. Alle anderen gehen am Wochenende ins Museum, wenn es regnet. Wenn’s schneit, rodelt man lieber und wenn die Sonne scheint, dann ist das Freibad allemal viel freudbringender. Museumsbesuche stehen bestimmt nicht ganz oben auf dem wochenendlichen Wunschzettel. Seien Sie ehrlich!

Museen enttäuschen. Die Besucher und die Macher. Letztere dürfen das nicht sagen, weil sie sonst ihren Job riskieren würden. Die Ausstellungsgestalter, die ich kenne, haben viel bessere Ideen als die, die sie jemals im Kontext einer Austellung realisieren dürften.

Ich gehe also davon aus, dass der größte Teil der bundesdeutschen Bevölkerung unter 50 Jahren am Wochenende nicht besonders darauf brennt, ein Museum besuchen zu wollen. Es gibt genug Alternativen. Alternativen, die spannender sind, mehr Freude bringen und vor allem nicht so tun, als ob sie klüger wären als wir, Sie oder ich.

Ich habe viele Fächer an der Uni studiert. Ethnologie, Kunstgeschichte, Geographie, Volkskunde, Archäologie. Interessiere mich also für viele Themen und hab nicht selten auch etwas Ahnung davon. Beste Voraussetzungen für schöne Ausstellungserlebnisse. Könnte man denken. Doch meist frage ich mich bei Ausstellungsbesuchen, warum man die Chancen, die das Thema bot, so wenig nutzte, um bei den Besuchern Faszination für’s Thema zu erzeugen. Statt Begeisterung zu erwecken, gibt’s fast immer die große Wissenschaftsklatsche auf die Nase und am Ende die unendliche Museumsmüdigkeit auf Seiten der Betrachter.


Besser machen!


Kinners & Ausstellungsmacher, es ist so einfach gute Ausstellungen und Museen zu machen. Wenn ihr denn nicht zu feige dazu wärt.

Erste Wünsche:

1. Vergesst all das, was Euch die Professoren beigebracht haben, um ihren Standesdünkel zu pflegen. Wer Ausstellungen machen will, der soll nicht sich, sondern dem Publikum dienen. [So banal das ist, so oft will ich das sagen.]

2. Es kommt nicht darauf an, wie viele Worte Ihr schreibt oder wie unverständlich sie sind. Es kommt nur darauf an, Fantasien frei zu setzen. Fantasien, die die Welt besser machen. Heute oder morgen. Wenn Euch das nicht gelingt, dann sind Museen überflüssig.

3. Es sind niemals die Ausstellungstexte oder -kataloge, die etwas in Gang setzen. Es ist immer die Ausstellungsatmosphäre, die Ihr erzeugt, die zum Nachdenken anregt – oder eben auch nicht. Je mehr Ihr den Empfehlungen Eurer Ausstellungsgestalter folgt, umso mehr werdet Ihr Euer Publikum erreichen und bewegen können.

Ich liebe Museen und Ausstellungen. Gerade die, die ich besonders blöd fand, gaben mir den Kick, es besser zu machen.

Die ich mag und mochte, haben mein Denken so verändert, dass ich dankbar dafür bin, sie gesehen zu haben. Orte mit Atmosphäre: Das alte (!) Museon Arlaten/Arles; das Mindener Museum, bis es didaktisch optimiert/zerstört wurde; neuerdings das Watersnoodsmuseum.

Ach wie gerne würde ich mal ein Museum gestalten, das sich in Hirne einbrennt. Eines, das Gefühle berührt. Gedanken in Gang setzt. Wundervolle Zauberräume schafft, die mehr irritieren als erklären. Eine Ausstellung für Menschen von heute, die viel wissen, doch noch nicht Alles gefunden haben. Eine Ausstellung für Menschen, die suchen. Wonach? Muss ich das vorgeben? Nee, will ich gar nicht.

Ausstellungen können so wundererfüllt sein.Wenn sie auf Knöpfchen verzichten. Narrative Traumräume schaffen, die Hirne in Gang setzen und dafür sorgen, die Köpfe der Besucher zum Denken anzuregen, auf Deutungshoheiten verzichten und für frischen Wind sorgen.

Wer will, der kann!

[Fortsetzung folgt.]

Samstag, 27. April 2013

Bonner Museen im Internet

Seit dieser Woche tritt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik (KAH) mit einer neuen Website im Internet auf. Mit neuen Logo. Warum Kegel, wenn's auch schräg geht?

Aus diesem Grund warf der GA einen kritischen Blick auf alle Bonner Museum-Websites. Nämlich diese hier:

www.antikensammlung.uni-bonn.de
www.arithmeum.uni-bonn.de
www.august-macke-haus.de
www.beethoven-haus-bonn.de
www.bundeskunsthalle.de
www.deutsches-museum.de/bonn
www.frauenmuseum.de
www.hdg/bonn.de
www.kunstmuseum-bonn.de
www.museumkoenig.de
www.rlmb.lvr.de
www.schumannhaus-bonn.de

Das Stadtmuseum Bonn fehlt in der Liste. Doof, dass es keine eigene Seite hat.

Mehr: Artikel im GA

Donnerstag, 25. April 2013

Wer geht schon in's Museum? Eine Doktorandin sammelt Daten

Um 'rauszubekommen, was Museumsfreaks heute in's Museum zieht, führt Derborah Zarnke eine Umfrage durch. Um daraus eine Dissertation zu zimmern.

Eine Umfrage zur Produktion einer Dissertation. Mitmachen!

Sie will der Frage auf die Spur kommen, was Museumsbesucher heute von Museen erwarten und also auch, wie man Museen so gestalten kann, dass sie mehr sind als Kisten, in denen Schätze des Wissens vermodern.

Es kann unseren Museen nur Nutzen bringen, wenn auch Sie ein paar Minuten opfern, um ihre Meinungen zur Zukunft der Museen abzugeben.

Machen Sie mit! HIER

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Kommentare

Stelling in Gütersloh?
Lieber Stefan, freut mich, dass wir anscheinend ab...
Joern Borchert - 2013-05-17 18:24
Wiedergefunden!
Lieber Jörn, vielen Dank. Auch bei mir steht dieser...
jacobsundpaul (Gast) - 2013-05-17 10:50
@Heimsuchung
Danke für die Gratulation. Habe gar nicht erwähnt,...
Joern Borchert - 2013-05-16 21:29
Getwitterte Heimsuchung
Herrlich bildhaft: "einem Bereich, der so tief wie...
Sebastian (Gast) - 2013-05-16 16:24
am 24.05 in Hamburg :)
am 24.05 in Hamburg :)
cosmo (Gast) - 2013-05-16 12:02

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