Montag, 11. August 2014

Franeker: Das älteste Planetarium der Welt

Wieder einmal verlebte ich mit meiner Familie einen wundervollen Urlaub auf Ameland. Um die Schmerzen der Rückreise zu minimieren, versuche ich immer einen interessanten Zwischenstopp einzuplanen. Zu den Rückreisehighlights gehörten bisher das Schloß Amerongen und das Gefängnismuseum in Veenhuizen

Dieses Jahr wollte ich unbedingt mal das Planetarium in Franeker sehen. Von seiner Existenz wusste ich schon länger, aber Cordula Eich gab mir den entscheidenden Impuls, die Rückreise so zu planen, dass ein Besuch zum Zeitplan passte. Sie weiß, was Freunde der Aufklärung mögen. Das ist ihr Metier.

Was ist hier wichtiger? Das Rathaus oder das Planetarium?

Mitten in dem sympathischen kleinen Ort, gleich gegenüber dem wunderhübschen Rathaus, liegt klein und ganz bescheiden das älteste Planetarium der Welt.

Planetarium-Franeker-

Seine Entstehung verdankt es einem klugen Kopf aus einfachen Verhältnissen: Eise Eisinga, dem Sohn eines Wollkämmers. So wie sein Vater, so interessierte auch er sich für die Mathematik, obwohl er nur die Primarschule absoviert hatte.

2014-franeker-planetrarium-P1070008

Als 1774 Eelco Alta das Ende der Welt vorhersagte, begann er sich mehr mit der Astronomie zu beschäftigen und beschloß ein Planetarium zu bauen, das beweisen sollte, dass es nicht zu dem vorhergesagten Planetenzusammenstoß kommen würde. Sieben Jahre lang baute er aus nichts als Holz, Drähten und mehr als 10.000 Nägeln sein Planetarium. dass auch heute noch so exakt läuft, dass es einem den Atem verschlägt.

Datum  meines Besuchs

Wer in Friesland Urlaub macht und sich für "Bauerngelehrte" der Aufklärungszeit interessiert, dem sei ein Besuch des Planetariums sehr ans Herzen gelegt.

Mir hat es sehr viel Freude bereitet.

Mehr:
Link zum Planetarium

Eise Eisinga auf Wikipedia

Dienstag, 1. Juli 2014

Feuerlöscher: Abenteuer Orient

Heute aufgenommen, obwohl es verboten war, ihn zu fotografieren: den Feuerlöscher im Filmvorführraum der Wechselausstellung "Abenteuer Orient".

Aufgenommen trotz Verbot

[Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, Juli 2014]

Montag, 30. Juni 2014

Ticket über den Rhein

Schön, dass es sie noch gibt, solche Tickets.

Ich liebe Tickets wie diese. Ihre Form, ihre Farben, ihre haptischen Qualitäten und nicht zuletzt, dass sie zu Kontrollzwecken durchgerissen werden.
Sind die nicht viel hübscher als diese Tickets, die mehr und mehr von mobilen Geräten ausgedruckt werden?

Und dann noch dieses Wort: "Auto-Schnell-Fähre".
Da juchzt doch jeder Ausländer vor Vergnügen und der deutsche Leser fragt sich, wann er schon einmal mit einer "Auto-Langsam-Fähre" gefahren ist.

Sonntag, 22. Juni 2014

Zitat, das kein Kunststück ist

picasso-museum

Schliesse mich ihm an.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Porträts vom Bonner Sperrmüll: Familie und Maler gesucht

Ende der 1980er Jahre stöberte ich gerne auf dem Sperrmüll herum. Damals konnte man dort noch mehr oder minder gute Möbel für die Studentenbude und manch andere Dinge finden, die einem Historikerherz Freude machten. Da konnte man nächtens noch in Ruhe den Müll durchstöbern, ohne von osteuropäischen Konkurrenten gestört zu werden und Dinge finden, die sicher nicht auf den Müll gehörten.

Ende der 1980er Jahre fand ich so auf dem Sperrmüll drei Porträts.

endenich-maedchen-100_4322
endenich-junge-100_4328
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Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese drei Gemälde neben der mitten in Endenich gelegenen Apotheke fand. Auch wenn ich sie nie als Wandschmuck einsetzte, trennen mochte ich mich dennoch nie von ihnen. Mit ihnen sind sicher Geschichten verknüpft. Wenigstens die der abgebildeten Personen und die des Malers, der allem Anschein nach kein ganz blutiger Laie war.

Seine Signatur
Signatur

Ich poste die Porträts hier in der Hoffnung, dass irgendwer eine Idee hat, um welche Personen es sich handeln und wer der Maler (s. Signatur) gewesen sein könnte, der diese Personen um 1940 herum portraitierte.

Wer kann mir weiterhelfen?

Donnerstag, 8. Mai 2014

Was vom Karl aus Paris zu Klugschwätzerdesignern

"Ich hasse nichts mehr als Designer, die auf intellektuell machen. Ich bin nicht intellektuell, nur ziemlich kultiviert."
(Karl Lagerfeld)

Dienstag, 6. Mai 2014

Die ganz große Gucke: Das Miniatur-Wunderland in Hamburg

Nee, ich bin ganz und gar kein Fan von Betrieben, die so tun, als ob sie Museen wären, wie etwa Wachsfigurenkabinette, das Currywurstmuseum, das DDR-Museum oder die "Story of Berlin"

Das sind Einrichtungen, denen es allein darum geht, Kohle zu machen. Noch deutlicher: Das sind keine Museen, die etwas zur Bildung beitragen wollen und wenn sich der Wind dreht, schließen sie wieder ihre Pforten. Das sind reine Belustigungsbetriebe, die Freude verkaufen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Als wir letztens in Hamburg waren, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, dem zwölfjährigen Sohn ein paar Museen in der Speicherstadt zur Auswahl zu geben. (Speicherstadt kommt in diesem Alter wg. der TV-Serie "Pfefferkörner" immer gut.)
Ziemlich schnell entschied er sich für das Miniatur-Wunderland.
Also auch für einen dieser Belustigungsbetriebe, die ich ja eigentlich nicht mag.

hh-wunderland-fassade-P1030780

Zum einen störte mich an seiner Wahl, dass ich da mit meiner ICOM-Card nicht gratis reinkam, zum anderen fürchtete ich, dass diese Entscheidung mit den mir bekannten Neigungen meiner Frau inkompatibel sein könnte. Egal, gesagt ist gesagt und versprochen ist versprochen. Also Kohle auf den Tisch und rein in den (vermeintlich) kulturlosen Trubel.

Ich mag es ja gar nicht im Pulk zu stehen. Überhaupt gar nicht. Schnell war klar, dass ich lernen musste, den Pulk zu ertragen. Fiel anfangs schwer.

Nazi-Aufmarsch

Doch, was soll ich sagen? Mit jedem Meter, den wir weiter voranschritten, gefiel mir besser, was mir da gezeigt wurde. Nee, das hatte nicht einmal etwas damit zu tun, dass alle kleinen Jungs (wie ich) auf Eisenbahnen stehen. Im Grunde sind die Eisenbahnen dort nur ein dynamisch-wirkendes, schmückendes Beiwerk zu wahrhaftig liebevoll ausgearbeiteten Landschaften und Szenerien, in denen es viel zu entdecken gibt.

Schönes:

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Spannendes:

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Was für Freunde der Nacht:

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Katastrophales:

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Was für Fußballfans:

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Was für Ostwestfalen:

Hermann

Ganz großes Kino! So bildgewaltig und bewegend, dass auch meine Frau fast zwei Stunden lang, ganz toll fand, was es dort im Miniatur-Wunderland zu sehen gab. (Das will was heißen!)

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Unterm Strich
________________________________

Nein, das Miniatur-Wunderland will kein Museum sein, eher eine Schaubude. Ein Ort, wo das Schauen Freude macht und man unaufhörlich in großen Landschaften kleine Geschichten entdecken kann. Das gelingt ihm bestens.

Was kann der Ausstellungsmacher dabei lernen?

Vieles! Vor allem, dass es darauf ankommt, eine Stimmung zu erzeugen, die fesselnd wirkt. Ein Ambiente zu schaffen, das Lust macht, die Augen und das Hirn zu öffnen. Wenn ich Studenten an die Museologie heranführen dürfte, würde ich sie dorthin führen. Denn dort kann man wirklich lernen, wie man das große Publikum anspricht, indem man ihm Entdeckungen möglich macht.

Egal, was ich oben geschrieben habe: Das Miniatur-Wunderland gehört auf den Reiseplan aller Hamburg-Touristen und der Studenten, die mal publikumsorientierte Ausstellungen machen wollen. Unbedingt!

Samstag, 3. Mai 2014

Lübeck: Schön, aber doof

Da musste ich 54 Jahre alt werden, um endlich mal Lübeck und sein Holstentor live zu sehen.
Holstentor

Lübeck ist wirklich eine Reise wert. Viele schöne Backstein-Häuser auf kleiner Fläche. Schöne Wege, mit hübschen Aussichten.
Luebeck-

Eine Stadt, die Lust macht einen Nachmittag durch sie herumzubummeln, um dann am Abend in der Schiffergesellschaft zu enden. An wild gebogenen, jahrhundertealten Tischen unter ebenso alten Fachwerkkonstruktionen. Genau der richtige Ort für Leute, die keine Ledersessel oder anderen neumodischen Schnickschnack mögen. Mit einem Service, der atemberaubend gut ist und wirklich leckerem Essen. (Tipp: Da sollten die vom Früh in Köln mal ihre nächste Fortbildung durchführen.)
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Berufskrankheitsbedingt konnte ich es mir vorher nicht verkneifen, auch mal Blicke in die Museen der Stadt zu werfen.

Erster Blick: Buddenbrookhaus

Das muss man ja gesehen haben, wenn man meint, zum Bildungsbürgertum zu gehören. Wie ich ja irgendwie auch.

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Was soll ich sagen? Zunächst einmal: Dieses Haus ist natürlich kein Museum. Behauptet es ja auch nicht. Dieses Haus ist hauptsächlich ein Ort für Menschen, die lieber lesen als leben. Ein Ort, an dem man sich dauernd fragt, warum sie aus den dort präsentierten, wirklich interessanten Texten, kein Buch gemacht haben. Eines, das man mit Vergnügen vor dem Kamin lesen könnte. Das wäre sehr viel angenehmer, als stundenlang eine Texttafel nach der anderen abzuwandern.

buddenbrookhaus

Da ist diese Hörstation auch nur ein schwacher Trost.

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Immerhin gibt es wenigstens einen Feuerlöscher im Hintergrund. (Verstehen nur die, die mich kennen)

Sorry, nicht einmal der plumpe Versuch, diesem Haus der Bleiwüsten mittels Inszenierung etwas Leben einzuhauchen, hat mich überzeugt.

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Womöglich gefällt das Buddenbrookhaus unbedarften Germanistikstudenten und Touristen. Ich fand es einfach nur gruselig doof. Wie gesagt: Ein Buch mit den wirklich guten Ausstellungstexten hätte mir besser gefallen.
[Mal gucken, wer der Ausstellungsgestalter war.]

Zweiter Blick: Holstentor

Heilandsack: Das soll die Stadtgeschichte von Lübeck sein? Kaum zu glauben.
Ein wirklich tolles Stadtmodell
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Ein paar Schiffsmodelle
luebeck-schiffsmodelle-P1030282
Ein Keuschheitsgürtel
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Und noch ein bisschen anderer billiger Schnickschnack, den Touristen mögen. In einer Hansestadt, die zum Weltkulturerbe gehört? Erbärmlich und sehr enttäuschend.

Immerhin: 2015 oder 2016, also wahrscheinlich eher 2017 wollen sie in Lübeck ein Europäisches Hansemuseum eröffnen. Womöglich das erste echte Museum in Lübeck.
Das wäre doch mal was!

Doch eigentlich würde ich mir dort eher ein echtes Stadtmuseum wünschen: Eines, das die ganze Geschichte der Stadt thematisiert. Vom Mammut über die Kaufleute bis heute. So ähnlich oder genau so! Doch so wie sie aussieht, passt die Museumszene der Hansestadt Lübeck ganz und gar nicht zu ihrem Image.

Egal: Die Stadt kann ja nix dafür, dass ihr Stadtrat doof ist. Sie ist allemal eine Reise wert.

Futterkiste

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Kommentare

Danke für die Schneckenpost!...
Danke für die Schneckenpost! Antwort gibt es dann,...
maskodok - 2014-11-23 13:26
Danke für die Schneckenpost!...
Danke für die Schneckenpost! Antwort gibt es dann,...
maskodok - 2014-11-23 13:21
Wo sind Sie untergekommen...
Wo sind Sie untergekommen in Wien, an welchem Theater? Und:...
maskodok - 2014-11-23 13:21
Toller Artikel!
Hallo Herr Borchert, ich fand den Artikel sehr interessant. Herzlichen...
Perfectrix - 2014-11-20 09:37
Einladung an Nina
Danke Dir für die netten Worte. So wie ich Dir...
Joern Borchert - 2014-06-20 23:47

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