Mittwoch, 14. Mai 2008

id3d denkt auch an Kinder

Schön, dass es immer mehr Ausstellungsgestalter gibt, die auch an Kinder denken. Was id3d da tut, können Sie hier lesen.

Dienstag, 13. Mai 2008

Zur Lage der Museen: Laute Rufe im düsteren Wald

Der Deutsche Museumsbund hat einen modernen Präsidenten, dem mehr einfällt, als den Mond anzuheulen. Prima. Deshalb verbreitet er am laufenden Band positive Nachrichten zur Lage der Museen. Warum auch nicht? Wer etwas verkaufen will, der sollte die positiven Seiten seines Produktes besonders hervorheben. Die wenig informierten Feuilletonisten lassen sich gerne vor seinen Karren spannen. Etwa Eckhard Fuhr von der WELT oder Chris Melzer vom Bonner GA.

Doch Michael Eissenhauer gelingt es nicht, seine These, dass Museen zur Zeit gerade einen ungeahnten Boom erleben, mit Beispielen aus der Szene der "echten" Museen belegen zu können. Also mit Zahlen aus den Museen für Kunst, Kultur, Stadtgeschichte, Volkskunde, Technikgeschichte und zu anderen kulturgeschichtlichen Themen. Stattdessen wird der Freizeit(!)forscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelheim zitiert: "Wir erleben eine wirkliche Renaissance der Bildung. Immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder optimal mit Bildung zu versorgen und begreifen, dass das die Schlüsselressource der Zukunft sein wird. Die Museen haben bei diesem Wissenstransfer außerhalb der Schule die entscheidende Rolle." Klingt gut. Stimmt auch.

Aber nur zum Teil. Denn der Besucherboom, der hier heraufbeschworen wird, ist einigen wenigen spektakulären Blockbuster-Ausstellungen, die kaum (!) von Kindern, aber umso mehr Rentnern besucht werden und der immer größer werdenden Zahl von Science Centern zu verdanken. So wundert es kaum, dass in den oben genannten Artikeln das Gießener Mathematikum als schlagkräftiger Beweis für Eissenhauers These angeführt wird. Das Mathematikum in Gießen ist ohne Zweifel eine der innovativsten außerschulischen Lernorte der Bundesrepublik. Sein Initiator, der ebenso charismatische wie publikumsorientierte Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher, hat gezeigt, wie man eine solche Bildungseinrichtung auf den Weg bringt und auch in den Jahren nach der Eröffnung erfolgreich betreibt. Schlicht und einfach: mit Familientauglichkeit. Und er tut das so gut, dass das Haus nun sogar noch erweitert werden soll.

Doch obwohl Beutelspacher sein Haus "Mitmachmuseum" nennt, ist es ganz und gar kein Museum. Denn es hat keine historische Sammlung, die in der Ausstellung zum Tragen kommt. Es ist ein tolles Science Center, dessen Besuch auch mit Kindern Freude bringt, weil sie dort nicht von Aufsehern zurück gepfiffen werden. Ein Spielplatz, der Bildung verspricht. Nicht mehr und nicht weniger. In jedem Fall ist es kein Museum.

Und so kann das Mathematikum keine Einrichtung sein, die belegt, dass Museen boomen. Im Gegenteil, es macht deutlich, wo die Defizite der bundesdeutschen Museen liegen. Beispielsweise in der Besucherorientierung und im Marketing. Denn während Beutelspachers Science Center sich stetig wachsenden Zuspruchs erfreut, schmieren Museen, die etwa der Alten Kunst gewidmet sind, zur Zeit recht gnadenlos ab. So muss man zu der Annahme gelangen, dass es vor allem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Themen sind, die ein anwachsendes Interesse zu verzeichnen haben. Die Museen, die dem alten Bildungskanon gewidmet sind, haben es nun umso schwerer, noch Besucher auf ihre Parkplätze zu locken.

Ein Blick nach München macht deutlich, wovon ich rede. Wer als Tourist die Landeshauptstadt München besucht, der tut das sicher nicht nur wegen des Bieres und der Schweinshaxen, sondern nicht zuletzt auch wegen der Museen. Einige der bedeutendsten deutschen Museen befinden sich in München. Die Stadt München ist aber auch vorbildlich, was die Publizierung von statistischen Daten im Internet angeht. Bei M-Statistik finden auch Museale einige Daten, die in diesem Zusammenhang für sie interessant sind: Die Besucherzahlen der wichtigsten Museen Münchens von 2000-2007 zum Beispiel. Von einem Boom ist da nichts zu sehen.

[auf die Bilder klicken!]

Die Pinakothek der Moderne:
Pinakothek der Moderne München 2003 bis 2007
Die Alte Pinkothek:
Alte Pinakothek statistik 2000-2007
Die Neue Pinakothek:
Statistik Neue Pinakothek
Das Bayerische Nationalmuseum:
Bayerisches Nationalmuseum Statistik München
Das Münchener Stadtmuseum:
Münchener Stadtmuseum 2000ff
Das Deutsche Museum:
Deutsches Museum München Statistik

Diese Graphiken zeichnen ein eher düsteres Bild. Denn keines der Museen partizipiert an dem propagierten Museumsboom. Ist München eine Ausnahme? Geht es den Museen in den anderen Großstädten Deutschlands sehr viel besser? Das glaube ich nicht.
Es gibt also noch viel zu tun, bis das eintritt, was Herr Eissenhauer heute schon verkündet. Schöne Worte reichen nicht, um die Lage zu verbessern. Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel. In den Köpfen derjenigen, die für die Museen verantwortlich sind und in der Kulturpolitik!

Diese Ansicht bestätigt übrigens auch eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little, über die nicht nur in der WELT etwas zu lesen ist.

Montag, 12. Mai 2008

Andere Museen in Paris

The Erannt Aesthete meint, dass diese Museen interessanter seien als der Louvre:

Musee Dupuytren, Musees d’Anatomie Delmas-Orfila-Rouviere, Museum of Magic and Curiosity, Museum of the Hunt and Nature, Museum of the Counterfeit, Fragonard Museum and Museum of Mechanical Mechanisms. [via link]

e-conservation. Ein Online-magazin für Restauratoren

Alle die, die in oder in der Nähe von Museen an restauratorischen Fragestellungen interessiert sind, werden sich darüber freuen, dass es online ein Magazin für Sie gibt. Ende April kam die vierte Ausgabe auf den Markt/ins Netz. Interessierte klicken auf's Bild.

e-conservation 
<br />
für Restauratoren

Sonntag, 11. Mai 2008

Wie hört sich Köln an?

Das erfahren sie hier.

Was das soll, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Es sei denn, sie befinden sich gerade auf einer Insel fernab von Köln. Oder so.

Samstag, 10. Mai 2008

Und nun: das Klima

"LONDON (Reuters) - A new study suggesting a possible lull in manmade global warming has raised fears of a reduced urgency to battle climate change..."

Tja, das wäre wirklich eine Katastrophe, wenn der Klimawandel ausfallen würde. Leere Zeitungen, arbeitslose Wissenschaftler und der Religionsersatz fiele auch weg. Keine Angst! Er verzögert sich nur. Das ist sicher. Denn das Klima hat sich schon immer verändert.

Den ganzen Beitrag, aus dem obiges Zitat stammt, lesen Sie bei Reuters.

Dazu passen die Worte von Dirk Maxeiner gut.
Stefan Rahmstorf sollte man dazu aber auch lesen.

Figuration narrative im Grand Palais

Claire Maingon besuchte am 7. Mai die Ausstellung "Figuration narrative. Paris 1960-1972" im Grand Palais/Paris und war davon sehr angetan. Kann ich nachvollziehen.

Was die Figuration narrative ist und bedeutet, beantwortet Ihnen der Kurator der Ausstellung, Jean-Paul Amline:
”Viele Künstler sagen sich: 'Die Malerei muss genauso viel über die Welt aussagen wie der Film, die Fotografie oder ein Plakat. Die Malerei soll genauso wirken wie die anderen Medien'.
Die narrative Figuration entsteht 1964: Zwei junge Maler, Bernard Rancillac und André Télémaque, trommeln mit Hilfe eines Kunstkritikers über dreißig Künstler für eine Ausstellung zusammen. Ihr Titel: "Alltagsmythen". Ihr Ziel: die abstrakte Malerei von ihrem Thron holen. Und so entstand eine neue Bewegung."

Wenn Sie mehr über diese Kunstrichtung und die Ausstellung wissen wollen, dann finden Sie fast alles HIER.

Die Ausstellung endet am 13.07.2008.

Die Franzosen werfen in der Nacht gerne Bilder...

... auf Fassaden. Besonders gerne auf die von Kathedralen. Gigantisch große Bilder, untermalt mit Tönen und Texten. Zur Förderung der Begeisterung für das nationale, kulturelle Erbe. Im Kanon des Kulturschaffens läuft das unter der Rubrik " Son et lumière". Meist finden diese Veranstaltungen in der Provinz statt. Dort, wohin sonst nur wenige Touristen kommen. Deshalb werden sie veranstaltet. Um Touristen dorthin zu ziehen, wo sie sonst nicht hinfahren würden. Da Frankreich nicht - wie die BRD - föderal organisiert ist, kann man dort die Touristenströme kanalisieren. Zum Beispiel durch Veranstaltungen à la "Son et lumiére".

Wenn dieses Bilderwerfen gut gemacht ist, dann sind diese Projektionen in ihrer Poesie wirklich atemberaubend und können sicher mehr Menschen für die Kultur interessieren, als es jemals eine museale Ausstellung schaffen könnte.

Zu den Highlights dieses Typs von Veranstaltungen dürfte in diesem Jahr das "Bestiaire" in Le Mans zählen. Entwickelt in Zusammenarbeit mit Michel Serres von der Académie française. Die Bilder, die projiziert werden, stammen unter anderem von Vittore Carpaccio. Dazu gibt es musikalische Beiträge des Chors der Kathedrale und anderer.

Ich glaube, dass die Veranstalter nicht zu viel sagen, wenn sie ein Erlebnis für die Augen, die Ohren und nicht zuletzt für das Herz versprechen. Und bin deshalb etwas traurig, dass ich morgen nicht in Le Mans sein kann.


Wer ungeduldig oder neugierig ist, kann sich hier schon einmal musikalisch einstimmen lassen:


Daten: 11. Mai 2008, 22:00h, Place des jacobins, Le Mans.

Im Blog zu dieser Veranstaltung gibt es weitere Informationen. Klick HIER.


Mehr hier.

[Aufmerksam gemacht durch Patrimoine en blog]

Freitag, 9. Mai 2008

Laser Tagging nun auch in N.Y.

Und zwar passierte das an und auf der Brooklyn Bridge.

Dark Tourism: Gruseln als touristisches Ziel

Dark Tourism. Können Sie sich etwas darunter vorstellen? Ich jetzt schon, denn eben gerade bin ich über eine Seite mit dem Namen "Dark Tourism Forum" gestolpert, von der ich zuerst annahm, sie sei nicht ganz ernst gemeint. Bei näherem Hinschauen bemerkte ich, dass es sich um eine Website der University of Central Lancashire handelt und sie deshalb wohl durchaus als seriös einzustufen ist.

Grusel-Tourismus

Es geht also um KZs, Friedhöfe, Schlachtfelder, Orte der Sklaven, Gefängnisse etc., die nicht nur Orte der Aufklärung über vergangene Verbrechen und zurückliegendes Leid sind, sondern eben auch touristische Ziele. Ziele, die vermarktet werden.

Auf der Website finden Sie ein breites Spektrum von Informationen, Materialien und eine unüberschaubare Fülle von Links zum Thema sowie einschlägiger Literatur. Für Tourismus-Unternehmen dürfte interessant sein, dass sie dort auch professionelle Unterstützung zu den behandelten Grusel-Touren bekommen können. Nicht dumm.

Der Pragmatismus englischer Wissenschaftler begeistert mich immer wieder. Unbedingt ansehen!

Wenn Sie zum Dark Tourism-Forum gelangen wollen, dann klicken Sie HIER.

Donnerstag, 8. Mai 2008

und noch'n Zitat: eines für die, denen es nicht schnell genug gehen kann...

“No parallel to microwaves has yet been discovered for learning. Ideas still need to ‘percolate,’ ‘simmer,’ or ‘stew’ if they are to end up more than ‘half-baked.’” George E. Hein

[gefunden in der Magisterarbeit von Sandra Bergseid Ben-Haim]

Mittwoch, 7. Mai 2008

Der Deutsche Museumsbund tagte, kaum einer hat es mitbekommen und sein Präsident hat Wissenslücken

"Museen in der Informationsgesellschaft". So der Titel der gerade beendeten Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes.
" Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Michael Eissenhauer, sieht Chancen für die Museen im Zeitalter der Informationsgesellschaft." lasen wir bei m&c dieser Tage.

Eine dieser Chancen wurden verpasst. Nämlich die Informationsgesellschaft auf die Tagung aufmerksam zu machen. Keine nennenswerten Artikel in den klassischen Medien, keine Website zur Tagung, kein Blog. Videostreams o.ä. sowieso nicht. Nix. Null. Schade. Eine wahrhaftig museale Tagung.

Was allerdings schwer verständlich ist, weil Eissenhauer sich durchaus bewusst ist, dass es das WWW gibt und deshalb auch darauf hingewiesen hat, dass deutsche Museen im Internet präsent sind und die Sammlungen der Museen mehr und mehr auch online verfügbar gemacht werden sollen. "«Für uns ist es eine Riesenchance, näher an das Publikum heranzukommen», sagte er."

Und weiter:

"Dass die Museen leer bleiben, wenn alles im Internet zu finden ist, glaubt Eissenhauer nicht. In den vergangenen 30 bis 50 Jahren seien die Besucherzahlen in den Museen «irrsinnig gestiegen», erklärte er."

Sorry, Mr. President. Da irren sie gewaltig. Die Zahl der Besucher in deutschen Museen ist im Zeitraum 1990 bis 2005 konstant geblieben. 100 Millionen. 1990 wie 2005. Und das, obwohl in diesem Zeitraum die Zahl der Museen von etwa 4.000 auf etwas mehr als 6.000 angewachsen ist. Nachzulesen im Enquetebericht "Kultur in Deutschland".

Diese Zahlen dokumentieren eindrucksvoll, wie öffentliche Mittel verschleudert werden. Jedes neue Museum zieht den bestehenden Museen Besucher ab. Deshalb scheint es dringend geboten, über neue Museumsprojekte und die Verteilung der Mittel, die Kulturpolitik des Bundes, der Länder und der Kommunen nachzudenken. Was können wir tun, um Steuergelder effektiver einzusetzen? Was meinen Sie, Herr Eissenhauer?

Bankkunden haben freien Eintritt

...an jedem ersten Wochenende eines Monats in über 70 Museen der USA und wenn Sie Kunden der Bank of America sind. Denn die betreibt das Programm "Museums on Us".

Werbung der Bank of America
<br />
Gratiseintritt in Museen

Vielleicht eine Anregung für die Marketingabteilungen deutscher Banken und Museen, so denn letztere so eine Abteilung überhaupt haben?

[gefunden im
Art News Blog]

Dienstag, 6. Mai 2008

Interaktivität in Kunstmuseen?

Sandra Ben-Haim, Curator of Education at the Plains Art Museum/ Fargo ND hat sich zur Interaktivität in Kunstmuseen ein paar Gedanken gemacht und diese 2006 in ihrer Magisterarbeit verewigt.

In der Tat: kaum ein Museumstyp öffnet sich zeitgemäßen Formen der Informationsvermittlung so langsam, wie die Kunstmuseen. Da ist sehr viel mehr zu tun, als Führungen oder Workshops anzubieten, um die Besuchszahlen wenigstens auf dem Niveau zu halten, auf dem sie sind.

[gefunden bei Museum-Ed]

Frankreich: Preis für familienfreundliche Museen

Die Kulturministerin und die für Familienangelegenheiten zuständige Staatssekretärin haben einen mit 20.000 Euro dotierten Preis ausgelobt, der an das familienfreundlichste Museum Frankreichs vergeben werden soll.

Gibt es so einen Preis eigentlich auch in Deutschland?

Quelle: Ministère de la culture

[via: Patrimoine en blog]

Zitat für Kulturschaffende

Um eine Kultur zu schaffen, genügt es nicht, mit dem Lineal auf die Finger zu klopfen. - Albert Camus

Kulturelle Welten

Dies und das aus der Welt der Kulturvermittlung: etwas über Museen und Ausstellungen, Lichter in der Nacht und was Jörn Borchert sonst noch so ge-, miss- und auffällt. Ein Klick auf den Header bringt Sie zu den neuesten Meldungen. Eine mail an museologie[at]gmx[Punkt]de direkt zu mir.

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